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Oberſteuerintendanten Meville in Straßburg. Er iſt Papiſt, aber ein braver Mann. Er wird Ihnen auf meine Bitte einen Platz in ſeinem Bureau anweiſen. Damit Sie aber anſtändig vor ihm er⸗ ſcheinen können, ſo nebmen Sie dieſe kleine Summe.“ Er überreichte ihm eine verſiegelte Rolle. Karl wollte ſich in Worten des Dankes ergießen; der Cavalier aber unterbrach ihn mit den Worten:„Fürch⸗ ten Sie Gott! Hüten Sie ſich vor Blut! Das, was Sie vergoſſen, wäſcht nichts, auch die Rettung meines Lebens nicht ab, nur das Blut Jeſu Chriſti vermag Sie reinzuwaſchen. Er ſei mit Ihnen!“
Und damit ſetzte er ſein Pferd in Gang und ritt in das Wei⸗ dengebüſch hinein, das die Ufer des Stromes umſäumte.
Karl ſtand und ſchaute ihm nach. Ob er glücklich den deutſchen Boden erreichte, das mußte er wiſſen; eher konnte er die Stelle nicht verlaſſen. So ſchlich er denn vorwärts durch das Weidengebüſch, bis daſſelbe ſich öffnete. Wenige hundert Schritte vor ſich ſah er den Rhein ſtrömen. Ein Dörfchen lag zur Linken, vor dem Dörfchen, hart am Ufer, ein Zoll⸗ und Wachthaus, von Dragonern um⸗ ſchwirrt. Der Marquis hielt; ein Paar Dragoner kniffen dem Jockei in die Wangen, während der Marquis ſeinen Paß entfaltete. Ein Beamter trug ihn in das Wachthaus. Die Paar Minuten, die es dauerte, bis er wiederkam, dünkten Karl eine Ewigkeit. Aber er kam wieder. Es war alles in Ordnung. Roß und Reiter und Jockei verſchwanden hinter dem hohen Uferrand. Nach einer Viertel⸗ ſtunde war das jenſeitige Ufer erreicht; Roß und Page betraten den deutſchen Boden. Gottlob! ſie waren gerettet.
Karl kehrte durchs Weidengebüſch zurück und öffnete behutſam das eine Ende der Rolle. Es war Gold, was ihm daraus entgegen⸗ blitzte. Sorgfältig ſteckte er ſie zu ſich und ſo unverzagt er bisher die wildeſten Wälder durchſchweift hatte, ſo ängſtlich blickte er jetzt bei jedem kleinen Gehölz um ſich, ob auch kein Räuber darin laure. Gegen Abend erreichte er Straßburg. In einem anſtändigen Gaſt⸗ hof kehrte er ein; dann kaufte er ſich Wäſche und Kleider; am andern Vormittag ließ er bei Herrn v. Meville ſich melden und Tags darauf ſtand der Untercontrolleur Kaltſchmidt bereits am frühen Morgen vor ſeinem Pult im Steuerbüreau.
Er erwies ſich ſehr brauchbar, und bereits in einem Jahre war er zum wirklichen Controlleur aufgerückt. Es war gerade damals ein großer Mangel an Finanzbeamten in Frankreich. Unter Maza⸗ rins Miniſterium war ein deutſcher Proteſtant, Bartholomäus Her⸗ bart, Chef des Finanzweſens geworden und hatte den bereits damals von allen andern Stellen und Aemtern ausgeſchloſſenen Reformirten in dieſem Zweige der Verwaltung eine Laufbahn eröffnet, ſo daß bis um 1680 faſt alle Stellen im Steuer⸗ und Finanzweſen mit Reformir⸗ ten beſetzt waren. Daß dies nicht zum Schaden des Staates geſchah, beweiſt ſchon der eine Umſtand, daß Moliere, Lafontaine und Boileau, während ſie über alle andern Stände und Aemter die Geißel ihrer Satire ſchwangen, nur an den Finanzbeamten nichts zu geißeln fan⸗ den. Colbert und Fouquet wollten keine anderen als reformirte Finanzbeamte, weil dieſe von erprobter anerkannter Redlichkeit waren, unbekannt mit dem Lehrſatz des Jeſuiten Bauny,„daß man zu dem guten Zweck, ſeine eigene Lage zu verbeſſern, ſeinen Vorge⸗ ſetzten etwas veruntreuen dürfe.“ Jetzt aber, ſeit 1680, waren die Reformirten auch von den Finanzämtern fortgejagt worden und ſo war hier ein wahrer Nothſtand, ein ſchreiender Mangel an brauch⸗ baren Subjekten eingetreten. So begreift ſich Karl Kaltſchmidts raſches Vorrücken. Auch er war zwar Proteſtant, aber Lutheraner; und den Lutheranern des Elſaſſes war, als dieſe Provinz an Frank⸗ reich abgetreten wurde, durch die feierlichſten Staatsverträge die Ge⸗ wiſſensfreiheit und der Beſtand ihres Kirchenweſens garantirt wor⸗ den, ſo daß Ludwig XIV wenigſtens nicht mit brutaler Gewalt daran zu rühren wagte.
Karl führte ein ruhiges, ein angenehmes Leben. In der ſtil⸗ len Bureauthätigkeit fand ſein heftiges Temperament keine Gelegen⸗ heit ſich zu äͤußern. Uebrigens fehlte es ihm auch nicht an Erholung; er hatte Zutritt in mehreren geachteten Familien und man wunderte ſich, nachdem er einmal zwei, drei, vier Jahre ſo fortgelebt hatte, nur über das Eine, daß ein ſo hübſcher junger Mann mit einer ſo einträglichen Stelle gar nicht daran denke, einen eigenen Herd zu gründen. Waren doch im Hauſe des Dr. Sturm drei liebliche Töch⸗ ter; war doch Emilie Walch ein reizendes Mädchen; keine von ihnen allen würde ſeine Hand ausgeſchlagen haben. Er aber blieb ihnen allen gegenüber kalt wie Eis. Man legte es ihm in einzel⸗
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nen Familien nahe, daß er zwiſchen den Töchtern des Hauſes nur zu wählen habe; er zog ſich zurück. Herr v. Meville, der ihm von Herzen wohlwollte, nahm ihn einſt förmlich bei Seite in ſein Cabi⸗ net und ermahnte ihn allen Ernſtes, es ſei jetzt Zeit für ihn, ein Hausweſen zu begründen.„Jetzt ſind Sie ein junger Mann in der Blüthe der Jahre, den ein Mädchen aus Liebe nimmt. Verpaſſen Sie die rechte Zeit, ſo werden Sie zwar noch Damen finden, die Sie um Ihres Geldbeutels willen nehmen, aber glauben Sie denn, daß daraus eine glückliche Ehe entſteht?“
Karl ſenkte das Haupt und ſchwieg.„Was haben Sie? Her⸗ aus mit der Sprache!“ rief Meville.
„Herr Intendant!“ ſprach Karl unter Thränen,„ich bin nicht
der, für den Sie mich halten. Ich heiße nicht Kaltſchmidt. Mein Vater iſt ein deutſcher Baron. Ich aber bin ein Geächteter. In
meinem Jähzorn habe ich in einem Ehrenhandel das Schwert gezo⸗ gen; das Blut eines Jünglings iſt durch meine Hand vergoſſen.“
„Im Zweikampfe? in einem Ehrenhandel?“ ſagte Meville.„Das iſt ungeſetzlich, aber es entehrt Sie nicht.“
„Vor Menſchen nicht. Aber vor Gottes allſehendem Auge iſt und bleibt dieſe Hand mit Blut befleckt. Es laſtet ein Fluch auf mir. Ich müßte mich verachten, wenn ich ein unſchuldiges Weſen, das mir vertraut, in meinen Fluch mit hineinriſſe.“
Der Intendant drang von da an nicht weiter in ihn. Wieder vergingen einige Jahre; Karl war zum Obercontrolleur aufgerückt. Inzwiſchen hatte Meville doch weiter über die Sache nachgedacht. „Glauben denn die Proteſtanten,“ ſo fragte er einſt bei einem Glaſe Wein ſeinen Freund, den alten Domkaplan P.,„glauben denn die Proteſtanten nicht an die Rechtfertigung aus dem Glauben?“— „Ei ſreilich,“ antwortete der alte Herr,„das iſt ja der Hauptſpan zwiſchen uns und ihnen.“„Nun, dann muß mein guter Kaltſchmidt kein rechter Proteſtant ſein. Er will nicht heirathen, weil er einmal ein unglückliches Duell gehabt. Wenn er ein rechter Proteſtant wäre, müßte er längſt der Vergebung dieſer Sündegewiß ſein.“—, Ja das iſt's eben,“ erwiderte der Domkaplan,„ſie ſagen, ſie glauben an die Ver⸗ gebung und glauben doch nicht recht daran. Wie kann das auch anders ſein? Eine rechte Gewißheit der Vergebung gibt doch nur das Wort des Prieſters: Absolvo te. Da hat's dann der Menſch gleichſam Schwarz auf Weiß und kann ſich daran halten.“
Ganz arglos hatte Meville dem alten Domkaplan dieſe Mit⸗ theilung gemacht. Er kannte den milden Sinn des alten Herrn und wußte, daß derſelbe weder ein Zelot war noch auf Proſelytenjagd ausging. Der alte Herr ſeinerſeits dachte auch an nichts weniger als daran, dem braven Obercontrolleur Ungelegenheiten zu bereiten, ſondern ſeine wohlgemeinte Abſicht war nur, ihn von ſeiner Ge⸗ wiſſensunruhe zu befreien und ihm zum Heirathen Luſt zu machen, als er einem jüngeren Kleriker, der als ein feiner Dialektiker und Caſuiſt berühmt war und der mit Kaltſchmidt zuweilen in einer Abendgeſellſchaft zuſammentraf, die Frage vorlegte, ob er den jungen Mann denn nicht über jenen Scrupel zu beruhigen vermöge. Der Kleriker aber, der im Punkt der Confeſſion viel ſtrenger dachte, faßte die Sache anders auf und machte ſeinen Freund, dem Jeſuiten Manſuetus, die Mittheilung, daß das Schäflein Karl Kaltſchmidt mit leichter Mühe zur Mutter Kirche zurückgeführt werden könne, wenn man ihm über jenen Punkt eine Gewiſſensberuhigung in Ausſicht ſtelle.
Mit großer Geſchicklichkeit wußte Manſuetus ſich Karl allmäh⸗ lich zu nähern. Niemals ſprach er auch nur eine Silbe mit ihm über kirchliche Dinge, oder höchſtens drückte er ihm ſein lebhaftes Bedauern aus über den ſo völlig verkehrten Weg der Gewalt und der Verfolgung, welchen der König gegen ſeine reformirten Untertha⸗ nen eingeſchlagen habe. Karl freute ſich des Umgangs mit dieſem feingebildeten Mann. Eines Tages, es war im Winter 1688— 89, brachte Manſuetus ganz von ungefähr das Geſpräch auf den Zweikampf. Ein Duell, das einige Tage zuvor zwiſchen zwei Officieren ſtattge⸗ funden hatte, wobei der eine einen lahmen Arm davongetragen, gab die erwünſchte Veranlaſſung. Der Sieger war ganz gegen die ſonſtige Gewohnheit und wahrſcheinlich nur in Folge der Ränke eines ihm ver⸗ feindeten Juſtizbeamten nach der Strenge des Geſetzes beſtraft worden. Manſuetus tadelte dieſe Strenge.„Man hat ihm ſein Officiers⸗ patent entzogen; das ſollte nicht ſein. Freilich müſſen die Geſetze das Duell verpönen; dies iſt nothwendig als eine heilſame Schranke, damit nicht Jedermann bei jedem Anlaß ſofort zum Schwerte greife und ein Krieg aller gegen alle entſtehe. Aber unentbehrlich bleibt


