lekt ſprechen.“„ Et vous, vous parlez?“ ſagte der Cavalier, und ſchon war Karl im Begriff, eine Probe ſeiner Kunſt zu geben, als der Kellner, ein Licht in der Hand, aus dem Zimmer trat, deſſen heller Schein auf Karl ſiel. Der Marquis erkannte in ihm den abenteuer⸗ lichen, verdächtigen Fremden wieder und ſagte mit mißvergnügter Miene„Ick nik brauken Dolmetſch!“ Damit drehte er ſich um, trat ins Zimmer zurück und ſchloß die Thür.
Adieu nun, Freundſchaft und Bruderbund! Still und niederge⸗ ſchlagen ſchlich Karl ſich wieder auf die Straße und ging zum Straß⸗ burger Thore hinaus. Dicht vor dem Thore hatte er eine ärmliche Schenke bemerkt; dorthin wandte er ſeine Schritte. Er nannte ſein Begehren; zwei unheimlich ausſehende Menſchen, die außer der Wir⸗ thin in der Stube waren, maßen ihn mit lauernden Blicken von Kopf bis zu den Füßen. Der eine trat zu ihm und bot ihm ein Glas Liqueur an. Er dankte, er trinke nie Branntwein. Dieſe Antwort, ſowie das reine, gar nicht elſäſſiſch klingende Deutſch, in dem ſie gegeben wurde, vermehrte den Verdacht, den die beiden Menſchen gefaßt hatten. Sie blinzten einander zu, und redeten nun Karl franzöſiſch an. Sie fragten ihn, ob er von Paris komme; er antwortete: nein, er komme „Dellambihr“(de Pempire) und ſei„ressolu“,(résolu) nach Straß⸗ burg zu gehen, wo er einen Dienſt ſuchen wolle. Sie plauderten noch einiges mit ihm, und ſeine beſtändige Verwechslung des d und t, des b und p, überzeugte ſie, daß ſie es mit einer béte allemande und nicht, wie ſie vermuthet hatten, mit einem flüchtigen Hugenotten zu thun hatten.
Ein Bretterverſchlag vor einer Bodenkammer ward ihm gegen Vorausbezahlung von einigen Sous zur Lagerſtelle angewieſen. Auf dem elenden Stroh floh ihn der Schlaf, der draußen im freien Wald ihn ſtets bald und feſt umfangen hatte. Endlich ſchlummerte er ein, ward jedoch nach wenigen Augenblicken wieder geweckt durch die bei⸗ den Menſchen, die, vom Branntwein erhitzt, in die anſtoßende Dach⸗ kammer polterten, und hier noch eine Zeitlang ihr Zwiegeſpräch fort⸗ ſetzten.
„s iſt ein Parpaillot,“ ſagte der eine,„hol mich der Henker! Ich hab ihn genau betrachtet, wie er in die Stadt hereinritt mit ſei⸗ nem grünen Jockei. Ich kenn ihn. Es iſt der Steuercontrolleur de Perilles aus Chalons. Möchte, wie ein Graf, zum Land hinausrei⸗ ten. Aber das ſoll der Huſt wohl bleiben laſſen.“
Karl ſpitzte die Ohren. Er wußte nicht, was die Ausdrücke Parpaillot und Huſt bedeuteten; er wußte nur, daß es ſich um den Cavalier mit dem Pagen handelte.
„Sollen wir ſie nicht gleich hier feſtnehmen?“ fragte der andre.
.„Nein,“ ſagte jener;„in dem verdammten Elſaß muß man auf der Hut ſein. Brumut ſteckt voll von lutheriſchen Ketzern. Wenn wir hier etwas unternehmen, riskiren wir, daß der Pöbel zuſammen⸗ läuft, und daß ſie uns entkommen.“
Karl erinnerte ſich jetzt, gehöͤrt zu haben, daß der König von Frankreich ſeine reformirten Unterthanen auf alle Weiſe bedrücke und daß viele derſelben heimlich das Land verließen.
.„Ob ſie aber bis nach Straßburg ſich wagen? Ob ſie nicht vor⸗ her irgendwo über den Rhein zu ſetzen ſuchen?“
„Vor Reichsſtett können ſie nicht wohl an den Rhein gelangen. Dort bei Reichsſtett iſt ein Wäldchen; das kennſt Du; dort lauern wir ihnen auf.“
„Machen wir jetzt, daß wir einſchlafen. in aller Frühe heraus.“
Es ward ruhig in der Kammer, und bald hörte Karl die beiden Geſellen ſchnarchen. Er aber ſchlief nicht; und als Mitternacht vor⸗ über und alles ſtille war, ſchlich er aus ſeinem Verſchlag, die Treppe hinab; die Hausthür war von innen verriegelt; er ſchob leiſe den Riegel zurück, öffnete ſie, trat hinaus, ſchloß ſie wieder behutſam und kehrte zum Gaſthof zurück. Auf einer ſteinernen Bank vor dem Hauſe ſetzte er ſich nieder, wickelte ſich in ſeinen Mantel und nickte ein, ge⸗ wiß, daß der kühle Luftzug des grauenden Morgens ihn wecken würde.
Er ſchlief feſter, als er erwartet hatte. Ein Pferdegetrampel war's, das ihn weckte. Er blickte durch die Flur in den Hof; noch war es dunkel, beim trüben Schein einer Laterne zäumte der Page den Rappen. Er eilte auf den Pagen zu, aber in demſelben Augen⸗ blick fühlte er ſich an der Schulter gepackt, und wie er den Kopf wandte, ſah er vor ſich das zornglühende Geſicht des Cavaliers, der ihn mit den Worten anherrſchte:„Que voulez-vous-Ja, insolent que vous éêtes!“
„O Monsieur,"flüſterte Karl erſchrocken,„étes-vous parpaillot?“
Wir müſſen morgen
„O mon Dieu!“ ſeufzte der Marquis.
„Sie ſind in Lebensgefahr,“ fuhr Karl im beſten Franzöſiſch, das er zu Stande bringen konnte, fort.„Zwei gottloſe Menſchen haben Sie erkannt als den Steuercontrolleur de Perilles. Im Wald bei Reichsſtett wird Ihnen aufgelauert. O reiten ſie dort nicht hin.“ Der Marquis erkannte an der Ausſprache Karls, daß er kein Franzoſe ſei und drückte ihm freundlich die Hand.
„Ich bin ſelbſt Proteſtant,“ ſagte Karl, um vollends jedes Miß⸗ trauen zu verſcheuchen.
„Es iſt gut. Ich danke Ihnen. einiger Entfernung.“
Er ſtieg aufs Roß, der ſchöne Page führte daſſelbe. Karl folgte. Nochmals kam er ans Roß heran.„Reiten Sie nicht zum Straß⸗ burger Thore hinaus,“ flüſterte er,„dort vor dem Thore haben Ihre Verfolger übernachtet.“
Der Marquis ſchlug eine Straße nach links ein, die ihn durch ein Seitenpförtchen auf Feldwege führte. Karl folgte in einer Ent⸗ fernung von hundert Schritten. Er rief ihn jetzt an ſich heran.
„Sind Sie in der Gegend bekannt?“ fragte der Cavalier.
Karl, zur rechten Seite des Roſſes gehend, während der völlig ſchweigſame Page zur Linken ging, verneinte dieſe Frage und erzählte mit aller Offenherzigkeit, daß er tief im Reiche zu Hauſe, aber wegen eines unglücklichen Zweikampfes flüchtig gegangen ſei.
„Eines Zweikampfes?“ ſagte der Cavalier hoch erſtaunt.„Ein Proteſtant und ein Zweikampf? Aber haben Sie denn keine Dis- cipline ecclésiastique, die den Zweikampf verbietet?“
„Die Geſetze des Landes verbieten ihn freilich,“ ſtotterte Karl. „Und ich bin ſehr unglücklich.“
„Und was wollen Sie nun anfangen?“
„Ich weiß es nicht. Ich will ſehen, ob ich in Straßburg ein Unterkommen finde.“
„Was haben Sie gelernt? Was verſtehen Sie?“
„Ich war entſchloſſen, die Rechte zu ſtudiren und war im Be⸗ griff, die Univerſität zu beziehen.“ —„O mon Dieu!“ ſeufzte der Marquis.„Sie haben noch Uni⸗ verſitäten! Und dies Glück haben Sie verſcherzt! Pauvre garcon!— Sie haben alſo gelehrte Bildung!“
Sie waren in einem Weidengehölz angekommen. Der Marquis hielt das Pferd an, zog, da es immer noch dunkel war, den Wachsſtock heraus, den er ſich geſtern Abend hatte holen laſſen, ſchlug Feuer, zündete ihn an, erſuchte Karl, ihm den Wachsſtock zu halten, und nun entfaltete er auf dem Sattelknopfe des Pferdes eine Specialkarte von dieſem Theile des Elſaß, orientirte ſich genau über die einzuſchlagenden Wege, blies dann den Wachsſtock wieder aus und ritt weiter.
Der Weg war ſchmal; Karl mußte wohl eine Stunde lang hin⸗ ter dem Pferde gehen. Als ſie auf eine breitere Landſtraße kamen, trat er auf der linken Seite des Roſſes vor, in der Hoffnung, mit dem Pagen ein Geſpräch anknüpfen zu können. Aber der Marquis winkte ihm ſogleich wieder, auf die rechte Seite herüberzukommen und ſetzte ſeine Unterhaltung mit ihm fort.
Karl entnahm aus derſelben, daß der Marquis ins Innere von Deutſchland, an den Hof des Markgrafen Chriſtian Ernſt von* 4 zu reiſen beabſichtige.— Nach einer Weile fragte er Karl:„Wie heißen Sie? Wer ſind Ihre Eltern?“
„Ich heiße Kaltſchmidt und bin aus Schwaben,“ war Karls raſche Antwort..
„Dort iſt der Rhein,“ ſagte der Cavalier.„Dieſer falſche Paß, den ich der Güte meines Freundes, des Miniſters Colbert ver⸗ danke, und im ſchlimmſten Fall eine Geldſumme von einigen 1000 Livres ſichern mir dort den Uebergang über die Kreisſtädter Fähre. Wir müſſen Abſchied nehmen. Aber zuvor laſſen Sie mich noch be⸗ weiſen, daß Sie keinem Undankbaren das Leben gerettet haben. Sind Sie mit Geld verſehen?“
Karl ſchwieg verlegen, war jedoch entſchloſſen, eine Geldunter⸗ ſtützung dankbar auzunehmen, die in ſeiner Lage nur ein armſeliger Bettelſtolz hätte ausſchlagen können.
„Warten Sie!“
Er hielt wieder das Pferd an, zog ſeine Brieftaſche hervor, nahm ein Blatt Briefpapier heraus, ſchrieb einige Zeilen mit Bleiſtift, faltete den Brief, adreſſirte ihn, ſiegelte ihn mit einer Oblate, indem er ſeinen Siegelring darauf drückte, und übergab ihn Karl mit den Worten:„Hier iſt ein Empfehlungsſchreiben an meinen Freund, den
Begleiten Sie mich, aber in
Dlerſeeerinke in braber a feinem Brrenn ſcheinen können im eine verſi ergießen:; der ten Sie Gott! riſht ricts, Blut Jeſn Ch Und dam Anngbbüſch hine Karl ſtan Boden erreicht verlaſſen. S daſſelbe ſich b Rhein ſtrömen hart am Ufer ſchwirrt. Der in die Wange Beamter trug dauerte, bis kam wieder. Jockei verſchu ſtunde war de deutſchen Bod Karl k das eine End blitzte. So die wildeſten bei jedem! Gegen Aber hof kehrte andern Vor darauf ſtan⸗ Morgen vor Er ern er zum wirt ein großer rins Miniſte lart, Chefd von allen ar in dieſem 3 um 1680 faſ ten beſetzt w beweiſt ſchon vährend ſie Satire ſchwa den. Colbe Finanzbeamt waren, unbe du dem guten ſebten etwas me mmm baren S 3 raſcheg ubj ſes Von


