Jahrgang 
1865
Seite
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mit 600 Livres. Mußten ſie bei den Gefangenen ſchlafen, ſo warf man ihnen eine Zulage von 20 Sous pr. Tag aus. Der Arzt wohnte im Louvre oder in den Tuilerien. Für die Rechtsſtreitigkeiten der Gefangenen(!) beſtand ein Gericht aus zwei Commiſſarien, welche unter des Polizeilieutenants von Paris beſondere Aufſicht geſtellt waren. Zahlmeiſter und Rechnungsführer iſt ſtets der Major geweſen. Er erhielt vom Generalcontrolleur nach eingereichten Belegen das Geld. Durchſchnittlich beliefen ſich die Koſten für die Baſtille auf 160,600 Livres. jährlich, ohne ſelbſtverſtändlich die Gehalte zu rechnen.

Vor dem Corps de Gardes bei B hält die verſchloſſene, von Dragonern umringte Kutſche. Der Exempt(Gefreite) ſchellt, die Pforte öffnet ſich und vier Poſten treten auf die Schwelle. Nach ge⸗ ſchehener Meldung wird der Gouverneur gerufen. Er kommt an das Thor, prüft die lettre de cachet und heißt den Gefangenen ausſtei⸗ gen. Der Gefreite erhält eine Quittung über die richtige Ablieferung und macht Kehrt. Die Poſten escortiren den Ankömmling bis zur Pforte bei F. Er wird hier von den Soldaten des Corps de Gar- des in Empfang genommen und in Begleitung des Gouverneurs über den erſten Hof in das Quergebäude zu dem Saale K geführt. Hier im Saale des Conseils wird der Gefangene unterſucht. Man nimmt ihm Geld, Kamm, Bürſten, Ringe ꝛc. kurz alles was er bei ſich trägt, ab. Ueber die Sachen wird ein Protocoll aufgenommen und ſie blei⸗ ben bis zur Freilaſſung in dem oben erwähnten Raum deponirt. Die Ordnung der Effecten geſchieht nach der laufenden Nummer. Hierauf wird ihm das Eintrittsbuch vorgelegt. Sieben verſchiedene Rubriken hat der Major auszufüllen: 1. Name und Stand des Gefangenen, 2. Datum und Tag der Ankunft, 3. Name der Staatsſecretäre, welche ſeine Verhaftung befohlen, 4. Tag der Freilaſſung, 5. Namen der Staatsſecretäre, welche dieſelbe verfügt haben, 6. Urſachen der Ver⸗ haftung, 7. Beobachtungen und Bemerkungen. Die Rubrik 6 füllte der Major nach den ihm gewordenen Mittheilungen aus, wie ſie der Polizeilieutenant ihm gab. Rubrik 7 enthielt die Bemerkungen über Character, Leben, Sitte oder auch Ende des Gefangenen. Er unterſchrieb ſeinen Namen, das ihm beſtimmte Zimmer ward bezeich⸗ net und er ſofort dahin abgeführt, drei oder vier ſchwere Thüren öff⸗ neten ſich vor ihm, man ſchob ihn hinein, und mit furchtbarem Getöſe ſchloſſen ſich die Pforten wieder der Gefangene war in dem grauenvollen Kerker begraben. Vielleicht auf ewig. Ein ſchmerz⸗ licher Schrei verhallte in dem öden, matt erleuchteten Raume, nie⸗ mand achtete auf ihn, höchſtens ein Leidensgefährte über oder unter ihm, der das Ohr neugierig an den Boden legte, um dem neuen Jam⸗ mer zu lauſchen, der wenigſtens eine Abwechslung in die entſetzliche Einförmigkeit des Gefängnißlebens brachte. Hatte man überhaupt im Sinne, den rechtmäßigen Gang des Geſetzes gegen den Verhafteten einzuſchlagen, ſo fand ein Verhör durch die Commiſſäre ſtatt. Die Fälle jedoch, in denen ohne alles und jedes Rechtsverfahren die der Baſtille überlieferte Perſon lange Jahre im Kerker ſchmachtete, ſind in wahrhaft erſchreckender Anzahl vorhanden.

Anfangs erhielten die Gefangenen keine Beſchäftigung; kein Buch, kein Schreibmaterial ward ihnen bewilligt. Später erwies man ihnen die Gnade, ſie nicht ganz vor Langeweile verzweifeln zu laſſen. Sie erhielten dann Bücher aus der Bibliothek des Arſenals. Zu Anfang des 18. Jahrhunderts ſtiftete ein in der Baſtille geſtor⸗ bener Gefangener eine dem Gefängniße zugehörige Bibliothek.

Die Speiſung geſchah um 11 Uhr Mittags und um 6 Uhr Abends. Der Küchenzettel drehte ſich fortwährend um folgendes: Sonntags: Suppe, Rindfleiſch, 4 kleine Paſteten, Braten. Mon⸗ tag: daſſelbe, ſtatt der Paſteten, Bohnen oder Linſen. Dienſtag: daſſelbe, ſtatt des Bratens eine Wurſt oder Schweinsfüße oder Cote⸗

Bilder aus dem Heeleben.

lettes. Mittwoch: ſtatt der Paſteten eine Mehlſpeiſe. Donnerſtag: wie Montag. Freitag: einen halben Karpfen, einiges Gemüſe und Eier. Sonnabend: Geflügel, Suppe. Die Zubereitung der Speiſen war durchgehends ſchlecht ja ungeſund. Alle Zuthaten: Butter, Oel, Gewürze ꝛc., befanden ſich häufig in verdorbenem Zuſtande, ebenſo das zuweilen ekelhafte Fleiſch. Der gereichte Wein war dünn, kraft⸗ los, ſauer; die Gemüſe trocken, ſaftlos. In der möglichſt geringen Zahlung bei den Einkäufen für die Baſtille lag der Hauptgewinnſt des Gouverneurs, wie konnten die Eingekerkerten da auf gute Koſt rechnen? Allerdings gab es bevorzugte Gefangene, hohe Perſonen, die mit Empfehlungen oder Beſtimmungen in die Baſtille kamen; für ſie deckte man den Tiſch mit guten Speiſen. 50, 30, 20, 10, 5, 3 Livres, ſo unterſchieden ſich die Klaſſen der Verköſtigung in der Baſtille. Dieſe Preiſe begriffen noch die Ausgaben für Wäſche und Licht in ſich. Jeder Gefangene erhielt täglich 5 Scheit Holz zur Feuerung und heizte ſich ſelbſt ein, auch das Bett machten ſie ſelbſt, wenn ſie nicht einem hohen Stande angehörten. Es währte eine geraume Zeit, bevor die Ge⸗ fangenen im Hofe, auf der Plattform promeniren oder die Meſſe be⸗ ſuchen durften. Wurde ihnen letzteres geſtattet, ſo mußten ſie in einer der fünf Niſchen der Kapelle Platz nehmen. Jeder ſaß allein, ohne von dem andern geſehen zu werden oder ihn zu ſehen. Dieſe Niſchen waren vergittert und mit einem Vorhange verſehen, den man beim Sanctus hinwegzog und nach dem letzten Gebete wieder ſchloß. Uebrigens konnten nur immer 10 Perſonen der Meſſe beiwohnen. Das Seelſorger⸗Amt der Baſtille verſah ein Ober⸗ und ein Unter⸗

kaplan, außerdem ein Beichtvater.

Beſchwerden Berufungen Klagen? dieſe Worte klangen lächerlich in den Mauern der Baſtille. Um jedoch der Form zu ge⸗ nügen, hatte man einen Beſchwerdeweg eröffnet. Der Gefangene konnte ſich an den Polizeilieutenant wenden. Wehe ihm, wenn ſeine Beſchwerde irgendwelche Beachtung fand. Vollſtändig abgeſchloſſen von jeder Hilfe, ganz in die Hände ſeiner Peiniger gegeben, mußte er die Folgen ſchwer empfinden. Verſchlechterung der erbärmlichen Spei⸗ ſen, Entziehung der wenig Minuten langen Spaziergänge, Verſetzung in ein ſchlechtes Zimmer endlich körperliche Züchtigung oder das Cachot, das waren die Antworten auf Bittſchriften. Wer konnte die Gewalthaber innerhalb jener finſtern Mauern zur Rechenſchaft ziehen? wer mochte es thun? hingen doch alle Perſonen, die in Be⸗ ziehung zu dem furchtbaren Kerker ſtanden wie durch unſichtbare Ket⸗ ten an einander, waren doch Gewinnſt oder Verluſt, Geheimniß und Schweigen für alle gleich wichtig und bedeutend. So war der Straf gefangene der Baſtille ein Spielwerk ſeiner Hüter.

Eines der grauſamſten Verfahren war die Behandlung eines Krankheitsfalles. Es dauerte oft ſehr lange, bis der Arzt der Baſtille aufgefunden werden konnte, kam er endlich, ſo fand er den Leidenden häufig in den letzten Zügen liegend, wenn ein gefährliches, ſchnell⸗ wirkendes Uebel das Ende beſchleunigte. Die Geſtorbenen wurden auf dem Friedhofe St. Paul beerdigt. Arzt, Major, Chirurg, Schließer und Lieutenant ſtellten den Todtenſchein aus. Faſt immer gab man in den Kirchenregiſtern falſche Namen der Geſtorbenen an.

Beim Ausgange legte der Gouverneur dem Scheidenden ein Buch vor, in welchem eine Art von Schwurprotokoll, ein Gelöbniß, nichts von dem in der Baſtille Gehörten und Geſehenen zu ſprechen, enthalten war. Ferner ein Dankſchema für die Befreiung; beides unterzeichnete der Freigelaſſene. Die berühmteſten und merkwür⸗ digſten Bücher der Baſtille waren dieCahiers. Sie wurden in einem großen, durch drei Vorlegeſchlöſſer geſicherten Kaſten bewahrt und enthielten die Lebens⸗ d. h. Kerkergeſchichte ſämmtlicher, einſt in der Baſtille geweſenen Gefangenen.

So war das Leben und Treiben in der alten Baſtille.

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Von Corvettencapitän Werner.

IV. Ein Sonnabend an Bord.

Am andern Morgen iſt der Nebel verſchwunden. Die Sonne entſteigt in ſtrahlendem Glanze dem Meere und in der Ferne ſchim⸗ mern die weißen Kreidefelſen der engliſchen Südküſte, die durch die Strahlenbrechung hoch über den Waſſerſpiegel zu ſchweben ſcheint.

4 Der Oſtwind iſt eingeſetzt und derSeeſtern fliegt faſt geräuſchlos durch die kaum bewegten Fluten des engliſchen Kanals.

Der erſte Officier ſieht äußerſt vergnügt aus und der Wieder⸗ ſchein dieſer Stimmung ſpiegelt ſich mit doppelter Reflexion auf dem wettergebräunten Geſichte des Bootsmanns ab. Merkwürdiger Weiſe erblickt man aber ſonſt überall nur höchſt verdrießliche Mienen, nament⸗

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