Jahrgang 
1865
Seite
665
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oft vor, daß deſſen Anweſenheit ziemlich lange währte und dennoch blieben die ins Cabinet Geſchickten zuweilen halbe Stunden lang ein⸗ gepfercht, ehe man ihnen den Wiederaustritt geſtattete. Außerhalb der Baſtille ſtanden 4 Poſten, um das zu lange Verweilen der Vor⸗ übergehenden zu verhindern, damit nicht etwa irgendwelche Zeichen an die Thürme hinaufgegeben würden. Die Beſatzung beſtand aus geemietheten Truppen und 100 Mann Invaliden mit zwei Hauptleu⸗ teen, im ganzen: 180 Gemeine nebſt 4 Tambours, 2 Horniſten und einem Lieutenant. Der Mann erhielt 15 Sous pro Tag, Uniform, Wäſche, Schuhzeug, Salz, Licht, Holz, Wohnung und Mittggeſſen. Kein Soldat durfte ohne Erlaubniß des Gouverneurs außerhalb der Baſtille ſchlafen. Die Officiere bedurften ſogar eines Urlaubs, wenn ſie ein Mittageſſen außerhalb des Schloſſes einnehmen wollten. Um des Nachts auszubleiben, mußten ſie eine Erlaubniß des Miniſters

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von der Baſtille zeigte ſich ein zweites Baſtion, dem mit Garten ver⸗ zierten bei O vollkommen ähnlich, es deckte das Thor St. Antoine. Die Leitung der inneren Angelegenheiten der Baſtille war dem Gouverneur übertragen. Seine Untergebenen waren: der Major, der Hilfsmajor; mit ihm auf faſt gleicher Stufe in allen Dingen der ausübenden Gewalt ſtand der Lieutenant der Baſtille. Er durfte Einwendungen machen und konnte an den Miniſter beſondere Berichte ſenden. Meiſt jedoch blieſen Gouverneur und Lieutenant in ein Horn. Die Unterbeamten: der Schließmeiſter und die Thürhüter oder: Porte-clefs, waren blinde Werkzeuge. Letztere bekleideten ei⸗ gentlich die wichtigſten Stellen, da ſie in unmittelbare Berührung mit den Gefangenen kamen. Man wählte zu dieſen Poſten die roheſten,

abgeſtumpfteſten Perſönlichkeiten aus, bei denen Geheimniſſe ſelten oder nie in Gefahr geriethen.

Sie reinigten die Zimmer, brachten

Die alte Baſtille.

Leben zum größten Theil verloren, denn ſelbſt die, wegen körperlicher Schwäche untauglich Gewordenen, ſtanden zeitlebens unter ſtrenger Aufſicht. Sämmtliche Poſten hatten ſcharf geladen und ein großer Vorrath von Munition befand ſich ſtets in der Baſtille. Auf der Plattform waren 13 Geſchütze aufgepflanzt, ſie hatten die Form von Feldſchlangen und dienten mehr zur Abfeuerung von Salutſchüſſen bei feſtlichen Gelegenheiten, als zur Vertheidigung; indeſſen ſtanden nicht weit vom Eingange zum großen Hofe, in einer Art Caſematte, zwei Schiffsgeſchütze mit allem, zum Feuern Nöthigen verſehen, auch von den Gewölben bei K aus konnte der Hof beſtrichen werden, zu wel chem Zwecke immer einige Geſchütze nebſt Kartätſchbüchſen vorhanden waren, außerdem hing die Baſtille durch den Gang Q mit dem Arſe⸗ nal zuſammen.

Das Baſtion O war ein unabhängiger Theil. Früher war hier der alte Boulevard durchgezogen, man hatte das Baſtion durch einen Weg M, der zwiſchen den Thürmen Comté und Trésor begann, mit dem Schloſſe verbunden und einen Garten angelegt, zu dem eine Treppe N. führte. Bevorzugte Gefangene durften ſich hier ergehen. Links

beibringen; wer ſich zum Dienſte in der Baſtille hergab, war für das

den Gefangenen das Eſſen und bedienten ſie in Krankheitsfällen, wa⸗ ren natürlicher Weiſe die Spione des Gouverneurs und zugleich die Vollſtrecker der etwaigen Gewaltmaßregeln. Ihr Name kam von dem ungeheuren Schlüſſelbunde her, welchen ſie am Gürtel tragen mußten. Für jedes Zimmer hatten ſie fünf Schlüſſel. Der Vorrath von Schlüſſeln der Baſtille war ein großartiger, ſie hatten ihren Platz in einem umfangreichen Schranke, der in des Majors Wohnung ſtand. Für ſämmtliche Gefängniſſe der Baſtille verſahen ſtets nur 4 Porte- elefs den Dienſt, da man ihre Zahl aus nahe liegenden Gründen einzuſchränken ſuchte. Die Stellung des Gouverneurs war eine außerordentlich bevorzugte. Neben ſeinem großen Gehalte bezog er durchſchnittlich noch ein Einkommen von 40,000 Livres, welche aus dem Profite, den er bei Verköſtigung, Kleidung, Wäſche ꝛc. der Ge⸗ fangenen zu ziehen verſtand, ihm zufloſſen. Die Küche ſtand ganz unter ſeiner Aufſicht, ſein Koch verſorgte die Gefangenen. Von jeder Lieferung zog der Gouverneur Nutzen. Das Gehalt des Lieutenants erreichte unter Ludwig XIV. die Höhe von 50000 Livres jährlich. Der Major bezog 4000 Livres, der Hilfsmajor 1500 als Jahres⸗ gehalt. Ein Chirurg war mit 1200 Livres angeſtellt, die Schließer