Baſtille organiſirt. Mit größter Beſtimmtheit kann behauptet wer⸗ den, daß die bei weitem geringſte Anzahl der Gefangenen wirkliche Verbrecher waren, ſie beſtanden vielmehr größtentheils nur aus deuten, die in irgend welchen Conflikt mit einer Perſönlichkeit ge⸗ rathen waren, der die Benützung der Baſtille zu Gebote ſtand, wenn es galt ſich eines mißliebigen Gegners zu entledigen. Es liegt auf der Hand, daß bei ſolchem Verfahren eine Menge der unlauterſten Geheimniſſe in den Beſitz der Wächter gelangen mußten, daß aber auch, ſo viel als irgend möglich, die gegenſeitige Mittheilung der Gefangenen zu beſchränken, Nothwendigkeit ward. Letzteres konnte freilich nicht immer geſchehen, denn oft theilten zwei, auch drei Un⸗ glücksgefährten ein Zimmer mit einander, aber die Soldaten ſowohl als deren Vorgeſetzte bis zum Gouverneur hinauf, waren Muſter ſchweigſamer, verſchloſſener Beamten. Beſonders lag es daran: die Anweſenheit gewiſſer, ſehr wichtiger Gefangenen den Blicken oder
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eine 60 Fuß hohe Mauer einſchloß, mit Abſätzen verſehen, gebaut war.
gegen welche eine Holzgallerie, Durch dieſen ſchwebenden Cor⸗
ridor, der alſo rund um das Schloß lief, konnte deſſen ganze Umge⸗ bung nach innen und außen beherrſcht und beobachtet werden. Dieſer
G führten zwei Treppen hinauf. Mannſchaften, um die Gefangenen zu
ang hieß: Galerie des Rondes. Von dem letzten Corps de Gardes Tag und Nacht patrouillirten hier beobachten. Die Unterofficiere
und Sergeanten machten jede Viertelſtunde abwechſelnd ihren Umgang. Zum Beweiſe der richtig vollführten Controlle mußte jeder nach Beendigung des Umganges eine numerirte und durchlöcherte Marke in eine Büchſe werfen, auf deren Boden ein Zahlenweiſer angebracht
war.
Jeden Morgen ward dieſe Büchſe zu dem Major gebracht, in
ſeiner und der Officiere Gegenwart geöffnet und die Anzahl der vor⸗
handenen Marken geprüft, auch ward hier allem, was geſehen und gehört worden, niedergeſchrieben.
ſogleich der Rapport von Um die
Plan der alten Baſtille.
der Neugierde andrer minder wichtiger Sträflinge zu entziehen. In der Baſtille war alles Geheimniß, alles Räthſel, man wußte nie, wie viel Unglückliche das furchtbare Gefängniß beherberge, wo ſie ſaßen, wann ſie hinausgelaſſen, ob ſie ſtarben oder ob ſie noch in den Kerkern ſchmachteten. Man hatte demgemäß auch(ſeit 1625) die Eintheilung der Wachen, Schließer ꝛc. geordnet. Von der Straße St. Antoine die Baſtille betretend, ſtieß man bei der erſten Zugbrücke auf vier Wachtpoſten. Der Gang bei E war durch zwei Poſten bewacht und hinter der zweiten Zugbrücke ſtanden bei G wie⸗ der vier Poſten. Im Corps de Garde lagen außerdem ſtets fünf⸗ zehn Mann. Der kleine Gang in den großen Hof enthielt vier Thüren, hinter jeder derſelben ſtand ein Soldat. Im großen Hofe ſelbſt patrouillirten fortwährend zwei Mann, der eine ſchritt an der linken, der andre zur rechten Seite auf und nieder, wobei ſie ihre Augen ſtets nach den Fenſtern und Thürmen richteten. Sobald die Stunde des Mittagsmahles ſchlug, trat die Wache unter Gewehr. Jeder Thurmeingang ward beſetzt, daſſelbe war der Fall, während die Meſſe in der Capelle geleſen wurde.
Die Baſtille umgab ein Graben von 120 Fuß Breite,(P) den
Wachſamkeit der Soldaten zu erhalten, riefen die Sergeanten bei jeder Annäherung ihr:„Werda,“ und alle Viertelſtunden zog der Poſten am Ende der Gallerie eine Glocke, um zu zeigen, daß er wach ſei. Ein zweites Glockenzeichen gaben die Runden, ſobald ihr Umgang endete, dieſes Läuten und die„Werda⸗Rufe“ waren große Plagen für die Gefangenen, welche eigentlich nie eines ruhigen Schlafes genoſſen. Die Wachtſtunden wurden von 11 Uhr Mittags an gerechnet, ſie währten im Winter bis 9, im Sommer bis 10 Uhr. Punkt 10 Uhr Abends wurden die Brücken aufgezogen und ſanken nur vor einem Befehle des Königs. Bei allen Spaziergängen der Gefangenen blie⸗ ben Wachen anweſend, die genau auf Perſon und Umgebung zu achten hatten. Trat ein Gefangener in den Hof oder Corridor, deſſen An⸗ weſenheit nicht bemerkt werden ſollte, ſo zog die Schildwacht am Ein⸗ gange eine Glocke. Auf dieſes Zeichen mußten alle Soldaten ihre Hüte über die Geſichter ziehen und den Gefangenen rief der Poſten zu:„Ins Cabinet.“ Unter„Cabinet“ verſtand man tiefe, in die Mauern geſchlagene Oeffnungen von etwa 12 Fuß Länge bei 3 Fuß Breite, in dieſe Niſchen mußten ſämmtliche Gefangene ſich hineindrän⸗ gen bis der geheimnißvolle Leidensgenoſſe vorüber war. Es kam aber
Waoferct, ehe m der Bſti eſand
Wariiethet WWt, in ganzen: einem Lieutenant Wäſche, Schuhze ſein Soldat dur Baſtille ſchlafen. ſie ein Mittageſſ des Nachts ausz
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bebringen; Aben zum Schwächen Aufſicht.
Vorrath d Plattform Fehſſzlan


