den. In dieſer Beziehung kann auch der Fleiß oder die Nachläſſigkeit des Menſchen in Hinſicht auf die Bodenkultur die Segnungen des Regens befördern oder vermindern.„Wer da hat, dem wird gegeben und wer nicht hat, dem wird auch das genommen, was er hat.“ Auch die regenarmen Länder können durch den Fleiß des Menſchen befruch⸗ tet werden; denn in Gottes Welt wird aller örtliche Mangel durch den Ueberfluß, der von andern Orten herſtrömt, reichlich ausgeglichen. Aegypten empfängt wenig Regen, wurde aber durch künſtliche Bewäſ⸗ ſerung ſeit den älteſten Zeiten eins der fruchtbarſten Länder der Erde. Nach den Weiſſagungen der h. Schrift ſollen einſt mit dem Kultur⸗ fortſchritt des Reiches Gottes auch die dürren Wüſten in paradieſiſche Fruchtgärten verwandelt werden.(Jeſajas 35, 1. 2.) Dieſes geht bereits jetzt theilweiſe in Erfüllung. Ueber 200 Bohrbrunnen be⸗ wäſſern jetzt den Sand am Rande der heißen Sahara.
Doch bleibt der Regen ſtets der größte Segen. Er reinigt die Luft von Waſſerdampf, von Ammoniak und Kohlenſäure, welche dem
662
Athmen der Menſchen ſchädlich werden können, und führt dieſe Gaſe
dem Reiche der Pflanzen zu, welche ſie zu ihrer Nahrung bedürfen. Die Segnungen des Regens ſind für die ganze irdiſche Schöpfung unermeßlich. Ohne Regen müßten alle Quellen und Bäche und Ströme verſiegen, der Nährſaft aller Pflanzen müßte vertrocknen, das Blut in Deinen Adern, das Mark Deiner Gebeine müßte verdorren. Eine Landſchaft der heißen Zone vor und nach dem Regen zeigt uns einen Gegenſatz wie Tod und Leben. Tod herrſcht überall, wo beſtändig das Waſſer mangelt. Sobald aber die Regenſtröme auf die ausgedorr⸗ ten Steppen fallen, wird das Dürſtende getränkt, das Lechzende er⸗ quickt, das Schwache geſtärkt und das Bild des Todes wie durch einen Zauber in neue Lebensfriſche umgewandelt.
So müſſen alle Kräfte und Elemente der irdiſchen Schöpfung: Schwerkraft, Licht, Wärme, Elektricität, Waſſer, Luft, Windrichtung, Berg und Thal und Meer und Pflanzenkultur auf der Erde, kurz alle Glie⸗ der in ihrer großen Haushaltung, durch ihren innigſten Wechſelverkehr in einer ſtaunenswürdigen Harmonie, als Diener die Befehle des Ewigen ausrichten, der vom Himmel herab Regen und fruchtbare Zeiten gibt.
Kus den Tagen der alten Baſtille.
*Von George Hiltl.
I.
Durch dicht gedrängte Volksmaſſen, welche am 22. April 1369 die St. Antonius⸗Straße zu Paris füllten, bewegte ſich ein glän⸗ zender Zug. An der Spitze deſſelben ritt auf ſchnaubendem Streit⸗ hengſte, in voller Rüſtung, nur ſtatt des Helmes eine rothe Sam⸗ metkappe auf dem Kopfe, König Carl V von Frankreich. Als der Zug bei dem Thore St. Antoine angelangt war, empfing den König das Gewerk der Maurer von Paris und geleitete ihn zu einer unge⸗ heuer großen Baugrube, in deren Grunde Hugo d'Aubriot Prévoôt der Stadt Paris die Kelle, Mörtel und Hammer in Händen, ſtand und den Monarchen mit gewählter Rede begrüßte. Der König er⸗ widerte: er komme in voller Kriegestracht, weil das Werk, welches begonnen werden ſolle, ein kriegeriſches ſei, ein Werk gegen die Feinde des Vaterlandes, deren Gewaltthaten zu verhindern eine neue Mauer um Paris gezogen worden, deren Schluß eine mächtige, wohlver⸗ wahrte Veſte bilden ſolle, eine Baſtille, die den Eingang zur Stadt, das St. Antonius⸗Thor vertheidigen werde. Hierauf ward der Grundſtein gelegt. Jubelrufe ertönten, Muſik fiel ſchmetternd ein und unter dem Jauchzen der erregten Menge ritt der König in ſeine gute Stadt Paris zurück.— Der düſtre, gigantiſche Bau ſtieg ſchnell empor; im Jahre 1383 wurde er vollendet. Urſprünglich zum Schutze des Hauptthors von Paris beſtimmt, war die Burg für die Bewohner der Hauptſtadt ein Gegenſtand des regſten Intereſſes. Hugo d'Aubriot baute die verſchiedenartigſten Werke. Brücken und feſte Häuſer ſtiegen nach ſeinem Plane empor und er war es, der die erſten unterirdiſchen Canäle durch die Straßen von Paris zog. — Furchtbares Schickſal! Die grauſige Beſtimmung, der die Veſte ſpäter anheimfiel, trat an dem Erbauer zuerſt in Kraft. Lugo d'Aubriot iſt der erſte bekannte Staatsgefangene, den die undurch⸗ dringlichen Gewölbe der Baſtille aufnahmen. Der Ketzerei ange⸗ klagt, wahrſcheinlich weil ſeine kühnen Mauerwerke dem blöden Verſtand ſeiner Richter als Zauberwerke erſchienen, ſchmachtete der geiſtvolle Architect Jahre lang in den unterirdiſchen Kerkeen der von ihm errichteten Veſte. Seine Befreiung verdankte d' Aubriot dem Aufruhre der Maillotins, alſo genannt von 4000 Stück eiſer⸗ nen Hämmern(Maillets), welche die von einem Lumpenſammler Caboche geführten Meuterer, im Stadthauſe zu Paris erbeuteten. Die Baſtille ward zum erſten Male geſtürmt und der befreite d'Aubriot mußte an die Spitze der Empörer treten. In der Nacht flüchtete er aber aus Paris und entkam glücklich nach Burgund, woſelbſt er in der Zurückgezogenheit ſeine Tage beſchloß.
Wenngleich die Baſtille ſehr geeignet zum Aufbewahrungsorte von Staatsgefangenen erſchien, ſo hat ſie doch erweislich nicht viele Eingekerkerte während der erſten Jahre ihres Beſtehens beherbergt. Sie ſcheint noch immer als Fortification vorzüglich gedient zu haben; die traurige Berühmtheit, ein Kerker zu ſein, wie ihn die Erde nur einmal aufzuweiſen hatte, erlangte ſie wohl erſt mit dem Beginne des fünfzehnten Jahrhundert. Die Regiſter ſind freilich nur ſpärlich vor⸗ handen, das Meiſte fraßen die Wuth und die Flammen, allein es ſteht doch ziemlich feſt, daß nach d'Aubriots Entweichung erſt wieder
im Jahre 1475 eine Perſönlichkeit von Bedeutung in den Baſtillen⸗ kerkern verwahrt wurde. Es war Ludwig von Luxemburg, Comte de St. Pol, Connetable von Frankreich, angeklagt, den König Ludwig XI beleidigt zu haben. Er ward nach Beendigung ſeines Proceſſes auf dem erſten Hofe der Baſtille enthauptet.— Ludwig XI, ein Meiſter im Erſinnen von Zwangs⸗ und Schreckmitteln für Gefangene, hat wohl zuerſt die Baſtille zum eigentlichen Staatsgefängniſſe erhoben. Lud⸗ wig langweilte ſich oft. War dies der Fall, ſo ließ er kleine Mäuſe und Katzen durch abgerichtete Hunde zerreißen oder er ſah einer ſchwe⸗ ren Operation zu. In Ermangelung ſolcher Unterhaltungen verfiel er denn auf abſonderliche Peinigungsmittel für ſeine Eingekerkerten, und dieſer Laune verdankt die Baſtille drei ſchreckliche Gefängniß⸗ zimmer: Cages oder Cachots de fer genannt. Dieſe Zimmer waren als Käfige eingerichtet und beſtanden aus Balken, die mit Eiſenplat⸗ ten beſchlagen waren. Sie hatten eine Breite von ſechs, eine Länge von acht Fuß, boten jedoch durch den faſt trichterförmig gezimmerten Fußboden einen entſetzlich qualvollen Aufenthalt. Der Erfinder dieſer Käfige war der Biſchof von Verdun; Ludwig ließ ſie außerdem in Blois, Bourges, Angers, Loches und Plessis les Tours an⸗ bringen. An letzterem Orte hielt er den Cardinal de Ballue elf Jahre lang in einem dieſer Käfige gefangen.
Im Jahre 1476 wurde Jacques d'Armagnac, Herzog von Ne⸗ mours, wegen Verletzung der Majeſtät in die Käfige der Baſtille ge⸗ ſteckt. Noch befindet ſich der vom Jahre 1477 den dreißigſten Januar datirte Brief in den Sammlungen des Archive National. Der Herzog ſendet eine Bittſchrift an den König, welche die Ortsbezeich⸗ nung:„Aus meinem Eiſenkäfig der Baſtille“ trägt. Armagnac ward ebenfalls enthauptet. Seine Kinder mußten der Execution beiwohnen.— Dieſe beiden Gefangenen von Rang und Namen ſind deshalb beſonders angeführt, weil ſie die einzigen ſind, über deren grauenhafte Schickſale ſich Documente, aus dem fünfzehnten Jahr⸗ hundert ſtammend, erhalten haben. Erſt die ſpäteren Zeiten laſſen einen vollſtändig geordneten Organismus in dem Geſchäftsgange der Baſtille erkennen, auch ſcheinen von fünfzig zu fünfzig Jahren die Acten ſehr ſorgfältig vernichtet worden zu ſein. Der Krieg der Fronde, während deſſen das Parlament oft genug Herr der Baſtille blieb, mag zur Vernichtung vieler Documente beigetragen haben und erſt 1658, wo das Gouvernement des berüchtigten Gefängniſſes vom Könige beſtimmt ward, wo ihm die Wahl aller Beamten überlaſſen wurde, trat ein regelmäßiger Geſchäftsgang ein.—
Das mächtige Gebäude mit ſeinen acht runden Thürmen bot, wenn man es von der Straße St. Antoine kommend, oder von dem Garten aus betrachtete, einen impoſanten Anblick dar. Anfangs zur Be⸗ ſchirmung des hinter ihr liegenden Thores beſtimmt, war die Baſtille ſpäter in die neue Ummauerung der Stadt geſchloſſen worden, als man die Porte St. Antoine weiter vorrückte. Das Schloß lag auf dem rechten Ufer der Seine. Der Eintritt in daſſelbe fand von der Straße St. Antoine aus Statt, da wo heute der Boulevard Bour⸗ don ſich längs des Canals St. Martin hinzieht, der ein Ueberbleibſel
—
jner Gräben Haupteingang Pforte B und lberſchreitend einen bedeckten das, durch 3 zw Hauptthor. (war ebenfa Bei Oeffnung Er ward durch Gebäude gebild wit Stufen ver den großen 9 Steintreppe fü lief ein Gang, ſem Gange bef amten verſamn Hinter dem Ge welcher das fü nommen, beſt genanute: Co Zwiſchengebäu Das gau durch hohe, bi bunden waren⸗ du Puits, 2) de la Bazinic de la Chapel- cher Entfern ten zwei Vie das des klein betrug 80 F nen. Die ſah man re ſowie die ein die Thürme Namen durch ſchatz erhalte Es war Si wurde, die( Stadt zogen ren und da Nach dem to dine Arcade Mauern me Hofes ſtand waren die ä das Stadtt waren aus aufgeführt bäude, wel An demſel einen klein pforte.„ tour qe j. Manie 1 — ,8 ſtürzte den Thürn de eamp


