Jahrgang 
1865
Seite
660
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Um die Familie des Königs gruppiren ſich, den Preußiſchen Hof vervollſtändigend, die Familien der Brüder und die Hofhaltungen der Vettern des Königs, in erſter Linie, des Prinzen Karl, des Lieblings⸗ bruders der verſtorbenen Kaiſerin⸗Wittwe von Rußland. Seine Ge⸗ mahlin iſt eine Schweſter der Königin; ſie war wegen ihrer Schönheit berühmt und erregt noch heute durch impoſante Würde die öffentliche Aufmerkſamkeit. Mit Vorliebe beſchäftigt ſie ſich mit ſpaniſcher Sprache und Literatur. Ein großes militäriſches Talent reift in dem Sohne, dem Prinzen Friedrich Karl, der Zukunft entgegen. Die Lor⸗ beeren, die ſich der Prinz bereits in dem Schleswigſchen Feldzuge er⸗ rungen, werden nicht die einzigen ſeines Lebens bleiben. In ſeiner gedrungenen Geſtalt, ſeinem Blicke liegt etwas Gebieteriſches. Seine Begabung und ſein Glück zeigen ſich nicht nur in dem, was wehrt, ſondern auch in dem, was nährt. Der Feldherr iſt nebenbei auch ein paſſionirter Jäger und ein praktiſcher, glücklicher Landwirth. Eine der anmuthigſten und zarteſten Erſcheinungen des Hofes iſt ſeine Ge⸗ mahlin, eine Prinzeſſin von Anhalt, Malerin und Muſikfreundin, vom Publikum alsdie ſchöne Friedrich Karl gekannt und geliebt. Die in Monbijou reſidirende Tochter des Prinzen Karl, die Landgräfin Luiſe von Heſſen, zeigt in Figur, Haltung und Zügen eine merkwür⸗ dige Aehnlichkeit mit den Töchtern Friedrich Wilhelms I, von denen im Berliner Schloſſe ſo viele treffliche Bildniſſe von Pesne hängen. Der dritte Bruder des Königs, Prinz Albrecht, in erſter Ehe mit der reichen Niederländiſchen Prinzeſſin Marianne vermählt, lebt in mor⸗

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ganatiſcher Ehe mit der Gräfin von Hohenau zumeiſt auf ſeiner wun⸗ dervollen Beſitzung bei Dresden. Seine beiden Kinder Prinz Albrecht (Sohn) und Prinzeſſin Alexandrine wurden unmittelbar unter den Augen Friedrich Wilhelms IV. und ſeiner Gemahlin erzogen. Prinz Albrecht(Sohn) iſt ein leidenſchaftlicher Muſiker, ein großer Verehrer Sebaſtian Bachs.

Von den Vettern des Königs lebt Prinz Alexander den größten Theil des Jahres in der franzöſiſchen Schweiz. Sein Bruder Georg und Prinz Adalbert, der preußiſche Admiral, morganatiſch mit Frau von Barnim verheirathet, ſind von allen Prinzen diejenigen, welche auch außerhalb des Hofes geſelligen Verkehr unterhalten.

Fern von dem Geräuſche der Welt, zurückgezogen in die Ein⸗ ſamkeit ihres Wittwenſchmerzes, lebt im Sommer auf Schloß Sans⸗ ſouci, im Winter in Charlottenburg, die Königin⸗Wittwe Eliſabeth. Ihr Verkehr mit der Welt erſtreckt ſich nur auf den Umgang mit der königlichen Familie und einige wenige Perſonen, die ihrem Gemahle einſt lieb und werth waren. Der Erinnerung des Heimgegangenen iſt ihr ganzes Leben und Denken geweiht. Täglich um dieſelbe Morgenſtunde, wie zu ſeinen Lebzeiten, erſcheint ſie in dem Arbeits⸗ und Sterbezimmer des Königs. Da ſind ſeine Bücher, ſein Schreib⸗ tiſch, die Gegenſtände, die er in Gebrauch gehabt überall begegnet ſie den noch friſchen Spuren ſeines Daſeins, aber ſein lebendiger Geiſt iſt dahin und verwelkte Kränze und Palmen decken die Stellen, wo er gewaltet hat. G. H n.

Das Naturwunder des Regens.

Von Dr. Böhner.

Wer iſt des Regens Vater? Wer hat die Tropfen des Thaues gezeugt? fragt Hiob.Wie entſteht der Regen? fragt die heutige Wiſſenſchaft.Wie entfaltet er ſeine Segenskräfte? Es klingt faſt wie ein Märchen, wenn man die Geſchichte des Regens erzählt.

Eine unſichtbare Hand ſchöpft alljährlich mehr als zehn Bil⸗ lionen Centner Waſſer aus dem Meere und führt dieſe Maſſen ohne Schläuche und Fäſſer, auf Wagen ohne Räder, ohne Roſſe, ohne Dampfmaſchine, tauſend Meilen weit durch die Lüfte, um das Waſſer allmählich aus der Höhe hinabzuträufeln, da wo es unſere Quellen ſpeiſet, wo das Saatkorn im Schooß der Erde des belebenden Tropfens harrt, um ſeine Feſſeln zu zerſprengen, vom Tode zu erſtehen, das Licht zu begrüßen, ſein zartes Gebilde mit der Blüthenähre und mehl⸗ reichen Körnern zu entfalten, um zahlloſen Menſchen und Thieren das tägliche Brot zu bereiten. Das Waſſer muß die Lüfte durcheilen, um ſich da herabzugießen, wo die Rebe blüht, um ſich im Rebſtock in Zuckerſaft und dann in Wein zu verwandeln, da, wo der Obſtbaum ſeine Blätterporen und die Saugbläschen ſeiner Wurzelfaſern lechzend aufſperrt, als ob er wüßte, die Hilfe müſſe von oben kommen, die er zu ſeinem Wachsthum bedarf, zur Erzeugung erquickender Früchte.

Die Menge des alljährlichen Regens kann man mittels des Regenmeſſers berechnen. Dieſer beſteht in einem offenen Gefäß von beſtimmtem Umfang, in welchem der fallende Regen aufgefangen und nach der ſenkrechten Höhe des Waſſerſtandes gemeſſen wird. Durch Aufſtellung von Regenmeſſern in den verſchiedenen Gegenden der Erde hat man ermittelt, daß die durchſchnittliche alljährliche Regenmenge auf der ganzen Erde eine Höhe von 31 ½ Zoll beträgt. Dies bringt durchſchnittlich auf jeden Quadratfuß der Erdoberfläche etwa 1 ½ Centner Regen. Die Geſammtoberfläche der Erde enthält 9,382,200 Quadratmeilen. Jeder Kubikfuß Waſſer bei einer Temperatur von 4⁰ C. wiegt 56 Pfund. Daraus kann Jedermann das Gewicht des alljährlich fallenden Regenwaſſers annähernd berechnen. Auch die Waſſermenge, welche alljährlich durch ſämmtliche Ströme der Erde ins Meer zurückgeführt wird, kann uns die ungeheure Menge des jährlichen Regens veranſchaulichen. Nach Johnſton fallen alljährlich gegen 1910 Kubikmeilen Regenwaſſer zur Erde nieder. Drei Vier⸗ tel des dazu nöthigen Waſſerdampfes ſtammt aus dem ſtillen und dem indiſchen Ocean. Zur Hebung dieſer Waſſermaſſe, welche durch die Sonnenwärme geſchieht, iſt eine mechaniſche Arbeitskraft erforder⸗ lich von 16 Billionen Pferdekräften. Hätten wir die Thatſache des Regens niemals mit eigenen Augen geſehen, könnten wir ſeine tau⸗ ſendfältigen Segenswirkungen nicht mit Händen greifen: ſo würden einſeitige Philoſophen ſich vielleicht vermeſſen zu ſagen, es verſtoße gegen alle Geſetze der Logik, daß Billionen Centner Waſſer aus dem

fernen Meere durch unſichtbare Mächte ohne Hebemaſchiene emporge⸗ hoben, ſo leicht wie eine Feder durch die Lüfte über die höchſten Ge⸗ birge viele hundert Meilen weit fortgeſchafft, und zum Segen unſrer Saaten verwendet werden könnten. Doch die Thatſache ſteht un⸗ leugbar da:Er machet die Wolken zu Seinen Wagen und geht auf den Fittigen des Windes! Dieſes Räthſel wird durch die phyſika⸗ liſchen Geſetze der Schöpfung aufs herrlichſte gelöſt eine Löſung, welche das ſchlagendſte Zeugniß gibt, daß der erhabenſte, denkende und wollende Geiſt die Geſetze und Stoffe der Schöpfung durch⸗ dringt, ein Geiſt, welcher alle menſchliche Weisheit unendlich überragt.

Man beachte den Zuſammenhang der Glieder in der Erſchei⸗ nungskette bei Entſtehung eines Regens. Das Geſetz der Gravitation, welches das ganze Weltall durchdringt, bedingt den Umſchwung unſe⸗ rer Erdkugel um ihre Axe und ihre verſchiedenen Stellungen zur Sonne. Die wechſelnde Stellung der Erde zur Sonne bringt die verſchiedenen Klimate, die Tages⸗ und Jahreszeiten, wie die abwechſelnde Erwärmung und Abkühlung der Atmosphäre und der Gewäſſer her⸗ vor. Die Erwärmung der Gewäſſer bedingt ſodann ihre Verdun⸗ ſtung und Verbreitung in der Atmoſphäre; die verſchiedene Tempe⸗ ratur der Luft aber bedingt die verſchiedene ſpecifiſche Schwere der wärmern und der kältern Luftſchichten. Dieſes geſtörte Gleichgewicht im Luftmeer in Verbindung mit dem Umſchwung der Erde um ihre Axe erzeugt das merkwürdige Syſtem der Luftſtrömungen im Kreis⸗ laufe der Windroſe; die verſchiedenen Winde bewirken die Vermiſchung der kälteren mit den wärmern dampfhaltigen Luftmaſſen, durch die Abkühlung des gasförmigen Waſſerdampfes in der Luft entſtehen die Nebelbläschen der Wolken; durch die Winde werden endlich die Wol⸗ ken von den Gegenden des Meeres, wo eine reichlichere Verdunſtung des Waſſers ſtattfindet, nach den Gegenden hingeführt, wo ſie durch Abkühlung weiter verdichtet und als Regen niedergeſchlagen werden. Ohne das erſte Glied dieſer großen Verkettung von Urſachen und Wirkungen wäre das letzte der Regen nicht möglich.

Das Vermögen des Waſſers, zu verdampfen und ſich in Gasform im Luftraum zu verbreiten, ſteht in einem ganz beſtimmten Verhält⸗ niſſe zur Erwärmung und Preſſung, die es erfährt. Wird die Wärme einer Luftſchicht, welche Waſſergas enthält, vermindert, ſo zieht ſich die Luft auf einen engern Raum zuſammen, und das in ihr ſchwe⸗ bende Waſſergas wird vorerſt in Dunſtbläschen zu einer Wolke, durch weitere Abkühlung zu Waſſertropfen verdichtet, die als Regen zu Bo⸗ den fallen. Wenn kalte und warme Luftſtröme, welche Waſſergas enthalten, mit einander ſich miſchen, ſo vermögen ſie in ihrer Verei⸗ nigung weniger Waſſerdampf zu halten, als ſie bei ihrer Trennung

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