Jahrgang 
1865
Seite
655
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Das war für Adeline viel Licht auf einmal. Sie zitterte, ſie drohte zu Boden zu ſinken. Joſeph ſprang auf, ſie zu ſtützen, aber bald beſann er ſich, daß er ihr die Hand nicht reichen dürfe, und ſtammelte:Was iſt Ihnen? Soll ich Hilfe holen?

Verlaßt mich, Joſeph! ſagte ſie, ſich raſch faſſend, mit nicht unfreundlichem aber beſtimmtem Tone.Ihr habt nichts Böſes verſchuldet. Ein Händedruck des Dankes iſt keine Unſchicklichkeit und Ihr habt es nicht böſe gemeint. Wenn Junker Meinhard daraus eine Verläumdung gedreht hat, ſo hat er es aus Haß und Rache ge⸗ than, weil ich ſeine Bewerbung abgewieſen. Iſt er gefallen, ſo ſei Gott ſeiner Seele gnädig. Verlaßt mich!

Sie wandte ſich und ſchritt in das Innere des Haines. Joſeph wandte ſich ebenfalls, ihren Worten gehorſam, und ging ſeiner Hütte zu. Er fühlte ſich ſeiner Laſt entledigt; das Wort der Wahrheit aus ihrem Munde hatte den Bann der Täuſchung gebrochen, unter dem er ſo furchtbar gelitten. Hinter ſeiner Hütte ſank er auf die Kniee und erflehte Gottes Segen über ſie zu ihrer morgenden Trauung. Auch der Bann ſeines kranken Empfindungslebens war gebrochen; jetzt, wo er wußte, daß ſie ihm nicht zürne, konnte er ruhiger an ſie denken, die Sache war ins Klare gebracht, und auch ſein körperliches Beſinden beſſerte ſich zuſehends.

Als Adeline nach einer Stunde heimkam, hatte ſie den Strauß ihrer Schneeglöckchen mit bittern Thränen benetzt. Alſo das war's, was ihr ſo ängſtlich verborgen gehalten wurde, während das ganze Thal davon wußte! Ihr Bruder ein Mörder! O, warum hatte mans ihr ſo lange verborgen? Wollte man ſie ſchonen? das be⸗ leidigende Gerede Meinhards ihr nicht zu Ohren kommen laſſen? Sicher, ſo war's; darum war ihr ſo ängſtlich verwehrt, Joſephs Mutter zu beſuchen. Aber war ein ſo unwürdiges Gerede mehr werth, als von ihr verlacht zu werden? War es werth, daß Karl ſeine Hände mit Blut befleckte? Um ihretwillen war er zum Mörder ge⸗ worden! Welche Qual! Welcher Kampf von Mitleid und Abſcheu in ihrem Innern!

Sie erzählte ihrem Vater alles: wie ſie mit Joſeph zuſam⸗ mengetroffen und was er geredet, und was ſie davon denke, und fragte, wie es mit Meinhards Tode ſich verhalte. Da ſagte ihr der Vater ſoviel er wußte und verheimlichte nicht, was er vermuthete. Gewißheit hatte ja niemand.

Es war ein trauriger, ernſter Hochzeitstag, den ſie feierten traurig, wie ein regneriſcher Himmel nach einem Gewitter, aber für Adelinen nicht ſo ſchwül und düſter, wie er bei völliger Ungewißheit über das Geheimniß verlaufen ſein würde.

Ihre Ehe war eine glückliche. Den Frühling blieb ſie in Eſchen⸗ thal, dann zog ſie mit ihrem Gemahl in die Stadt. Aber ein Wurm nagte doch an ihrem Gemüth.Aus Haß und Rache hat es Mein⸗ hard gethan, weil ich ſeine Bewerbung zurückgewieſen, ſo hatte ſie gleich im erſten Augenblick zu Joſeph geſagt und hatte das Richtige ge⸗ troffen. Aber nun hub ſie an, einen Theil dieſes Vorwurfes auf ſich ſelbſt zu laden. Sie, die die Sanftmuth ſelbſt war, machte ſich Gedanken, ob ſie nicht Meinhards Neigung wehethuende Kälte oder verletzenden Stolz oder erbitternde Härte entgegengeſetzt und dadurch ihn zu ſolchem Haſſe gereizt habe. Und indem ſie dieſen Gedanken nachhing, wurden dieſelben zu fixen Ideen und nagten an ihrer See⸗ lenruhe, in einer Zeit, wo man ihr die ungetrübteſte Heiterkeit und den tiefſten Seelenfrieden hätte wünſchen mögen, denn ſie ſah Mut⸗ terhoffnungen entgegen.

Der Sommer ging vorüber; Karl blieb verſchollen. Adelinens Zuſtand gab zu keinen beſondern Befürchtungen Anlaß; nur mußte ſie vor jedem Schrecken ängſtlich bewacht werden, denn ihre Nerven waren äußerſt reizbar. Ihr Leben verſtrich aber auch ſo ruhig und gleichmäßig, daß es keine Kunſt war, ſie vor Aufregungen zu bewah⸗ ren. Zuweilen fuhr das junge Ehepaar nach Eſchenthal hinaus, den nun völlig vereinſamten Vater zu beſuchen. Dieſe Ausflüge thaten ihr jedesmal wohl und wirkten eher erheiternd als niederſchla⸗ gend auf ihr Gemüth. Es war, als ob beim Anblick der lieblichen Heimat die fixen Ideen von ihr wichen, um einer klaren beſonnenen Erinnerung an das, was zwiſchen Meinhard und ihr vorgefallen war, Platz zu machen.

Joſeph lebte, ſeit Adeline den Ort verlaſſen hatte, ſtill aber zu⸗ frieden. Seine Mutter war, wenige Tage nach Adelinens Hochzeit von ihren langen Leiden endlich durch einen ſanften Tod erlöſt wor⸗ den. Er ſtand nun ganz allein. Sein Stückchen Ackerfeld reicht

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nicht hin, ihn zu ernähren, aber durch Sammeln von Morcheln und Pilzen, durch den Fang von Krammetsvögeln und dergleichen Induſtrie⸗ zweige wußte er ſich, was ihm noch weiter Noth that, zu verdienen. So durchſtreifte er die Wälder und Haine; dabei hatte er auch einen ge⸗ weckten Sinn für die Natur; er liebte es, ſich dann und wann ein⸗ mal im Mooſe niederzulaſſen, den Vögeln zuzuhören und auch wohl ſelbſt ein Volkslied vor ſich hin zu ſingen.

Es war ein ſonniger Octobervormittag, an welchem er auch wieder einmal in den Wald gegangen war. Am Fuße einer Fels⸗ wand hatte er ſich gelagert, auf einem Felsſtück, das ſich von derſel⸗ ben vor alten Zeiten einmal abgelöſt hatte, und durch eine ſchmale Kluft von der Felswand geſchieden war. Er erinnerte ſich nicht, je⸗ mals früher an dieſe Stelle gekommen zu ſein, obwohl ſie nicht ſehr weit von dem Fahrweg ablag, der von Walchenbrunn nach Hund⸗ ſtein führte. Das Plätzchen gefiel ihm aber ausnehmend wohl. Vor ſeinen Füßen ſenkte ſich der mit kleinen bemooſten Felsſtücken be⸗ ſtreute Boden ſteil abwärts bis zu einer zweiten ſenkrechten Wand, die vollends in die Tiefe ging. Dieſer Umſtand mochte wohl Schuld ſein, daß er noch nie hierhergekommen, daß wohl auch andere Leute nicht leicht hierherkamen. Denn dieſe ſteile Halde zwiſchen den zwei Wänden war in der That nur von einem einzigen Punkte aus zugänglich, eben da, wo er heute herübergeklettert war. Seitwärts herankommend hatte er mit raſchem Aufſchwung auf dem ziemlich hohen Felsſtücke Platz genommen und ſah nun, der Felswand fort und fort den Rücken kehrend, zwiſchen den Fichtenſtämmen auf die Dächer von Walchenbrunn hinab, aus denen der Rauch ſich in die Höhe kräuſelte. Da ward ihm ganz eigen ums Herz und er begann ein Volkslied vor ſich hinzumurmeln:

Zwei Buhlen hatten ein Mägdlein lieb, Ein Mägdlein zart und weiß.

O du bitteres Weh, o du leidige Lieb', 's trug keiner davon den Preis.

Der eine modert, vom blutigen Stahl Getroffen ins blutige Herz. Der andre ſchweift durch Berg und Thal, Und klaget dem Wind ſeinen Schmerz.

Du blutiger Mann mit dem bleichen Geſicht,

Was klagſt du des Mordes mich an?

Bleib drunten im Grab und quäle mich nicht,

Hab' ich's denn, hab' ich's denn gethan wollte er ſingen. Aber ein Steinchen, das hinter ihm von der Felswand rollte und dann ein ſeltſam klapperndes Geräuſch dicht hinter ſeinem Ohre ſchreckte ihn auf. Er drehte den Kopf herum, und o Schauder ein hohler Todtenſchädel grinſte ihm aus der Kluft entgegen. Mit einem Sprunge war er vom Felsſtück unten, und wollte, von Grauſen ergriffen, fliehen. Dann aber beſann er ſich; das iſt Meinhards Gerippe, ſagte er laut zu ſich ſelbſt.Von der Felswand alſo iſt er herabgeſtürzt; vielleicht im Wetterſturm ausge⸗ glitten, vielleicht von einem Blitz getroffen und hinabgeſtürzt. So iſt Junker Karl unſchuldig!

Er kehrte jetzt noch einmal an die Stelle zurück und näherte ſich der kleinen Kluft von der Seite, da wo ſie am Ende des Fels⸗ ſtücks ausmündete. Sie war kaum eine Elle breit, ihr Boden war nicht flach, ſondern ſtieg von der Mündung an erſt ſanft und dann ſteilrecht in die Höhe. Das Gerippe befand ſich daher der Länge nach zwiſchen der Wand und dem Felsſtück eingeklemmt in ſitzender Stel⸗ lung. Von der Kleidung waren kaum noch einzelne Fetzen übrig, alles übrige hatten die Raubvögel vertilgt.

Raſchen Schrittes eilte Joſeph nach Eſchenthal und verlangte nach dem Baron. Der Kammerdiener fragte ihn unwirſch, was er da zu ſuchen habe, und als er ſagte, daß er eine Nachricht von gro⸗ ßer Wichtigkeit zu bringen habe, wollte er ihn erſt gar nicht an⸗ melden. Aber der Baron öffnete ſelbſt die Thür und hieß Joſeph eintreten.

Junker Karl iſt unſchuldig, ſagte Joſeph ſtrahlenden Blicks und erzählte, was er entdeckt hatte. Dem beſonnenen Manne ſchien in dieſem Thatbefund durchaus noch kein zwingender Beweis für ſeines Sohnes Unſchuld zu liegen. Denn wenn auch auf der ſteil abſchüſſigen Stelle, wie Joſeph dieſelbe beſchrieb, ein Zweikampf ſchweyliſch ſtattgefunden hatte, ſo lag doch der Gedanke deſto näher, ſ Karl den Leichnam in dieſe Kluft geſtürzt haben mochte, um ſeine (That zu verbergen.