Jahrgang 
1865
Seite
643
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ie ſchlugen ihnen

aahre gezimmert Huppen, zu einem k, ſtieß auf der er dicht an das die Knechte, das Schuppen in den ime war ſchneller acſſtuhls brannte der Klang vom aut; die Bauern n Dorfe; der be⸗ ſſer gefahren, die hatte; ſeinem er⸗ er; während Peter ldeten die Bauern Treppen hinauf, es Schoppens ſich einer Leiter das it ſchon geſprengt den Fenſtern aus für das Schloßge⸗ tet werden konnte. ern umzüngelten, zu denken. Exſt abweſenden Herrn ſenden Sohn wie⸗ Bauern ſich ent⸗ rein.Und der er lebte, zurück⸗ 3 treiben? Mahte väterlichen Schloſ⸗ Ac, in wel egt er verwundet,

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auch ſchon wieder unter dem Hofthore ſtand, im Begriff, von neuem den Wald zu durchforſchen und ſchließlich, wenn ſich nichts fände, geradenweges auf Schloß Hundſtein ſich Auskunft zu erbitten, was aus ſeinem jungen Herrn geworden ſei. Aber indem er zu gehen ſich anſchickte, bog der Sohn der Schullehrerswittwe von Lindelberg um die nächſte Ecke. Spät Abends von einem Geſchäftsgang zu⸗ rückgekehrt, hatte er von dem Brandunglücke gehört und war nun am frühen Morgen hergeeilt, ſich zu erkundigen, ob niemand Scha⸗ den genommen, und wiedas liebe Fräulein ſich befinde und ſich zu entſchuldigen, daß er nicht ſelbſt zum Löſchen gekommen ſei.

Die gnädigen Herrſchaften ſind ſeit acht Tagen verreiſt, ſagte Gottfried mit unfreundlich ſtrengem Ton;ſie werden auch erſt in zehn Tagen wiederkommen. Uebrigens, Joſeph, fügte er hinzu, ſollteſt Du als Schullehrersſohn ſoviel Verſtand haben, um zu wiſſen, daß es ſich für Leute, wie Du, nicht ſchickt, vomlieben Fräulein zu reden, oder ihr gar die Hand zu drücken, wie wenn ſie Deinesgleichen wäre.

Ach, Herr Kammerdiener! ſtammelte Joſeph erſchrocken,es war ja nur die Dankbarkeit! Ach, ſie iſt gewiß böſe auf mich? und dabei ward er ſo todtenblaß, als ob wenigſtens in ſeiner Bruſt, ihm unbewußt, noch andre Gefühle als die der Dankbarkeit gewohnt hätten.

Das gnädige Fräulein, ſo haſt Du zu ſagen, fuhr Gott⸗ fried ſtrengen Tones fort, ohne ſeine Frage zu beantworten.Und wenn ſie Deiner Mutter eine Unterſtützung bringt, ſo haſt Du ihr in Ehrfurcht die Hand zu küſſen und ſie nicht an der Hand zu halten. Verſtehſt Du?

Joſeph ſtand ſprachlos und blickte zitternd zur Erde.

Wenn Du übrigens, fuhr der Kammerdiener ſanfteren Tones fort,etwas thun willſt, um der gnädigen Herrſchaft Deine Dank⸗ barkeit zu beweiſen, ſo kannſt Du mit mir kommen und mir den jungen Herrn ſuchen helfen. Er iſt geſtern vor dem Ausbruch des Gewitters in den Wald gegangen und nicht wiedergekommen und da fürchte ich, es ſei ihm in dem Unwetter ein Unfall begegnet.

Der junge Herr? fragte Joſeph verwundert.Der iſt ja in die Stadt gegangen.

In die Stadt? Was fällt Dir ein?

Freilich, bin ich ihm doch ſelbſt begegnet, wie ich geſtern gegen Abend vom Marktflecken heimging. Bei Zeſchenreuth auf der Landſtraße kam er daher, den Kopf voll Gedanken; denn er ſah mich nicht eher, als bis ich im Vorübergehen ihn grüßte: Guten Abend, Junker Karl! Er fuhr ordentlich zuſammen, wie er mich ſo uner⸗ wartet ſah, und eilte vorwärts, ohne meinen Gruß zu erwidern.

Du haſt Dich getäuſcht. Du haſt einen anderen für den Junker angeſehen.

Herr Kammerdiener! Am hellen, lichten Tage mich täuſchen? Ich werde doch, weiß Gott, den Junker kennen. Er trug ſein ſpaniſches Wamms von dunkelgrünem Sammt mit den rothen Puffen und ſeine Schlitzhoſen mit den gelbſeidenen Bändern und auf dem Kopfe das ſpaniſche Hütchen mit der kleinen weißen Reiherfeder.

Ja, das trug er wirklich. Alſo in die Stadt iſt er gegan⸗ gen? Nun, ſo brauche ich mir keine weiteren Sorgen um ihn zu machen. So iſt er zu ſeinem Vater gegangen, der die Paar Wochen in der Stadt zubringt, um ihm die erlittene Kränkung zu klagen. Ich hätte dem Heißſporn ſoviel Beſonnenheit kaum zugetraut.

Gottfried traute ihm aber mehr Beſonnenheit zu, als er gehabt. Allerdings war ihm Joſeph begegnet, aber als einem Verzweifeln⸗ den, der nichts weniger im Sinne hatte, als nach der Stadt zu ſeinem Vater zu gehen.

Karl war in ſeinem väterlichen Hauſe als Knabe von dem Geiſtlichen des Dorfes, ſpäter von einem Präceptor unterrichtet wor⸗ den. Sein Vater, ein ruhiger Mann, deſſen ſanftes Weſen ſich in der Individualität der Tochter wiederſpiegelte, hatte ihn anfangs dem Kriegerſtande beſtimmt, dem er ſelbſt in ſeinen jüngeren Jahren unter des großen Churfürſten Fahne angehört hatte. Allein frühzeitig ſchon bemerkte der verſtändige Mann, daß der Knabe ganz und gar das erregte Temperament ſeiner frühverſtorbenen Mutter, einer edlen aber leidenſchaftlichen Frau, geerbt hatte. Bei ihm, dem Knaben, entwickelte ſich dieſe leidenſchaftliche Natur in der Form des Jähzorns. Alle Bemühungen des Vaters und des Geiſtlichen, die Macht dieſes vulkaniſchen Naturels zu brechen, waren vergeblich. Es gelang ihnen leicht, Karls Gemüth auf edle Bahnen zu leiten;

es gelang, ihn zur Erkenntniß ſeines Fehlers zu bringen; nach jeder Entladung ſeiner Heftigkeit war er raſch und gerne bereit, zu bereuen, und ſeine Reue war eine innige, aufrichtige; aber beim nächſten An⸗ laß flackerte, ehe er ſich zu beſinnen vermochte, die Flamme wieder empor. Das beſtimmte ſeinen Vater, jenen Lebensplan wieder auf⸗ zugeben; er fürchtete, als Officier werde Karl bei ſeinem Jähzorn in unaufhörliche blutige Händel verwickelt werden. So beſchloß er, ihn die Rechte ſtudiren zu laſſen und auch die Vorbereitungen für dieſes Studium zog er mit Abſicht ſo in die Länge, daß Karl nicht zu früh in das Studentenleben hinaustreten ſollte. Indeſſen noch länger ließ ſich die Sache nicht mehr hinausſchieben; der Jüngling hatte das neunzehnte Jahr erreicht und vollgenügende Vorkenntniſſe ſich geſammelt. Vor wenigen Wochen war der Präceptor entlaſſen worden; im Herbſt gedachte der Vater ihn auf die von den Franken damals häufig beſuchte Univerſität Leipzig zu ſchicken.

Als Karl dieſen Nachmittag fortgeſtürmt war in den Wald hinein, da war er weder ſeiner Sinne, noch ſeiner Gedanken mäch⸗ tig. Zorn, Haß, Rache wogte in ſeiner Bruſt. Die Drohung Meinhards, als er deſſen Herausforderung abgewieſen:Die Welt ſoll's wiſſen, daß Du kein Edelmann biſt machte dem un⸗ erfahrenen Jüngling geringere Sorgen; aber ſoviel ward ihm beim Gedanken an jene Herausforderung klar, daß er es dazu gar nicht hätte ſollen kommen laſſen, daß es vielmehr an ihm geweſen wäre, den Verleumder ſeiner Schweſter, ſtatt ihn zu ſchelten, zum Zweikampf zu fordern.Der Beleidigte war ich, nicht der Beleidiger..

So ſtürmte er hinaus, den Wald hinauf. Das nahe Dorf Walchenbrunn ließ er zur linken; dorthin führte des Feindes Weg, zog ſich dann über dem Dorfe im Bogen bergan und in den Wald hinein. Und fürwahr, dort ſah er den Verhaßten langſam unter der ſchwülen Auguſtſonne den Berg hinanſteigen; ſein Vorſprung war nicht ſo bedeutend, wenn Karl den Felſenpfad durch den Wald einſchlug, kam er dem Nichtswürdigen ſicher zuvor. Er eilte hinan; hinter einem Wachholderbuſche am Rand einer jähen Felswand hielt er; links herüber bog ſich der Fahrweg; Fußtritte erſchollen; er war's; Karl ſtürzte, den Degen gezückt, auf Meinhard los.Steh mir! Schlage Dich, Schurke! ſchrie er ihm entgegen. Erſchreckt that Meinhard einen Sprung zur Seite, ſo daß er zwiſchen Karl und dem Abgrund ſtand, und kaum fand er Zeit, den Degen zu ziehen, als der Racheglühende mit raſcher Wendung ſchon wieder neu auf ihn eindrang. Sie fochten. Der kaltblütige Meinhard parirte die Stiche des raſenden Gegners; ſchon war er daran, mit gewandter Klinge eine Blöße Karls zu benützen; da ſtrauchelte ſein Fuß auf dem felſigen Grunde; Karls Degen bohrte ſich tief in ſeine Bruſt.

Er fiel, dumpfröchelnd, auf den mooſigen Grund und riß Karl, der den Griff des Degens krampfhaft feſthielt, faſt mit ſich zur Erde. Wüthend noch, riß Karl den Degen aus der Wunde. Wie er aber den Blutſtrahl ſich entgegenſpritzen und des Fein⸗ des erblaſſendes Antlitz ſah, da ſchrak er zuſammen. Ein plötz⸗ licher Donnerſchlag praſſelte über den Wipſeln.Kain! rief' aus dem Donner. Noch ein Blick auf den zuckenden Leichnam und von Grauſen und Entſetzen erfaßt, wandte ſich Karl und floh.Mein Vater! Mein Vater! ſtöhnte er, mehr in Gedanken, als mit Worten. Er fühlte, daß er Vater und Heimat verloren. Er kam ins Dickicht; eine Strohhütte ſtand vor ihm und ſchreckte ihn auf. Wenn ſie mich finden! den Mörder finden! Aber die Hütte, zwei ſchräge Strohwände die in ſpitzem Winkel eine Firſt bildeten, einſt eines Holzhackers Zuflucht bei ſolchem Unwetter war leer und verlaſſen. Karl betrachtete den bluttriefenden Degen in ſeiner Hand.Was ſoll mir der? Fort, Du Fluch! rief er, und ſtieß den Degen in das Strohdach, ſo heftig, daß der Griff ſich tief im lockern Stroh verſteckte. Ruhiger, als hätte er mit der blutigen Klinge zugleich auch ſeine Schuld von ſich gethan, ging er ſeines Weges. Aber welches war ſein Weg? Wohin anders, als hinaus in die Weite? Seines Vaters Haus wollte, dufte er nie wiederſehen.

Der Edelhof ſammt ſeinem Dorfe lag, wie ſchon bemerkt, in der Mitte eines weiten, reizenden Thalgrundes, der auf drei Seiten von hohen Bergmaſſen umgeben war, und nur nach Süden dem Bächlein einen Ausgang ins ebne Land verſtattete. Im Weſten lag droben auf dem ſanften Abhang unter Obſtpflanzungen das Dörfchen Lindelberg; hinter Karls Rücken in einer Seitenbucht der öſtlichen wilderen Wand lag das Dörfchen Walchenbrunn. Die Bergmaſſe ſelber war ganz von der Waldung bedeckt, die ſich hier

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