fachen Vermerk von des Königs eigener Hand:„Dazu hat Buchholz kein Geld!“ die Miniſter begriffen wohl, daß das ein„Nein!“ war; da ihrer An⸗ ſicht nach aber der Zuſtand der Brücke gefährlich war, ſo machten ſie eine zweite Eingabe, die indeſſen kein beſſeres Schickſal als die erſte hatte, denn
machte einen ſolchen Eindruck, daß von da an jeder, der eine Ausgabe auf⸗ ſchieben mußte oder wollte, ſich und andere mit der Redensart tröſtete:„Dazu hat Buchholz kein Geld!“ Das Miniſterium ließ übrigens die Brücke doch repariren, erhielt dafür aber noch einen königlichen Wiſcher, indem der Monarch ſchrieb:„Ich habe die Brücke paſſirt und außer dem Geländer nichts Schadhaftes on ihr wahrnehmen können, auch iſt ſie ja von Stein und maſſiv gebaut.“ Wirklich mußte die Dringlichkeit der Reparatur noch ein Mal nachgewieſen werden, ehe der Zahlungsbefehl erfolgte.
Wer war nun jener Buchholz, der niemals Geld hatte, wenn eine Sache nicht ganz dringend war?
Dieſer Mann hieß Auguſt Buchholz, hatte eine ſtattliche Perſon von 5 Fuß 10 Zoll und war in ſeinem achtzehnten Jahre, gerade da er hatte zur Univerſität abgehen wollen, aufgegriffen und bei dem Regimente angeſtellt worden, welches Friedrich der Große noch als Kronprinz bekam. In dieſem Regiment diente Buchholz 25 Jahre untadelhaft als Soldat, als Unter⸗ officier und als Feldwebel. In der Schlacht bei Molwitz wurde er am linken Knie bleſſirt und zum ferneren Dienſt untauglich. Der König aber, der ſeine Rechtſchaffenheit und Treue ſeit vielen Jahren genau kannte, machte ihn zu ſeinem Hofſtaatsrentmeiſter und in der Folge zum Treſorier. Dieſer Ehren⸗ mann war alſo gemeint, wenn Friedrich ſchrieb:„Dazu hat Buchholz kein Geld!“ 1
Nicht nur bei Königen, ſondern auch bei Privatperſonen iſt's oft recht gut, wenn Buchholz kein Geld hat.
Uebrigens war der Königl. Treſorier Auguſt Buchholz, der hochbejahrt auf dem Königl. Schloſſe zu Berlin, wo er Amtswohnung hatte, ſtarb, der Oheim des bekannten und treuverdienten Brandenburgiſchen und Preußiſchen Geſchichtsſchreibers Friedrich Buchholz. G. H.
Die Pariſer Journaliſtik.
Im Jahr 1854 zählte man 416, 1862 ſchon 648, 1863 690 und heute am 1. Juli 1865 nicht weniger als 816 in Paris erſcheinende Journale und Revüen, die ſich mit allen Zweigen des religiöſen und politiſchen Lebens, der Wiſſenſchaften und Künſte, des Handels und der Induſtrie, mit allen mög⸗ lichen und unmöglichen Dingen in folgender Vertheilung beſchäftigen:
Kath. Religion...... 60 Schöne Kiinſte...... 67 Proteſtant........ 22 Archäologie, Numismatik... 16 Israelit......... 2 Eiſenbahnen, Straßen⸗, Brücken⸗, Unterricht u. Erziehung... 20 Bergbau 22 Jurisprudenz 48 Finanzen, Börſe.... 19 Verwaltung.......16 Technologie....... 69 Polititht.. ,25 Literatur.......57 Polit. Oekonomie, Handel u. ſ. w. 48 Damen⸗, Familien⸗, Jugend⸗ Wedicein....46 zeitungen...... 34 Naturwiſſenſchaften u. Mathematik?ss Moden, Damenarbeiten... 54 Landwirthſchaft u. Thierheilkunde 30 Sport, Jagd, Fiſcherei, Spiele. 14 Gartenbau, Obſtbaumzucht.. 10 Freimaurerei...41 Militärweſen 16 Spiritismus.....5 Marine, Colonien 10 Bibliographie...... 19
Geſchichte, Geographie, Heraldik. 25
Für c. 30,000 Fr. Jahresabonnement könnte man ſich das Vergnügen verſchaffen, dieſe ganze Maſſe geſchwärzten Papieres in die Hände zu be⸗ kommen.
Die älteſte dieſer Zeitungen iſt die Gazette de France, vom Jahre 1630 datixend, die theuerſte das Journal des Débats, das 80 Fr. jährlich koſtet, die wohlfeilſte die Gazette des Abonnés, die nichts koſtet; die verbreitetſte „Le Petit Journal“ ſetzt durch Colportage täglich über 260,000 Ex. ab.
In einem Chaire catholique betitelten religiöſen Journal kann man ſämmtliche an den 4 nächſten Sonntagen in den Pariſer Hauptkirchen zu haltende Predigten im voraus leſen. In„la Nouvelle Régence“, der Schachzeitung, macht man Partien, bei denen der Gegner tauſend Stunden vom Gegner entfernt iſt und bei denen man alle 3 Monate einen Zug macht. Le Fumeur iſt das Organ der Panatellas und Loudrés,— das Journal des Baigneurs iſt nicht ins Waſſer gefallen, es iſt bereits in der Mitte ſeines 15. Jahrgangs,— La Révélation d'Outre- Tombe erſcheint monatlich und enthüllt für 10 Fr. jährlich die Zukunft und das Jenſeits,— le Nécro- logiste beſchäftigt ſich nur mit Todten, das Journal de l'Amour nur mit Neugebornen. Die Goldſchmiede, die Schloſſer, die Schreiner, die Metzger, die Hutmacher, die Uhrmacher haben ihre eigenen Zeitungen, ſelbſt die Lumpen⸗ ſammler ein Journal des chiffons. Eine ſo eben neu erſcheinende literariſche Zeitung nennt ſich„Le Misérable, und hofft vielleicht dieſen Namen zu ver⸗ dienen. Auch die Puppen haben eine Gazette de la Poupée, und die kleinen Kinder leſen ſchon ihr Journal„Baby“. Die kleinſte Zeitung iſt„Le Lilli- putien“ nur halb ſo groß als eine Hand, ſo daß ein Bogen gewöhnliches⸗ Zeitungspapier zu 20 ſeiner Exemplare reicht. Sein Theaterkritiker nennt ſich Microscope, ſein Tageschroniſt zeichnet Minimus und ſein Redakteur en chef hat den Namen Tom pouce(Daumesdick) angenommen. Dieſe Zeitung iſt häufig wegen Mangels an Raum genöthigt die Hälfte eines
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auch ſie kam mit dem Vermerk zurück:„Dazu hat Buchholz kein Geld!“ Das
Lopgogryphs für die nächſte Nummer zurückzulegen und ein Sonnet füllt ſeine erſte Seite vollſtändig. K.
Die Heimat der arabiſchen Vollblutpferde
iſt der Nedſched, d. h. das Binnenland von Arabien; doch beſitzt dieſe Pro⸗ vinz nicht die nach europäiſchen Begriffen ſchönſten arabiſchen Pferde. In Europa liebt man zu ſehr eine glänzende Erſcheinung, um nicht die ſtattlicheren und impoſanteren Pferde der ſyriſchen und meſopotamiſchen Ebenen den feineren Nedſchedpferden vorzuziehen. Was man in Europa „arabiſche Pferde“ nennt, ſind alles Pferde aus Syrien, wie H. v. Maltzan in ſeiner„Wallfahrt nach Mekka“ behauptet, aus der Gegend um Bagdad oder gar aus Aegypten. Koheil, d. h. ächte Vollblutpferde des Nedſched, ſind in Europa unbekannte Dinge und möchten, wenn ſie eingeführt wür⸗ den, vielleicht gar nicht gewürdigt werden, weil der arabiſche Pferdetypus oft geradezu das Gegentheil von dem engliſchen iſt. Weil der Nedſched zwar ſehr gute, aber nicht viele Pferde erzieht, während die ſyriſchen und meſopotamiſchen Ebenen eine weit größere Zahl aufweiſen können, ſo ſind ſie auch theurer als dort, und das arabiſche Reitpferd iſt ſelbſt in Arabien ein großer Luxusartikel.
General Alava.
Nachdem Napoleon die ſpaniſche Königsfamilie nach Bayonne ins Netz gelockt, berief er, um ſeine willkührlichen Abſichten mit dem Scheine freiwilliger Nationalbeſchlüſſe zu umgeben, eine Verſammlung ſpaniſcher Großen zu ſich. Während ihres feierlichen Zuſammentritts in einem Saale des Palaſtes Marac trat er von der Jagd im Vorzimmer ein und wohnte der Eröffnung ungeſehen bei. Der erſte Redner war der Herzog von In⸗ fantado. Er ſprach in langem Vortrag hin uud wieder, um ſich einer beſtimmten Erklärung über den Gegenſtand der Berathung zu entziehen. Endlich ward es Napoleon zu viel, und im Jagdkleide vortretend fuhr er den Herzog an: er wiſſe wozu er hieher berufen ſei, er ſolle ſich gerade ausſprechen; wolle er nicht, wie befohlen, für die Thronentſagung der Bourbons und Joſepfs Königthum ſich erklären, ſo könne er und jeder andere auf der Stelle abreiſen, werde aber dann als ſein Feind behandelt werden! Das wirkte, Infantado blieb und that wie befohlen; die ganze Verſammlung, mit Ausnahme des Generals Alava, folgte ſeinem Bei⸗ ſpiel. Alava allein nahm den Handſchuh auf und entfernte ſich. Er hat den Krieg gegen Napoleon in den Reihen ſeiner Landsleute und der ver⸗ bündeten Engländer, als Wellingtons Adjutant noch bei Waterloo, mit Verluſt eines Armes, tapfer ausgefochten. 5. L.
Für das deutſche Rettungsweſen zur See gingen bis heute den 10. Juli ferner ein:
Pf. Axenfeld in Smyrna Thlr. 2.— Dr. Grundemann in Gotha Thlr. 1.— H. W. H. in E. Thlr. 2.— P. S. in L. Thlr. 1.— Von den Ufern des ſchwäbiſchen Meeres von Pf. Ewald u. Frau von Cola in Ueberlingen Thlr. 2.— Die Untertertiga des Gymnaſiums zu Treptow Thlr. 2. 2 Gr.— Superint. Krahmer in Droßen Thlr. 2.— Ungenannt in Brunne b/ Ferbelin Thlr. 1.— Kr.& D. zu Lautern in Oſt⸗Preußen Thlr. 3.— Aus Erdmannsdorf Thlr. 1.— Apotheker Schmitz in Wat⸗ tenſcheid Thlr. 2.— Superint. Schulz in Mühlheim a/Ruhr Thlr. 5.— Lehrer Scheidt in Unterbarmen Thlr. 1.— Pf. Pflug in Wermar Thlr. 1. — Vom Gymnaſium zu Potsdam durch Oberlehrer Möller Thlr. 6. 10. — Pf. K. in W.thal Thlr. 1.— Victor von Strauß in Bückeburg Thlr. 12. 23 ½ Sgr.— Pf. O. Möller in Grumbach Thlr. 1.— Durch Küchen⸗ meiſter Engel zu Kloſter Malchow in Mecklenburg aus geſammelten Bei⸗ trägen Thlr. 30.— Betrag unſrer vorigen Quittung Thlr. 1573. 24 Gr. In Summa: Thlr. 1650. 29 ½ Gr. Thlr. 22 Jahresbeiträge und 3 Lotterielooſe.
Briefkaſten.
Herrn J. B. in Moskau. Auf Ihre Anfrage, ob Sie das Daheim nicht auch durch die Poſt beziehen können, haben wir mit Ja zu antwor⸗ ten. Das Blatt iſt in ganz Rußland durch ſämmtliche Kaiſerl. Poſt⸗ Anſtalten gegen den geſetzlichen Poſtaufſchlag zu beziehen. Eine Weigerung einzelner Poſtanſtalten könnte nur auf Mißverſtändniß beruhen.
Herrn J. C. W. in D.— Die von Ihnen gewünſchte Abbildung der Panzerſchiffe„Arminius“ und„Cheops“ wird in Nr. 44 erſcheinen. Früher war es nicht möglich.
B. S.& C. in Barmen. Ihren Wunſch in Betreff der Rebus wer⸗ den wir in Ueberlegung nehmen.
Dr. W. in Torgau. Ihre Theilnahme iſt uns ſehr werthvoll. Beſten Dank dafür, wie für die freundliche Berückſichtigung des„Büchernarren“, dem die 7 alten Bände ſehr willkommen ſind. Die Verbreitung des Da⸗ heim in Amerika hat beſonders ſeit Schluß des Krieges einen hübſchen Aufſchwung genommen. Die„Wanderprämien“ ſollen gelegentlich be⸗ nutzt werden. Die andere Angelegenheit iſt, wie Sie aus Nr. 41 erſehen haben werden, bereits Ihrem Wunſche gemäß erledigt.
W. in Zürich.— Sie haben Recht. Gottfried Flammberg iſt der Verfaſſer der„Kreuzeiche“ und des Romans:„Kurt Werner“. Seine
Brzähünng:„Der Flüchtling“ beginnt in der nächſten Nummer unſeres attes..
d.
1Sö.
„ fried, der nas ſage fortfuhr, daß 8s ſ ſagte Go iſt er f nachher gut zun ſo wüthe
„2 hat er aing, de Junkers grifen,


