Jahrgang 
1865
Seite
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Die ältere Form dieſes Kruges iſt diejenige, wo Hals und Bauch ſich in ſcharfer Kante treffen, die ſpäter abgerundet wird, wodurch die Form an Grazie ungemein gewinnt.

Manchmal freilich ſcheint es, als ob die Alten, um nur etwas Schönes zu ſchaffen, das Praktiſche ein wenig beeinträchtigt hätten. Dieſe Betrachtung kann man namentlich bei der Vergleichung alter und neuer Kriegsgeräthe machen. An Schönheit ſind die erſtern den letztern weit überlegen. Wer je in einer Sammlung mittelalterlicher Waffen geweſen iſt, weiß, was für eine unförmliche Figur dieſe alten Ritter in ihren Panzern, Helmen und Beinſchienen machen. Aber auch die modernen Cüraſſierpanzer und die bunte Willkürlichkeit der modernen Tſchakos iſt nicht eben von beſondrer Schönheit. Die alten Griechen dagegen befolgten ein höchſt einfaches Princip, ſie bildeten die durch die Rüſtung zu deckenden Theile in Metall nach, ſie formten die Rüſtung gleichſam über der Natur. Der Helm hat den Zweck, den Kopf zu ſchützen, es wird alſo ein hohler Kopf von Metall ge⸗ bildet mit Augen, Naſe, Backen, genau ſich anſchließend an den wirk⸗ lichen Kopf. Ebenſo verfährt man mit dem Panzer, er beſteht aus einem Bruſt⸗ und Rückenſtück, auf deren jedem alles wichtigere anato⸗ miſche Detail des wirklichen Körpers ausgedrückt iſt, ſo daß die ſonſt unvermeidliche leere platte Fläche verſchwindet. Auch die Beinſchienen ſind nur Beine von Erz, kurz man ſieht, es iſt daſſelbe Princip, das in der Bekleidung der griechiſchen Statuen herrſcht, nämlich die Form des Körpers nicht zu verſtecken unter der Hülle, ſondern die Hülle ſchmiegt ſich den unter ihr liegenden Formen an. Alſo auch hier wieder die Abneigung vor willkürlichen Formen, das treue Anſchließen an die vorbildende Natur. Ob aber freilich der flach anliegende grie⸗ chiſche Panzer ſo praktiſch iſt, wie der vorgewölbte der neuern Zeit, iſt mir zweifelhaft.

Bisher wurden nur ſolche Eigenthümlichkeiten beſprochen, die den antiken Geräthen im allgemeinen zukommen; bei Geräthen, die etwas höhere Anſprüche machen, tritt die künſtleriſche Zuthat natür⸗ lich in noch höherem Maße hervor. Beſonders beliebt war es, Figuren von Thieren und noch mehr von Menſchen mit Geräthen in Verbindung zu bringen. Als Griff oder Henkel oder Träger der ver⸗ ſchiedenſten Geräthe wird die menſchliche Geſtalt in ſinnigſter Weiſe benutzt. Die Alten verfuhren dabei in der kleinen Welt der Geräthe nach ganz ähnlichen Grundſätzen, wie in den großen Werken ihrer Architektur, wo ſie ja auch manchmal an die Stelle lebloſer Säulen menſchliche, gleichſam lebendige Träger unter die Laſt eines Gebälks ſetzten. Uns iſt dies auch geläufig durch die Nachahmung der moder⸗ nen Architektur. In Berlin z. B. iſt nichts gewöhnlicher, als daß man den Balkon eines Hauſes durch Mädchengeſtalten, die ſogenannten Karyatiden, tragen läßt. Es iſt gewiß richtig, nur leichte Laſten den Mädchen auf die Köpfe zu legen, für ſchwerere dagegen die ſtarre Stütze der Säule beizubehalten, allein in der Bildung der Mädchen⸗ figuren ſollten ſich unſre jetzt ſo gelehrten Architekten doch etwas ge⸗ nauer die griechiſchen Vorbilder anſehen. Es iſt eine Seltenheit, wenn man an den neuen Berliner Wohnhäuſern wirklich ſchön gebildete Karyatiden findet, und doch iſt der Grundſatz, der ihre Anordnung beſtimmt, ſehr einfach. Die Mädchen nämlich ſollen ja nicht ſelbſtän⸗ dige Statuen ſein, ſondern ſie gehören zu einem architektoniſchen Gan⸗ zen, in welchem ſie die Stelle von Säulen vertreten. So wenig nun die Säulen unter ſich verſchieden ſein können, eben ſo wenig dürfen die Mädchen, die Stellvertreter der Säulen, in ihrer Tracht und Hal⸗ tung von einander verſchieden ſein. Derartige Geſetze, zu deren Ver⸗ ſtändniß es nicht einmal eines feineren Gefühls bedarf, die vielmehr einfach in der Natur der Sache liegen, beobachteten die Alten auch in ihren Geräthen. Wie die Karyatide in ihrer ganzen Erſcheinung der Säule ähnlich ſein muß, die ſie vertritt, ebenſo muß eine den Griff eines Geräths, etwa einer Pfanne, vertretende Figur, in ihrer Er⸗ ſcheinung einem Griffe möglichſt ähnlich ſein. Sie darf ſich nicht auf ihre eigne Weiſe geberden, indem ſie z. B. die Beine auseinander hält, nur dadurch hat ſie ein Recht der Stellvertretung, daß ſie ſich ſo be⸗ nimmt, wie es die Natur des Griffs erfordert; ſie darf es alſo nicht übel nehmen, wenn ſie die Beine dicht zuſammenhalten ſoll und wenn

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ſie ein wenig ausgereckt wird. Was bei einer ſelbſtändigen Figur unſchöner Zwang wäre, iſt hier eine ſchöne Nothwendigkeit.

Als Beiſpiel für das Geſagte ſehe man ſich beſonders die Pfanne an mit der lang ausgeſtreckten männlichen Figur, die den Griff bildet. Es iſt ein Werk der alten Etrusker, eines Volkes, das wie ſeine Nach⸗ kommen, die Florentiner, in der Technik der Geräthe ſo kunſt- und erfindungsreich war, daß ihre Fabrikate, ſelbſt bei dem königlichen Kunſtvolk der Hellenen, ſehr geſucht waren. Außerdem führt unſre Abbildung zwei Spiegel vor, Metallſpiegel, wie ſie im Alterthum ge⸗ wöhnlich waren. Auch in dieſem Artikel waren die Etrusker Meiſter, es ſind noch hunderte dieſer Spiegel erhalten, zum Theil ſo blauk, daß man ſie noch jetzt gebrauchen könnte. Die Rückſeite des Spiegels zeigt gewöhnlich eine eingravirte Zeichnung zur Unterhaltung bei der Toilette. In Griechenland ſind nech wenig ſolcher Spiegel gefunden, einer der ſchönſten iſt der hier abgebildete, deſſen Griff durch eine wirkliche Figur gebildet wird. Das andre Exemplar ſtammt aus Pom⸗ peji; es iſt, wie man ſieht, kein Handſpiegel, ſondern auf einen feſten Stand berechnet. Der Mann, der den Spiegel emporhält, etwa wie Atlas das Himmelsgewölbe trägt, nur daß er die leichte Laſt frei und ſchlank, ohne ſich zu bücken und zu krümmen, emporhalten kann, ſteht mit ſeinen Füßen auf einer Schildkröte. Dies Thier findet ſich ſehr oft in den antiken Geräthen da angebracht, wo es etwas zu tragen gibt, es hat ja einen beſonders harten Rücken.

Doch genug der Einzelheiten. Sie werden hinreichen, um es deutlich zu machen, daß die alten Völker ein viel lebendigeres Bedürf⸗ niß hatten nach künſtleriſch geſtalteter Umgebung, als wir. In ſo vielen Fällen, wo wir uns des nüchternen Wortes bedienen, drückt das Alterthum ſich bildlich aus. Wir ſiegeln die Briefe mit unſern Namenszügen, das Alterthum ſiegelte mit Bildern, da konnte denn einer in einem hübſchen Symbol ſein Weſen oder ſeine Neigung aus⸗ drücken, wie z. B. der Dichterfreund Polykrates mit einer Leier ſiegelte. In vielen tauſenden ſind geſchnittene Siegelſteine mit ſchönen Bildern aus dem Alterthum erhalten und noch mehr Glasabdrücke von Steinen für den Gebrauch derer, welche das Geld nicht hatten für erſtere. Die Meilenzeiger ſind jetzt kahle Steine mit Inſchriften im Telegraphen⸗ ſtil, die Griechen ſetzten das Bild ihres Wegegottes an die Straßen, der den Wandrer in ſchönen Verſen freundlich belehrt, ihm auch wohl einen feinen Spruch mit auf die Reiſe gibt. So las man auf Meilen⸗ ſteinen in der Nähe des alten Athen Sprüche dieſer Art:Wandle mit gerechten Gedanken,Hintergehe deinen Freund nicht u. ſ. w. Kurzum, im ganzen Leben der Alten war man nicht auf den bloßen Nutzen bedacht, ſondern wünſchte alles zunächſt für den Nutzen Be⸗ ſtimmte aus der Sphäre des bloßen Nutzens herauszuheben. Es iſt eine ſehr falſche, wenn auch weit verbreitete Anſicht, daß die Völker in Kunſt und Handwerk von der knappſten Befriedigung der Bedürf⸗ niſſe ausgegangen und dann erſt zur Verzierung des Nothwendigen, zur Schönheit gelangt ſeien. Mit dem knapp Nothwendigen begnügt man ſich nur, wo der eiſige Hauch des Materialismus die edleren Kräfte und Bedürfniſſe einer Nation getödtet. Solche Denkungsweiſe aber darf man nicht in der Kindheit der Völker vorausſetzen, die voll iſt von Phantaſie und Gemüth.

Wir verkennen freilich nicht, daß ein Unterſchied iſt zwiſchen den Völkern, wie zwiſchen den Individuen. Der eine iſt mehr nach Innen gekehrt und legt wenig Werth auf die äußere Erſcheinung ſeiner ſelbſt und der Dinge um ihn her, der andre trägt ſich mit Anſtand und Grazie und bildet ſein eignes Weſen unwillkürlich auch der umgebenden Welt ein. So geht es auch mit den Völkern. Die nördlichen Völker ſind im allgemeinen von der erſten Art, die ſüdlichen, jetzt und früher, von der andern. Es iſt dieſer Unterſchied auch für das geiſtige Leben der Völker von der höchſten Bedeutung. Nun ſoll ein jeder freilich in ſeiner Art bleiben und das ihm gegebene Theil mit allem Ernſt aus⸗ zubilden ſich bemühen, denn die Nachahmung iſt unrecht und un⸗ würdig und hat auch noch nie einen rechten Erfolg gehabt. Es ſoll aber auch der eine vom andern lernen, ſich des andern Weiſe

durch den Kopf gehn laſſen und die Gefahren der Einſeitigkeit zu vermeiden ſuchen.

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