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dahin, er würde nichts von dem allen finden. Aber friſche, freie Gottesnatur, eine weiche ſtärkende Luft, reiche Abwechſelung des ver⸗ ſchiedenen Bodens, eine Menge treffliches Rindvieh auf ergiebigen Wieſen, Dünen mit kleinern und größern Thälern, die nie geſehene Pflanzenformen darbieten, durch welche rothäugige Kaninchen huſchen, einen prachtvollen Strand mit kräftigem Wellenſchlag und das Meer mit ſeinem ewigen Wechſel, ſeinen ſanft murmelnden Wellen und ſeinen wild donnernden Wogen; eine gemüthliche, noch nicht zu ſehr von der Cultur beleckte Bevölkerung— das und noch manches andere bietet Borkum. Wer einmal dort war und Wohlgefallen findet an Naturſchönheiten und ungekünſtelten Naturverhältniſſen, den wird es gewiß mit unwiderſtehlicher Gewalt wieder hinziehen.
Borkum iſt nicht nur die größte und fruchtbarſte, ſondern auch bei weitem die ſchönſte unſerer oſtfrieſiſchen Inſeln. Sie liegt da, wo die Ems ſich mit ihren beiden Armen in die Nordſee ergießt. Schon die Römer erwähnen ihrer, Plinius nennt ſie Fabaria oder Burchana, Strabo Burchanis, doch umfaßte ſie zu der Zeit mehr als zwanzig Quadratmeilen, und das heutige Nordernei iſt vielleicht nur ihr damals öſtlichſter Theil. Fürchterliche Sturmfluten haben wieder⸗ holt ſie zerſtückelt und mehrere dieſer Theile wurden abermals im Laufe der Jahrhunderte verſchlungen. Auch das jetzige Borkum be⸗ ſteht aus zwei zur Flutzeit getrennten Theilen; aller Anſtrengungen der Kunſt, dieſelben wiederum zu verbinden, hat das Meer geſpottet. Von dieſen beiden Theilen iſt das ſogenannte Weſtland der eigent⸗ lich bewohnte Theil; hier finden wir Dorf, Kirche, Schule, Leucht⸗ thurm, Badeanſtalt, dort auf Oſtland nur einige Bauernhöfe.
Die Fahrt zur Inſel geht von Emden, von wo im Sommer wöchentlich verſchiedene Dampf⸗ und Segelſchiffe fahren. Mit erſtern erreicht man das Ziel der Reiſe in etwa drei Stunden, mit letztern dauert's natürlich etwas länger. Nachdem man die alte Seeſtadt Emden ver⸗ laſſen und die koloſſale Seeſchleuſe paſſirt hat, gelangt man auf den Meerbuſen Dollart; derſelbe entſtand 1277— 1287, fünfzig Dörfer, ſowie eine nicht unbedeutende Stadt liegen auf ſeinem Grunde. Statt deſſen ſieht man dort jetzt auf⸗ und abſegelnde Fahrzeuge, ſich über⸗ ſchlagende Delphine und die einſame Möwe. Zu beiden Seiten ſind die Dörfer genau zu unterſcheiden: hier holländiſche, dort oſtfrieſiſche. Nach etwa einer Stunde paſſirt man die holländiſche Feſtung Delfſiel und von nun an gewinnt die Ems immer größere Breite, ſo daß bald ein ſcharfes Auge erforderlich iſt, die Ufer zu erkennen. Die Wellen gehen höher und verkünden die Nähe des Meeres, vom Ver⸗ deck verſchwinden nach und nach die zur Seekrankheit Geneigten, um ungeſehen Neptun ihre unfreiwilligen Opfer darzubringen.
Da gibt die Inſel die erſte Kunde von ſich: der 1576 erbaute, 120 Fuß hohe Leuchtthurm ſteigt aus den Wogen empor. Bald zeigt ſich uns die Inſel wie ein leichtes Gewölk, dann als weißlich gelber Streifen, bald werden Dünen, Kapen und Strand ſichtbar und der Anker fällt.
Wir betreten das freundliche Eiland und fahren dem Dorfe zu, welches in Hufeiſenform von Nord nach Süd mit trefklichen Wieſen und fruchtbarem Ackerland vor uns liegt. Im Dorfe werden wir mit der den Inſulanern eigenen Neugierde empfangen und bereit⸗ willigſt zu einem Quartiere geführt.
Die Häuſer des von etwa 500 Einwohnern bewohnten Dorfes ſind einfache, einſtöckige Gebäude mit aufſtehendem frieſiſchen Giebel und vereinigen unter einem Dach Wohnung, Stall und Scheune. Das Innere eines ſolchen Wohnhauſes, welches noch nicht im Dienſt der Badeanſtalt ſteht, alſo noch ſein urſprüngliches Gepräge trägt, hat eine Sommer⸗ und eine Winterküche, einen Milchkeller, eine Pie⸗ ſel, die ſelten zur Wohnung, faſt immer nur zur Aufbewahrung des Sonntagsſtaats und der beſſern Sachen, ſowie zur Wohnung der Todten bis zur Beerdigung benutzt wird. In der Winterküche be⸗ findet ſich ein mächtiger Feuerherd, deſſen Rückſeite aus weißen oder bunt bemalten Eſtrichen beſteht. In demſelben hängt Kette, Zange und Aſchſchaufel, alles blank geſcheuert und wie Silber glänzend. Die in der Wand angebrachten Betten, ähnlich wie die Kojen auf den Schiffen, ſind ſo hoch, daß man nur vermittelſt einer davor⸗ ſtehenden, hübſch geſchnitzten und reich vergoldeten Bank hinein⸗ ſteigen kann.
Bei allen Häuſern befindet ſich ein kleinerer oder größerer Gar⸗ ten, in dem Gemüſe allerlei Art, Kartoffeln und Korn gebaut wird. Obſtbäume wollen wegen der verheerenden Seewinde nicht recht fort;
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ſobald überhaupt die Bäume das Haupt über das ſchützende Dach recken, werden die Blätter ſchwarz und die Krone verdorrt.
Die Wege dieſes Dorfes beſtanden bis vor kurzem nur aus Sand; jetzt hat man durchs ganze Dorf und bis an den Badeſtrand einen hübſchen Steinweg angelegt.
Im öſtlichen Theile des Dorfes ſteht der ſchon erwähnte Leucht⸗ thurm, neben ihm liegen Kirche und Gottesacker. Erſterer war früher ohne Leuchtapparat, 1857 wurde das ſeit vierzig Jahren aufgeſtellte Reverberenlicht gegen ein katadioptriſches nach Fresnelſchem Syſtem umgetauſcht. Hier befindet ſich auch die Batterie des Telegraphen, vermittelſt welches man täglich mit ſeinen Lieben nah und fern reden kann. Die Ausſicht vom Thurm auf Dorf, Inſel und Meer iſt eine unbeſchreiblich reizende.
Die Kirche bietet nichts Beachtenswerthes. Eine ſteile, ver⸗ fallene Treppe führt auf den mehrere Fuß hohen, von Sand und Raſen aufgeführten Kirchhof. Grab reiht ſich an Grab, eines noch einfacher als das andere, wenige nur deckt ein kalter Stein, noch wenigere ein ſtehendes hölzernes Denkmal mit einem ſchlechtgemalten Symbol der Ewigkeit und der Verklärung. Baum und Strauch ſuchſt Du vergebens, Eiſengitter und Familiengrüfte kennt man hier nicht, aber Ruhe, tiefe Ruhe und leichte Erde wird dem müden Schlummernden zu Theil. Der Inſulaner betritt nur dann den Kirchhof, wenn wieder einer aus ſeiner Mitte die Augen zum ewigen Schlafe geſchloſſen hat. Bis vor wenigen Jahren grub der Nachbar dem Nachbar das Grab, jetzt aber hat man auch hier einen Todten⸗ gräber angeſtellt. Ein anderer Friedhof befindet ſich inmitten der ſtillen Düneneinſamkeit. Dort begräbt man die, welche das Meer an den Strand ſchwemmte. Hier ſchläft mancher wackere, kräftige Seemann unter dem leichten Sande, während die Seinen daheim ſich die Augen roth weinen über ſein Nimmerwiederkommen. Ohne Sang und Klang hat man ihn hier gebettet, bald iſt der einfache Grabhügel verweht, aber das nahe Meer ſingt ihm unaufhörlich das hehre Lied der Auferſtehung.
Die Bewohner Borkums verrathen in allem, äußerlich wie in⸗ nerlich ihre frieſiſche Abſtammung. Das ganze Dorf iſt faſt eine große Familie, da man ſich meiſtens unter einander, ſelten mit Feſt⸗ ländern verheirathet. Die Ehen ſind in den meiſten Fällen ſehr kinderreich. Keuſchheitsſünden ſind ſelten, wenn auch die Idee der Sittlichkeit nicht mehr ſo weit getrieben wird, wie vor Zeiten, da eine Wittwe im Glauben an ewige Liebe und Treue eine zweite Ver⸗ heirathung als Treubruch angeſehen haben würde. Auch über die Nichtverheiratheten wachte ein ſtrenges Sittengeſetz. Sonntag Abends beſonders ſah man in den einzelnen Häuſern die männliche und weib⸗ liche erwachſene Jugend verſammelt, hier mehrere in Freundſchaft und nachbarlicher Gewohnheit, dort ein einſames Liebespaar. Solche Zuſammenkünfte durften aber nach alter, von den Vätern überliefer⸗ ter Sitte nur bis Mitternacht dauern, wer länger blieb, wurde durch den Kolk gezogen, wie es unlängſt im„Daheim“ beſchrieben wor⸗ den iſt.*)
Geiſtesgegenwart, Entſchloſſenheit, Kühnheit, Tapferkeit— dieſe Gaben hat das Meer ſeinen Söhnen reichlich beſchert, auch die Frauen haben ihren Antheil davon erhalten.**) Treue, Gaſtlich⸗ keit und Ehrlichkeit werden geehrt und geübt, und erſt in neueſter Zeit hat dieſes und jenes neumodiſche Haus ein Thürſchloß erhalten. Die meiſten Thüren werden bei Nachtzeit nur mit einem hölzernen Riegel verſchloſſen. Diebſtahl und Betrug ſind Seltenheiten und Betteln iſt eine Schande. Man würde lieber. verhungern, als das Mitleid anderer anflehen. Seine Heimat liebt der Inſulaner über alles und wenn irgend möglich kehrt der auf fremden Schiffen Fah⸗ rende gegen den Winter heim, es nie unterlaſſend, am nächſten Sonn⸗ tag für ſich in der Kirche ein Dankgebet ſprechen zu laſſen. Der Glaube ſeiner Väter iſt ihm ein heiliges, unantaſtbares Gut, welches ihm zu entreißen keiner Macht der Erde gelingen würde. Eigenſinn und falſche, hartnäckige Vorliebe zum Alten und Hergebrachten ſind ſeine Hauptfehler. So war denn auch das hier errichtete Seebad ihm recht lange Zeit ein Dorn im Auge und hätte er gern die Inſel von allen Fremden geſäubert; die jährlich wiederkehrende Einnahme aber hat endlich dieſes Vorurtheil geheilt.
*) S. 506 und 523. 3.. **) Einen Beweis davon liefert die im vorigen Quartal mitgetheilte Erzählung:„Die Frauenſchlacht auf Borkum.“


