Jahrgang 
1865
Seite
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Sklavenhandel ein Ende machen, ſondern auch die Negerfamilie in die große Gemeinſchaft der Nationen einführen, in welcher kein ein⸗ ziges Glied leiden kann, ohne daß die anderen mitleiden. Gelänge dies ſowohl in Oſt⸗ als in Weſtafrika, ſo wäre die Folge, daß im Laufe der Zeit die Segnungen der Civiliſation ſich viel weiter aus⸗ breiten würden, als dies dadurch möglich iſt, daß man da und dort die Miſſionsarbeit auf einen einzelnen kleinen Stamm beſchränkt. Natürlich ſollte das Evangeliſationswerk zu gleicher Zeit in voller Kraft fortgehen, und zwar an geſunden, im Mittelpunkt des Ver⸗ kehrs liegenden Hauptſtationen. Denn weder die Civiliſation, noch das Chriſtenthum kann allein und eines ohne das andere gedeihen. Beide ſind unzertrennlich.

Höchſt intereſſant waren des großen Reiſenden Erzählungen aus ſeinen Beobachtungen in der Natur. In der That ſind ſeine Bei⸗ träge zur Kenntniß derſelben höchſt bedeutend. Welche glorreichen Gemälde des Thierlebens in Wäldern und Wüſten wußte er zu ent⸗ rollen! Welche klaren und anſchaulichen Bilder der Gewohnheiten von Vögeln, Fiſchen, Inſekten ꝛc. konnte er entwerfen! Von dem mähne⸗ loſen Löwen in Centralafrika erzählte er, deſſen dem Strauß⸗ geſchrei ganz ähnliches Gebrüll er zuerſt beobachtet hatte, von den ungeheuern, aber eßbaren Fröſchen in dem Kolobengfluße im Bechua⸗ nalande, von der ſeltſamen Tſetſéfliege und ihren giftigen und dem Vieh ſo verderblichen Stichen und von den Tampans, Inſekten, die den Menſchen beſonders und nicht ungefährlich plagen.

Aber auch Delikateſſen findet man in der Inſektenwelt, ſagte er u. a.;dazu gehören vornehmlich die weißen Ameiſen oder Termiten. Dieſe werden, beſonders in der Zeit des Schwärmens, fleißig geſam⸗ melt. Sie ſind dann einen halben Zoll lang, ſo dick wie eine Krähenfeder, und ſehr fett. Geröſtet ſehen ſie etwa wie Reiskörner aus. Eines Tages beſuchte uns am Ufer des Zouga der Bayeiyé⸗ Häuptling, als wir gerade beim Eſſen waren. Ich gab ihm ein Stück Brot und eingemachte Aprikoſen und da ihm beides gut zu ſchmecken ſchien, fragte ich ihn, ob er irgend ein ähnliches Nahrungs⸗ mittel in ſeinem Lande habe.O! erwiderte er;haben Sie je⸗ mals weiße Ameiſen gegeſſen? Als ich es verneinte, entgegnete er:Das glaube ich wohl; wenn Sie es hätten, würden Sie nie wünſchen etwas Beſſeres zu genießen.

Wie werden dieſe Inſekten denn gefangen?

Man gräbt ein Loch in ihre Hügel und wartet bis ſie hervor⸗ kommen, um den angerichteten Schaden wieder gut zu machen. Dann ſchiebt man ſie in ein Gefäß, ähnlich dem Ameiſenfreſſer, der ſie mit ſeiner langen, dünnen, biegſamen Zunge in ſeinen Mund ſchiebt.

Dann wieder gedachte er des ſchnellen Fluges tauſender von Schwalben und anderer Wandervögel, die wie er Wanderer aus dem ſernen Europa waren, aber wohl viel früher als er dorthin zurück⸗ kehren mochten. An anderen Orten erblickte er Turteltauben, die ihre kleinen friedlichen Wohnſtätten auf Bäumen anlegten, welche ſich über einen wild brauſenden Strom neigten. Von den anmuthigen Anti⸗ lopen und Hirſchochſen ſprach er und von dem reizenden kleinen Honigvogel. Sein Auge glänzte fröhlich, als er die luſtige Weiſe deſſelben beſchrieb, der ihm ſo manchmal auf ſeinen einſamen Pfaden begegnet war.

Der kleine Burſche, erzählte er;ſehr prunklos in ſeinem Aeußern, aber ungemein heiter und zuthunlich in ſeinem ganzen Weſen, pflegte ſich auf einem Zweige vor mir zu ſchaukeln; dazu zwiitſcherte er in muntern Triolen, und ſobald er ſah, daß es ihm gelungen, meine Aufmerkſamkeit zu feſſeln, weg hüpfte er wieder auf den Zweig eines anderen Baumes. Von da verneigte er ſich ganz höflich und wiederholte ſeine Triolen. So folgte ich meinem luftigen Führer,

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zu ſeiner ſichtbaren Genugthuung, bis ich an einen etwas verdächtig ausſehenden Baum gelangte, den ich ſogleich als die Feſtung eines Stammes wilder Bienen erkannte. Was thut der kleine Späher nun? Er fliegt auf einen benachbarten Baum und ſitzt dort ruhig und er⸗ wartungsvoll und putzt ſein Gefieder, während ich die goldene Honig⸗ ſcheibe vorſichtig ausſchneide. Iſt das alles? Nein: ein kleines, reiches Stück lege ich ihm ſorgfältig auf einen Zweig des Baumes, auf dem der Bienenfinder geduldig und inſtinktiv hoffend daſitzt. Das iſt Waldgerechtigkeit; und alles iſt in Ordnung zwiſchen Menſch und Vogel.

Haben Sie jemals ſolch einen Vogel gefangen, Dr. Living⸗ ſtone?

Niemals; ich verſuchte es, aber wirklich, ich konnte es nicht. Es wäre ein Mord geweſen.

Darauf ſprach er mit hinreißender Anſchaulichkeit von jenem wundervollen Sturze des großen Zambeſiſtromes, dem er den Namen Victoria Falls gegeben hat, von dem merkwürdigen Riſſe, in den der Fluß ſo wild und jäh hinabfällt, von dem ſchwfen Baſaltrande, über den er dahinbrauſt, und von den fünf großen Säulentönenden Rauches wie die Eingebornen ſie gerne nennen die ſich wie Monumente aus ſeiner verborgenen Begräbnißſtätte erheben, über⸗ ſpannt von ſolch einem Regenbogenkreiſe, wie ihn nur des Südens Sonne aus perlichten Lichtgürteln zu bilden vermag. Es war auf dem kleinen Eilande, das den Strom oberhalb des Falles zertheilt, gerade wo er herabeilt, um in Atome wirbelnden Schaumes zu zer⸗ ſtäuben, daß der Reiſende den erſten europäiſchen Garten in Central⸗ afrika anlegte. Da, auf einem durch fortwährendes Schaumſpritzen bewäſſerten Boden pflanzte er ſeine hundert Pfirſich⸗ und Aprikoſen⸗ ſteine und ſäte ſeine Kaffeeſaat. Da ſchnitt er in einen Baum die Initialen:D. L. mit der Jahreszahl 1855; da ließ er ſeine frachtbaren Hoffnungen in dieſem Muttergarten einer neuen Welt keimen.

Es war ſpäte Nacht geworden, als die in Mr. Oswalds Hauſe verſammelte Geſellſchaft endlich aufbrach; und noch lange dachte wohl ein jeder von ihnen an den ſo ſelten genußreichen Abend mit Living⸗ ſtone.*) N. K.

*) Die Ergebniſſe der erſten Reiſen Livingſtones wurden von der Londoner Miſſionsgeſellſchaft, in deren Dienſt er bisher gearbeitet hatte, dazu benutzt, in den geſunden und volkreichen Umgebungen des Flußes Zambeſi mehre neue Miſſionsſtationen zu gründen. Die Britiſche Regierung beſchloß ihrerſeits, die neu entdeckten Gebiete von Inner⸗Afrika noch weiter zu erforſchen, eines⸗ theils um für den Handel neue Wege zu eröffnen, andererſeits um der chriſt⸗ lichen Civiliſation und Bildung auch dorthin Bahn zu brechen. Das Britiſche Parlament bewilligte zu dieſem Zweck 5000 Pfund St. und beſchloß eine Eppedition wiſſenſchaftlich gebildeter Männer, Livingſtone an der Spitze, den Zambeſi hinaufzuſenden. Im Jahre 1858 wurde Livingſtone von der Königin Victoria zum Conſul von Kilimane, Sena und Tete ernannt. Am 13. Fe⸗ bruar deſſelben Jahres hatte er eine Abſchiedsaudienz bei ihr, bei welcher Gelegenheit ſie ihre lebendige Theilnahme für ſeine große Aufgabe aus⸗ ſprach und ihm Gottes Schutz und Segen wünſchte. Am Abend deſſelben Tages wurde ihm ein großes Feſtmahl bereitet, an dem mehr als 300 der angeſehenſten Gäſte(Herzöge, Grafen, Biſchöfe, Gelehrte ꝛc.) Theil nahmen. Als ein Trinkſpruch auf ſeine Geſundheit und auf den glücklichen Erfolg ſeines Unternehmens ausgebracht wurde, heißt es in einem Bericht, wurde die ganze Geſellſchaft von einem wahrhaft unbeſchreiblichen Enthu⸗ ſiasmus ergriffen. Livingſtone war tief bewegt, als er ſich erhob um zu danken.Laßt uns, rief er dann unter anderm aus,in Afrika nicht den gleichen Fehler begehen wie in Indien, ſondern laßt uns dorthin unſer Chriſtenthum mit uns nehmen! Auf die bisherigen Ergebniſſe ſeiner neuen Reiſen gedenken wir ein anderes Mal zurückzukommen.

Am Saume der Nordſee.

Von Herrmann Meier in Emden.

Die Nordſee⸗Inſel Borkum verdient vor vielen andern Inſeln von denen, die wirklich eine Badekur durchmachen wollen oder müſſen, und nicht blos des Vergnügens oder der Mode wegen ins Bad reiſen, beſucht zu werden. Borkum iſt erſt ſeit etwa zwanzig Jahren aus ſeiner Iſolirtheit herausgetreten, iſt kaum zehn Jahre lang den Deutſchen, wie der Oſtfrieſe die Bewohner des Binnenlandes

nennt, bekannt und doch ſchon heute ein Seebad zweiten Ranges, und bei nur etwas materieller Unterſtützung würde es ſich in kür⸗ zeſter Zeit den beſuchteſten Seebädern nah und fern ebenbürtig an die Seite ſtellen können.

Bis jetzt muß es freilich darauf verzichten, und wer großar tige Zerſtreuungen, öffentliche Vergnügungen ꝛc. ſucht, der gehe ja nicht

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