3 *
KND 8
einige Einwendungen angebracht, z. B. daß Abartungen doch niemals
zu Umartungen führen können; ferner daß ein ſtarkes Moment gegen
die Hypotheſe noch in dem Fortbeſtehen der niedrigſten Organismen
liegt, die, wie die Korallenthiere, weder ausgeſtorben, noch etwas
Beſſeres geworden ſind,— es ließe ſich wohl noch manches anführen indeß, was hilft’s?“
„Ganz recht! was hilft's?“ verſetzte der Poet.„Dieſe Art iſt nicht umzuarten Ich hatte ihn gleich weg, als er den Menſchen ſo gelegentlich miteinrangirte, etwa hinter Faulthier und Affen. Wer aber das Wunder und die Wunder des Geiſtes nicht in ſich erlebt hat, wie wird der ſie außer ſich in der Natur erkennen? Da wird es ewig heißen: Sie haben Augen und ſehen nicht, Ohren und hören nicht. Dies ganze wiſſenſchaftliche Bedürfniß läuft darauf hinaus, Muſik durch die Akuſtik und Malerei durch die Optik zu erklären. Oder warum ſoll ich mich genieren, es offen zu ſagen? Es iſt das Intereſſe des Un⸗ glaubens, dem die Natur des Wunders nicht minder ein Greul iſt, als die Wunder der Natur, weil beide, einmal anerkannt, nothwendig zu der unbehaglichen Anerkenntniß eines lebendigen Gottes führen müſſen.“
„Ich glaube,“ ſagte der Philoſoph;„mir dieſen Irrthum auf eine andre Weiſe erklären zu müſſen. Einen Antheil an der Wahrheit hat jeder Irrthum; ohne ihn würde er weder auf⸗ kommen noch ſich ausbreiten, und von ihm lebt er eigentlich. So iſt es ja richtig, daß es im Pflanzenreiche wie in der Thier⸗ welt aufſteigende organiſche Reihen gibt vom Niedrigſten zum Höch⸗ ſten, vom Unentwickelten zur vollſten Ausbildung. Keine Art, keine Gattung ſteht vereinzelt da, und obgleich wir ſehen und wiſſen, daß jede, ſo lange ſie exiſtirt, ſie ſelbſt bleibt und nie zu einer anderen wird, ſo erſcheint ſie anatomiſch und phyſiologiſch doch als eine Fortbildung einer unteren, als die Vorſtufe einer oberen. Vielleicht kann man auch ſagen, daß jedes Individuum in ſeiner Ent⸗ wicklung die Stufen zu durchlaufen hat, auf welchen die niedrigeren Organismen ihrer Art zufolge verharren müſſen.“
„In gewiſſer Weiſe iſt das allerdings richtig,“ ſagte der alte Herr.
„Nun,“ fuhr der Philoſoph fort,„was ſehen wir darin anders, als die Einheit, die Mannigfaltigkeit und den Fortſchritt des ſchöpferi⸗ ſchen, des Daſein⸗ bewirkenden Gedankens der Gottheit? Der gött⸗ liche Gedanke des Thieres hat einen unendlichen Inhalt nach Art, Geſtalt und Entwickelungsſtufe; weil er aber bei allem Wechſel und Wandel ſeiner Manifeſtation er ſelbſt bleibt und in ſich geſetzlicher Organismus iſt, darum erſcheint er als ſolcher auch in der Fülle
ſeiner Productionen innerhalb der Natur. Mit anderen Worten: in der göttlichen Idee entwickelt ſich nach einheitlichem Geſetze Ge⸗ ſtalt aus Geſtalt, Art aus Art, von der Urzelle bis zum Menſchen herauf, und der Irrthum iſt, daß nicht dieſe Idee in ihrem Principe erkannt, als ſolche vielmehr geleugnet, das, was nur ihre Mani⸗ feſtation iſt, zum Prinzip erhoben, ſie ſelbſt aber zu einem materiell hiſtoriſchen Vorgang herabgeſetzt wird.“
„Ja, ja,“ ſagte der Dichter,„im Intereſſe des Materialismus. Aber wiſſen Sie, wie ich mir die Entſtehung dieſer Hypotheſe denke? Darwins Auge ſieht eben in der ganzen Natur nur engliſche Volks⸗ geſellſchaft. Da findet er in dem ſtark bevölkerten Lande den Kampf ums Daſein, das Ringen um die Exiſtenz, was in der Weiſe, wie es ſeine Hypotheſe verlangt, in der Natur gar nicht vorhanden iſt. Da hat er geſehen, wie einzelne Leute ſich bemühen, aus den über⸗ füllten niederen Klaſſen, wenn ſie ihren Lebensunterhalt nicht mehr finden, in beſſere Klaſſen hinaufzudringen; wie es ihnen ge— lingt, wenn Talent und Glück ſie unterſtützt; wie ſo die Familien nach und nach heraufrücken; wie der glückliche Abkömmling eines Kohlenträger⸗ Polypen endlich zum Lord⸗ Löwen wird; wie körper⸗ lich und geiſtig unbegabte Geſchlechter im Elend des Lebens ver⸗ kommen und ausſterben, begabtere ſich emporringen: und das alles hat er nun in die himmliſchen Gottesgedanken der wundervollen Natur echt philiſterhaft hineingetragen. Möchte er doch! aber es iſt ein Jammer, wenn man ſieht, wie auch damit wieder der materialiſtiſche Leviathan gemäſtet wird.“
„Für die Wiſſenſchaft ſind ſolche Irrthümer gleichfalls zu be⸗ klagen,“ ſagte der Philoſoph.
„Sagen Sie das nicht!“ verſetzte der alte Herr.„Wie man von der Kirche ſagt, daß ſie ihre Erkenntniſſe im Streit gegen die Ketzereien entwickelt habe, ſo iſt es auch mit der Naturwiſſenſchaft. In meinem langen Leben habe ich ſchon manche Syſteme einander abwechſeln ſehen. Jedes beſtritt das vorhergehende, wurde von dem nachfolgenden beſtritten, und über das alles iſt man doch allmählich ein gut Stück weiter gekommen. Entſchiedene Irrthümer, ſo lange ſie herrſchen, können zwar Unheil mancher Art zur Folge haben, aber zuletzt leben ſie ſich aus. So wird die Zeit kommen, wo auch die Darwinſche Lehre nur noch eine hiſtoriſche Merkwürdigkeit iſt.“
Der Philoſoph ſchien hierauf noch etwas antworten zu wollen, aber die Rückkehr des Naturforſchers machte dem Geſpräch ein Ende.
Victor von Strauß.
Sin Kbend mit Jivingſtone.
Es war im Dezember des Jahres 1856, bald nachdem der große „Pfadfinder“, deſſen Name ſeitdem in der ganzen Welt berühmt ge⸗ worden iſt, in England gelandet war. Von Hoch und Niedrig, von Männern der Wiſſenſchaft, wie von den Vertretern der Kirche, von den höchſten Staatsmännern, wie von den bedeutendſten Kaufleuten, ja von dem königlichen Hauſe war Dr. Livingſtone, Afrikas größter Miſſionar, mit einer ſeltenen Begeiſterung empfangen worden. Die hervorragendſten Städte Großbritanniens hatten es für eine Ehre gehalten, dem Sohne des Volkes, der aus einer ärmlichen Hütte Schottlands hervorgegangen, das Ehrenbürgerrecht zu verleihen.
In dem Drawingroom eines der ſchönſten Häuſer des Weſt⸗ endes von London, war eine große Geſellſchaft vereinigt. Der Gaſt⸗ geber, ein ſehr reicher Kaufmann, überblickte mit ſelbſtgefälliger Zu⸗ friedenheit den gewählten Kreis von Damen und Herren, die zum Theil den höheren Schichten der Geſellſchaft angehörten. Alle Geſpräche hatten nur einen Gegenſtand, alle Augen blickten ge⸗ ſpannt auf die Thüre, durch welche er, der alle ihre Gedanken be⸗ ſchäftigte, eintreten ſollte.
„Er läßt ſehr lange auf ſich warten, der gute Doktor,“ meinte eine Dame;„ein Mann von ſo geringer Extraktion ſollte doch etwas höflicher und pünktlicher ſein.“
„Ich verſichere Sie, Mylady,“ erwiderte Mr. Oswald, der Herr des Hauſes,„wir können uns ſehr glücklich ſchätzen, wenn er überhaupt kommt— denn außer meiner Einladung, die allerdings eine der erſten war, hatte er nicht weniger als fünf andere für heute Abend.“
„Iſt es möglich, und er iſt doch nur ein Miſſionar! Wes⸗
1
halb feiert man den Menſchen eigentlich in ſo übertriebener Weiſe?“
gab Mylady zurück.
„Ja, es iſt eigentlich lächerlich,“ warf ein ſehr feingekleideter Herr von der Klaſſe der Swells ein;„dieſe ganzen Miſſionsgeſchichten ſind doch nichts als eine fromme Extravaganz. Zu rechter Bildung kom⸗ men dieſe braunen und ſchwarzen Barbaren doch nun und nimmer mehr.“
„Entſchuldigen Sie, mein Herr,“ entgegnete mit einem feinen, kaum bemerkbaren Lächeln Dr. Muir, ein Arzt;„ob dieſelben zu einer ſo hohen Bildung kommen, wie Sie ſie beſitzen, iſt allerdings zweifel⸗ haft. Daß ſie aber zu echter Geiſtesbildung, wie zu wahrer Herzens⸗ bildung gelangen, daß aus dieſen„Barbaren“, die man in einem großen Theile der Welt noch als Waare behandelt, tüchtige Kauf⸗ leute, Aerzte, Geiſtliche u. ſ. w. hervorgehen, daß ihrer viele endlich nicht nur zu einem aufrichtigen, lebendigen Chriſtenthum, ſondern ſo⸗ gar zu einer tiefen, gründlichen Kenntniß des Wortes Gottes ge⸗ langen, kann ich aus langjähriger Erfahrung bezeugen. Ich habe viele Jahre, wie Sie wiſſen, in Oſtindien und in Südafrika ge⸗ lebt, und zähle gar manchen braunen und ſchwarzen Barbaren zu meinen liebſten Freunden.“
„Sehr wahr, ſehr wahr,“ ſagte ein anderer Gaſt, ein Pro⸗ feſſor der Naturwiſſenſchaften;„und laſſen Sie uns nicht vergeſſen, welche großen Dienſte die Miſſion bereits der Wiſſenſchaft, der Geo⸗ graphie und Ethnologie, der Sprachkunde u. ſ. w. geleiſtet hat. Hat ſich doch die Franzöſiſche Akademie veranlaßt geſehen, einen von dem Gelehrten Volney, berüchtigten Andenkens, ausgeſetzten Preis für das
tüchtigſte Werk über afrikaniſche Sprachen einem Miſſionar, Herrn
—
Koeelle, der Borl vorgelegt welche re ernten,
Die
14
ſtone Eir und Sor bräunter Gefahren Mund, dazu ein allge, T Blick in wöhnlich und Her eigen zu Anſpruch Se der küh⸗ ſeines h des Weſ Ir laden, Mutter Accente zu über Feuer, er ein er ſeir Anzie den! redete viel; übera künſt ernſte Man „ang Welt rechti Afrik den i
worf Spu dann dann wärte für ſeine dann eivili Conte


