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deſto liebenswürdiger wirſt Du Dich machen; er wird Dich ſuchen und ſich Dir hingeben.„..... Es muß Dein vorzüglichſtes Bemühen ſein, daß er bei Dir eine immer gleiche Laune, dieſelbe Gefälligkeit, daſſelbe Entgegenkommen finde. Suche ihn zu unterhalten, zu beſchäftigen, damit er ſich nicht anderswo wohler fühle. Um Dir ſein Vertrauen zu erwerben, mußt Du trachten, es durch Dein Benehmen und Deine Diccretion zu verdienen. Niemals finde ein Verdacht in Deinem Herzen Eingang: je mehr Du Deinem Ge⸗ mahle Freiheit läſſeſt, je mehr Du ihm in dieſem Punkte Dein Ver⸗ trauen bezeigſt, deſto ergebener wird er Dir ſein. Alles Glück der Ehe beſteht im gegenſeitigen Vertrauen und Entgegenkommen. Die thörichte Liebe vergeht bald; aber man muß einander achten und dienen. Der eine muß der wahre Freund des andern ſein, wenn man in der Ehe glücklich leben, die Prüfungen dieſer Zeit ertragen und— ſein Seelenheil ſchaffen will: das aber iſt das einzige, das weſentlichſte Ziel unſres Strebens, in welchem Stande wir uns auch befinden. In dieſer Hinſicht fürchte ich nur ein Zuviel, das auf Euer gemeinſchaftliches Glück Einfluß üben könnte. Ich habe Dich eiferſüchtig auf Deine Freundinnen geſehen; hüte Dich da vor bei Deinem Manne; das würde ihn entfernen. Nicht einmal ſcherzen darfſt Du über' dieſen Punkt; von Scherzen kommt man zu Vorwürſen, der Aerger kommt dazu, die gegenſeitige Achtung und der Reiz des Lebens entflieht, und die Abneigung tritt ein. Je mehr Du Deinem Manne Ver trauen beweiſeſt, deſto ergebener wird er Dir bleiben.
Welches Glück, in ſeinem Hauſe immer wieder eine liebenswürdige Gemahlin zu finden, die nur daran denkt, ihren Mann glücklich zu machen, ihn zu unterhalten, zu tröſten, ihm nützlich zu ſein, die ihn nie beläſtigt, ihn immer willkommen heißt, ſich mit ſeinen Aufmerkſamkeiten begnügt und glücklich iſt, um ihn zu ſein. Wer das auch nicht im Anfang erkennt, wird doch die Wirkung davon in der Folge erfahren.
Alle Ehen würden glücklich ſein, wenn man dieſen Weg einſchlüge. Aber alles hängt von der Frau ab, ſie ſoll die rechte Mitte innehalten, die Achtung und das Vertrauen ihres Mannes gewinnen; ſie ſoll beides nie mißbrauchen, weder damit prunken noch dadurch ihn beherrſchen wollen. In dieſer Hinſicht iſt Deine Lage ebenſo delikat, als es die meinige war. Laß ihn niemals Deine Ueberlegenheit fühlen. Nichts wird einem ſchwer, wenn man wahrhaft und vernünftig liebt; darüber bin ich ruhig.
Keine Koketterie, keine Eitelkeit iſt Dir erlaubt. Höre auf niemand, der anders ſpricht. Zeige vielmehr, daß Du über dieſe Albernheiten erhaben biſt. Bei einer verheiratheten Frau iſt alles von Wichtigkeit, nichts ge⸗ ringfügig. Kleide Dich immer beſcheiden! Einer verheiratheten Frau iſt das nicht geſtattet, was man bei einem Mädchen paſſiren, läßt. Die an deren würden es Dir gleich zuvorthun wollen.
Habe keine Vertraute; das ſoll Dein Mann allein ſein. Ich will nicht einmal eine Ausnahme für mich in Anſpruch nehmen, um Dich nicht daran zu gewöhnen, mir vertrauliche Mittheilungen zu machen. Du haſt Geiſt und Talente genug, wenn Du ſie zu Deinem Glück gebrauchen willſt, um ſo mehr, als der Charakter und das Benehmen Deines Gemahls Dich über die Zukunft mehr beruhigen kann, als alles andere, wenn Du nicht ſelbſt Dein glückliches Verhältniß zu ihm ſtörſt.
Du mußt darnach trachten, immer Deinen Gemahl zu beſchäftigen und ſeine Aufmerkſamkeit in Anſpruch zu nehmen; das iſt das einzige Mittel, in keine Verirrungen zu gerathen. Man findet um ſo mehr Ge⸗ ſchmack an Vergnügungen, wenn man ſie mit Maß genießt; Du haſt genug Beiſpiele davon geſehen.
Ordnung in der Tageseintheilung und im Haushalte iſt die Seele eines ruhigen und glücklichen Lebens. Ich weiß, daß man jetzt an kein Vergnügen mehr glaubt, wo nur irgendwelche Géne dabei iſt. Ich kann damit nicht übereinſtimmen, da ich es ſelbſt erfahren habe und es jeden Tag noch erfahre, wie dieſelben Leute, die am meiſten jene Maxime ver theidigen, ſich am meiſten langweilen und am wenigſten glücklich ſind; ſie haben an nichts mehr Freude, laſſen ihren Launen und Sinnen freien Lauf und werden am Ende von denſelben tyranniſirt.
Ich ſpreche natürlich von der Ordnung, die mit dem Willen Deines Ge mahles vereinbar iſt. Nichts darf Dich abhalten, demſelben nachzugeben. Du mußt alles opfern, wenn es ſich darum handelt, ihm zu gefallen oder ſeinen Willen zu thun. Du haſt Dir dann nichts vorzuwerfen; Du haſt nur zu gehorchen. Einmal kannſt Du Deine Einwürfe und Vor⸗ ſtellungen mit Sanftmuth und Güte vorbringen; wenn er aber das Ge⸗ gentheil entſcheidet, bleibt Dir nur übrig zu gehorchen und zwar ſo, daß man ſieht, Du machſt daraus ohne Rückhalt Deine eigene Angelegenheit. Nichts iſt leichter, wenn man wahrhaft liebt und ſeine Pflicht kennt. Das iſt aber auf dieſer Welt das einzige Mittel, glücklich und ruhig zu ſein.
Wenn Dein Gemahl Dich immer bemüht findet, ihn durch Dein Entgegenkommen zu erfreuen, wenn Du dahin ſtrebſt, daß er ſich daheim glücklicher, ruhiger, gemüthlicher befinde, als anderswo, dann kannſt Du darauf rechnen, ihn zu feſſeln und ſo Euer Glück zu gründen; aber Du mußt ihn nie nöthigen wollen das einzugeſtehen; er muß davon über⸗ zeugt werden.
Sehr häßliche und ſehr alte Frauen haben oft die heftigſten Leiden ſchaften entzündet durch ihr Entgegenkommen wie durch ihre Gewandtheit, die Leute zu unterhalten und anzuziehen, während die ſchönſten Frauen vernachläſſigt werden, weil ihnen dieſe Eigenſchaften fehlen. Je weniger Tändelei, deſto beſſer. Das iſt noch ein Uebel, welches heutzutage ſehr in der Mode iſt; aber man muß eine große Ueberlegenheit des Geiſtes und
Briefe und Sendungen ſind zu richten an die Redaction des Daheim in Leipzig, Poſtſtr. Nr. 19.
Unter Verantwortlichkeit von A. Klaſing in Bielefeld, herausgegeben von Dr. Robert Koenig in fripzig. Verlag der Daheim⸗Expedition von Velhagen Klaſing in Bielefeld und Berlin.— Druck von Fiſcher Wittig in Leipzig.
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viel Geradheit haben, um ohne Nachtheil tändeln zu können. Ueberdies erzeugt dieſer Ton eine gewiße Familiarität, bringt Bitterkeit in die Geſellſchaft, und vertrerbt den Anſtand, wie die Höflichkeit. Leide niemals an Deinem Hofe zweideutige Redensarten noch Klätſchereien. Kläre die Dinge un⸗ verzüglich auf, ſo wirſt Du die ſchlechte Brut im Keime erſticken. Bei jeder Gelegenheit zeige Deinen Eifer, der Tugend Gerechtigkeit wider⸗ fahren zu laſſen; entferne aus Deiner Geſellſchaft alle diejenigen, denen ſie fehlt. Laß Pünktlichkeit in allen Dingen an Deinem Hofe herrſchen. Ver⸗ pflichte die oberen Beamten, die Leute in Ordnung zu halten. Laſſe keinem in dieſem Punkte etwas durchgehen, überlaſſe aber immer den Ober⸗ beamten die Zurechtweiſung, ohne Dich ſelbſt damit zu befaſſen. Das iſt das einzige Mittel, gut bedient zu werden und geſchickte Leute zu haben.
Ich ſage Dir nichts über Dein eigenes Benehmen. Vernachläſſige nie die Pflichten der Religion; im Eheſtand bedarf man mehr als ſonſt des Gebetes und der Hilfe Gottes. Deine religiöſe Lectüre muß regelmäßig ſtattfinden; ich empfehle es Dir beſonders, darin pünktlich zu ſein. Richte Dich in Deinen Andachtsübungen wie in Deiner Wohlthätigkeit nach dem Rathe Deines Beichtvaters.
Der gütige Gott hat Dir ſo viel Talente und Vorzüge verliehen; Er hat Dich ſichtlich aus Deiner zahlreichen Familie auserwählt, Deinen Eltern und Deiner frommen und hellſichtigen Schwägerin Glück und Wonne zu bereiten, indem Er Dir einen tugendhaften, liebenswürdigen Ge⸗ mahl gab, den Mann Deiner eigenen Wahl. Ich hoffe, daß der liebe Gott Sein Werk vollenden wird; Er wird Dich glücklich machen, wenn Du Ihn nicht verläſſeſt und meine Rathſchläge befolgſt, dieſe werden Dir ebenſo wie meine zärtliche Liebe niemals fehlen. Ich gebe Dir meinen Segen und umarme Dich zärtlich und bin für immer Deine treue Mutter
Wien, 1766. Maria Thereſia m. p.
Die evangeliſche Gemeinde in Belgrad.
Nachdem Fürſt Miloſch die Freiheit und Selbſtändigkeit Serbiens erfochten hatte und durch einen Ferman des Sultans im Jahre 1830 be⸗ ſtätigt war, begann er alsbald an der innern Hebung des Volkes zu ar⸗ beiten. Zur Erreichung dieſes Zweckes dachte er ſchon damals an die Anlegung deutſcher Colonien und veraulaßte den Oberberghauptmann v. Herder, welcher 1835 das gebirgsreiche Land geologiſch unterſuchte, ſeine ſächſiſchen Landsleute zur Einwanderung nach Serbien zu bewegen, wobei ausdrücklich das Verſprechen hinzugefügt war, daß für ihre kirchlichen Be⸗ dürfniſſe geſorgt werden ſolle. Im Jahre 1839 kam die erſte deutſche Colonie, etwa 20 Familien ſtark, und ſchon in den vierziger Jahren regte ſich der Trieb nach der Bildung einer eigenen deutſch⸗evangeliſchen Ge⸗ meinde. In Folge gepflogener Verhandlungen mit dem evangeliſchen Ober⸗ kirchenrathe Preußens gewährte der märkiſche Guſtav⸗Adolf⸗Verein die Mittel zur Sendung eines Geiſtlichen, und die ſerbiſche Regierung erließ ein Geſetz, in welchem ſie unter Vorbehalt bedeutender Vorrechte für die herrſchende orientaliſche Kirche allen anerkannten chriſtlichen Religions⸗ bekenntniſſen freie Ausübung ihres Gottesdienſtes geſtattete. Im Früh jahr 1854 endlich hielt Paſtor Graun den erſten regelmäßigen Gottes dienſt. Aber ſchon 1858 ſtellte der Guſtav⸗Adolf⸗Verein ſeine Unterſtützung wieder ein und der bisherige Geiſtliche wurde wegen der drohenden Revo⸗ lutionsſtürme in die Heimat zurückberufen. Nachdem dieſe in der Ein⸗ ſetzung der alten Obrenowitſchſchen Dynaſtie ihre Erledigung gefun⸗ den, nahm ſich der Central⸗Ausſchuß für innere Miſſion der hirtenloſen Glaubensgenoſſen an, und ſendete ihnen einen neuen Seelſorger, den Pfarrer D. v. Cölln, der am 29. Mai 1859 ſeine Antrittspredigt hielt und drei Jahre lang von jenem Verein beſoldet wurde. Am 26. April 1860 ſchenkte der greiſe Fürſt Miloſch der Gemeinde eine fertige Capelle, die am 7. Sonntag nach Trinitatis unter dem Namen „Lazaruskirche“ eingeweiht wurde. Am 1. Februar 1862 übernahm die Regierung das Patronat über die Gemeinde und den größten Theil der Beſoldung des Pfarrers. Für den Reſt trat einſtweilen der Guſtav⸗Adolf⸗ Verein ein. Die Gemeinde zählt jetzt circa 400 Seelen. Außerdem leben im Innern des Landes, beſonders in Schabatz, Maidampek und Stublina bei Obrenovatz noch nahe an 200 Seelen zerſtreut, die aber nur ſelten beſucht werden können, weil das Reiſen im Innern des Landes, das jetzt erſt in ſeiner Entwicklung begriffen, zur Zeit noch mit zu bedeutenden Koſten und Unbequemlichkeiten verknüpft iſt. F. L.
Briefkaſten.
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An Pf. M. in B. und Leſer in Oſtfriesland.— Um Deutſche, die nicht italieniſch verſtehen, in Dantes Werke einzuführen, erſcheint uns noch immer die gereimte Ueberſetzung von Streckfuß am geeignetſten. Dem In⸗ halt nach iſt ſie im ganzen treu und treffend, die Sprache ein verſtändliches und genießbares Deutſch, überdem beſſer, als in der gleichfalls gereimten Ueberſetzung von Bernd von Guſek.— Zur tiefern Bekanntſchaft dienen dann Grauls gereimte Ueberſetzung der Hölle, mit Anmerkungen, die be⸗ ſonders in theologiſcher Beziehung manches Treffliche enthalten, ferner die ungereimten Ueberſetzungen von Philalethes und Kopiſch, letztere mit gegen⸗ überſtehendem italieniſchen Texte. Keine dieſer Ueberſetzungen mit ihren An⸗ merkungen genügt für ſich; eine muß die Lücken und Einſeitigkeiten der an⸗ dern erſetzen. Zum wahren Verſtändniß iſt das eigne und fortgeſetzte Studium Dantes unerläßlich. Die Literatur über Dante umfaßt bekannt⸗ lich eine eigene Bibliothek.
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