Jahrgang 
1865
Seite
621
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In der Kapnzinergruft.

wird wieder verſchloſſen, einen Schlüſſel behält der Oberſthofmeiſter, den andern der Guardian. Am Allerſeelentage(2. Novbr.) iſt die Gruft Jedermann geöff⸗

jederzeit Zutritt. Napoleon J ließ ſich 1809 die Gruft, wie auch die

Lorettokapelle in der Auguſtinerkirche öffnen und verweilte, wie in

Potsdam vor dem Sarge Friedrich des Großen, hier lange vor der

net und der Zudrang gewöhnlich ſehr groß, doch erhalten Fremde einfachen Ruheſtätte Joſephs II.

Die erſten Preußiſchen Yanzerſchiffe.

Der langjährige Streit zwiſchen Deutſchland und Dänemark hat für uns auch das Gute gehabt, uns zu einer Marine zu verhel⸗ fen. Sein erſter Ausbruch im Jahre 1848 legte den Grund dazu und überzeugte das deutſche Volk von der Nothwendigkeit einer an⸗ gemeſſenen Seeſtreitkraft, wenn es ſeine Stimme im Rathe der Völker erheben und zur Geltung bringen wollte. Unglückliche Verhältniſſe, die ſich unſerer Erörterung entziehen, ließen das begonnene nationale Werk zwar nicht in der Weiſe zu Stande kommen, wie anfangs ge⸗ hofft war; der Enthuſiasmus verrauchte und die vielverſprechende deutſche Flotte kam unter den Hammer; jedoch ein deutſcher Staat, Preußen, verkannte nicht ſeine Aufgabe und ſchritt ſtetig, wenn auch langſam auf dem betretenen Wege zur Schaffung einer Kriegsflotte weiter. Wenn die Zahl ſeiner Schiffe verhältnißmäßig auch nur gering war und im Laufe der Jahre wenig zunahm, ſo zeigte ſich die Preußiſche Kriegsflagge doch in den entfernteſten Gewäſſern der Erde und die Expeditionen unſerer Schiffe nützten der künftigen Entwickelung und Wirkſamkeit unſerer Marine mehr als eine bloße Anhäufung von Schiffen. Sie waren eine vortreffliche Bildungsſchule für Officiere und Mannſchaften, die wichtigſten Factoren einer Marine, ohne welche auch die zahlreichſten und beſten Schiffe nutzlos ſind. Ueberdem fehlte es bisher an geeigneten Häfen, um eine größere Flotte tiefgehender Schiffe aufzunehmen, und ebenſo gebot das Uebergangsſtadium, in welchem ſich der Kriegsſchiffbau ſeit fünf bis ſechs Jahren befindet, große Vorſicht.

Der letzte däniſche Krieg hat bewieſen, daß Preußen es verſtan⸗ den hat, ein in jeder Beziehung tüchtiges Perſonal für ſeine Flotte heranzubilden. Die junge Marine hat dem Lande gezeigt, daß es ihr weder an Muth noch Geſchick fehlt, mit überlegenen Kräften den Kampf aufzunehmen, und ſie hat geleiſtet, was von ihr zu erwar⸗ ten war. Sie hat die Feuerprobe glänzend beſtanden und dem Lande die Gewißheit gegeben, daß ſie die Ehre der ihr anvertrauten Flagge ſtets zu wahren wiſſen wird.

Dieſe Thatſache, ſo wie die Befreiung der Herzogthümer von däniſcher Herrſchaft, wodurch an Deutſchland der Hafen von Kiel, einer der ſchönſten und geräumigſten Kriegshäfen Europas zurückge⸗ geben iſt, haben der Flottenfrage einen neuen und nachhaltigen Im⸗ puls verliehen. Es ſind jetzt die Elemente für eine bedeutende Er⸗ weiterung der Marine vorhanden, und die Preußiſche Regierung hat in der diesjährigen Marinevorlage kundgethan, daß ſie ernſtlich an die Herſtellung einer entſprechenden deutſchen Seemacht denkt. Die verhältnißmäßig bedeutende Vergrößerung des Materials im letzten Jahre zeigt deutlich, daß mit der Ausführung der Pläne nicht gezö gert werden ſoll; vier Dampfcorvetten von zuſammen 73 Geſchützen, ſo wie zwei Panzerſchiffe von 4 reſp. 3 Geſchützen ſind der Zuwachs eines Jahres und als ſolche keineswegs zu unterſchätzen..

Wir wollen unſern Leſern zunächſt die Panzerſchiffe als die jüngſten und zugleich die intereſſanteſten Erwerbungen der Marine vor⸗ führen und ihnen eine möglichſt anſchauliche Beſchreibung davon geben.