Jahrgang 
1865
Seite
618
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Gerade in der Umgebung des Nordpoles findet ſich auf den Landkarten noch ein großer weißer Fleck, von dem keiner ſagen kann, ob er Waſſer bedeute oder Land. Vorzüglich mit geographiſchen Ent⸗ deckungen iſt es eine eigenthümliche Sache. Als Franz Drake an Californien anlegte, ahnte er nicht, daß dort ſpäter, gelockt durch den Reichthum an edlen Metallen, Volk aus aller Welt zuſammenſtrömen werde. Neuholland hielt man lange Zeit kaum für tauglich zu einer Strafcolonie für Verbrecher und heutzutage blühen daſelbſt prächtige Städte. Am Nordpol wird nun freilich niemand ein verborgenes Paradies vermuthen, wie ehedem einmal luſtige Schwänkemacher behaupteten, auch von Gold und Silber wird ſchwerlich etwas zu finden ſein, ſicher dagegen findet man bei einer ſolchen Expedition ſehr in⸗ tereſſante Belehrung über Wärme⸗, Wetter⸗ und Beleuchtungsverhält⸗ niſſe der Erde, über Meeres⸗ und Luftſtrömungen, über Erdmagnetis mus, über Verbreitung des Pflanzen⸗ und Thierlebens, und was man ſonſt etwa noch finden wird, welche anderweitigen Folgen ſich daran knüpfen, ja, wer kann im voraus das ſagen!

Dergleichen wiſſenſchaftliche Ergebniſſe einer Nordpolexpedition kommen ſchließlich jedem Volke zu Gute, da man gegenwärtig nicht mehr eiferſüchtig das Erforſchte verheimlicht. Allein diejenige Nation, welche ein ſolches Unternehmen glücklich zu Ende führt, welche eine der uralten Fragen des Menſchengeſchlechts löſt, hat für ihren Theil noch einen beſonderen Gewinn vor den übrigen Mitbewerbern vor⸗ aus. Sie gleicht einem Volk, das mit der blanken Waffe einen Triumph errungen, nur ſteht ſie höher als ein ſolches, denn ſie hat dabei keinem ein Leids gethan, ſondern allen genützt. Triumphe, welche ein Volk auf dem Gebiete der Wiſſeenſchaft erringt, ſind die ſchönſten Siege, die es erkämpfen kann. Es ſind unvergängliche Lorbeeren um ſeinen Namen, durch die ſich der ärmſte ſeiner Söhne gehoben fühlt. Der Volksgeiſt wird durch dergleichen glücklich voll⸗ brachte Unternehmungen geſtärkt, das Nationalbewußtſein gekräftigt. Ein ſolcher Gewinn iſt höher anzuſchlagen, als hätte man ganze Ge birge von Gold und Edelſteinen gefunden. Dies wiſſen unſre Nach barn, die Engländer recht gut. Sie haben ſchon ehedem manches Schiff, manches Tauſend Pfund Sterling und manches Menſchenleben daran geſetzt, ihre Geſchicklichkeit, ihren Muth und ihre Ausdauer da⸗ durch zu zeigen, daß ſie ſich ſelbſt zwiſchen die Eisſchollen und Gletſcherkälber des Polarmeeres wagten. Sie haben am Südpol die Naturverhältniſſe ſo ziemlich aufgeklärt, ſie möchten auch am Nordpol ſchließlich den alten gordiſchen Knoten noch löſen.

Ein erprobter Nordpolfahrer, der engliſche Capitän Sherard Osborn, der ſich im Jahr 1853 in Gemeinſchaft mit Capitän Richards u. a. auf dem arktiſchen Boden ſchon verſuchte, legte am 23. Januar des laufenden Jahres der Königlichen Geographiſchen Geſellſchaft in London den Plan zu einer neuen Expedition vor, welche die Erreichung des eigentlichen Poles und eine Erforſchung der um denſelben befindlichen Gebiete als Ziel haben ſoll. Jene Geſellſchaft beſteht aus 2000 Mitgliedern, unter denen ſich die ge diegenſten Autoritäten Englands befinden. Den Vorſitz derſelben hat der bekannte Sir Roderik Murchiſon, der ſtets alle tüchtigen, wiſſenſchaftlichen Beſtrebungen unterſtützt. Osborns Abſicht ging dahin zunächſt, die genannte Geſellſchaft für ſein Vorhaben ſo weit zu intereſſiren, daß dieſe die Landesregierung um Bewilligung der hierzu nöthigen Schiffe, Mannſchaften und Gelder angeht. Osborn lebt der Anſicht, daß ſich der nördliche Theil von Grönland oder das nördlich vom Smith-Sund gelegene Grinnellland bis zum Nordpol oder wenigſtens bis in deſſen Nähe erſtrecke und iſt deshalb der Meinung, der Pol werde ſich durch eine Schlittenexpedition am leich⸗ teſten erreichen laſſen. Er ſchlägt vor, zwei tüchtige Schiffe mit etwa 120 Mann Bemannung und hinreichendem Proviant nach der Baffins⸗ bai und dem Smith⸗Sund zu ſenden. Im Auguſt des erſten Jahres,

und ſeine treue Liebe erfahren, ſollte ſie nicht hinreichen, ein einfach würdiges Denkmal auf der Weibertreue zu gründen für ihn, der die Bilde noch fortleben die beiden Freunde, die ihres Gleichen wohl Frauen ſo lieblich beſungen, ſo rein verehrt? Sollten nicht in

618 Schwaben, nicht nur ſtille in den Herzen, nein, auch ſichtbar im

nicht mehr finden werden: Uhland und Kerner?

Der Kampf um den Nordpol. Von Hermann Wagner. (Schluß.)

meint er, würden ſie Kap York erreichen. Ein Schiff mit nur 25 Mann bliebe am Kap Iſabella zurück, das andere mit 95 Mann bahne ſich den Weg an der Weſtküſte hinauf bis zum Kap Parry oder wenigſtens in dieſer Richtung hin und entferne ſich dabei etwa 75 deutſche Meilen von dem erſtern. Noch im Herbſt würde ſich das ſüdliche Schiff durch Depots mit dem nördlichen in Verbindung ſetzen und letzteres würde ſolche Depots gegen den Pol hin anlegen, damit im Frühjahr Gebrauch davon gemacht werden könnte. In den beiden folgenden Jahren müßten dann Schlitten⸗ und Bootfahrten nach dem Pole hin und über das unbekannte Gebiet angeſtellt werden, und im vierten Jahre könnte die Expedition zu Schiff oder zu Boot vom Smith⸗Sund nach Upernavik auf Grönland zurückkehren. Der äußerſte Punkt Grönlands, den man bis jetzt kennen gelernt hat, das Kap Parry, iſt etwa noch 120 deutſche Meilen vom Pole ent⸗ fernt, es liegt ungefähr unter 82 Grad 30 n. Breite. Den Weg von 240 Meilen hin und zurück mit Schlitten zurückzulegen, hält er für gut ausführbar, da bereits mehrfach viel größere Strecken auf dieſe Weiſe durchzogen worden ſind.

Osborn iſt der Anſicht, daß gerade Smiths⸗Sund ſich zum Ausgangspunkt für einen ſolchen Verſuch ganz beſonders eigne, denn es findet ſich dort eine ziemlich reiche Thierwelt: Rennthiere, Eis⸗ bären, Seehunde, Walroſſe und Seevögel, die als Fleiſchlieferanten von Wichtigkeit ſeien. Daß es zu jeder Jahreszeit dort etwas zu leben gibt, ſchließt er aus dem Vorhandenſein von Eskimos an jenen Geſtaden. Es ſind dies Leute von kräftigem Bau, die den Kampf mit Eisbär und Walroß nicht ſcheuen und deren Frauen auf der andern Seite ſo gutmüthig ſind, daß ſie, wie es Kane paſſirte, dem beſuchenden Fremdling ihr nacktes Kind als Kopfkiſſen anbieten. Aus dem Bruchſtück eines Eskimoſchlittens, den Morton am Kap Con⸗ ſtitution fand, ſchließt Osborn, daß auch noch weiterhin Nieder⸗ laſſungen von Menſchen exiſtiren. Kane entwerfe zwar, ſagt Osborn, von der Noth und Trübſal, die er mit ſeinen Leuten im Smith⸗ Sund ausgeſtanden, ein ſchauerliches Bild, allein bei der kümmerlichen Ausrüſtung jener Expedition ſei dies kein Wunder; im Gegentheil müſſe man erſtaunen, daß dieſe Amerikaner zurückgekehrt ſeien. Um dieſelbe Zeit hätten ſich behufs der Aufſuchung Franklins gegen 100 Engländer unter verſchiedenen Führern an zerſtreuten Punkten des Polarmeers befunden, alle aber ein ziemlich behagliches, ja ſelbſt comfortables Leben geführt, da ſie mit allem Nöthigen verſorgt ge⸗ weſen. Schlittenreiſen ſeien gegenwärtig viel leichter auszuführen als ehedem, man könne jetzt Proviant auf ebenſoviel Monate bei ſich führen, wie ehedem auf Wochen. Gleicherweiſe habe man gelernt, wie dem Skorbut zu begegnen ſei.

Gegen dieſen Plan Osborns ſpricht ſich Profeſſor Dr. Peter⸗ mann in Gotha, der korreſpondirendes Ehrenmitglied der genannten Geographiſchen Geſellſchaft iſt, aufs entſchiedenſte aus. Er hält den Smith⸗Sund nur für eine Meeresbucht, deren Hintergrund durch wahrſcheinlich unüberſteigliche Gletſcher geſchloſſen iſt. Als Beweiſe dafür ſieht er die zahlreichen gewaltigen Eisberge an, dieſe Abbrüche von Gletſchern, die gerade aus dem unbekannten Hinter⸗ grunde jenes Sundes hervortreiben. Daß zwiſchen dem Smith⸗ Sund und dem öſtlichen Meere keine Verbindung ſtattfindet, ſchließt er aus dem gänzlichen Mangel an Treibholz in erſterem. Er hält es dagegen ſeinerſeits für ſicher, daß der bei weitem größte Theil der Umgebung des Nordpols durch Waſſer gebildet wird und räth deshalb dringend, eine Schiffsexpedition dorthin über Spitzbergen zu unternehmen. Ein Schraubendampfer mit Eiſenplatten gepanzert, würde im Stande ſein, den Kampf mit den Eisſchollen ſiegreich zu beſtehen. Zu Hammerfeſt in Norwegen könne ein Kohlendepot für denſelben angelegt werden, auf Spitzbergen hat die Natur ſchon ſelbſt für Steinkohlenlager geſorgt.

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