Jahrgang 
1865
Seite
617
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en und Sagen, war das noch ſeigenthümlichen übel genommen . die Geſchichte e ganze Familie lie nur probiren oder das ſchönt uſes im Schlaf⸗ heſchlagen habe. einen Frack aus r Beſonderhei endwie die gute

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Wald, den jeder der drei in eigenthümlich ſchöner Weiſe durch ſeine Dichtungen verherrlicht hat. Sie lagerten ſich im Grünen und Kerner fiſchte in ſeiner Taſche, er hat immer gern weite Röcke mit großen Taſchen getragen, nach einigen neuen Gedichten, die er den Freunden vortragen wollte; mit dem Taſchentuch, allerlei Papieren Briefen und Büchlein, die er mit ſich zu tragen pflegte, fiel auch eine Thürſchnalle heraus.Na, was haſt Du denn da? fragte Uhland la⸗ chend.' iſt nur mein Zimmerſchlüſſel, ſagte Kerner gleichmüthig und ſchob den Gegenſtand wieder ein; ſeine Stuben waren nämlich in ſo urſprünglicher Weiſe verwahrt, daß man ſie nicht ſchließen konnte, ſondern einfach die Thürſchnalle abdrehte, wenn man ausging.

Gar oft und viel iſt Uhland, der allzeit Rüſtigere, Beweglichere von beiden, bei ſeinem Freunde eingekehrt, in dem waldumgebnen Welzheim, wo Kerners liebliches Märchendie Heimatloſen ent ſtanden iſt, im alten Tannenhaine, bei der ſonnenwarmen Flut, des Wildbadsheil'ger Quelle und ſpäter im Dichterhauſe zu Weins⸗ berg, wo erſt ſo recht Kerners wunderbar eigenthümliches Leben, ſein reicher, mannigfacher Verkehr mit der Menſchen⸗ und Geiſterwelt begann.

Bei dem erſten Beſuch, den Uhland mit ſeiner jungen Frau in Weinsberg machte, iſt ihnen eine ſeltſame Serenade gebracht worden. Kerner ſchrieb damals eine Abhandlung über Wurſtgift, und hatte, um Verſuche anzuſtellen, vier Katzen damit vergiftet. Dieſe armen Beſtien hatte man im Ofenloch des Gaſtzimmers eingeſperrt und ver⸗ geſſen, ſie zu entfernen. Inmitten der Nacht erhuben ſie nun ein dermaßen jammervolles und erbärmliches Gemauz, daß von ſüßem Schlummer und poetiſchen Träumen im Dichterhauſe keine Rede ſein konnte.

Aber Uhland hat noch manche friedliche Nacht und manchen ge müthlichen Tag bei Kerner zugebracht, im traulichen Zimmer, auf dem alten Geiſterthurm oder in dem ſchattigen Laubgang des Gartens, wo unſer Bild die beiden Freunde in fröhlichem Beiſammenſein darſtellt. Zecher ſind ſie beide nicht geweſen, aber als echte Dichter und echte Schwaben haben ſieeinen Trunk des edlen Weins in reinem Glaſe als köſtliche Gottesgabe werth gehalten und ſich gern dadurch das Herz erfreuen laſſen.

Für Kerner war ein ſolcher Beſuch immer eine rechte Herzens⸗ erquickung. In unſern nüchternen Tagen, wo Gymnaſiaſten ſchon eine gewiſſe Welt⸗ und Menſchenverachtung zur Schau tragen, wo ſiebzehnjährige Mädchen das Leben und ſich ſelbſt gegenſeitig äußerſt kühl beurtheilen, da iſt es recht innerlich wohlthuend, noch Männer, alte Männer zu ſehen, die

für die Träume ihrer Jugend Noch Achtung haben, wenn ſie Greis geworden.

Es war erfriſchend bei einem alten Manne wie Kerner eine ſo herz⸗ liche Verehrung und Liebe zu ſehen, wie er ſie ſeinem Jugendfreund Uhland bewahrte. Uhland hat ſeine Liebe und Treue für den Freund mehr mit der That als mit Worten gezeigt, wie das ſo ſeine Art war, aber auch von Kerners poetiſcher Begabung hat er ſehr hoch gedacht, ja ſie über ſeine eigne geſtelltt.

Faſt nach jeder größern Reiſe, die er alljährlich zu machen pflegte, kehrte Uhland noch bei ſeinem Freunde ein, meiſt wanderte er zu Fuß von Heilbronn herüber und liebte, ſtill und unerwartet einzutreten. Traf er, wie das ja meiſt der Fall war, Beſuche im Haus, ſo zog er ſich nie zurück, ſondern nahm einfach und ungezwungen an der Unter⸗ haltung Theil, wohl froh im ſtillen, daß er hier nicht allein der Ge⸗ feierte ſein mußte.

Es war in Kerners letztem Lebensjahr, als Uhland, damals dem Anſchein nach noch ein ſehr rüſtiger Greis, ſpät am Abend uner⸗ wartet bei dem Freunde eintraf. Sonſt mußten an Kerners lieben Gäſten ſeine eigne Familie, meiſt auch noch andere Bekannte ſo weit er ſie habhaft werden konnte, Theil nehmen; Uhland aber wollte er diesmal allein haben, er ſchickte Tochter und Enkel⸗ töchter, deren Nähe ihm ſonſt ſo lieb und unentbehrlich war, alle nach Haus und zu Bett und blieb bis tief nach Mitternacht allein in herzlichem vertrautem Geſpräch mit dem alten Freunde beiſammen; dieſer Beſuch hat ihm im innerſten Herzen wohlgethan, ſo lang er noch lebte, ſprach er mit Freude und tiefer Bewegung davon.

In die Reiche der Geiſterwelt iſt Uhland ſeinem Freunde nicht gefolgt. Was ins Gebiet des Glaubens gehört, das hat er in ernſter Ehrfurcht ſtille im Herzen bewahrt; nur ſelten, in erregten

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Stunden, hat er entſchieden und mit Wärme ausgeſprochen, wie er an den Grundwahrheiten unſres Glaubens feſthielt als an einem Heiligthum; mit der tiefen Sehnſucht, die ſich in ſeinerverlornen Kirche ausſpricht, hat er die Vereinigung mit ſeinem Herrn geſucht im Wort, in der Kirche, im Abendmahl, das er wie in geſunden Tagen ſo ſterbend noch mit ernſter Andacht empfing, aber all die Erſcheinungen und Offenbarungen von Seherinnen und Be⸗ ſeſſenen ließ er mit kühler Ruhe liegen, ohne ſich darüber mit dem Freunde in Streit einzulaſſen.Wirſt's ſchon noch glauben lernen! drohte ihm Kerner. Nun iſt ja beiden klar, was hinter dem dunklen Vorhang liegt, den noch keine Hand gelüftet.

So ſind es wohl auch keineErſcheinungen aus dem Nachtgebiete der Natur geweſen, die in jener Mitternachtsſtunde aufgelebt ſind im vertrauten Geſpräche der greiſen Dichter; es waren die friedlichen Geiſter vergangener Tage, das Gedächtniß lange geſchiedener Freunde, die Bilder einer fröhlichen farbenhellen Jugendzeit.

Nur einmal noch nach jenem Beſuch war Uhland mit ſeiner Gattin in Weinsberg, Kerner nahm in ſeiner gewöhnlichen humoriſti⸗ ſchen Weiſe Abſchied bei ihrem Gehen, durch die kaum geſchloßne Thür aber hörten ſie ihn laut und heftig weinen; es war das letzte Scheiden.

Im Februar 1863 iſt Kerner heimgegangen. Uhland eilte zu ſeinem Begräbniß, ſeine Gattin war in Sorge, ihn bei der rauhen Witterung reiſen zu laſſen, er aber ließ ſich nicht nehmen, dem Freunde das letzte Geleit zu geben, man vermuthet, daß er hier ſich den Keim ſeiner tödtlichen Krankheit geholt. Im November deſſelben Jahres haben wir die Krone und den Stolz unſres Vaterlandes, Uhland zu Grabe zu tragen.

Und, ſeltſam, Kerner, der bis zum Tode den Umgang mit Menſchen, den Verkehr mit vielen und vielerlei, geliebt und geſucht, der mit naiver Freude jede Huldigung hingenommen, Kerner hat in ſeinem letzten Willen verlangt, ganz ſtille ohne Sang und Klang, nur von Einem Freunde begleitet, ohne alle Feierlichkeit begraben zu werden, keine Reden, keine Geſänge ſollten am Grabe ertönen, nur ein ſtilles Vaterunſer ſollte gebetet werden. Sein Wille wurde er⸗ füllt; nur zu dem Einen Freunde, der ihn begleiten ſollte, geſellten ſich gar viele, aber ſtille, ohne Sang und Klang, wurde er eingeſenkt.

Uhland, den ſein ernſter Sinn immer in die Stille getrieben, der von aller lauten Huldigung, allem Menſchengedränge und Ge⸗⸗ pränge ſich ſo gern abgezogen hatte, hat keine Verfügung über ſein Begräbniß hinterlaſſen, und ſo war es der Liebe und Verehrung un⸗ verwehrt, ſich an ſeinem Grabe auszuſprechen. Ein unermeßlicher Zug folgte ſeinem Sarge, Freunde aller Stände, Studenten und Bürger; als dem Dichter, als dem tüchtigen, treuen Bürger ſeiner Heimat und ſeiner Vaterſtadt, wurden ihm Kränze, Reden und Lieder dargebracht und noch in tiefer Nacht, nachdem der edle Leib ſchon in ſeiner Ruhe lag, zog die Jugend mit lodernden Fackeln hinaus, um ſeinem Grabe den letzten Gruß zu bringen.

Wir hoffen, daß bald ein ſchönes würdiges Denkmal für Uhland in ſeiner Vaterſtadt ſich erheben wird. Die ganze deutſche Nation, ver⸗ ſprengte Deutſche aus allen Himmelsſtrichen haben reich und freudig da⸗ zu beigetragen, und wir freuen uns, daß unſer Volk ſich ſelbſt ehrt in einem Dichter, der nicht nur durch ſeine Poeſie, der durch Rein⸗ heit des Wollens und Adel der Geſinnung unter die Beſten gereiht werden darf, ſo weit die deutſche Zunge klingt.

Für Kerner beanſpruchen wir kein Nationaldenkmal, er hat es nicht verlangt:

So wie ich war, bin ich noch heut', Ihr Lieben, Und, trägt mein Haupt auch keinen Bürgerkranz, Iſt mir die freie offne Stirn geblieben, Die Hand, die nie geſpielt zu irrem Tanz, hat er mit Recht geſagt in der Erklärung an freigeſinnte Freunde, die irre an ihm werden wollten, er hat mit Wahrheit ſchön hin⸗ zugefügt: Wer hat in jenen irren, bangen Tagen, Als Undanks Ruf zur Königshalle drang, Die Harfe in den wilden Sturm getragen, Die Liebe, Liebe, alte Liebe ſang.*)

Aber ſollte die dankbare Liebe ſo vieler, die an ſeinem gaſtlichen

Herd und Herzen warm geworden, die ſich ſeiner Güte gefreut

*) Mit Bezug auf die Jahre 1848 49.