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daß ſie kaum für ihren Zweck— monatliche Speiſung der Ge⸗ fangenen mit friſchem Fleiſch— ausreichen; die Officiere halten ſich großentheils an Präſerven; die Inſel Philipps liefert hier und da nach ſehr mühſeliger Jagd einen wilden Ziegenbraten, dagegen Kaninchen in Fülle; am ergiebigſten iſt das Meer mit einer Auswahl der trefflichſten Fiſche.„Sie glauben nicht,“ ſagte der Lieutenant, „mit welcher armſeligen Aengſtlichkeit man hier in dieſem abſcheulichen Aufenthalt des Leibes Nothdurft und Pflege überwacht. Gegen alles Uebrige wird man gleichgültig— man läßt mit der größten Ge⸗ müthsruhe um acht Uhr einen Kartätſchenſack in einen Meuterer⸗ haufen praſſeln und möchte um neun Uhr verzweifeln, wenn die Cakes verbrannt ſind oder der Thee ausgegangen iſt. Das einzige Vergnügen, und auch das iſt melancholiſch genug, beſteht hier im Eſſen und Trinken, überhaupt in der Pflege des Körpers für eine kommende beſſere Zeit. Und Sie können ſich keinen Begriff davon machen, mit welcher Genugthuung ich täglich einen Tag im Ka⸗ lender durchſtreiche; die Freude, die noch übrigen zu zählen, welche ich hier zu verbringen habe, verſpare ich mir jedoch auf die Feſttage; leider arbeitet mein Gedächtniß zu gut, als daß ich nicht immer au fait wäre!“ Und ſchwermüthig miſchte er kunſtgerecht ein Glas brandy and water, ſich eins, mir eins. Unſere anfangs etwas zurückhaltende Converſation war allmählich unter dem Einfluß der vertilgten guten Sachen etwas wärmer, mittheilſamer geworden; ich hatte von meinen Seefahrten erzählt, mich aber wohl gehütet, etwas
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davon zu ſagen, daß ich— in untergeordnetem Rang— in der
britiſchen Marine gedient. Jetzt ſchien mir die Zeit gekommen, eine Frage zu thun, welche mir ſchon lang auf der Zunge ſchwebte. Ich brachte unvermerkt die Rede auf die drei eingelieferten Flüchtlinge und frug meinen Wirth, welche Bewandniß es wohl mit dem „Gentleman“ haben möge, der mir beſonders aufgefallen ſei. Augenblicklich ſah ich, daß eine Veränderung in dem Lieutenant vor ſich ging; er nahm ſich zuſammen, die gleichgültigſte Miene von der Welt anzunehmen, und warf hin, indem er ſich eine javaneſiſche Palmblattcigarre anzündete:„Mir unbekannt! Heißt, wie ich heute gehört, 316. Wer kann ſich um dieſe Kerle bekümmern? Wenn es Ihnen gefällig iſt, wollen wir einen Gang durch den Kennel machen, damit Sie doch etwas von unſerer Einrichtung zu ſehen bekommen.“ — Ich wagte noch eine Frage nach dem Looſe der Deſerteure, aber Mr. Maclean überhörte ſie, und ich mußte ihm folgen. Allein ich machte die Bemerkung, daß er während unſerer ganzen Wanderung mich ſehr fein und vorſichtig darüber auszuholen ſuchte, ob der Flüchtling, für den ich mich intereſſirte, etwa irgend etwas gegen uns ausgeplaudert habe. Ich konnte nichts ſagen, denn ich wußte nichts und dadurch ſchien der Lieutenant ſo befriedigt, daß er mir ein ganzes Bündel ſeiner Opium⸗Segars aufdrang.
Die Inſel Norfolk iſt ſeit dem Jahre 1810 eine britiſche Straf⸗ colonie und zwar die ſtrengſte, aus welcher keine Erlöſung iſt. Wie ſchon erwähnt, werden gewöhnlich die vom Strang begnadigten Ver⸗ brecher aus Großbritannien hierher deportirt; außerdem diejenigen Sträflinge, welche in den milderen Colonien von Hobarttown auf Vandiemensland und Sidney rückfällig geworden ſind; letztere heißen Oldhands, erſtere Newhands. Von beiden Klaſſen waren damals über 1200 Mann detinirt, welche von etwa 300 Mann Wache, Auf⸗ ſeher und Beamte mit einbegriffen, im Zaum gehalten werden mußten. Daß dies bei dem numeriſchen Mißverhältniß nur durch die äußerſte Strenge möglich iſt, leuchtet ein; ich ſollte Beiſpiele davon zu ſehen bekommen, trotzdem man mir nicht alles zeigte, z. B. die ſtets mit Kartätſchen geladenen, verborgen aufgeſtellten Kanonen, welche die Corridore beſtreichen. Die Sträflinge wohnen in drei großen, von einander getrennten Gebäuden von zwei Stockwerken (und Parterre). Wir befanden uns in dem Hauptgebäude, das Haus der Intendantur bildet den rechten Pavillon deſſelben; unten befinden ſich Küche, Vorrathsräume und Arbeitslokale; in den Etagen die Schlafſäle. Dieſe werden— durch Sträflinge ſelbſt— peinlich ſauber gehalten, ſind luftig und zweckmäßig eingerichtet; jeder Mann hat darin ſeine eigene, zwiſchen der Wand und einer Pfoſtenreihe aufgehängte, ſtarke Hängematte mit wollener Decke. Die Größe der Schlafſäle iſt verſchieden, die größeren faſſen je 80 bis 100 Mann. Mit dieſer Zuſammendrängung ſind freilich Unzuträglichkeiten ver⸗ bunden, von welchen man ſich kaum einen Begriff macht— aber, ſie iſt nun einmal nicht zu ändern und man ſcheint von oben herab dafür zu halten, daß an dieſen Verlorenen doch nichts mehr zu ver⸗
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lieren ſei; eine grauenhafte Maxime. Vor den feſten, mit einem Gitterfenſter verſehenen Thüren der Schlafſäle ſteht auf erhöhtem Gerüſte nächtlich je eine Wache mit ſcharf geladenem Doppelgewehr — von welchem ſchon unzählige Male hat Gebrauch gemacht werden müſſen. Wir ſchritten wieder hinab in den Hof; ein iſolirtes, ein⸗ ſtöckiges Gebäude in demſelben dient als Schule; den Schulmeiſter
macht ein alter Deportirter, der, wie mir mein Führer ſagte, Griechiſch und Lateiniſch verſtehe, wie ein Junge das Kirſcheneſſen; es nahmen gegen 300 Sträflinge an dem Unterrichte Theil, der hauptſächlich in Leſen, Kopfrechnen, Geographie und Religion beſteht. Zur Seite befinden ſich die beiden Capellen, eine katholiſche und eine angli⸗ kaniſche; für beide Confeſſionen ſind eigene Geiſtliche angeſtellt. Es ſtanden Wachen vor den offenen Thüren und wir konnten nicht ein⸗ treten, wie der Lieutenant gleichgültig bemerkte; als ich einen Blick in die düſtere Halle warf, glaubte ich einen der Flüchtlinge, vor dem Altar knieend zu erblicken, aber wir gingen raſch vorüber. Durch ein zweites bewachtes Thor gelangten wir in den Arbeitshof. Hier waren ein Paar hundert Detinirte beſchäftigt mit den mannich⸗ faltigſten Arbeiten. Die Werkſtätten ſtehen frei in der Mitte des Quadrats, deſſen Längenſeiten von bedachten, offenen Hallen einge⸗ nommen werden, die als Speiſeſäle dienen. Wir ſahen Matten⸗ flechter, Korbmacher, Tiſchler, Seiler, Schloſſer, Kupferſchmiede, Weber, Böttcher— alle unter ſtrengſter Aufſicht; es iſt übrigens ſchon eine Vergünſtigung, in den Werkſtätten arbeiten zu dürfen; die übrigen müſſen das Feld bebauen, den Garten beſorgen, Wege an⸗ legen ꝛc. ſämmtlich bewacht von Soldaten, welche nur den einen Be⸗ fehl haben: zu feuern bei der geringſten Widerſetzlichkeit oder Ent⸗ fernung aus dem angewieſenen Kreiſe. Die Koſt der Sträflinge be⸗ ſteht aus Maispolenta, ſüßen Kartoffeln, Pökelrindfleiſch, welches aus Chili bezogen wird; jeder Gefangene erhält außerdem täglich geliefert ein beſtimmtes Quantum Brot(ganz weißes Weizenbrot!), Salz, Zucker, Seife und eine Citrone, letztere zur Verbeſſerung des Waſſers, welches aus den Regenbächen in Ciſternen geſammelt wird und oft ſehr ſchlecht ſchmeckt; Quellen und Brunnen gibt es auf der Inſel nicht. Wie ſchon erwähnt, wird monatlich höchſtens einmal friſches Fleiſch verabreicht, gewöhnlich Schweinefleiſch; die Schafe werden für die Beamten und Soldaten gehalten. Friſches Fleiſch iſt aber dasjenige, wonach die Sträflinge am meiſten gieren, und ſie achten den Tod nichts, um es ſich zu verſchaffen. Daher müſſen die Thiere Tag und Nacht überwacht werden, und trotzdem iſt es nicht zu verhindern, daß fort und fort eine große Zahl davon geſtohlen, heimlich geſchlachtet und verzehrt wird; geht es nicht anders, ſo wird einfach der Wächter erſchlagen, wenn er nicht ſehr auf ſeiner Hut iſt. In gleicher Weiſe wiſſen ſie ſich auch Surrogate für andere Gemüſe zu verſchaffen. Da der Tabak ſtreng verpönt iſt, ſo rauchen ſie aus allen möglichen Pfeifen und Röhren jedwedes Kraut und Laub, mit beſonderer Vorliebe das der(wirklichen) Kartoffel. Branntwein er⸗ halten ſie nur zeitweilig, wenn das Waſſer zu ſchlecht iſt; ſie ſchaffen ſich aber ein berauſchendes Getränk in der ekelhaften Chicha mascha- da, peruaniſchen Urſprungs, durch kleingekaute Maiskörner und nach⸗ herige Gährung des Breis. Alle dieſe Uebertretungen werden aufs ſtrengſte beſtraft; ich ſah im Polizeilokal eine ganze Reihe„neun⸗ ſchwänziger Katzen“ an der Wand hängen. Der Esprit de corps i*ſt aber unter den Verbrechern ſo groß, daß der wahre Schuldige nie⸗ mals herauskommt, wenn er nicht auf der That ertappt wird; keiner verräth den andern, lieber ſterben ſie. Die Wahl iſt freilich nicht groß; wer verräth, ſtirbt ebenfalls, wird unfehlbar, ſei es früher oder ſpäter, von den Mitſchuldigen erſchlagen oder erdroſſelt; die Thäter ſind dann niemals zu finden; häufen ſich die Morde, ſo wird ein⸗ fach der Schlafſaal decimirt, dann iſt wieder eine Zeitlang Ruhe. Die gefährlichen und verdächtigen Sträflinge tragen Schellen mit einem ſogenannten Springer an den Füßen, die ihnen nur kurze Schritte zu thun erlauben; die im Freien Arbeitenden ſind gewöhn⸗ lich paarweiſe an einander geſchloſſen; täglich werden die Feſſeln unterſucht. Ich habe in meinem weit herumgeworfenen Leben nie⸗ mals ſolche Galgenphyſiognomien erblickt, wie hier. Lachen oder nur lächeln ſah ich keinen einzigen der Verbrecher, unter welchen alle Altersſtufen vertreten waren, vom bartloſen jungen Mann an bis zum eisgrauen, gebückten Greis. Doch gehören dieſe beiden Extreme zu den Ausnahmen; die meiſten Sträflinge ſtehen im mittleren Lebensalter; länger wie zehn Jahre lebt ſelten einer auf der Inſel. Täuſchte ich mich oder war es wirklich ſo— ich glaubte in allen


