—
Zedes Wort zeugte von Liebe, jede Zeile athmete Wohlwollen, beſon⸗ ders zärtlich gedachte Franz ſeiner Gattin und die ſchon gelbliche Schrift beſtätigte aufs neue, welch ein feſtes, glückliches Familien⸗ leben der unerbittliche Tod zerriſſen hatte.
Maria Thereſia fand ſich wieder, aber ihre Heiterkeit, ihre frohe
Laune waren dahin. Die leichten, kräftigen Schwingen der Freude
waren gelähmt und nur der kalte Glanz kaiſerlicher Pracht erleuchtete
fortan ihre Lebensbahn.
Ein lichter Punkt war die Hochzeit Marie Chriſtinens mit Prinz Albert von Sachſen⸗Teſchen, Statthalter zu Preßburg, die ein Jahr nach des Kaiſers Tode zu Schloßhof bei Mackhegg an der ungariſchen Gränze gefeiert ward. Nach manchen Hinderniſſen, die trotz der Be⸗
günſtigung durch die große Mutter ſich entgegenthürmten, kam dieſe V Ehe zu Stande, welche eine der glücklichſten ward, die überhaupt von den Geſchichtsſchreibern der Familien großer Häuſer in die Gedenk⸗ bücher eingetragen worden iſt. Die Kaiſerin hatte die Genugthuung zu ſehen, daß ſie wahrhaft glückliche Menſchen durch die Verwer⸗ fung äußerlichen Glanzes und Ruhmes gemacht hatte. Die dankbare Zärtlichkeit der ſchönen, glücklichen Tochter lohnte dafür, daß ſie
604—
Mutter— nicht Kaiſerin geweſen, als es ſich um die Zukunft eines geliebten Kindes handelte.
Albert hat ſeine Gattin Marie Chriſtine überlebt. Sie ſtarb am 24. Juni 1798. In dem kleinen Gartenhauſe des Fürſten Kaunitz bei der Vorſtadt Mariahilf gelegen, hauchte ſie ihre Seele in den Ar⸗ men des geliebten Gatten aus. Es war ein herrlicher Sonnenunter⸗ gang, und als das letzte Stück der gluthrothen Kugel am Horizonte hinunterſank, mit ſeinen Scheideſtrahlen die Gärten, Häuſer und Alleen, die wir geſchildert haben, vergoldend, da ſanken auch die ſchönen Arme der Sterbenden herab, ihr Haupt fiel zur Seite und mit dem leiſen Rufe:„Albert!“ ſchwebte die Seele in das Jenſeits hinüber.
Niemand wird wohl verſäumen, bei ſeiner Anweſenheit in Wien das wundervolle Denkmal Canovas in der Kirche der Auguſtiner zu beſichtigen. Es iſt dem Andenken Marie Chriſtinens von ihrem Gatten geweiht; ihre ſterblichen Reſte ruhen in der kaiſerlichen Gruft der Capuzinerkirche zu Häupten des Sarges ihrer Mutter, der großen Kaiſerin Maria Thereſia. Das Denkmal, von Canovas Meiſterhand, trägt die einfache, aber alles ſagende Inſchrift:„Uxori optimae Albertus!“
Aus vielen Meeren.
Erinnerungen eines deutſchen Seeofficiers.
I. Die verbrecherinſel in der Südſee. (Schluß.)
Vor uns erhob ſich zunächſt rechts das große zweiſtöckige Ge⸗ bäude der Intendantur, welches beſonders maſſiv gebaut ſein muß, um erforderlichen Falles als Citadelle dienen zu können. Abermals zwei Schildwachen an der Thüre. Es überlief mich ein Schauder, als ich in die düſtre Flur trat, über deren Eingang das Wort des Dichters geſchrieben ſteht:„Ihr, die Ihr eingeht, laßt alle Hoffnung hinter Euch!“— Wir wandten uns rechts in eine geräumige Kanzlei, in welcher mehrere Aufſeher als Schreiber fungirten. Hier befanden wir uns vor dem Intendanten, dem Commandanten von Norfolk, da⸗ mals ein Oberſt von der Linie; ein hoher, ſtattlicher Fünfziger. Dieſe Stellung, welche große Verantwortlichkeit in ſich ſchließt, deren Inhaber Herr über Leben und Tod aller Bewohner, freier und un⸗ freier, ſeiner Inſel iſt, wird nur ganz erprobten Männern übertragen, die aber, wie alle andern oberen Beamten, nur wenige Jahre auf ihrem Poſten bleiben, welchen ſie blos annehmen, weil deſſen hohe Beſoldung und die Unmöglichkeit, etwas auszugeben, ihnen geſtattet, hier ein Vermögen zu ſammeln. Der Intendant empfing mich ge⸗ meſſen freundlich, nahm meinen Brief ab, ließ ſich aber zuvor münd⸗ lichen Bericht von mir erſtatten, ehe er um die Erlaubniß bat, das Schreiben in meiner Gegenwart öffnen zu dürfen. Ich war ganz verwirrt über dieſe langentbehrte Urbanität. Gleich darauf wurden die drei Gefangenen hereingebracht. Der Intendant nahm nicht die geringſte Notiz von denſelben, drehte ſich herum und ſchritt in ſein Cabinet. Der mitgekommene Unteraufſeher rapportirte dem einen Schreiber blos drei Zahlen und einige Perſonalien, von welchen ich aber nur einzelne Worte vernahm, da mich mein Begleiter eben einem ſtarken, jovial ausſehenden Marinelieutenant vorſtellte, der ſich von mir die Ehre ausbat, ſein Frühſtück mit ihm zu theilen, die ihm natürlich gern zugeſagt wurde. Jede Unterhaltung ſtockte aber, als plötzlich der iriſche Flüchtling zu ſprechen begann.„Euer Gnaden“, ſagte er in halb bittendem, halb zutraulichem Ton,„Euer Gnaden, kein Erlaß diesmal? Macht's nicht zu arg mit uns, wollten uns ja blos ein bischen Tabak holen!“—— Aber er erhielt keine Antwort, las auch keine in den eiſernen Mienen ſeiner Richter. Er brummte etwas in ſich hinein, und ſchien dann tückiſch das Wort in ſich ver⸗
fügte er murmelnd hinzu. Mit Befremden hatte ich während dieſes Zeugniſſes geſehen, daß der Unterintendant ſich abwandte, die Schreiber ſich tiefer auf ihre Federn gebeugt hatten und der Marinelieutenant ganz blaß geworden war. Allein in dieſem Augen⸗ blick trat auch der Oberſt in die offene Thür und gab einen ernſten Wink; ſofort wurden die Gefangenen abgeführt. Dann trat er zu einem der Schreiber, prüfte das ihm dargereichte Blatt, vollzog die Unterſchrift und übergab es einer harrenden Ordonnanz, die damit hinauseilte. Darauf übergab er mir einen Brief an den Capitän der Louiſe und verabſchiedete mich aufs freundlichſte.
Nunmehr nahm mich Lieutenant Maclean in Beſchlag und bugſirte mich treppauf über einen langen Corridor in ſeinen Jung⸗ geſellenſalon. Es ſah darin aus, wie in einer Kajüte nach einem überſtandenen Typhoon, aber aus der Mitte aller Trümmer und Seltſamkeiten ragte verlockend ein ſehr wohl conſervirter und gar⸗ nirter Rundtiſch hervor, zu welchem freilich blos ein einziger ganzer Stuhl— für den Gaſt— vorhanden war, während der Wirth ſich mit einem dreibeinigen Holzſchemel begnügte. Wir hatten eine Auswahl vorzüglicher Früchte: Waſſermelonen, Orangen, Bananen und Weintrauben, welche in dem Garten der Colonie vortrefflich ge⸗ deihen; eine Kaninchenpaſtete, den Schlegel einer wilden Ziege und Möveneier; lauter einheimiſche Produkte, welche ihrem Vaterland alle Ehre machten; daneben allerlei europäiſche Präſerven, ſehr guten Sherry und ſogar ein Fläſchchen peruaniſchen Sect, ſogenannten Eliaswein. Ein ſolches luculliſches Mahl hatte ich ſeit Jahren nicht gehabt, aufrichtig geſtanden, auch auf der Inſel Norfolk nicht geſucht. Ich ſagte dies meinem jovialen Wirth; er ſeufzte aber zur Antwort ſehr tief, und klagte, daß die Tafel nicht immer ſo beſetzt, ſondern gar häufig Schmalhans Küchenmeiſter und„Ciſternienzer“ der tägliche Trank ſei, wenn einmal, was häufig geſchähe, die Pro⸗ viantſchiffe von Hobarttown und Sidney allzulang ausblieben. Denn ſo vorzüglich auch das Klima der Inſel Norfolk ſich für die Er⸗ zeugung von Obſt und Getreide faſt aller Weltgegenden eignet, ſo gering iſt doch die Fläche produktiven Bodens, den ſie hergibt. Dieſer wird größtentheils zum Anbau von Mais und Bataten
beißen zu wollen; aber eine beſſere Regung ſiegte in ihm.„Euer Gnaden,“ rief er wiederum„wenn denn Euer Gnaden es uns für diesmal nicht ſchenken wollen— ſo— ſo ſchenkt es wenigſtens dieſem da!“ Und er deutete auf ſeinen zuſammengeſunkenen, dritten Gefährten, den„Gentleman“.—„Ich und Ben da,“ fuhr er fort, „deſſen Schlafmate(Kettengenoſſe) er i*ſt, haben ihn dazu gezwungen, uns zu helfen, und drohten, ihn todt zu ſchlagen, wenn er es nicht thäte, oder uns verriethe. Schenkt es ihm, und ich will mich nicht beklagen— macht mit mir, was Ihr wollt“— und ſeid verd—!“
(ſüßen Kartoffeln, sweet potatoes) benutzt, welche beide die Lieblings⸗ ſpeiſen der Bevölkerung liefern, Maiskuchen(corn-cakes) und ein ſehr geſundes, wohlſchmeckendes Beigemüſe. Die Früchte, welche im Garten der Anſtalt in ſeltener Ueppigkeit wachſen und gedeihen, reichen nicht hin, um als Nahrungsmittel ins Gewicht zu fallen; ſie bilden aber eine ſehr angenehme Zukoſt, von welcher auch die Sträflinge ihren Antheil erhalten. Hinſichtlich des friſchen Fleiſches iſt man angewieſen auf einen kleinen Stamm von Schweinen und Schafen, welche übrigens nur ſo ſchlecht gefüttert werden können,
—— ₰
*
.
ſi nnhene⸗ c gvß w uh aniiche dr viſ nit vll Arfenth llbrige müthöru haufen Cakes Wergni Eſen! kommen machen, lender
ich hier leider ar ſait wär brandy zurückhal vertilgten hatte von davon zu britiſchen Yrage zu brachte u und frug „Gentlem Angenblick ſch ging; Pelt anzu Palmblatte gehört, 31 Ihnen geff damit Sie
machte die
mich ſehr Klächtling,
ausgeplaud
und dadurc Bündel ſei Die
colonie und
ſſhon erwa
brecher aus
Striſlinge Vandiemen Obhands, über 1200 ſeher und mußten. die üußerſt zu ſehen b


