in den Park zu kommen. Hier waren Schießſtände errichtet. Man ſchoß mit kleinen Armbrüſten, ſogenannten Baleſtren nach er⸗ leuchteten Scheiben, und jedesmal, wenn ein Bolzen den Mittelpunkt traf ſtieg eine glänzende Rakete in den Nachthimmel empor. Auch vertheilte man ſehr koſtbare Preiſe an die glücklichen Schützen.
Während rings um die Schießbahnen ein fröhliches Gewimmel herrſchte, dem die Kaiſerin von der Terraſſe des„grünen Luſthauſes“ zuſah, ſtand Marie Chriſtine nachdenklich an einer Vaſe lehnend, die der Epheu überwucherte, und blickte in das Dunkel hinaus. Der laute Jubel kümmerte ſie nicht, ihre Gedanken waren bei dem Prinzen Albert, ſie flogen zurück in das Kloſter der Urſu⸗ linerinnen, ſie zauberten ihr den ernſten Blick der kaiſerlichen Mutter vor. Die Erzherzogin ſeufzte und machte eine Bewegung, ſich unter die Geſellſchaft zu miſchen, als grade in dem Augenblicke, wo ſie vor⸗ wärts ſchreiten wollte, der Bolzen eines Schützen das Centrum der Scheibe traf. Praſſelnd fuhr die Rakete in die Höhe und erleuchtete mit ihrem weißen Scheine die Menge. Bei dieſem Lichte gewahrte Marie Chriſtine dicht in ihrer Nähe den Prinzen Albert. Sie hatten ſich beide nur flüchtig, wie durch Zucken eines Blitzes beleuchtet, geſehen, aber unwillkürlich näherten ſie ſich einander. Die Nacht und der Eifer, mit dem alles dem Spiele zuſchaute, begünſtigten dieſe An⸗ näherung, niemand beobachtete die junge Erzherzogin, als ſie zitternd vor ſtiller Freude und Verlegenheit ihre Hand in die des Prinzen legte, der ſie ehrerbietig und innig an ſeine Lippen drückte.
„Ich bin glücklich!“ flüſterte der Prinz,„weiter kann, darf ich nichts ſagen. In dieſem einen Worte liegt alles.“„Mein Prinz,“ entgegnete die Erzherzogin,„Sie dürfen mir glauben, daß auch ich es bin. Ihr ſtilles, treues Werben, Ihre aimablen Eigenſchaften, die mir täglich mehr bekannt und täglich theurer werden, laſſen mich ſtolz darauf ſein, daß ſich das Herz eines ſo edlen Chevaliers mir zugewendet.“„Chevalier! Prinzeſſin, im wahren Sinne des Wor⸗ tes:„Dieu et mes armes!“ das iſt mein ganzes Beſitzthum.“ „Ei Prinz! ſoll denn ein wahrer Ritter nach den Grundſätzen der Chevalerie mehr beſitzen? Wer Gott und Waffen hat, der iſt reich genug.“„Wenn der Erſte uns hilft, brauchen wir freilich keine andere Alliance, ohne ſeinen Secours möchten die Waffen ziemlich unnütz ſein. Man erringt heutzutage keine ſo ſchöne Hand wie die Ihrige, Maria, durch das Schwert. O wäre es möglich, Sie würden mich morgen in den Hof der kaiſerlichen Burg reiten ſehen, ich würde jedem, der meinem Glücke im Wege ſtünde, den Handſchuh hinwerfen, Sie auf ſchnaubenden Roſſen entführen, Sie auf meine Burg führen——.“„Halten Sie an, Prinz! c'est un peu extra- vagant!“ lächelte Marie Chriſtine,„leider iſt es nicht möglich, mich ſo zu erringen.“„Wie ſoll ich es beginnen? Ma tante, Ihre erhabene Mutter, ſcheint mich allerdings in faveur genommen zu haben. Allein ich weiß gewiß, daß die Bewilligung zur Heirath zwiſchen uns doch mit den Plänen Ihrer Majeſtät nicht überein⸗ ſtimmt.“ Die Liebenden hatten ſich, ohne es eigentlich zu merken, während dieſes Geſprächs von dem Platze entfernt und waren in eine Seitenallee gelangt. Hier war niemand zu bemerken, und die Prinzeſſin ließ ſich auf einen Steinſitz nieder, während Prinz Albert neben ihr ſtehen blieb, ſich auf die Lehne der Bank ſtützend.
„Woher wiſſen Sie das?“ fragte die Prinzeſſin traurig.„Ich weiß es aus dem Schönbrunner Cabinet,“ ſagte Albert. In dieſem Augenblicke rauſchte es hinter der Bank in dem Gebüſche, die Lieben⸗ den horchten auf.„Was war das?“ fragte Marie Chriſtine, ſich ängſt⸗ lich umſchauend,„man wird uns vermiſſen, man ſucht uns.“ „Es iſt nichts, theure Marie. Ein Windſtoß fuhr durch die Zweige. Schenken Sie mir einige Augenblicke noch, ſie ſind koſtbar. Majeſtät, die Kaiſerin, wiſſen um unſre ſtille Liebe, Sie haben dem Grafen Khevenhüller und dem Herrn Grafen Künigl erklärt, daß die Verbindung zwiſchen uns nicht nach ihrem Wunſche ſei.“ Marie Chriſtine ſeufzte.„Ah! das iſt der Grund, weshalb Mama mir heut Morgen ſo kalt die Hand gereicht. Ich bin recht méchante ge⸗ weſen! Siſt wahr. Hab' übers Gebetbuch weg Euch angeſchaut und das hat die Allergnädigſte Mama gemerkt.“„Es iſt recht traurig für uns,“ ſagte Albert wehmüthig;„wenn die Kaiſerin ihr Ja⸗ wort geben wollte— ich würde dem hohen Hauſe nur Ehre machen. Bin ich denn nicht ein Prinz? Hab ich denn nicht meine éducation am Dresdner Hofe erhalten? Ich bin der Verwandte der Kaiſerin, ich hab' als ſolcher ein Recht, zu ihr zu gehen, ſie zu fragen, zu bitten.“ „Iſt mon ami nicht zu heftig? beſchwichtigte die Erzherzogin; es
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gibt ein beſſeres Mittel. Mama iſt die große— große Kaiſerin, das iſt richtig, und da hat ſie ihre Plane, aber Mama iſt eine noch viel größere, liebere, herzige Mutter, und wenn ich, die ihre ganze Liebe hat, mir eines Tages das Herz faſſe und ſage: Schau die Allergnädigſte Mutter, ich lieb' den Prinzen Albert, ich kann halt ohne ihn nicht heureuse ſein auf dieſer Erdenwelt, ſoll ich durchaus ins Kloſter, wo hinein ich mit aller Frömmigkeit nicht möcht? denn ich nehm' keinen andern. Machen die Allergnädigſte Mama uns beide glücklich, wir wollen auch den Papa bitten; muß es denn immer ein Prinz mit zehn Kronen am Kopfe ſein? Denken Mama, daß zum Glück noch mehr gehört und ſchenken Sie uns Ihren Segen. Wenn ich ſo ſpreche, dann, ich weiß es, kommt die Mutter über die Kaiſerin.“„Sie ſind ein Engel!“ rief der Prinz, die Hand der Erz⸗ herzogin küſſend,„thun Sie ſo, wie Sie ſich vorgeſetzt haben. Wer könnte Ihnen widerſtehen!“„Mais,“ ſagte Marie Chriſtine ſich er⸗ hebend; jetzt keinen Augenblick länger mehr weilen. Blicken Sie die Allee hinunter, man wird das Schießen beendet haben, die Preiſe werden vertheilt. Alſo: pour toujours! mein lieber Prinz.“„Pour toujours, geliebte Maria.“ Schnell verließen beide den Sitz und eilten die Allee entlang zu den Ständen, wo ſie von allen unbemerkt ſich bald in das Gedränge miſchten.
Wenig Minuten nachdem ſie verſchwunden waren, raſchelte es wieder in dem Gebüſche. Zwei verhüllte Damen traten hervor. „Haſt's nun gehört und wirſt mir jetzt glauben?“ ſagte die erſte, ihre Kapuze zurückſchlagend. Es war die Kaiſerin Maria Thereſia. „Majeſtät hatten vollkommen richtig geurtheilt,“ entgegnete die Ange⸗ redete, ein Fräulein Guttenberg.
Maria Thereſia ſtand in der Mitte des Ganges, ſie blickte auf die Steinbank, wo ihre geliebte Tochter geſeſſen.„Weißt Du, Franzl,“ ſagte ſie nach langer Pauſe,„es hat mich gar zu ſehr gefreut, was ich von der Chriſtine gehört hab'. Ich will die beiden glück⸗ lich ſehen.“„Majeſtät ſtreuen ja immer nur Glück und Wohlthat aus.“„Es wird freilich ſo mancher wieder plauſchen,“ ſagte die Kaiſerin,„laßt's ihn. Die Kinder kann ich nicht ſo unglücklich werden laſſen. Es iſt ſelten genug, daß ſich was Hohes aus Liebe zu einander findet. Ich will zwei von den Meinen durchaus glück⸗ lich ſehen. Die Chriſtine hat ganz Recht: die Kronen braucht man nicht immer fürs Heil und für den Frieden— leider,“ ſeufzte ſie tief,„leider iſt Joſephs unglückliche Mariage ein Beleg daſür.“ Sie faßte den Arm der Vertrauten und ging in das Schloß zurück.
Als die Kaiſerin eingetreten war, erſchienen die Erzherzogin⸗ nen, um der Mutter eine gute Nacht zu wünſchen, denn die Kaiſerin überwachte die Erziehung ihrer Kinder äußerſt genau, und ſo war auch den älteren Prinzeſſinnen die Stunde unerbittlich vorgeſchrie⸗ ben, in der ſie jede Geſellſchaft verlaſſen und ſich zu Bett begeben mußten.
Jede Tochter erhielt den„Gute-Nacht-⸗Kuß,“ und als Marie
Chriſtine ſchüchtern der Mutter nahte, ergriff dieſe der Tochter Hand und ſah ihr lange ins Auge, ſo daß die Prinzeſſin den Blick ſenken mußte.„Du warſt heut, dünkt mich, recht vergnügt, recht heureuse mein Kind,“ ſagte die Kaiſerin halblaut,„an ſolchen Tag erinnert man ſich gern im Leben und ſo will ich Dir denn ein souvenir eichen. Bleib immer dabei, daß Deine Mutter Dich wahrhaft liebt und,“ ſagte ſie flüſternd, indem ſie ein koſtbares Armband um der Prinzeſſin Handgelenk befeſtigte,„ſei vorſichtig und ruhig gegen alle Leute, ich habe nur Dein Glück vor Augen.“
Marie Chriſtine ward purpurroth, ſie begriff ſofort, daß die Mutter alles wußte. Dieſe Liebe, dieſe Güte verwirrten die Erzherzogin und indem ſie einen Kuß auf die Hand der Kaiſerin drückte, ſtammelte ſie verworrene Dankesworte und wankte endlich aus dem Zimmer. Die Verſammlung hatte dieſe Scene der Erregung auf Rechnung des koſtbaren Geſchenkes geſetzt. Niemand ahnte den eigentlichen Grund, aber Erzherzogin Marie Chriſtine ſchlief, die große, gute Mutter ſeg⸗ nend, glücklich und zufrieden ein, um von den heiterſten Zukunfts⸗ träumen ſich allerlei vorgaukeln zu laſſen.
Von jetzt an war das Glück der Liebenden entſchieden, denn die Kaiſerin nahm die zärtliche Neigung in ihren Schutz. Blumen, kleine Andenken aller Art, anfangs ſpärlich, dann aber faſt täglich er⸗ ſcheinend, bildeten die Vorläufer, und Marie Chriſtine ſchrieb endlich an Prinz Albert:„Par la permission de la meilleure des mères je suis autorisée de recevoir plus souvent de vos lettres, d'en retrancher toutes les Altesses et Cérémonies.“ Als nun der
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