Jahrgang 
1865
Seite
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Adelgunde, wirſt Du es glauben? gerade Deine ſtille, fromme, liebreiche, demüthige Geduld war es, die ich nicht ertragen konnte, die mich immer peinigte und reizte. Hätteſt Du gezürnt, wäreſt Du heftig und leidenſchaftlich geworden, ich wäre anders geweſen. O es war teufliſch von mir, aber es war ſo!

Aber an jenem Abend, Du wirſt es nicht vergeſſen haben, als ich mich ſoweit vergeſſen hatte, Dich Dich zu ſchlagen, als Du auch da kein zorniges, kein bitteres, kein Wort des Vorwurfes hatteſt und mich nur fragteſt, warum ich Dir ſo wehe thue, da Du mich ja nie beleidigt habeſt Adelgunde, da fühlte ich zum erſten Male meine ganze Schändlichkeit gegen Dich, es ſchnitt mir durch die Seele o Du kameſt mir vor wie ein Engel des Himmels, den ich gemartert hatte, und der nun mit der liebevollſten Sanftmuth mir doch nur meinen Fluch verkündigte. Ich hatte einen andern heftigen Aerger gehabt, aber daran dachte ich nicht mehr. Die ganze Nacht ſtand mir Dein Bild vor Augen, wie Du da vor mir gelegen, und es wurde mir zur heißeſten Qual. Mich ſchauderte vor mir ſelbſt. Du aber, Adelgunde, wareſt mir wie ein heiliges und doch peinliches Räthſel geworden. Ach ſchon damals, in den Tagen dar⸗ auf und bis Du fortgingſt, hätte alles anders werden können. Daß es nicht wurde es hängt mit der unſeligen Leidenſchaft zum Trinken zuſammen. Das braucht mir niemand zu ſagen. Auch ſie wollte ich überwinden. Damals vermocht' ich es noch nicht. Ueber Tag blieb ich feſt, aber wenn der Abend kam ach Du weißt es. Es kam noch eine andre alte böſe Leidenſchaft hinzu, die mich ver⸗ ſtörte, deren Erinnerung ich ertränken wollte.

Und noch eine dritte hatte mich erfaßt ſeit jenem unſeligen Tage: Eiferſucht, unſinnige Eiferſucht gegen Benno von H.

Als Du die Angelegenheit mit dem rachſüchtigen Paſtor, bei der ich mich ja freilich unverantwortlich benommen, als Du ſie mit ſo edler offner Liebe ausgeglichen und mir dabei ein Vertrauen er⸗ wieſen hatteſt, das ich nicht verdiente, o Adelgunde, mein ganzes Innere beugte ſich davor nun fühlte ich, daß ich Dich dennoch liebte und daß ich Deiner nicht werth ſei. Ich wußte es nun ein Weib wie Du hätte ich auf den Händen tragen ſollen, aber um ſo unſinniger wurde meine Eiferſucht. Ob ich mich in ſie hinein ret⸗ ten wollte vor meinem Schuldgefühle gegen Dich?

Ich hatte gehört, Benno ſei mehrmals bei Euch geweſen. Ich

ließ aufpaſſen. An dem Schreckenstage wurde mir gemeldet, er ſei dort. Ich hatte in meiner Wuth getrunken und alles wogte und tobte in mir, als ich die Büchſe nahm, wie wenn ich zur Jagd wolle, und zu Euch hinüberjagte. In der Luft wurde mein Zuſtand noch wilder und verworrener. Nun weiß ich nicht mehr, was ich ge⸗ than oder geſagt, bis zu dem Augenblicke, da der unglückſelige Schuß durchs Fenſter fuhr, da ich Deine Mutter mit dem Tode ringen und ſterben ſah. Da konnte ich nicht bleiben und floh und jagte nach Haus. . Adelgunde es iſt geſchehen, was ich nicht wollte und es iſt von Gott geſchehen, daß ich es nicht wollte und Er iſt es, vor dem ich jetzt bebe und weine und flehe. Ich habe nicht an Ihn ge⸗ glaubt, ich habe Seiner geſpottet, Ihn verläſtert, mich tauſendmal an Ihm verſündigt. Ich bin nicht werth, daß Er mir vergibt ich kann nicht daran glauben, daß Er es thut, wenn Du es nicht thuſt, Adelgunde. Was ſoll aus mir werden, wenn Du mir nicht ver⸗ gibſt? Sei barmherzig! Willſt Du mich nicht ſehen, ſo ſchreib mir nur die zwei Worte: Ich vergebe! Laß mich nicht verzweifeln! Erbarme Dich Deines K.

Du antworteſt mir nicht, Adelgunde. Du willſt mich auch nicht zu Dir laſſen. Wer anders, als ich, kann Dir denn ſagen, welche Reue, welche Schmerzen über die ganze Vergangenheit mich zerreißen o über alle die Untreue, die Liebloſigkeit, die Wildheit, die Härte; die Sünden, die ich an Dir verübt, die mir Gott nicht vergibt, wenn Du mir nicht vergibſt. Ich habe die Nacht Deines Geburtstages vor Deiner Hausthüre gelegen und unter Thränen Gott angefleht, daß Er mir Deine Vergebung ſchenke, damit ich wiſſen könne, ob Er mir vergebe. Brauche ich es Dir zu verſichern, daß ſeit dem ſchrecklichen Augenblicke keine Ruhe in mein Gebein, kein Tropfen Wein über meine Lippe, kein treuloſer oder eifer⸗ ſüchtiger Gedanke in meine Seele gekommen iſt? O nun erſt weiß ich, was für ein köſtliches, edles, himmliſches Weib ich habe Adel⸗ gunde, muß ich ſagen, gehabt habe? Um Deßwillen, zu dem wir

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beide jetzt ja beten und flehen, laſſe mich Vergebung von Dir em⸗ pfangen. Nur ein Zeichen derſelben gib Deinem einſt ſo gelieb⸗ ten K.

Iſt es möglich, Adelgunde, daß jener einzige entſetzliche Augen⸗ blick Dich ſo ganz verändert hat? Biſt Du denn nicht mehr die Du wareſt? O wenn ich zurückdenke an die ganze Zeit, die wie eine durchtaumelte Wüſtenei hinter mir liegt, deren Greuel und Miſſe⸗ thaten gegen Dich mich jetzt foltern wie mit Flammen der Hölle, kein Wort, keine Silbe des Vorwurfs, der Ungeduld, der Klage, keinen Blick des Unwillens und des Tadels fand ich jemals bei Dir, immer ſtill, immer geduldig, immer liebreich haſt Du alles, alles ertragen wie ein Engel Gottes, und nun, da ich von unſäglichen Reueſchmer⸗ zen gefoltert Dir zu Füßen fallen will, da mein Herz nach Ver⸗ gebung ſchreiet nun ſtößt Du mich zurück?

Ich habe in Deinen Zimmern ich verlaſſe ſie nicht mehr, jede Stelle darin iſt mir ein Heiligthum da hab ich Deine Bibel gefunden, ich habe darin geleſen, ich bin davor zuſammengebrochen, es brannte mir wie Feuer in allen Gliedern. Kann ſo etwas geſchehen und geſagt, geſchrieben und gedruckt ſein, und ich wußte nichts davon und konnte leben und läſtern und ſündigen, wie ich ge⸗ than habe? Da, in Deiner Bibel habe ich dick unterſtrichen die Worte gefunden:Es ſollen die Weiber ihren Männern unterthan ſein, auf daß auch die, ſo nicht glauben an das Wort, durch der Weiber Wandel ohne Wort gewonnen werden, wenn ſie anſehen Euern keu⸗ ſchen Wandel in der Furcht u. ſ. w. So haſt Du gethan, Adel⸗ gunde, und haſt es erreicht, Du haſt mich überwunden und nun? Adelgunde, ich beſchwöre Dich bei dem lebendigen Gott, meinem ſchrecklichen Richter, laß mich nicht ohne Vergebung? Wie kann mir Gott vergeben, wenn Du es nicht thuſt?

Du antworteſt nicht, Du läßt mich nicht zu Dir kannſt Du mich untergehen laſſen in dieſer Verzweiflung? Wieder zwei Nächte habe ich auf der Schwelle Deines Hauſes verweint von Mitternacht bis Tagesanbruch. Zweifelſt Du an meiner Aufrichtig⸗ keit? Oder glaubſt Du nicht, daß meine Buße Beſtand haben werde? Setze mir eine Probezeit! Verſprich nur, mir dann zu vergeben, wenn ich ſie beſtehe! Adelgunde, ich habe niemand, der mir hilft in dieſer Rathloſigkeit meines Innern, da ich hin und herbange zwi⸗ ſchen Gericht und Gnade, zwiſchen Hölle und Himmel. Du allein kannſt mir helfen. Nur einmal, nur einmal laß mich zu Dir, und dann ſage mir, daß Du mir vergeben wolleſt, wenn ich Gott und Dir treu bleibe. Willſt Du mich dann nicht mehr ſehen, ſo muß ich es leiden. Ich weiß es, daß ich Deiner nicht werth bin.

Aus Adelgundens Tagebuche.

Heute an meinem einundzwanzigſten Geburtstage nehme ich dies Buch nochmals vor. Auch dies ſtehe darin für künftige Jahre und künftige Geburtstage. Die Geſchichte meiner Unverſöhnlichkeit und meiner Buße und meiner Vorſätze. In meiner Jugend bin ich alt geworden. Dieſe Geſchichte ſoll mir jung bleiben für mein Alter, damit ſie mich feſt erhalte auf meinem Wege. An jedem Geburtstage will ich ſie leſen.

Seit dem durch Karls Unvorſichtigkeit wohl nur beſchleunigten Tode meiner Mutter, war mein Inneres wie erſtarrt und verſteinert. Ich hielt mich in ihren Zimmern eingeſchloſſen, ließ niemand zu mir, ging umher und ſaß wie von einem fürchterlichen Traume befangen, und dachte an nichts als an die entſetzliche Begebenheit. Ich war überzeugt, Karl habe auf uns ſchießen wollen. Er iſt oft dageweſen, ich weiß nicht wie oft, denn ich hatte verboten, es mir zu melden. Ich wollte ihn nie wiederſehen. Seine Briefe legte ich uneröffnet weg. Das währte Tage und Wochen lang.

Es war am 16. Juli Morgens früh, als der alte Diener meiner ſeligen Mutter zu mir verlangte. Ich ſchloß ihm auf. Man habe ihm erzählt, ſagte er, Karl ſei in der Nacht auf dem Wege von hier nach dem anderen Gute mit dem Pferde gefährlich geſtürzt. Er habe um Nachricht hingeſchickt, halte es nun aber für ſeine Pflicht zu berichten, daß der Baron in der letzten Zeit faſt jede Nacht auf der ſteinernen Treppe vor dem Hauſe zugebracht habe. Er ſelbſt ſchlafe nur wenig und leiſe, ſei von dem Hufſchlag und Schnauben des Pferdes geweckt worden, habe durchs Fenſter blickend Karl im Mondſchein erkannt und geſehen, wie er abgeſtiegen ſei, das Pferd angebunden und ſich

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