Jahrgang 
1865
Seite
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Das Geld wurde oft auf eine höchſt unterhaltende Art zuſammenge⸗ bracht. In Chicago, z. B., beſchloß man einen großen Jahrmarkt zu errichten, zu dem alle nordweſtlichen Staaten Beiträge einſenden ſollten. Am Tage der Eröffnung zog eine Reihe ſchwerbeladener Wagen, drei (engl.) Meilen lang, in die Stadt. Der Markt dauerte 14 Tage, und jeder Tag brachte neue Vorräthe und Käufer. Die Landleute, hundert Meilen umher, ſandten per Eiſenbahn die verſchiedenen Produkte ihrer Güter und Mühlen. Wer nichts anders vermochte, ſandte einen Ochſen, eine Kuh, ein Kalb oder etwas Geflügel, oder auch nur einige Scheffel Korn oder Kartoffeln; Handwerker ſandten Ackerwerkzeuge u. dgl. Aller Erlös für dieſe Gaben wurde ſogleich dem Frauencommittee überwieſen. Dafür errichteten die Damen von Chicago eine eigene Reſtauration für ihre Freunde, wo ſie durchſchnittlich 1500 Gäſte täglich ſpeiſten. Die Bewohner der Stadt lieferten ihnen dazu die nöthigen Lebensmittel; die Reicheren Fleiſch und Geflügel, die Aermeren Gemüſe, oder auch nur etwas Pfeffer und Salz. Hunderte von jungen Mädchen, zum Theil aus den wohlhabendſten Familien, in netter Uniform, ſtanden hinter den Schenktiſchen als Kellnerinnen und warteten auf; die ganze Einnahme wurde dem sanitary fund zugewieſen. Mehr als 50,000 Dollars brachte dieſer merkwürdige Jahrmarkt dem Schatze des Chicagozweiges ein.

Das, wird die geehrte Leſerin meinen, war ja mehr ein Vergnügen, als eine Arbeit! Ganz recht, aber das war auch nur ein Anfang und ein kleiner Theil der von den Frauen geleiſteten Hilfe. In der pünktlichſten und geſchäftsmäßigſten Weiſe nahmen ſie ſodann tauſende von Paketen in Empfang, ſortirten, arrangirten, adreſſirten und expedirten ſie per Dampf⸗ ſchiff oder Eiſenbahn Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat, ja Jahre hindurch. Um ſich einen Begriff von dieſer Arbeit zu machen, ſeien einige der Artikel hier erwähnt, welche von den Damen des nord⸗ weſtlichen Zweiges nach dem Kriegsſchauplatze expedirt wurden. Unter den expedirten Sachen finden wir(bis zum Juli v. J.) 10,911 Bett⸗ decken, 24,887 Bettziechen, 38,367 comfortables(eine Art Pferde⸗ decke), 10,421 Kiſſen, 153,017 Kiſſenziechen, 184,445 Paar Socken, 192,712 Hemden, 107,763 Paar Unterhoſen, 270,276 Handtücher und Schnupf⸗ tücher, 295,371 Pfund Charpie und Bandagen, außer unzähligen Flaſchen Wein, Kannen von präſervirter Milch, Rauchfleiſch, Thee, Zucker, Butter ꝛc.

In den öſtlichen Diſtrikten waren die Frauen nicht minder begeiſtert. Beſonders wurden ſie durch die Freigebigkeit der Landbewohner unterſtützt. So wird uns erzählt, daß in Connecticut, wo die Dörfer als Muſter von Zierlichkeit gelten, gegenwärtig höchſt ſelten Gardinen in irgend einem Hauſe zu finden ſind, weil ſie alle den Frauencommittees überlaſſen wurden. Dies iſt um ſo anerkennenswerther, als eine Farmersfrau von Connecticut auf nichts ſo ſtolz iſt, als auf ihre Fenſtervorhänge.

Auf dem Kriegsſchauplatze nahmen andere Damen dieſe Sendungen zur Vertheilung in Empfang. Als im Winter 1861/62 die Virginiſche Armee entſetzlich von Krankheit litt, beſchloß die Regierung, mehrere Dampf⸗ ſchiffe der Sanitary Commiſſion zur Verfügung zu ſtellen, einige als Hoſpi⸗ talſchiffe, andere zum Transporte der Kranken und Verwundeten. Auf der Ocean Queen, die für 1000 Kranke Raum hatte, wurden die Nerven der Damen zuerſt auf eine harte Probe geſtellt; denn in einer Woche kamen nicht weniger als 900 Typhusfieberfälle vor.

Es ſei uns vergönnt, einige Züge aus ihrer Thätigkeit hervorzuheben.

Es iſt Nacht. Ein ſcharfer Ton der Dampfpfeife erweckt die Frauen am Bord des Schiffes. Bald darauf nahen Böte mit hunderten von Kranken und Bleſſirten vom Lande her. Behutſam werden ſie aufs Deck geſchafft; die Wärterinnen ſtehen zu ihrem Empfange bereit, ſchreiben zuerſt die Namen und Adreſſen aller derer auf, die noch ſprechen können, numeriren und verwahren ihre mitgebrachten Sachen; dann werden ſie langſam hinabgelaſſen in die Krankenkajüten und ins Bett gelegt, wo ſie Erfriſchungen, Medicin ꝛc. erhalten.This is just like home!es iſt gerade, als ob ich daheim wäre! ruft da mancher: der ſchönſte Lohn für die treuen Hände und Herzen, die es ihnen ſo gut bereitet haben.

Um Mitternacht, ſchreibt eine der Pflegerinnen,kamen zwei Steamer langſeits der Elm City, jeder mit hundert Kranken an Bord, und mit der Nachricht, daß der Daniel Webſter in kurzer Entfernung ge⸗ ſtrandet wäre mit noch zweihundert Kranken, alle ohne Pflege und ohne Lebensmittel. Natürlich mußte für ſie geſorgt werden. So, inmitten des wildeſten Gewitters, fuhren wir in einem kleinen Boote mit Thee, Rum und beef-essence(Eleiſchextrakt) zu ihrer Hilfe. Der Regen floß in Strömen, die Blitze erleuchteten von Sekunde zu Sekunde die Scene vor uns und um uns; mit Gottes Hilfe erreichten wir ungefährdet das er⸗ ſtrebte Schiff und brachten den armen Burſchen die erſehnte Erquickung.

Auf den Schlachtfeldern entwickelte ſich aber vor allem die Thätig⸗ keit der Frauen. Da ſtehen ſie, während der Kampf tobt, und kochen Suppe und Kaffee, bereiten Feldlager, Charpie, Bandagen ꝛc. vor, em⸗ pfangen dann die Verwundeten, ſtärken ſie mit Speiſe und Trank, und tröſten ſie mit ernſtem und heiligem Zuſpruche.Ich glaube nicht, ſchreibt eine von ihnen nach der Schlacht bei Getteysburg,daß einer von den 16,000 Verwundeten Rebellen und Unioniſten ohne ein gutes Mahl weiter transportirt worden iſt. Die Schwerverwundeten, die nicht ſogleich weiter gebracht werden konnten, verſorgten ſie mit reiner Wäſche, Pan⸗ toffeln, Schlafröcken ꝛc. und leiſteten ihnen viele andere Dienſte.

Die Frauen von Getteysburg zeichneten ſich beſonders durch ihre Be⸗ geiſterung und durch ihren Heldenmuth aus. Ein armes kräftiges Bauern⸗

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mädchen lebte in unmittelbarer Nähe des Schlachtfeldes, ja ſo nahe, daß ihr Haus von den feindlichen Kugeln ganz durchlöchert wurde. Als der Kampf vorüber war, wurde ſie gefragt, wie es ihr ergangen wäre und ob ſie nicht ſehr in Angſt geweſen?Ach nein, erwiderte ſie,wir buken hier alle Brot für unſere Soldaten. Als die erſte Kugel durchs Zimmer fuhr, kam ein Officier und ſagte zu mir, ich ſollte lieber weg⸗ gehen, aber ich ſagte, ich wollte den Teig nicht verlaſſen und ſo arbei⸗ tete ich fort, bis eine dritte Kugel kam, dann ging ich hinab in den Keller, aber, fügte ſie triumphirend hinzu;ich ließ mein Brot zurück in meinem Ofen.Und warum gingſt Du nicht vorher?O, ſehen Sie, wenn ſie(der Feind) gekommen wären, würden ſie all den Teig ver⸗ dorben haben.

Aber die eben nur in ſchwachen Umriſſen gezeichnete Frauenhilfe erſtreckt ſich noch viel weiter. Sie ſorgen für den Soldaten während ſeiner Re⸗ convalescenz und ſchaffen ihm Obdach und Unterſtützung, bis er im Stande iſt, heimzureiſen; ſie ſammeln für ihn ſeinen Sold, ſchützen ihn, ſo gut ſie können, vor Betrügern und ſchlechter Geſellſchaft und geleiten ihn zu guterletzt auf die Eiſenbahn, die ihn zu ſeiner Familie führt. Zu dieſem Zwecke haben ſieHomes eingerichtet, wo er wohnen kann, bis ſeine Kraft wiederhergeſtellt iſt. Das größte derſelben iſt in Washington; es hat Raum für 320 Reconvalescenten. Vom December 1862 bis zum Oktober 1863 fanden 7187 Leute darin Aufnahme.

Endlich haben ſie noch zweiNurses' homes gegründet, eins in Washington, das andere in Annapolis, in denen Pflegerinnen, ſeien es erkrankte oder ſonſt augenblicklich dienſtunfähige eine Stätte zum Aus⸗ ruhen haben. Aber der echt chriſtliche Geiſt, der dieſe edlen Frauen beſeelte, zeigte ſich in noch weitergehender Aufopferung und Selbſtverleugnung. Als ſie nämlich die große Zahl hilfloſer, gramvoller Weiber ſahen, die nach Washington kamen, um ſich nach ihren Männern oder Söhnen in der Armee zu erkundigen, gaben ſie ſogleich einen großen Theil ihrer eigenen, beſchränkten Räumlichkeiten auf, um ihnen Obdach und Nahrung zu gewähren, und thaten alles, um ihnen die erwünſchten Nachrichten und damit Troſt zu verſchaffen. 7

Zum Schluße ſei noch erwähnt, daß die Achtung vor dieſen dienenden Frauen ſo großwar, daß ſie mit vollkommener Leichtigkeit aus dem Unionslager in das der Conföderirten paſſiren konnten und umgekehrt: überall ſicherte ſie ihre wohlbekannte Miſſion der Barmherzigkeit nicht nur vor Beläſtigung, ſondern verſchaffte ihnen die freundlichſte Aufnahme.

So hat es ſich in Amerika bewährt, wie im vergangnen Jahre auf Schleswig⸗Holſteins Feldern, daß es wahr iſt, was der Dichter ſingt:

Die Liebe iſt des Weibes größte That! Und was ein Weib in Liebe thut, Wie ihre, Sorge nimmer ruht, Wie ſie in Treue alle pflegt, Die ihr der Herr ans Herz gelegt, Du Mann voll Kraft und Streben könnteſt's nicht! Die Liebe iſt des Weibes größte That! R. K.

Für das deutſche Rettungsweſen zur See gingen bis heute den 20. Juni ferner ein:

Von d. Schülern d. Domgymnaſiums und d. Realſchule zu Colberg durch Direktor G. Stier Thlr. 25. F. Midau in Godesberg Thlr. 1. v. d. K. in Berlin Thlr. 1. Pf. Kerſch in Mohrungen Thlr. 1 24. H. R. in Poſen Thlr. 2. Th. vom Rath in Duisburg Thlr. 5. V. u. J. M in Wetzlar Thlr. 1. Pf. Weigand in Reichenbach Thlr. 1 15. N. N. in Salzufeln Thlr. 1. E. A. Daheimleſer in Cöln Thlr. 1. W. K. M. in Roßla Thlr. 2. 10. D. E. W. Th. in Barth Thlr. 1. Wittwe Windhövel in Schwelm Thlr. 2. Peter Mennenöh daſ. Thlr. 3. Pf. R. K. in Köſelitz Thlr. 1. Pf. Lindenblatt in Morczen Thlr. 1. Eine Familie in Giersleben Thlr. 1. R. H. in Ehr. Thlr. 1 (Antwort ſiehe unten). G. W. in Hamm,Bereiterverdienſt, Thlr. 3. 5 ½. Dr. Weicker in Torgau Thlr. 2. C. Dülfer in Breslau Thlr. 1. Buchhändler Schultz in Paris Thlr. 2. 15. Betrag der letzten Quittung: Thlr. 1512. 14 ½ Gr. Summa: Thlr 1573. 24 Gr. Thlr. 22 Jahresbeiträge und 3 Lotterielooſe.

Briefkaſten.

Herrn R. H. in Ehr. Sie ſchlagen vor, um auch unbemittelten Menſchenfreunden Gelegenheit zur Beihilfe am Rettungswerk zu geben, den Preis des Daheim von 15 Gr. auf 16 zu erhöhen, und den 16ten Gr. für das Rettungsweſen zu beſtimmen. Das ergäbe jährlich 4400 Thlr. Freilich wäre das eine ſchöne Summe, aber Sie vergeſſen, daß wir nicht das allermindeſte Recht haben, unſern Leſerkreis auch für den beſten Zweck willkürlich zu beſteuern. Manche würden ſich das vielleicht nach⸗ ſichtig gefallen laſſen, andere könnten ſich aber mit Recht über Bevor⸗ mundung und Zwang zur Wohlthätigkeit beklagen. Wir können nur freie Gaben entgegen nehmen,(nur dieſe ehren den Geber,) und be⸗ dauern, auf andere Weiſe dem Rettungswerke nicht diene u können. Uebrigens unſern Dank für Ihr Intereſſe.

Unter Verantwortlichkeit von A. Klaſing in Bielefeld, herausgegeben von Dr. Robert Koenig in Leipzig. Verlag der Daheim-Expedition von Velhagen* Klaſing in Bielefeld und Berlin. Druck von Liſcher Wittig in Leipzig.

Briefe und Sendungen ſind zu richten an die Re

1865.

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