Mit einem Sprunge war der Baron im Stalle und fand da den Reitknecht mit der Schecke beſchäftigÄt. Er beſah ſich das Pferd auf⸗ merkſam und lobte es von der Mähne bis zum Schwanze, um ſich einen Weg zu dem Herzen des Burſchen zu bahnen. Aber umſonſt; kein Schmeicheln brachte aus dem treuen Burſchen den Namen ſeines Herrn heraus; ſelbſt der Lockung eines Goldſtücks, ja ſogar zweier, widerſtand er beharrlich.„Wenn's Ihnen mein Herr nicht ſelber geſagt hat, ſo iſt's ihm gewiß lieber, ich ſag's auch nicht.“
Unterdeß war der Wagen des Officiers nothdürftig wieder in Stand geſetzt und er ſtieg ein. Als ſie langſam die ſtaubige Straße dahin fuhren, rief er auf einmal ſeinen Kutſcher und ſprach:„Johann, der Menſch war ein Engel für mich und Dich; ich verſpreche Dir, Du ſollſt Dich nie wieder über meine Heftigkeit zu beklagen haben, und ſollte mir's zu ſauer ankommen, ſo ſprich: Herr Baron, denken Sie an den Mann auf der Schecke, der die Augen Ihrer ſeligen Mutter hatte!“
Die zweite Begegnung. Leipzig, den 22. December 1768.
Werthgeſchätzteſte Braut! Angebetete Julie!
Drei Wochen bin ich nun ſchon von Ihnen entfernt, und lebe doch noch, wenn man es anders leben nennen kann, ſo weit von Ihnen getrennt die Luft athmen zu müſſen und gezwungen zu ſein, was man ſo gern Auge in Auge und Herz in Herz ſagte, dem traurigen Papier anzuvertrauen. Und doch hoffe ich, daß Ihnen dieſer Brief einiges Vergnügen machen ſoll, denn ich habe etwas erleben dürfen, deſſen ganzen Hochgenuß Ihr fühlendes Herz gewiß mit mir theilt. Es drängt mich, es Ihnen mitzutheilen, und ſo einen ſchwachen Er⸗ ſatz für die Wonne zu haben, die ich empfinden würde, wenn es mir vergönnt wäre, es Ihnen zu erzählen.
Ich bin in Leipzig, dem alten berühmten Muſenſitze und Handelsplatze. Ich erkundigte mich beim Hereinfahren, welches wohl der beſte Gaſthof wäre, und erfuhr, daß Cavaliere und Leute von Diſtinction gewöhnlich im blauen Engel einkehrten. Dort nahm ich mein Quartier und machte den erſten Abend einen Plan, die Sehens⸗ würdigkeiten der Stadt mit Muße zu genießen. Der redſelige Wirth ſetzte ſich zu mir und antwortete auf meine Fragen geſcheidt und diſtinet genug. Er rieth mir, vor allem nicht zu verſäumen, den be⸗ rühmten Spaziergang, das Roſenthal anzuſchauen.
„Es iſt zwar ſchade,“ ſagte er,„daß der gnädige Herr gerade im Winter hier ſind, indeſſen um die Mittagsſtunde können Sie auf dem Wege dorthin und im Hauptgange die ſchöne Welt und die luſtigen Muſenſöhne beobachten, und haben zugleich Gelegenheit, unſern be⸗ rühmten Gellert zu ſehen, der um dieſe Zeit eine Stunde dort ſpazieren reitet. Er iſt der einzige, außer unſerm gnädigen Chur⸗ fürſten, der als Auszeichnung für ſeine Verdienſte vom hohen Stadtrathe die Erlaubniß empfangen hat, dort zu reiten.
Gellert! Gellert! Ja, den mußt Du ſehen, tönte ſogleich eine Stimme in mir. Das iſt ja der Mann, für den die zarte Seele deiner Julie ſchwärmt, deſſen ſchöne, gefühlvolle Schriften Du ſo oft mit ihr geleſen, ihr vorgeleſen und von ihrer ſüßen Stimme haſt vorleſen hören. Er hat mich durch ſeine herrlichen Ermahnungen mächtig auf dem Wege beſtärkt, den ich ſeit jenem verhängnißvollen Tage betreten und eingehalten, als jener herrliche Unbekannte ſo kräftig mir in die Seele redete. Ich habe Ihnen ja, theuerſte Julie, die Geſchichte ſo oft erzählt, daß Sie dieſelbe auswendig wiſſen müſſen. Der Mann mit der Schecke! Ach, daß ich ihn auf dem Lebenswege noch einmal träfe und ihm danken könnte! Wenn ich meinem tugendhaften Lebenswandel das Glück danke, eine Julie zur Braut zu haben(denn wie ich war, hätte ſie mir nie ihr Herz ge⸗ ſchenkt!), ſo danke ich's ihm. Und ſie ſchwärmt für Gellert.
Das ſtand alſo feſt, Gellert mußte ich ſehen; ich machte mich um zehn Uhr Morgens auf den Weg und durchwandelte die Alleen, die ſich um die Stadt ziehen und am Ende über mehrere Brücken in das Roſenthal führen. Es iſt dies ein Wald mit ſchönen Eichenſtämmen, durch den hindurch eine etwas geſchlängelte Allee gehauen iſt, der Hauptſpaziergang der ſchönen und vornehmen Leipziger Welt. Es war ein ſchöner, friſcher Wintertag und die Promenade ziemlich be⸗ lebt. Als es eilf Uhr geſchlagen hatte, hörte ich häufig, wenn ich eine Gruppe paſſirte, ſagen: Nun muß er bald kommen! Daraus
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erſah ich, daß Gellert eine ſehr berühmte und geliebte Perſon ſein müſſe, und wurde immer begieriger ihn zu ſehen. Eine geſteigerte Aufmerkſamkeit und ein Drängen am Eingange kündete die erwartete Ankunft an. Von ſeinem Reitknecht gefolgt, ritt er durch die ihn um⸗ drängenden und ehrerbietig grüßenden Scharen hindurch, und grüßte freundlich wieder. Aber, wie ward mir zu Muthe, meine Julie!
Schon die Schecke, die er ritt, weckte in mir eine Erinnerung, die immer mehr zur Gewißheit ward. Das Geſicht des Reit⸗ knechts kam mir bekannt vor, und als ich ihn ſelbſt erblickte, ja da konnte ich nicht länger zweifeln, es war daſſelbe, etwas nach vorn geneigte edle Haupt, dieſelbe anſehnliche, aber hagere Ge⸗ ſtalt, dieſelbe edle Bildung, dieſelbe hohe feine Stirn, daſſelbe beſeelte blaue Auge, das mich an meine ſelige Mutter erinnerte, die⸗ ſelbe hohe und zugleich gebogene Naſe, derſelbe geiſtvolle, wohl⸗ gebildete Mund. Ja, meine Iulie, ich hatte meinen Mann auf der Schecke vor mir, wie er leibt und lebt, und hätte ich noch geſchwankt, ſo hätte mir der Ausruf meines hinter mir ſtehenden Johann allen Zweifel benehmen müſſen.„Herr! das iſt er, ſo wahr mir Gott helfe!“ rief die ehrliche Seele aus, und die Thrä⸗ nen ſtürzten ihm über die Backen. Ich drehte mich um; durch ſeinen Ausruf waren die Umſtehenden auf uns aufmerkſam ge⸗ worden. Ich wäre ſelbſt in dieſem Augenblick fähig geweſen, mich zu ſeinen Füßen zu ſtürzen, und mußte mich mit Gewalt zuſammen⸗ nehmen. Als ich mein Auge wieder nach ihm richtete, war er ſchon ein gut Stück die Allee hinab und ich ſagte mir ſelbſt, daß hier nicht der Platz einer Wiedererkennung ſei. Wie ich in meinen Gaſthof zurückgekommen bin, weiß ich nicht, nur das iſt mir erinnerlich, daß es ſtürmiſch in meiner Seele auf⸗ und niederwogte: den Mann mußt Du aufſuchen und ſprechen, es koſte was es wolle! Als ich mich etwas recolligirt, ging ich in den Eßſaal hinab; der Wirth trat ſogleich zu mir und fragte mich, ob ich Gellert geſehen?„Ja wohl,“ ſagte ich,„und habe einen alten lieben Bekannten in ihm gefunden; wiſſen Sie niemand, der mich ſobald als möglich in ſeine Wohnung führen kann, da ich hier ganz fremd bin?“ Als ich dies mit leuchtenden Augen ſprach, wandte ſich mein Gegenüber, ein Officier in ſächſiſcher Uniform, höflich an mich und fragte:„Der Herr Kamerad wünſchen Herrn Profeſſor Gellert zu ſprechen? da ſteh' ich gern bereit, ihn bei Sr. Ehrwürden einzuführen; ich habe morgen früh ſelbſt mit ihm zu thun.“— Wie freudig ich das annahm, können Sio, liebſte Julie, denken. Wir geriethen in ein lebhaftes Geſpräch, aus dem ich ent⸗ nahm, daß mein neuer Bekannter ein Officier am ſächſiſchen Hofe war, der von ſeinem Landesherrn den Auftrag erhalten, Gellerten ein Pferd aus des Churfürſten Marſtalle als Geſchenk zuzuführen.
Wie ſehr dieſer edle Fürſt Gellert ehrt, können Sie, liebſte Julie, daraus entnehmen, daß derſelbe in höchſteigener Perſon das auf ſeinen Befehl zugerittene Pferd probirt, und daß er angeordnet, es ſolle ſtets mit einer weißen Wildſchur eingeritten werden, weil Gellert eine ſolche trägt, damit es ſich ſchon im voraus an ſeinen Reiter gewöhne.
Des andern Tages gingen wir früh in das„ſchwarze Brett,“ wo Gellert wohnt. Seine beiden Famuli empfingen uns; ich hatte dem ehrlichen Johann die Freude gemacht, ihn mitzunehmen, er wollte Gellert nur von ferne ſehen. Wir blieben im Vorzimmer, bis der ſächſiſche Officier in aller Form ſeinen Auftrag ausgerichtet und Gellert ihm ſeinen Dank ausgeſprochen hatte. Dann winkte mir mein Kamerad und bat Gellert, ihm einen Freund vorſtellen zu dürfen, der ſeine Bekanntſchaft zu machen wünſche. Ich näherte mich mit hoch⸗ klopfendem Herzen; als er mich erblickte, rief er:„Ei! das iſt ja mein alter Freund von Schlackenwerth! Willkommen, tauſend Mal will⸗ kommen; ich ſehe es Ihnen an den Augen an, Herr Baron, daß Sie ehrlich Wort gehalten!“
Da konnte ich mich nicht länger halten; ich ſtürzte zu ſeinen Füßen und rief, indem ich ſeine Hände küßte:„Ja, ehrwürdiger Mann, das habe ich mit Gottes Hilfe und gedenke es ferner zu thun. Er ſegne Sie, Retter meiner Seele; wie froh bin ich, daß ich Sie endlich aufgefunden habe und Ihnen danken kann!“
Gellert hob mich auf und küßte mich zärtlich einmal über das andere, wobei ſein Geſicht von Wonne ſtrahlte.„Guter Gott,“ rief er,„wie kannſt Du ein geringes Wort ſegnen! Schweigen Sie, lieber Freund, von dem, was ich gethan! Gott allein die Ehre!“
Mein Kamerad ſtand ganz verdutzt dabei und es war noth⸗ wendig, daß wir ihm nun die ganze Sache erzählten. Ich that es
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