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Feuerwerkslaboratorium und der Pulverfabrik kommandirt geweſenen Artilleriſten freut ſich das Auge der Spandauer Holden ob des Glanzes der preußiſchen Elite. Sehen Sie das Rennen der ſtrömen⸗ den Arbeiterzahl aus der Gewehrfabrik, der Zündſpiegelfabrik, der Geſchützgießerei, aus den Feſtungsbauten, aus dem Baue der Central⸗ werkſtatt; und laſſen Sie dazu Jahrmarkt ſein, ſo müſſen Sie mir Recht geben, daß Spandau einer großen Stadt ſehr ähnlich ſieht. Und dieſes Spandau mit ſeiner altehrwürdigen Citadelle, mit ſeinen Fortifikationen neueſten Stils iſt Preußens Arſenal.
Sonſt war die Reiſe nach Spandau ein Schreckwort in den Marken; man verſtand im Volksmunde darunter den geſellſchaftlichen Tod. Wie manchem war ſie ſeit Jahrhunderten in dieſem Sinne be⸗ ſchieden, wie mancher drängt ſich noch heute in jenes graue Haus, welches beſtimmt iſt, oft die geſchickteſten Künſtler auf dieſe Weiſe auch andern ehrlichen Leuten nützlich zu machen. Sie wiſſen ja, daß unſre Kunſtverleger viele ihrer beſten Zeichner dort finden, wo man die Menſchen aufbewahrt, welche der Genius ihrer Kunſt ſelbſt auf die Copie der gefeiten Papiere des Staates führte. Zu dieſen Künſtlern mußten in den erſten Jahren ihres Beſtehens ſelbſt die königlichen Werkſtätten flüchten. Viele Millionen von Patronenhülſen ſind nach der Einführung der Zündnadel im Spandauer Zu chthauſe gefertigt worden. Aus dieſem Grunde verzeihen Sie die Bekannt⸗ ſchaft. Sie war nöthig, um Ihnen zu zeigen, daß unſer Arſenal eine unvergängliche Arbeiterreſerve hat.
Jetzt iſt es glücklicher Weiſe anders. Ganz Deutſchland hat ſeine tüchtigſten Büchſenmacher hergegeben, und die Geſchützgießerei wird von Beſchäftigung ſuchenden Metallarbeitern überſtrömt, während die Zündſpiegelfabrik mehr dem jugendlichen Alter übergeben iſt, welchem ſie natürlich oft die Ehre des Beſuches eines Schulzwang übenden Gensdarmen verdankt.
Um den Zuſammenfluß der Havel und der Spree liegend bietet Spandau große Annehmlichkeiten für die Anlage von Etabliſſe⸗ ments, welche eines beſonderen Schutzes bedürfen. Nordweſtlich der Stadt trägt der Eiswerder, eine Inſel der Havel, das Feuer⸗ werkslaboratorium, in welchem durch eine beſondere Artillerie⸗ abtheilung, die zwei Feuerwerkscompagnien, die beſonders künſtlichen und geheimen Zündungen der Artillerie angefertigt werden. Dies iſt die einzige Fabrik Spandaus, welche durch Soldaten bedient wird, während, im geraden Gegenſatze zu dem Wiener Arſenal, alle übrigen Arbeiten durch Civilperſonen ausgeführt werden. Nordöſtlich der Stadt über die Citadelle und über die Gewehrfabrik hinaus liegt mehrfach von Gräben und Armen der Havel durchſchnitten der ſchöne Park der Pul⸗ verfabrik. Das iſt ein wahrer Paradiesgarten— ich habe zur Zeit der Nachtigallen den Director, den Gelehrteſten der gelehrten Artilleriſten beſucht und habe mir ſo die Erlaubniß verſchafft in dieſes Heiligthum zu gelangen, vor welchem ein junger Gabriel mit der Pickelhaube ſteht. Nur bei Leibe kein feuriges Schwert,— denken Sie doch an die tauſende von Centnern Pulvers, welche hier in Staubform oder in gepreſſten Kuchen oder ſchon als Billionen Körnchen zur Verſendung fertig un⸗ heimlich lauernd ruhen, gewärtig des ſie entfeſſelnden Elementes, um Verderben in die entzückende Natur zu donnern, ohne die erquickenden Gaben ſpenden zu können, welche der Segen des donnernden Himmels ſind. Aber ſie ſind ja auch da zum Nutzen des Vaterlandes, um ein⸗ gezwängt in die gezogenen Geſchütze zu zeigen, wie geſchickt ſie ſind, die eiſernen Ballen wie Meteore auf die Köpfe derer zu ſchleudern, welche ſeine Ruhe und ſeine Macht zu ſtören ſuchen.
Dieſes Boot führt uns in die Geſchützgießerei. Sehen Sie dort zur Rechten die Citadelle, an welche ſich ſo manche Sage und manches Märchen von hohen und niedrigen Staatsgefangenen knüpft. War nicht dort auch die ſchöne Ginſterin? Und der arme Erfinder der Zündſpiegel o, das Volk denkt dankbar an Dich— aber nicht jeder weiß, daß der Staat noch dankbarer an Dich dachte, Du glücklicher Dreyſe, der Du mit Deinen goldenen Lorbeern in Sömmerda reſidirſt. Haben Sie wohl je an dieſe Fabel geglaubt?
Zwiſchen der Pulverfabrik und der Citadelle ſieht man die Ge⸗ wehrfabrik, in welcher etwa eine Million von Zündnadelgewehren gefertigt iſt. Denken Sie an die Nothwendigkeit, für jedes Gewehr im Ernſtgebrauche viele kleine Beſtandtheile in Reſerve zu haben, ſo können Sie leicht erkennen, mit welcher Genauigkeit alle Arbeiten aus⸗ geführt ſein müſſen, um ungehindert für jedes Gewehr jedes Stück, welches nie mit ihm in Verbindung war, gebrauchen zu können. In naher Beziehung zu dieſer Anſtalt ſteht die Gewehrprüfungscom⸗
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miſſion, welche neben der Ausbildung der als Schießſchule kommandirten Mannſchaften zugleich die neuen Gewehre wie alle Erfindungen dieſes Feldes prüft.
Vor uns liegt links von der Geſchützgießerei, auch auf dem linken Spreeufer, die Kriegszündſpiegelfabrik. Von Geheimniſſen wird man Sie nichts ſehen laſſen. Immerhin können Sie ſich ver⸗ gnügen an dem Anblicke von Millionen. Man muß einmal ſolche Zahlen verkörpert ſehen, um ſich ein Bild davon machen zu können. Sehen Sie dieſe Hülſenkiſte von etwa drei Fuß Länge, anderthalb Fuß Breite und ein Fuß Höhe. Sie faßt ungefähr 10,000 Hülſen; dividirt man mit 10,000 in eine Million, ſo finden Sie, daß man 100 ſolcher Kiſten bedarf. Ueberſetzen Sie dieſe Patronenhülſen in gute blanke preußiſche Thaler, ſo haben Sie ein Bild von dem, was vielleicht Rothſchild nicht einmal geſehen hat— ein ganzer Wagen⸗ train iſt damit beladen.
Ha, ha— der alte Gießmeiſter hat ſein Pfeifchen angeſteckt. Da gibt es gewiß heute einige Vierundzwanzigpfünder; das raucht und ſchmaucht und wälzt ſich und drängt ſich da aus dem alten Schorn⸗ ſtein, als ob er den Damm zu einer neuen atmoſphäriſchen Eiſenbahn bauen wollte.
Große Eile haben wir alſo noch nicht; aber da ich hier bekannt bin, werde ich Ihnen den Gang der Geſchützfabrikation zeigen. Ich bin überzeugt, Sie haben vorher gewußt, daß man für Kanonen nicht erſt das Loch macht und dann das Metall herumgießt, ſondern man macht allerdings erſt ein Loch, gießt aber die Kanone hinein, und das Kanonenloch, welches den hehren Namen„Seele“ führt, wird nach⸗ träglich durch ſehr künſtliche Maſchinen hervorgebracht.
Auf zwei Lagern ruht eine mit Wergſeilen umgebene Spindel, welche zunächſt mit Stroh und dann mit einer ſo dicken Lehmſchicht bedeckt wird, daß der Körper etwas ſtärker wird als das zu gießende Kanonenrohr. Zur Seite deſſelben iſt ein Formbrett angebracht, welches, indem die Spindel gedreht wird, den überflüſſigen Lehm ab⸗ ſtreift, um ungefähr die verlangte Geſtalt herzuſtellen. Zwiſchen den Lagern glimmt ein den Kern trocknendes Kohlenfeuer. Für dieſen Kern hat man jetzt einen umſchließenden Mantel herzuſtellen, welcher ebenfalls von einer beſondern Lehmmiſchung gefertigt wird. Aber vorher hat man zu ſorgen, daß man den Mantel löſen kann. Das iſt ſehr einfach, indem man auf den Kern trocknen weißen Sand ſtreut, welcher die Verbindung von Mantel und Kern verhindert. Der Mantel erhält die für ſeine Haltbarkeit genügende Stärke und wird durch Eiſenſchienen und ſtarken Draht ſo feſt gemacht, daß man den Kern aus ihm entfernen kann, indem man zuerſt die Spindel, dann das Wergſeil und das Stroh herauszieht und den übrigen aus Lehm beſtehenden Theil behutſam zerſchlägt.
Dort iſt ſo ein Mantel zu ſehen— er ſieht aus wie eine Wickelpuppe von 15 Fuß Länge. Sehen Sie, wie der Mantel ſchräge geſtellt und darunter ein ſo großes Feuer gemacht iſt, daß die Flamme der Länge nach hindurchſchlägt. Der wird wohl bald ge⸗ trocknet ſein, damit er als Gießform dienen kann; dann ſtellt man ihn, wie jenen dort, in die Dammgrube, die wohl zwanzig Fuß tief iſt, und ſchüttet dieſe ſo feſt mit Erde zu, daß die beiden Formen unver⸗ rückbar eingedämmt ſind. Dieſe aus Ziegeln gebildete Rinne hat den Zweck, die Formen mit dem Auge des Ofens, jener Oeffnung, aus welcher das Metall fließen wird und welche nur durch einen Lehm⸗ pfropf geſchloſſen iſt, zu verbinden.
Da ſteht's nun feſt gemauert in der Erden— ſehen Sie das ernſte Geſicht des greiſen Meiſters. Das Feuer brannte etwa drei bis vier Stunden und jetzt:„los“— er ſticht ab, ein glühender Sternenregen ſpritzt umher, und hervor quillt der goldne Strom, das flüſſige Metall folgt der Rinne wie Waſſer und ſtürzt ſich ſprudelnd in die Formen, welche es bald bis zum Rande gefüllt hat. Es iſt vorbei, die Form hat gehalten. Wehe, wenn die feurige Maſſe die feuchte Umgebung erfaßte— es entwickelt ſich dann plötzlich eine ſolche Menge von Waſſerdampf, daß eine Exploſion erfolgt, welche die Umſtehenden in ernſtliche Gefahr bringen kann.
Dieſe beiden Oefen ſind für den Bronze⸗, jene beiden für den Eiſenguß; jeder faßt mit einem Male über 100 Centner Metall.
Und dieſe vielen kleinen rauchenden Berge? das iſt die Ge⸗ ſchoßfabrikation. Jede Granate, jedes Shrapnel, jedes Vollgeſchoß hat ein auf intereſſanten Maſchinen geformtes Modell, welches, in eiſernen Kaſten verdämmt, das flüſſige Eiſen aufnimmt. Und jene Soldaten?— ſind die Reviſoren. Jedes einzelne der tauſende von
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