Jahrgang 
1865
Seite
582
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Baron Karl von W. an den Paſtor Leſemeier.

Ihr müßt mir einen Gefallen thun, Paſtörchen. Ich habe hier verſchiedene Weine, unter andern auch 103 Flaſchen Cham⸗ pagner gekauft. Auf dem Herrnhofe iſt aber niemand, der mit dem köſtlichen Naß umzugehen weiß, und da Du es verſtehſt, ſo erſuche ich Dich, dort die gute Einlagerung anzuordnen. Du kannſt dafür drei Flaſchen Champagner auf meine Geſundheit aus⸗ trinken. Die Ankunft der Fäſſer und Kiſten wird Dir ſogleich gemeldet,werden. Vergiß nicht, daß der Champagner ſtehen muß und nicht liegen darf.

Von meinem Eheſtande iſt nicht viel zu ſagen. Anfangs machte mir der neue Zuſtand Vergnügen, aber meine Frau iſt eine außerordentlich kühle und leidenſchaftsloſe Perſon, und da ſie auch aufhört zu tändeln und zu lachen, was ihr ſonſt ſo gut ſtand, und ſchon anfängt ernſthaft, ſentimental und ſchweigſam zu werden, ſo langweilt mich dieſe Tugend bereits. Unter uns: Ich fürchte, ſie hat mich nur geheirathet, weil es die Alte wollte, und dies früher ſo lebendige Weſen würde in den Armen eines anderen ganz anders ſein. Obgleich ſie mir aber allen Grund zu einer kalten Gleichgül⸗ tigkeit giebt, ſo fühle ich doch, daß ſie mich in die wüthendſte Eifer⸗ ſucht jagen könnte, wenn ein Grund dazu vorhanden wäre, was ich nicht hoffe. Bei alledem iſt ſie meine Gemahlin, ich verdanke ihr mein Glück und viel Geld die Alte hat ſich ſehr liberal gezeigt und der Teufel ſollte den holen, der ihr nicht die gehörige Achtung erwieſe.

Ob wir noch weit reiſen werden, weiß ich nicht. Ich habe einen Raptus zur Jagd gekriegt, habe hier Büchſen und Doppelflinten gekauft, nach Hauſe vorausgeſchickt, und hätte große Luſt, gleich um⸗ zukehren, um dies Vergnügen zu genießen, wozu es hier an Gelegen⸗ heit fehlt. Doch habe ich gute Kumpane gefunden, mit denen ſich leben läßt. Wir treiben uns zuſammen umher, Abends nach dem Theater wird geſpielt und getrunken und ſelten komme ich vor ein Uhr nach Haus. Bisweilen denke ich an Eure Ermahnungen, um mich zu erinnern, daß das Laſter doch viel luſtiger iſt, als die Tugend, und die Sinnlichkeit viel amüſanter, als die Sittlichkeit. Daß Ihr das Gegentheil predigen müßt, verſteht ſich von ſelbſt, das gehört zu Eurem Handwerk, und das gemeine Volk würde auch bald übermüthig werden und nicht zu regieren ſein, wenn man es nicht mit Himmel und Hölle in Furcht und Zaum hielte. An mir könnt Ihr künftig Euer Handwerkszeug ſparen. Adieu. K. v. W.

Aus Adelgundens Tagebuche.

O mein Büchlein, mein Büchlein! Dir muß ich es vertrauen, was ich der Mama nicht ſchreiben darf. Das war ein ſchrecklicher Auftritt. Gott und Herr, Du weißt wie herzlich gut ich es meinte! Aber ich habe doch nicht recht gethan, ich habe nicht die rechte Weiſe o mein Gott, lehre ſie mich! Ach ich dachte, es ſei die ſchonendſte, die zarteſte Weiſe, wenn ich Karl bäte, um ſeiner Geſundheit willen weniger Wein zu trinken er war ja ſeit vier Tagen des Nachts berauſcht nach Hauſe gekommen. Es war nach dem Theater, da er fortgehn wollte, als ich ihn darum bat, und ich meinte es ſo freund⸗ lich und beſcheiden zu thun, und doch muß wohl etwas wie Tadel und Vorwurf in meinen Worten oder in meiner Stimme geweſen ſein, was ihn ſo heftig dagegen aufbrauſen ließ. Aber alle die zornigen Vorwürfe daß ich ihn ſchon hofmeiſtern wolle, daß ich ihm ſein Vergnügen mißgönne, daß ich einen andern hätte heirathen ſollen, wenn ich einen weinerlichen Tugendhelden gewünſcht hätte, und was er noch Mehres und Schrecklicheres, theilweis Unverſtändliches hervor⸗ ſtieß ich bin ja gewiß, er meinte es nicht ſo, er wußte ſelbſt nicht, was er ſagte in der Heftigkeit ſeiner Leidenſchaft, als er ſo gegen mich tobend auf⸗ und abſchritt und mich ſchalt und dann wild ſeinen Hut nahm und fortging und die Thür donnernd hinter ſich zuwarf. Wie es auch geſchehen ſein mag, ich habe ihn beleidigt und verletzt und er⸗ zürnt, und das war gegen Dein Wort, mein Gott, welches ſagt: Die Weiber ſeien unterthan ihren Männern als dem Herrn! fiel es mir doch in all meinem Schrecken und meiner Angſt gleich auf die Seele, und darum habe ich ja zitternd und weinend vor Dir gekniet und um Vergebung gebeten. Ich habe gewiß Unrecht gethan und habe ſeinen Zorn verdient und das that ich vier Wochen nach unſerer Hochzeit!

Aus Adelgundens Briefen an ihre Mutter.

Dein Brief, herzliebe Mama, hat mir die allergrößte Freude gemacht, und ich danke Gott dafür, daß es Dir ſo gut geht. Von Benno iſt es ſehr gut und freundlich, daß er Dich öfter beſucht. Alles was Du mir von Hauſe ſchreibſt, von den Nachbarn, von Paſtors,

von den Leuten, von den Pferden, den Schwänen, den Hühnern, alles hat mich intereſſirtB. Ich denke ſo viel dorthin zurück! Meinſt Du aber, es liege an Karl, wenn unſer Verhältniß nicht immer ganz gleich iſt, ſo irreſt du, beſte Mama. Ich bin ganz gewiß, daß es nur meine Schuld iſt. Jetzt werde ich erſt meine vielen Fehler und Mängel gewahr. Noch geſtern machte ich die Erfahrung davon. Nach dem Theater hatte ich Karl etwas ſehr Unbedachtes geſagt, was ihn ſtark verletzte, ſo daß er in ſeiner Weiſe heftig aufbrauſte und im Zorne davonging. Er kam erſt ſpät in der Nacht zurück und heute Morgen, als ich aufſtand, war er ſchon wieder ausgegangen. In großer Reue und Angſt wartete ich zwei Stunden mit dem Frühſtück auf ihn und horchte furchtſam auf jeden Tritt vor der Thür, während ich an der Stickerei für ihn nähete. Und wie gut und lieb war er, als er endlich kam! Er bat mich unter Thränen, ihm ſeine Heftigkeit zu verzeihen, und brachte mir ein wundervolles Seidenkleid und eine prächtige goldene Broſche, die er für mich gekauft hatte. Ich umarmte ihn und bat ihm mein Unrecht ab! Nein, nein! ſagte er, er habe Unrecht gehabt und ich ganz Recht, und wir wollten noch heute Nach⸗ mittag abreiſen. Dafür dankte ich ihm wieder tauſendmal, und wir waren eine Stunde lang unendlich glücklich. Dann mußte er noch einmal fert. Ich aber wollte Dir das doch noch in aller Eile ſchreiben, damit Du Dir keine Gedanken machſt und von Karl nichts Unrechtes denkſt. O ich bin jetzt wieder ſo glücklich! Nun aber, liebe Mama,

muß ich packen, denn heute Nachmittag geht's weiter nach der Schweiz

zu. Gott, dem ich für alles ſo dankbar bin, ſei auch Dein Schutz!

Hier ſitze ich in einem einfachen Bauernſtübchen und ſehe durch das Fenſter ein Stückchen See und rundumher himmelhohe nackte Felſen, und Berge mit Wald und grünen Matten; darüber ſtrecken ſich ferne helle Firnſpitzen hervor, um welche leichtes Gewölk ſpielt, und drunten rauſchen und rieſeln hundert klare Bächlein aus den Einſchnitten der Berge und den Spalten der Felſen in den dunkeln See herein. Die Sonne ſcheint, und wo ſich eine Welle bewegt, da glitzert und blinkt ſie. Im Orte höre ich das Brüllen von Kühen und das Geläute ihrer Glocken und von den Bergen tönt bisweilen ein Alphorn halb fröhlich, halb melancholiſch herüber. Und warum ich hier ſtillſitze, bald an meiner Stickerei nähe, bald nach den Bergen hinüberträume, bald verſuche, eine Unterhaltung mit dem freundlichen ſtämmigen Mädchen zu führen, welches ab und zu geht, mich bedient und ein faſt unverſtändliches Deutſch gurgelt, warum ich nicht mit Karl die ſchöne Schweiz durchſchwärme, das iſt wieder eine Folge meiner eigenen Unvorſichtigkeit. Wann wird die kleine Frau beſonnen und vernünftig werden? frag ich mich oft. Wir waren in einem Schifflein über den See gefahren und ich war von den großartigen prächtigen Umgebungen ganz wie bezaubert und trunken, und ſo kam es, als wir hier am ſteinigen Ufer anlandeten, daß ich beim Ausſteigen nicht aufpaßte, ein Stein unter mir umkippte, der Fuß ſich umbog und knackte, und daß ich mir ihn ſo ſtark verſtauchte, daß ich bis in dies Haus getragen werden mußte. Ein Wundarzt, den die Leute rühmten, wohnt im Orte und wurde gleich gerufen. Er unterſuchte den Fuß, was mir viele Schmerzen machte, legte einen Verband an und erklärte, gefährlich ſei es gar nicht, aber vor vierzehn Tagen dürfe ich nicht daran denken, wieder auszugehen. Karl war darüber mit Recht ſehr verdrießlich und ich bat ihn wegen meiner Unachtſamkeit vielmals um Verzeihung. Obgleich er mich anfangs nicht verlaſſen wollte, ſo bat ich ihn doch ſo lange, bis er ſich entſchloß, ohne mich die Reiſe fortzuſetzen. Er hat ſich zu einer kleinen muntern Geſellſchaft ge⸗ fügt, die mit uns hier eingetroffen war, und wird mich wieder ab⸗ holen. Auf unſrer bisherigen Reiſe war er ſehr liebenswürdig. Ich habe nun ein Paar Tage gelegen, darf jetzt aber ſitzen und konnte doch heute an Dich ſchreiben, aber eben verbietet es mir der Wundarzt, und ich ſchließe.

Die Briefchen aus meiner Einſamkeit, liebſte Mama, wirſt Du erhalten haben. Es war mir außerordentlich lieb, daß ich ſchon ſeit einigen Tagen wieder gehen konnte und vollkommen hergeſtellt war, als Karl geſtern Abend wieder eintraf. Er entſchuldigte ſich ſo freundlich, daß er acht Tage länger ausgeblieben wäre, daß ich ganz glücklich war. Heute treten wir nun die Rückreiſe an. Ich habe zwar nur wenig von dem ſchönen wunderbaren Lande geſehen, aber ich kann doch nicht verlangen, daß Karl noch länger wegbleibt, da er ſich ſehr nach der Jagd zu Hauſe ſehnt. Auch freue ich mich ganz unbeſchreiblich, Dich, liebe Mama, bald wieder zu ſehen. Gott behüte Dich bis dahin!

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So zogen dabei ſehr Nuns wiedeſ ul hun Süimmung. ſhen nitt, vir von li Jadpartie

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