Jahrgang 
1865
Seite
574
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Der Commandant hatte erfahren, daß die bezeichneten Waaren gut in Valladolid angekommen waren, und machte dem Lieutenant über ſeinen Mangel an Wachſamkeit die ſtrengſten Vorwürfe!

Man kann ſich denken, in welcher Stimmung der junge Officier war, als er mit ſeinen Soldaten nach Llanes zurückkam. Er war ſehr empfindlich, und es ſchien ihm, als wenn er auf den Lippen der Leute, die auf den Straßen ſtillſtanden als er durchmarſchirte, ein ſpöttiſches Lächeln bemerkte!

Wie ward ihm aber, als bei ſeiner Rückkunft in ſein Logis ihm ſein Burſche meldete, daß ein Unbekannter eine große Kiſte mit Cigarren und einen Brief gebracht hätte, und er nachdem er ihn er⸗ brochen, folgende Zeilen las:

Herr Lieutenant!

Wir waren in der größten Verlegenheit, auf welche Art und Weiſe wir einige Ballen Seidenzeug nach Valladolid expediren könnten, da die Wachſamkeit Ew. Gnaden uns unſer Handwerk ſehr ſchwer macht. Ew. Gnaden hat wahrſcheinlich Mitleid mit armen Leuten wie wir gehabt, und hat die Balancelle, auf der die Waaren ver⸗

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borgen lagen unter ſeinem Schutz nach Llanes befördert, eine Unze Gold dafür bezahlt, und um uns die Hauptſtraße von Caſtilien frei zu laſſen, alle Soldaten mit ins Gebirge genommen. Wir bezeugen hiermit Ew. Gnaden unſre Dankbarkeit und ſenden Ihnen 2500 Havannahs erſter Qualität, indem wir Sie bitten, auch fernerhin uns Ihren Schutz angedeihen zu laſſen. Wir bitten Ew. Gnaden nur, ſich keine Auslagen mehr dafür zu machen wir ſind reich genug, um alles allein zu bezahlen. Der Brief war unterzeichnet:El viejo(der Alte) und in einer Ecke ſtand:Revancha de la Venta del Rey Moro!

Der Lieutenant wüthete.... er war verpflichtet den Brief und die Cigarren an die Commandantur nach Santander zu ſchicken und wenn er daran dachte, wie man ſich da über ihn luſtig machen würde war er außer ſich!

Auch in Llanes ſchien es allbekannt...

Sind das echte Havannahs, die Sie rauchen, Herr Lieutenant? fragte ihn eine junge Dame auf der Promenado, indem ſie ſpöttiſch lächelte.

Der Lieutenant biß ſich in die Lippen und antwortete nicht!

Aus der Kinderſtube einer Vogelfamilie.

Von Dr. Franz Schlegel.

Die Mehrzahl der nach Europa gebrachten exotiſchen Stuben⸗ vögel ſind armen Deportirten ähnlich. In neuerer Zeit erſt iſt es gelungen, einigen dieſer Fremdlinge den Aufenthalt in der Gefangen⸗ ſchaft ſo annehmlich zu machen, daß ſie in dem Gezweige eines Tannenbäumchens von den Palmen ihrer Heimat träumen und in den engen Grenzen ihrer umgitterten Zelle über den Verluſt der un⸗ beſchränkten Freiheit im lianendurchrankten Urwalde nicht weiter trauern, ja ſogar niſten und damit den Beweis geben, daß ſie ſich bei uns ſo recht und ganz heimiſch fühlen.

Dank den Beſtrebungen der zoologiſchen Gärten und der durch dieſe Inſtitute angelockten Privatliebhaber iſt in neueſter Zeit die Reihe der in der Gefangenſchaft zum Brüten gebrachten überſeeiſchen Vögel ziemlich bedeutend geworden und dürfte von Jahr zu Jahr ſich mehren.

Auch mir, da ich der Pflege der Thiere nur aus Liebhaberei, nicht im Berufe oblag, war es durch Zufall beſchieden ein kleines afrikaniſches Vögelchen zur Vermehrung zu bringen, welches bis da⸗ hin noch nie in Europa ſich herbeigelaſſen hatte zu niſten.

Viele meiner Leſer, welche in zoologiſchen Gärten oder bei Händlern auch den kleinen überſeeiſchen Finken einige Aufmerkſamkeit zu ſchenken gewohnt ſind, werden ſich eines Vogels, Elſtervögelchen ge⸗ nannt, erinnern, der ſeinen Namen nur dem metalliſch ſchimmernden Schwarz ſeines Kleides abwechſelnd mit weiß verdankt. Mit einem Pärchen dieſer Elſtervögelchen hielt ich in gemeinſchaftlichem Käfig ein Paar ſog. Halsbandvögel, ausgezeichnet, wenigſtens das Männchen, durch eine rothe Kehle auf ſonſt anſpruchslos gefärbtem Gewande und durch einen ſchwalbenähnlichen, aber dumpferen Geſang. Ihr Käfig hatte zwei Seitenerker, die eigentlich beſtimmt, Waſſer und Futter auf⸗ zunehmen, von den zwei Pärchen nicht nur Nachts über, ſondern oft auch bei Tage, um der Ruhe zu genießen, mit unverkennbarer Behag⸗ lichkeit benutzt wurden. Unbekannt damals mit der Gewohnheit beider Arten Vögel nach Art unſerer Zaunkönige, Meiſen, Staaren ec. Schutz und Ruhe in Baumhöhlen mit enger Eingangsöffnung zu ſuchen, machte ich, dies zu erproben, den Verſuch, den Eingang des Erkers durch Vorſchieben eines zwei Finger breiten Pappſtückes zu verengen. Als ich ſah, daß dies kein Hinderniß für ſie war, erſetzte ich die Pappe durch ein breiteres Stück und endlich ſchloß ich den Erker bis auf eine Oeffnung von Thalergröße dicht am oberen Rand. Ueber dieſe Niſthöhle war die Freude groß. Sie ſchlüpften hinein, kamen ſichtlich froh wieder heraus, und machten dieſe Probe ſo oft hintereinander und lärmten dabei ſo, daß ich keinen Augenblick zweifelte, den Geſchmack der Thiere ganz und gar getroffen zu haben. Ich gab ihnen die verſchiedenſten Niſtſtoffe zur Auswahl. Mit dem Neſte war bei beiden der Trieb zum Niſten unwiderſtehlich erwacht. Das ehemalige Einverſtändniß beider Arten ſchien zu weichen. Ein andrer Geiſt war in ihnen erwacht. Ueber die Wahl des Brüte⸗

platzes entzweiten ſie⸗ ſich und der Friede war abgelaufen. Den phlegmatiſchen Halsbandvogel verließ ſeine Gemüthsruhe und der ſanguiniſche Elſtervogel gerieth ſo in Leidenſchaft, daß der größere Gegner ſchließlich überall weichen mußte. Die hadernden Parteien wurden getrennt und den kleinern, für ihren Herd ſo tapfer kämpfen⸗ den Elſtervögelchen der Käfig zur Verfügung geſtellt. Es war ſpät im Jahre, Ende September; doch für Afrikaner vielleicht gerade die rechte Jahreszeit. Beide Vögel ſchleppten, im eigentlichen Sinne des Wortes, ganze Ladungen von Leinenfaſern dem Erker zu und füllten ihn damit ſo ziemlich an. Jetzt hebt das Weibchen eine Lage des eingetragenen Materials mit dem Kopfe zur Decke empor; immer aber ſtürzt die lockere Maſſe ihm über dem Kopfe zuſammen. Ich fühlte mich zur Mithilfe aufgefordert. Ich gab ihnen fingerlange, feine, elaſtiſche Heufäden. Kaum daß ich meine Hand aus dem Käfig entfernt hatte, ſtürzten die Vögel mit einer Gier auf das neue Material los, als wenn ſie ſagen wollten, ja das iſt das rechte, da⸗ mit iſt uns aus aller Noth geholfen. Beide nahmen einen Heu⸗ faden mit ihren Schnäbelchen auf und eilten dem Erker zu. Das Weibchen voraus ließ ſein Heu am Eingang des Neſtes fallen, wühlte ſich mit ihrem Kopfe in die lockere Charpiemaſſe hinein und hob eine Schicht nach der Decke des Erkers empor. Ihm nach brachte das Männchen ſeinen Heufaden, ſpannte denſelben querüber ſo, daß die leichten Faſern über dem Kopfe des Weibchens ſich wölbten und feſt⸗ gehalten wurden. Der Grundſtein war gelegt, der Weiterbau den Thieren ein Leichtes. Nicht eher ruhten ſie, bis die Drahtkuppel des Erkers dicht geſchloſſen war, ſo dicht, daß die Charpie zwiſchen den Drähten hervorquoll und kein Lichtſtrahl durchzudringen ver⸗ mochte. Der Abend kam, die Thiere ſuchten Ruhe. Sie hatten rieſenmäßig gearbeitet.

Des anderen Tages mit dem Grauen des Morgens, kaum hatten ſie Hunger und Durſt geſtillt, gingen ſie wieder an die Arbeit und fütterten das Neſt mit der bis dahin unbeachteten Schweins⸗ wolle auf und aus. Am dritten Tage ruhte das Werk und meine Vögelchen verbrachten einen Tag nach dem andern faſt lediglich im Neſte. Dies führte mich zu der Vermuthung, daß ſie mit Brüten be⸗ ſchäftigt ſein möchten. Mich davon durch Augenſchein zu über⸗ zeugen, dazu fehlte mir der Muth. Wie leicht hätte ich mich durch Neugier um den Erfolg bringen können, meine Geduld wurde aufs höchſte geſpannt. Der nach meiner Rechnung aufgeſtellte Termin, wo die Jungen endlich ausſchlüpfen ſollten, verſtrich. Vergeblich mühte ich mein Ohr, die Stimmchen der Neſtkinder zu erlauſchen, als auf einmal das Männchen aus der Oeffnung herauskam und wie zur Befriedigung meiner Neugier eins der kleinen Eierchen, das ihm an die Bruſt geklebt war, mit herausbrachte. Vergeblich ſuchte es ſich des Anhängſels zu entledigen und nahm ſein Eichen wieder mit in das Neſt hinein. Fünf Wochen lang hielt ich mich zurück. Durch

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