Jahrgang 
1865
Seite
572
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Spaniſches Schmugglerleben. Erinnerungen eines Deutſchen aus dem ſpaniſchen Grenzdienſte. (Schluß.)

Kaum waren die Soldaten unter der Führung des Sergeanten von der Landſtraße verſchwunden, als der Lieutenant das Licht ergriff und die ſteile hölzerne Treppe hinaufſtieg, die zu dem Zimmer, in welchem die Tochter Pepes ſchlief, führte. Man kann ſich das Erſtaunen derſelben vorſtellen, als ſie denſelben Menſchen, welchen ſie vor einigen Stunden in abgeriſſenen Kleidern geſehen, plötzlich in Officiersuniform die ihm die Soldaten mitgebracht hatten oor ſich ſah. 4

Die Argumente, welche der Officier der Aſturianerin gegenüber geltend machte, mußten ſehr treffender Natur ſein, denn als ungefähr eine halbe Stunde ſpäter von neuem an die Thüre gepocht wurde, ... ging ſie eben ſo ſchlaftrunken wie das erſte Mal herunter, öffnete die Hausthür und ließ nach und nach bis zwanzig Schmuggler hinein, die ſich um den Tiſch ſetzten und an der blendenden Lampe ihre Cigaretten anzündeten.

Nichts Neues, muchacha?(Mädchen), fragte der, welcher der Chef der Bande zu ſein ſchien,wo iſt Dein Vater?

Er muß Pedrillo ein Stück Weges begleitet haben, ant⸗ wortete das Mädchen unbefangen,denn vorhin hab' ich ihn mit Eurem Vortrab ſprechen hören...

So, antwortete der andre,dann ſcheint doch alles ganz ruhig zu ſein. Der Alte hat doch immer Recht. Aber er wird wohl ein Dutzend Goldunzen nach Llanes geſchickt haben, ſo verſteh' ich's auch! Geh hinaus Irenillo, ſage, der Transport ſoll ruhig vorbei⸗ paſſiren. Alles iſt in Ordnung! Bring uns Wein, muchacha!

Die Schmuggler tranken gemüthlich eine Viertelſtunde lang den ihnen von dem Mädchen gebrachten Wein, während deſſen war der Transport Contrebande ruhig vor der Venta vorbeipaſſirt...

Herrliche Jungens, rief der Chef,kein einziger hat ſeinen Mauleſel verlaſſen, um einen Schluck Wein zu trinken, ſo müßt Ihr es auch machen, wenn Ihr ſie an der Cueva Sta Innes ablöſt...

Ein Schmuggler hatte ſich dem Fenſter genähert und ſah dem Transport nach.

Tod und Teufel, ſchrie er plötzlich...die blauen Hunde führen unſre Thiere... Verrath... wir...

Er konnte nicht fortfahren.... Ein Soldat erhob ſich plötzlich vom Boden und ſtieß ihn mit dem Kolben ſeiner Carabine dermaßen auf die Bruſt, daß er bewußtlos zurücktaumelte...

Im Nu ſtürzten die Schmuggler auf ihre Waffen und dem Fenſter zu; aber ſchon ſtreckten ſich ihnen ein halbes Dutzend Bajonnete entgegen; ſie ſuchten Auswege durch die Thüren; überall Soldaten.

Ergebt Euch, rief der junge Officier mit donnernder Stimme, indem er, einen Revolver in jeder Hand, in die Stube ſprang; Eure Waaren ſind in unſren Händen, und jeder Tropfen Blut, den Ihr jetzt vergießt, iſt nicht mehr Vertheidigung Eurer Waaren; ſondern Mord und bringt Euch aufs Schaffot. Im Namen der Königin! ergebt Euch.

Die betäubten Schmuggler ſahen nach ihrem Chef, der un⸗ ſchlüſſig daſtand...

Nun, rief der Officier,was wählt Ihr, ein Paar Monate Gefängniß oder Euer Leben?...

San Antonio Bendito! rief der Chef endlich, indem er ſeinen Trabuco hinwarf... es iſt doch ein elendes Handwerk, das Eure, Caballero, arme Menſchen, die ſich ehrlich ihr Leben verdienen, ſo wie wilde Thiere zu verfolgen!

Der Officier antwortete nicht die Soldaten traten ein und entwaffneten die Schmuggler, banden ſie feſt und brachten ſie zu den übrigen, welche ein andrer Theil ſchon bei der Ueberrumplung des Transportes gefangen hatte.

Viva la virgen! rief der Corporal Antonio Gomez,Ew. Gnaden, Herr Lieutenant, hat einen prächtigen Fang gemacht... aber nehmen Sie ſich in Acht, gehen Sie nicht mehr allein des Abends durch die Straßen von Llanes, es gibt da gefährliche Ecken!

Am andern Morgen wurden 32 Schmuggler, 2 Wagen und 13 beladene Mauleſel nach Llanes gebracht und die Grenzſoldaten

waren außer ſich vor Freude, denn ſie bekamen einen Antheil von der gemachten Beute!

Das war die erſte That des Lieutenants, welcher, wie Tio Pepe ſagte, weder Spanier noch Catalonier, ſondern ein Aleman... da hinter Barcelona zu Hauſe... ſein ſollte!

Ehe wir weiter in der Erzählung dieſer Skizzen aus dem ſpaniſchen Schmugglerleben gehen, wollen wir den Leſer mit den Oertlichkeiten, in denen ſie ſpielen, mit den hierauf Bezug habenden ſpaniſchen Geſetzen und mit einigen hervorragenden Perſönlichkeiten dieſer ehrenwerthen Geſellſchaft bekannt machen! 1

Man weiß, daß die beiden Abhänge der Pyrenäen, ſowohl auf der ſpaniſchen als auch auf der franzöſiſchen Seite, von einem eigenthümlichen Volke den Basken bewohnt ſind, einem Volke, welches noch gar wenig bekannt iſt und das ſeiner wirklichen Originalität halber einen Platz in der modernen Völkergeſchichte zu behaupten verdient. Beim erſten Blick ſchon erkennt man in ihnen Menſchen, welche zu einer vollſtändig verſchiedenen Race wie ihre Nachbarn, die Franzoſen und Spanier, gehören. Ihre Sprache kein Dialect, ſondern eine vollſtändige, und vielleicht eine der ſchwierigſten Sprachen der Welt, hat in neuerer Zeit Gelehrte, die zu⸗ erſt von Wilhelm v. Humboldt darauf aufmerkſam gemacht worden waren, bewogen, ihr ernſte Studien zu weihen, um ſo vielleicht das Räthſel der immer noch dunklen Abſtammung dieſes merkwürdigen Volkes zu ergründen.

Sie bewohnen in Spanien drei Provinzen, die von Guipuzcoa, Vittoria und Alava und zeichnen ſich vor allen anderen Bewohnern der Halbinſel durch ihre Biederkeit, ihre wahrhaft ſeltne Treue und durch ihren durch nichts zu zerrüttenden Sinn für die Unab⸗ hängigkeit ihrer Nationalität aus.

Als bei der Thronbeſteigung der Königin Iſabella der legitime König Don Carlos das Volk zu den Waffen rief, ſchloſſen ſich die Basken mit unerſchütterlicher Treue ihm an und, von ihrem be⸗ rühmten Generale Zumalacarregui geführt, erfochten ſie manchen Sieg, bis eine Kugel dieſen kühnen Führer dahinraffte und ſie in die Armee des Prätendenten verſchmolzen wurden. Nach dem Frieden von Vergara unterwarfen ſie ſich freiwillig nach beinahe neunjährigem Kampfe der Regierung, jedoch nur unter der Bedingung, die Rechte der baskiſchen Nationalität auch als ſpaniſche Unterthanen zu bewahren. Dieſe Rechte, Fueros genannt, ſind ſeit beinahe 20 Jahren unange⸗ taſtet geblieben, und ſelbſt die Unmaſſe von verſchiedenen Regierungen, die ſeit dieſer Zeit unter dem Scepter Iſabella II das Land beglückt haben, ſind den Verſprechungen von Vergara ſtets treu geblieben, und ſeit 20 Jahren haben die Basken an keiner der Revolutionen und pronunciamentos, welche Spanien oft ſo tief erſchüttert haben, Theil genommen.

Dieſe Fueros ſind ein vollſtändiges Self-government der drei Provinzen. Die Regierung fordert z. B. eine beſtimmte Summe jährlicher Steuern die Caſſe der Provinzen zahlt ſie, jedoch die Regierung darf ſich nicht darum kümmern, auf welche Art und Weiſe dieſe Summe unter den Bewohnern vertheilt wird. Der geforderte Militärcontingent wird regelmäßig der Regierung zur Verfügung geſtellt, jedoch ſie darf ihre Hand in die Rekrutirungen nicht miſchen. Die drei baskiſchen Provinzen erwählen ſich Nationalvertreter, die mit der Regierung ſich in Verbindung ſetzen und über alles, was das Land betrifft, mit ihr unterhandeln; als ſpaniſche Unterthanen jedoch erwählen ſie gleichfalls Deputirte zum ſpaniſchen Parlamente. Charakteriſtiſch iſt, daß die Volksvertreter der drei Provinzen jährlich eine Plenarſitzung, die eine ganze Woche dauert, auf freiem Felde, in der Ebene von Guernica, unter einer mächtigen Eiche, die vielleicht ein Halbjahrtauſend alt iſt, halten, in welcher alles, was das Wohl der Provinzen betrifft, öffentlich verhandelt wird.

Ihren eigenthümlichen Gebräuchen gemäß haben dieſe drei Provinzen einen vollſtändig verſchiedenen und im Verhältniſſe be⸗ deutend niedrigeren Zolltarif wie die übrigen Provinzen des König⸗ reichs, und man kann begreifen, daß das Schmugglerhandwerk hier eine zu glänzende Ausſichten darbietet, um nicht mit einer vielleicht

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