Jahrgang 
1865
Seite
571
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ae * Il die Ohren lücher, in welchen brannte, hätte in tkeinen Sinn für aal für ein ſeigent hee den Kaiſer de ite zu haben, aber tunde entfernten n günſtigen Ye⸗ nd am kommenden m Genappe hatte zur Ruhe einge den geworfen, da ken, die ſich ſeine der möchte zweifeln hewölk ſeiner C⸗ Ohren des großen ahruf. Es warn derſtand war nihl charen; General, ort. Der Kaiſe, ſprang auf. E Wagen. Er tunt geſtreift und bli gehaltene Pferd zu te des Fliehenden zu zeigen gewußt zu ſeinen Füßen zras fort. Uner⸗ Aber die ſtolzeſe Pnlichen Beſtz ſe vu wiigſti eaus der Brigade züſliert des eſt Goszick,. iſchen Hörner an fanden die raſſn nsſterne, Ferngla öcher Aud ie ren, am Tage vor⸗ des linken Rhel⸗ Laeken.Auger ine kurze Zei bn auf einem Fah er Waffen hatde voleon iſt in Lin

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Stein ſchrieb Blücher:Ich hoffe mein verehrter Freund, Sie ſind von mich zufrieden. In drei Tage habe ich zwei blutige Schlachten geliefert und fünf heftige Gefechte beſtanden, noch drei Feſtungen ein⸗ geſchloſſen. Nur mein Eiſernen Willen und den Beyſtand von Gneiſenau, ſowie die Zuneigung der Truppen und ihre Bravour habe ich alles zu danken; an Vorſtellungen und Klagen über zu große Anſtrengungen und Gefahren hat es nicht gefehlt, aber der⸗ gleichen habe ich von der Hand gewieſen. Napoleon hat alles ver⸗ loren, ſeine Caſſe, ſeine Juwelen, und ſeine ganze Equipage; er wurde ſo überraſcht, daß er ohne Degen und Hut aus dem Wagen ſprang und ſich zu Pferde rettete. Leben Sie wohl; ich wünſchte, es wäre hier zu Ende, ich ſehne mich nach Ruhe. Machen Sie, daß Alexander mich ein kleines Eigenthum in der Nähe von Birnbaum gibt, ſo ſind wir Nachbarn. Ich will meine letzten Tage in Ruhe aufs Land verleben. Blücher.

Zunächſt aber dachte der greiſe Feldmarſchall nicht an Ruhe. Er war im friſcheſten Eifer, Paris zum zweiten Mal zu nehmen und was bei dem erſten Pariſer Frieden verſäumt worden war, nun nachzuholen. Gegen Ende des Monats hatte Napoleon bereits zu Gunſten ſeines Sohnes dem Thron entſagt, und die eingeſetzten Regie⸗ rungsverweſer hatten den Marſchall Davouſt zum Oberbefehlshaber er⸗ nannt. Davouſt trug Blücher einen Waffenſtilland an, da ja durch Napoleons Abdankung der Grund des Kriegs beſeitigt und mit Oeſterreich bereits ein Waffenſtillſtand abgeſchloſſen ſei. Blücher war anders geſinnt: die verbündeten Mächte hätten nicht allein Napoleon, ſondern auch ſeine Familie vom Thron ausgeſchloſſen, er werde vorangehen und habe die Mittel dazu.Sehn Sie zu, Herr Marſchall, ſchrieb er auf gut deutſch,was Sie thun, und ſtürzen Sie nicht abermals eine Stadt ins Verderben; denn Sie wiſſen, was der erbitterte Soldat ſich erlauben würde, wenn Ihre Hauptſtadt mit Sturm genommen würde. Wollen Sie die Ver⸗ wünſchungen von Paris ebenſo wie die von Hamburg auf ſich laden? Er ſchließt ſeinen Brief, der in deutſcher Sprache abge⸗ faßt ſchon dadurch allein dem eiteln Franzoſen als eine unerhörte Grobheit erſchien, mit der köſtlichen Wendung:In den gewöhn⸗ lichen Formen übereinkömmlicher Höflichkeit habe ich die Ehre mich zu nennen, Herr Marſchall, Ihr dienſtwilliger Diener Blücher. Er ging voran. Je näher er der Hauptſtadt rückte, deſto banger ward ſie. Schon war Blücher in St. Cloud, neue Unterhandlungen be⸗ gannen. Blücher empfing die Abgeſandten als Sieger. Er ließ ſie antichambriren, rauchte, als ſie endlich eintreten durften, ſeine Pfeife weiter, dann beſtand er darauf, daß das franzöſiche Heer über die Loire zurückgehen mußte, und als man die Befreiung der Haupt⸗ ſtadt von Einquartirung bedingen wollte, rief er aus:die Franzoſen haben Jahre lang in Berlin recht angenehm logirt, es ſoll kein Preuße, der mir hierher gefolgt iſt, zurückkehren, ohne ſagen zu können, daß die Pariſer ihn gut bewirthet haben. Dann wollten ſie noch Sicherheit für das Muſeum, Blücher aber ſagte ihnen rund heraus, daß ſie die geraubten Kunſtſchätze alle zurückgeben müßten. So, wie Blücher die Bedingungen geſtellt, ward der Waffenſtillſtand abgeſchloſſen. Die Franzoſen zogen ab, die Preußen rückten am 7. Juli in Paris ein, Blücher nahm ſein Hauptquartier in St. Cloud. Er ſchaltete und waltete in ſeiner derben Weiſe fort, bis die Monarchen kamen. Namentlich gab er ſchnellſten Befehl zur Aus⸗ ſcheidung aller in Deutſchland geraubten Kunſtſchätze aus dem Muſeum und ein wahres Grauen jagte er den Pariſern ein durch die Drohung, die Brücke von Jena ſprengen zu laſſen. Der preußiſche Geſandte ſelbſt, Graf von der Goltz, legte ſich ins Mittel. Blücher wies ihn ſchnöde zurück. Als er im Namen Talleyrands die Bitte erneuerte, erwiderte Blücher:Ich habe beſchloſſen, daß die Brücke geſprengt werden ſoll und kann Euer Hochgeboren nicht ver⸗ hehlen, daß es mich recht lieb ſein würde, wenn Herr Talleyrand ſich vorher draufſetzte, welches ich Euer Hochgeboren bitte, ihn wiſſen zu laſſen. Der Sprengungsverſuch, freilich unternommen ohne daß Talleyrand auf der Brücke ſaß, mißglückte und durch die Ankunft der verbündeten Herrſcher ward der volksthümlichen Regierungsweiſe des Marſchall Vorwärts ein Ende geſetzt. Und zum zweiten Mal ver⸗ darben die Federn, was die Schwerter gut gemacht. Nachdem die Deutſchen den Feind Europas auf dem Schlachtfeld beſiegt, wandten ſich ihre Bundesgenoſſen auf dem Felde der Diplomatie gegen die Deutſchen. Elſaß und Lothringen blieb bei Frankreich, Frankreich erhielt die ſchönſte Abrundung, Deutſchland ward in einer Geſtalt

beſtätigt, welche für die Entwicklung einheitlicher Macht die un⸗ günſtigſte war. Die Frucht, die aus der Saat ſo viel tapferen Blutes hätte reifen müſſen, Deutſchlands Größe und Einheit, und die gereift wäre, hätte man die Blücher, Gneiſenau und Stein walten laſſen, ward verkümmert. Und nicht einmal die Lorbeeren, welche die Deutſchen bei La Belle Alliance errungen, hat man ihnen gegönnt!

Es iſt bekannt, mit welch dreiſter Unwiſſenheit und Ungerechtig⸗ keit die Engländer den Ruhm der Schlacht vom 18. Juni für ſich allein in Anſpruch nahmen, und mit wie eiſerner Stirn dereiſerne Herzog den Preußen die ihm gebrachte Hilfe einundzwanzig Jahre nach der Schlacht dadurch vergalt, daß er im engliſchen Parlament den Preußen ſchlechte Kriegszucht vorwarf. Und doch konnte Blücher ſeine Truppe zur rechten Zeit zuſammenbringen, Wellington nicht, und Gneiſenau konnte mit den Preußen nach den unglaublichen An⸗ ſtrengungen des Marſches und Kampfes den geſchlagenen Napoleon verfolgen, Wellington nicht. Wir verweiſen die Leſer, welche ſich gegen die ungerechten engliſchen Beſchuldigungen mit Thatſachen rüſten wollen, auf Beitzkes Geſchichte des Jahres 1815, welcher wir auch bei unſrer Skizze vielfach gefolgt ſind.*) Aber auf eins müſſen wir hier mit allem Nachdruck hinweiſen: nicht nur hätte Wellington ohne Blüchers Hilfe die Schlacht verloren, das was er als Heerführer ſelbſtändig leiſtete, leiſtete er meiſtens mit deutſchen Truppen. Wir haben Wellingtons Ausdauer und die Tapferkeit der engliſchen Führer anerkannt, aber die Führer gehörten nicht ſämmtlich der engliſchen Nation an und von den Soldaten nur ein kleiner Theil. Nach Beitzke beſtand das ſogenannte nieder⸗ ländiſche Heer, welches Wellington befehligte, aus 105,950 Streitern. Faſt 70,000 Streiter des Heeres von Wellington, welches in zahl⸗ reichen Schriften immer dasengliſche Heer,die Engländer genannt wird, waren Deutſche, der Kern der norddeutſchen Kraft, und ein mäßiger Theil Holländer, welche ja auch Deutſche ſind.

Es waren die deutſche Legion, die Hannoveraner, die Braun⸗ ſchweiger, die Naſſauer, welche unter engliſchem Oberbefehl, aber unter ihren deutſchen Officieren, die Schlacht mitſchlugen. Ein rein engliſches Heer, meiſt aus Irländern geworben, unter Officieren, die ihre Stellen erkauft, mit der ſchwerfälligen engliſchen Taktik hätte die Erfolge ſchwerlich gehabt, die Wellington mit deutſchen Truppen erreichte. Der anſpruchsvollen engliſchen Unwiſſenheit gegenüber iſt es doch nöthig, dasJedem das Seine geltend zu machen und die Deutſchen an Klopſtocks MahnungSei nicht allzugerecht zu erin⸗ nern. Ja was der Dichter vor hundert Jahren in ſeiner OdeWir und ſie in ſtarkem nationalem Selbſtgefühl ausgeſprochen, das hören wir der nationalen Anmaßung gegenüber auch heute noch gerne:

Wir ſind gerecht, das ſind ſie nicht! Hoch ſtehn ſie, träumen's höher noch! Wir ehren fremd Verdienſt!

Sie ſchlagen in der finſtern Schlacht, Wo Schiff an Schiff ſich donuernd legt! Wir ſchlügen da wie ſie!

Sie rücken auch in jener Schlacht,

Die wir allein verſtehn, heran:

Vor uns entflöhen ſie!

Was that Dir, Thor, Dein Vaterland? Dein ſpott ich, glüht Dein Herz Dir nicht, Bei ſeines Namens Schall!

Es war das Feldherrngenie der Blücher, Gneiſenau, Bülow, es war der ſeit 1813 erwachte preußiſche, es war ein deutſcher

Geiſt, welcher in dem kurzen Feldzug von 1815 den Ausſchlag

gab. Aber am liebſten theilen wir die Betrachtung der Dichter, welche die Wiederkehr Napoleons als eine Züchtigung Gottes für die ſchlechte Benutzung der Siege von 1813 und 14 anſahen und Gott die Ehre des Sieges gaben. Und die höchſte Weisheit liegt in dem einfachen Lied, welches das deutſche Volk auf die Schlacht bei Water⸗ loo dichtete:

Der Kaiſer Napoleon bildte ſich ein,

Ein unüberwindlicher Kaiſer zu ſein

Allhier auf Erden.

Das hat der liebe, liebe Herrgott gethan, Der machte Napoleon zum armen Mann, Kann nicht mehr ſtreiten.

-) Vgl. auch Julius Königers ſo eben aus der Preſſe hervorgehen⸗ des Werk:Der Krieg von 1815 und die Verträge von Wien und Paris, insbeſondere das Kapitel: Belle⸗Alliance. S. 305 ff.