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Zur Srinnerung an das Jahr 1815. Von Wilhelm Baur. (Mit Abbildung.)
II.
Am 18. Juni ward die entſcheidende Schlacht geſchlagen. Der Muth, die Tapferkeit, die Ausdauer, womit auf beiden Seiten ge⸗ kämpft wurde, entſprachen der weltgeſchichtlichen Bedeutung, welche dieſe Schlacht haben mußte. Für Napoleon und ſeine Marſchälle ſtand alles auf dem Spiel. Wellington und Blücher kämpften für die wiederhergeſtellte Ordnung, für die Freiheit Europas.„Die Garde ſtirbt, aber ſie ergibt ſich nicht!“ ſolche ächt franzöſiſche Loſung flog durch das Heer Napoleons.„Steht feſt, meine Jungen, was würde man in England von uns ſagen, wenn wir hier geſchlagen würden?“ ſo redete Wellington ſeine Scharen an. Die Kaltblütigkeit, die Ausdauer, der eiſerne Sinn, womit Wellington die Schlacht hielt, haben ihm unvergänglichen Ruhm erworben, ſeine Generale haben durch tödtliche Wunden bewieſen, daß ſie den Vorderkampf nicht ge⸗ ſcheut, die Soldaten haben ſich tapfer geſchlagen. Aber es iſt eine Thatſache, daß er die Schlacht nicht hätte halten können, hätte Blücher nicht Wort gehalten.„Blücher oder die Nacht“— das war auf der Höhe des entſcheidungsvollen Kampfes ſein Schlachtplan. Und Blücher kam der Nacht zuvor. Trotz der großen Schmerzen, die er litt, verlor er den friſchen, muthigen, hellen Sinn nicht. Seine ganze rechte Seite war geſchwollen. Es war zweifelhaft, ob er zu Pferde würde ſteigen können. Aber ſeine Erklärung, er wolle ſich lieber aufs Pferd feſt binden laſſen, als der Schlacht entſagen, hauchte Muth ein. Der Regimentsarzt, um ihm das Reiten zu erleichtern, verordnete, ehe der Feldmarſchall zu Pferde ſtieg, noch Einreibungen. Der große Held aber, als er die Anſtalten ſah, rief aus:„Ach was, noch erſt ſchmieren! Laßt nur ſein, ob ich heute balſamirt oder unbalſamirt in die andere Welt gehe, das wird wohl auf eins herauskommen!“ So ſetzte er ſich wohlgemuth aufs Pferd, obgleich ihn bei jeder Bewegung die gequetſchten Glieder ſchmerzten. Es hatte ſeit dem Nachmittag des 17. Juni in ſtarken Güſſen geregnet und der Boden bot die größten Schwierigkeiten für den Transport. Blücher aber, in ſeinem fröhlichen Heldenmuthe ſich alles glücklich deutend, rief aus:„Dies ſind unſere Alliirten von der Katzbach, da ſparen wir unſerm König wieder viel Pulver!“ Bülows Heer war das vorderſte, Blücher be⸗ gab ſich an ſeine Spitze. Es war ein über alle Maßen mühſames Vorankommen auf den grundloſen Wegen. Fußvolk und Reiterei ſchafften ſich mit der größten Beſchwer fort, faſt unmöglich ſchien es, die Geſchütze voranzubringen. Blücher hatte nur eine Sorge: daß er ſein dem verbündeten Feldherrn gegebenes Wort nicht würde halten können. Schon flogen Officiere heran, die Wellingtons Be⸗ drängniß meldeten.„Vorwärts, Kinder, vorwärts!“ rief Blücher und ſprengte auf und ab, überall die Hemmniſſe durch ſein drängendes Wort zu beſeitigen. Aus dem Gemurmel der im Schlamm und in den Pfützen ſich Fortarbeitenden klang es hervor, es ginge nicht, es ſei unmöglich. Da redete Blücher, ſo erzählt Varnhagen, mit tiefſter Be⸗ wegung und Kraft ſeine Krieger an:„Kinder wir müſſen vorwärts! Es heißt wohl, es geht nicht, aber es muß gehn, ich hab' es ja meinem Bruder Wellington verſprochen! Ich hab' es verſprochen, hört Ihr wohl, Ihr wollt doch nicht, daß ich wortbrüchig werden ſoll?“ Er hat Wort gehalten. Um 4 Uhr Nachmittag griffen die Preußen in den Kampf mit ein, und brachten ihn zur Entſcheidung durch einen herrlichen Sieg. Von ungefähr begegneten ſich am Ende der heißen Arbeit die beiden Feldherrn beim Eintritt in den Gaſthof von La Belle Alliance. Sie umarmten ſich und wünſchten ſich Glück. Es iſt bezeichnend für Blüchers friſche, fröhliche Art, daß er die durch ge⸗ meinſames Wirken ſiegreiche Schlacht nach La Belle Alliance genannt haben wollte, aber ebenſo bezeichnend iſt es für Wellingtons Stolz und Ungerechtigkeit, daß dieſer ſie nach dem Orte ſeines letzten Haupt⸗ quartiers Waterloo nannte. Die Feldherrn beſprachen ſich über die Benutzung des Siegs. Wellington erklärte,„daß er nicht im Stande ſei, die Verfolgung des Feindes während der Nacht fortzuſetzen, daß er noth⸗ wendig ſeine Truppen in ihr Lager zurückführen müſſe, um die Disciplin wieder herzuſtellen und die Verpflegung zu ordnen.“ Blücher aber be⸗ fahl den letzten Hauch von Mann und Pferd zur Verfolgung aufzubie⸗ ten. Er übertrug ſie dem General Gneiſenau und die Preußen trieben
die Franzoſen wie Sturmwind die Spreu vor ſich her. Die preußi⸗ ſchen Hörner klangen den Fliehenden überall ſchrecklich in die Ohren.
Wenig fehlte, ſo ward Napoleon gefangen. Blücher, in welchem der ganze deutſche Haß gegen den fremden Tyrannen brannte, hätte ihn dann vielleicht füſilieren laſſen. Hatte er überhaupt keinen Sinn für ſogenannte politiſche Rückſichten, ſo ſchien er diesmal für ein eigent⸗ liches Strafverfahren die großen Mächte ſelbſt, welche den Kaiſer der Franzoſen für vogelfrei erklärt hatten, auf ſeiner Seite zu haben, aber Napoleon entkam. Er wandte ſich dem 1 ½ Stunde entfernten Städtchen Genappe zu. Hier hoffte man, bei den günſtigen Ver⸗ hältniſſen des Orts, Athem ſchöpfen, etwas ruhen und am kommenden Morgen den Rückzug ordnen zu können. In und um Genappe hatten ſich die Flüchtlinge, wie jeder konnte und mochte, zur Ruhe einge⸗ richtet. Der Kaiſer ſelbſt hatte ſich in ſeinen Wagen geworfen, der in dem Städtchen zurückgeblieben war. Die Gedanken, die ſich ſeiner bemächtigten, mögen dieſchwerſten geweſen ſein, aber wer möchte zweifeln, daß noch Hoffnungsſtrahlen durch das düſtere Gewölk ſeiner Er⸗ wägungen blitzten? da auf einmal drang zu den Ohren des großen Beſiegten Trommelklang, Krachen der Schüſſe, Hurrahruf. Es waren die Preußen, die in die Stadt ſtürmten. An Widerſtand war nicht zu denken. In wüſtem Durcheinander flohen die Scharen; Generale, ſelbſt der Marſchall Ney, ſchleppten ſich zu Fuße fort. Der Kaiſer, als er Schüſſe und Rufe in nächſter Nähe hörte, ſprang auf. Er hatte den Degen abgelegt gehabt, der blieb im Wagen. Er trat raſch auf den Tritt des Wagens, ſein Hut ward abgeſtreift und blieb zurück. Ohne Hut und Degen eilte er, das bereitgehaltene Pferd zu beſteigen. Der Maler hat uns auf dem Angeſichte des Fliehenden den Ingrimm, der ſeine Seele erfüllte, trefflich zu zeigen gewußt. Welch eine Flucht des Gewaltigen, der die Welt zu ſeinen Füßen zwingen zu können meinte! Er eilte auf Quatre⸗Bras fort. Uner⸗ meßliche Beute an Heergeräth ward gemacht. Aber die ſtolzeſte Beute war diesmal, was Napoleon von ſeinem perſönlichen Beſitz zu⸗ rückgelaſſen. Vor dem Wagen fand man den Hut, den weltgeſchicht⸗ lichen kleinen Hut des Kaiſers. Und die Füſiliere aus der Brigade Hiller, welche Major von Köller führte, und die Füſiliere des erſten
Pommerſchen Regiments unter Hauptmann von Goszicki,— wir ſehen die vorderſten unter dem Klang der preußiſchen Hörner auf unſerm Bilde in den Wagen eindringen— ſie fanden die rarſten
Sachen: des Kaiſers Degen, Krönungsmantel, Ordensſterne, Fernglas, ſeine ſilberne Feldausrüſtung, Juwelen, Geld, Bücher. Auch eine
Proklamation fand man in tauſenden von Exemplaren, am Tage vor⸗
her, den 17. Juni, an die Belgier und Bewohner des linken Rhein⸗ ufers gerichtet, gegeben im„kaiſerlichen Schloſſe“ zu Laeken.„Augen⸗ blickliche Erfolge meiner Feinde haben mich auf eine kurze Zeit von meinem Reiche getrennt. In meiner Verbannung, auf einem Felſen des Meeres, hörte ich Eure Klagen. Der Gott der Waffen hat das Schickſal Eurer ſchönen Provinzen entſchieden. Napoleon iſt in Eurer Mitte; Ihr ſeid würdig Franzoſen zu ſein. Erhebt Euch in Maſſe, vereinigt Euch mit meinen unüberwindlichen Phalangen, um die Trümmer der Barbaren zu vernichten, die Eure Feinde und die meinigen ſind. Sie fliehen, Wuth und Verzweiflung im Herzen!“ O wie bitter war die Ironie, welche„der Gott der Waffen“ gegen dieſe Großſprecherei ausübte! die Proklamation, ja die ſchönen Pro⸗ vinzen in den Händen der Barbaren, und die Zeichen der Macht und Herrlichkeit, Krönungsmantel und Orden die Zeichen ſeiner Feldherrn⸗ würde, Hut, Degen, Fernglas auf dem Wege nach Berlin!
Es war ein herrlicher Sieg.„Die Geſchichte,“ ſagt Pertz, liefert kein Beiſpiel, daß ein Heer zwei Tage nach einer Niederlage wie bei Ligny zu einem ſolchen Siege geführt worden iſt. Im großen Hauptquartier zu Heidelberg wollte man es nicht glauben; ein ſchlauer General meinte, in Belgien ſei das Korn in der Jahres⸗ zeit ſo hoch, Napoleon werde ſich mit ſeinen Heere darin verſteckt haben. Als Fürſt Metternich ſpäter die Bemerkung machte, daß ein öſterreichiſches Heer in ähnlicher Lage wenigſtens ſechs Wochen zu ſeiner kampffertigen Herſtellung bedurft hätte, erwiderte Stein: „Daran möge man erkennen, was die ſittliche Kraft bedeute.“ An
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