Jahrgang 
1865
Seite
566
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ferne, und hübſch iſt ſie, ſonſt möchte ſie der Teufel heirathen; ſie war mir aber nicht hübſch genug, um mich gerade damals an ſie zu

machen. Hätte ich aber gewußt, daß ſie ein ſolches Goldfiſchchen iſt,

ſo hätte ich ſchon da alle Netze und Angelhaken ausgeworfen um ſie zu fiſchen. Denn aufrichtig, mein Guter, ich ſtecke bis über den Schopf in Schulden. Bis über die Ohren würde mich noch nicht géniren, aber nun wird es génant. Die Reſidenz iſt eine ver⸗ dammt theure Garniſon, und ein Gardeofficier muß viel mitmachen. Wein, Spiel, Mädchen alles koſtet Geld, und hat man keins oder zu wenig was auf eins hinausläuft ſo muß man borgen, und dann hat man die verfluchten Juden auf dem Halſe und darf ſie nicht einmal aus dem Fenſter werfen. Ich habe deshalb auch einige Zeit krumm liegen müſſen und allerlei Verdrießlichkeiten gehabt, aber meine Ehre iſt blank geblieben wie mein Säbel. Nun, ich denke, das Gundelchen und ſein Geld ſoll uns aus aller Noth helfen; und dann nehme ich meinen Abſchied und ſetze mich auf eins der Güter, um wenigſtens luſtig zu leben, da ich zu einem tugendſamen Haus⸗ vater verdorben bin. Was Ihr da ſchreibt, lieber Paſtor, von dem Myſticismus und der neumodiſchen Frömmelei, die das hübſche Kind aus der Penſion mitgebracht habe, ſo wundert mich nur, daß Ihr mit Euren taktfeſten Händen den Sauerteig nicht wieder ausgefegt habt. Bei Eurer Hofmeiſterei mit mir und meinen Brüdern habt Ihr doch meiſterlich verſtanden, alles dergleichen auszuraufen, was aus der Kindheit her noch ſaß. Uebrigens fürcht ich das für meine Werbung gar nicht, die Frömmelei mein ich; man kommt mit dieſen kleinen Heuchlerinnen oft am weiteſten. Ich habe darin ſchon Erfahrungen. Wenn man übrigens eine halbe Million oder ſo herum heirathen kann, ſo nimmt man ſchon ein Stück Betſchweſterei mit in den Kauf. Das läßt ſich ſpäter alles austreiben, oder man überläßt die tugendhafte Frau Gemahlin ihren Pfaffen und ſucht ſein Vergnügen anderswo. Natürlich werde ich anfangs vorſichtig auftreten, indeß bin ich zu ſiegen gewohnt. Schreibe mir alſo, ob ich in einigen Tagen mit Pferden und Burſchen zu Dir kommen kann. Es wird mir bei den Frommen ſchon Folie und Relief geben, wenn ich bei einem Geiſtlichen einkehre. Bis dahin Adieu! Dein alter K. v. W..

Paſtor Leſemeier an Baron Karl von W.

Hochzuehrender, Hochwohlgeborener Herr Baron! Auf Ihr Schreiben melde ich umgehend, daß Sie mir zu dem bewußten Zwecke jederzeit willkommen ſein werden. Ich zweifle übrigens nicht, daß der etwas wilde, ja faſt ruchloſe Ton Ihres Briefes nur die Mode⸗ ſprache unter Euch Officieren iſt, und daß ſich dahinter ein viel beſſerer Charakter verbirgt. Ich hoffe, daß ich Ihnen, lieber Karl, nicht umſonſt die hohe Moral des Chriſtenthums eingeprägt habe, als ich Ihr Hauslehrer war; auch zeigten Sie immer ein ſehr gutes Verſtändniß dafür und waren leicht gerührt. Wenn auch Mißver⸗ ſtändniß und Aberglaube der finſteren Zeiten, in denen das Chriſten⸗ thum entſtand und in denen es ſpäter zu einem ſo verwickelten, aller Vernunft widerſprechenden Dogmengebäude aufgehäuft wurde, die einfache Lehre ſeines Stifters entſtellt haben, ſo werden doch ſeine drei Hauptlehren: Gott, Tugend und Unſterblichkeit allen guten Menſchen theuer bleiben. Wir ſind in unſern Zeiten aufgeklärt genug, um zu wiſſen, daß es dem großen guten Weſen jenſeits der Geſtirne gleichgültig iſt, ob wir es Gott, Jehovah, Bramah oder Allah nennen; in allen Religionen gibt es und hat es gute Men⸗ ſchen gegeben; und eben ſo gleichgültig iſt es, wie wir uns den Zu⸗ ſtand nach dem Tode denken; genug, wenn wir wiſſen, daß wir un⸗ ſterblich fortdauern werden und einſt ſelig ſind. Aber, verehrteſter Herr Baron, nur der Tugendhafte iſt glückſelig. Die Tugend, ſie iſt kein leerer Schall, der Menſch kann ſie üben im Leben, ſingt unſer größter Dichter. O alle Seufzer, die der gepreßten Bruſt entſteigen, und alle Thränen, die auf Erden geweint werden, und die auf die Gräber unſerer Hinübergegangenen fallen, ſie ſind nur Folge der ver⸗ letzten Tugend, der zurückgeſtoßenen Tugend, der verlorenen Tugend. Ein wahrhaft moraliſcher, ein fühlender Menſch zu ſein wie groß, wie ſchön iſt das! Davon wiſſen die Myſtiker und Obſcuranten nichts, die den ohnmächtigen Verſuch machen wollen, an die Stelle der Tu⸗ gend wieder den alten dumpfen Glauben zu ſetzen. Es iſt aber zu hell in den Köpfen geworden, die Aufklärung iſt zu weit durchge⸗ drungen, die Vernunft hat ſchon geſiegt. Sie können höchſtens hier und da die Weiblein gefangen führen.

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Was nun Fräulein Adelgunde betrifft, ſo möchte ich doch zu großer Vorſicht rathen. Sie iſt trotz des eingeſogenen Myſticismus ein wirklich tugendhaftes Mädchen, auch was mir dabei noch räthſelhaft bleibt friſch und munter und ohne alle Kopfhängerei, obwohl ſie auch, wenn die Rede auf ſolche Dinge kommt, ſehr ernſt ſein kann. Ich rathe daher: Accommodiren Sie ſich ihr! Das kann kein Unrecht ſein. Auch wir aufgeklärten Geiſtlichen müſſen uns in Gebräuchen und Redeweiſen den Gemeinden accommodiren, die noch an der alten Form des Chriſtenthums hängen, und der Stifter unſer Religion machte es zu ſeiner Zeit nicht anders. Ich weiß, was man dagegen ſagen könnte, aber die Unwahrheit und Heuchelei der Frömmler iſt eine ganz andre Sache; dieſe haben die Verfin⸗ ſterung, wir die Aufklärung des Volks zum Zweck. Treten Sie alſo in ſolchen Dingen vorſichtig auf, berühren Sie dieſelben gar nicht, oder widerſprechen Sie wenigſtens nicht. Das Weitere mündlich!

Was Sie ſcherzweiſe von den[Hombrepartien ſagen, ſoll be ſtens acceptirt ſein. Hier komme ich ſeit dieſen Jahren nur ein Paar Mal in der Woche zu einer Whiſtpartie und muß dazu beinahe eine Stunde Weges über Land gehen. Was thut man aber nicht einer guten Unterhaltung zu Liebe? Ich habe es vergeblich verſucht, meine Frau und meinen Cantor in die Geheimniſſe des l'Hombreſpiels einzuweihen.

Nun, hochverehrter Freund, beeilen Sie ſich zu kommen, und⸗ haben Sie meinen ganzen Segen zu Ihrer Unternehmung. Mit größter Hochachtung Ihr gehorſamſter Diener Leſemeier.

Aus Adelgundens Tagebuche.

Wenn ich es aufſchreibe, hier in mein liebes Büchlein, ſo gebe ich mir am beſten Rechenſchaft. Ich hoffe, es hat weiter keine Folgen. Die liebe Mutter meint nicht alles ſo, wie ſie es ſagt.

Der Paſtor beſuchte uns mit einem Gaſte, Baron von W., Gardeofficier jung, lebhaft, ich glaube auch ſchön ob auch liebenswürdig? ich weiß nicht; aber er wollte es doch ſein, und man ſah, er konnte es ſein, und ich glaube, er war's auch und doch graute mich, wenn ich ihn anſah, und wenn ſeine ſonderbaren Blicke mich ergriffen, ſo erſchrak ich. Einige Mal ſprach er mit mir, was er ſagte, war gut und witzig und fein, und doch ſchauderte mich. Ich war wohl recht thöricht. Der Paſtor zog mich zur Seite, um mir einiges über die kranke Wittwe im Dorfe mitzutheilen. Er und Mama ſprachen unterdeß leiſe zuſammen und ſahen mehrmals zu uns herüber. Dann erzählte der Paſtor von ſeinem Gaſte, wie er

ſein Schüler geweſen ſei und wie er ihn immer geliebt habe wegen 4

ſeines guten Herzens, und wie er fürchte, daß ihm nach einiger Zeit doch der Aufenthalt in der Hauptſtadt ſchaden und ihn gleichgültig machen könne gegen die guten Grundſätze eines chriſtlichen Lebens, die er ihm eingeprägt habe. Er wußte ſo viel an ihm zu loben, auch daß er den ſtillen Aufenthalt in einem ehrbaren Pfarrhauſe allen Zer⸗ ſtreuungen der Reſidenz vorziehe, daß er unendlich heiter und munter ſein könne, und ſo gern im Verborgenen Gutes thue. Ich ſchämte mich meiner widrigen Gefühle gegen ihn und bat ſie ihm im ſtillen ab, konnte ſie aber doch nicht ganz überwinden, als wir her⸗ nach wieder zu ihnen gegangen waren. Als ſie ſich empfahlen, bat ihn Mama auf morgen Abend zu meinem Geburtstagsball. Mir war das nicht recht, am liebſten ſähe ich ihn gar nicht wieder. Ich fürchte mich vor ihm. Aber Mama hat er ganz erobert, den ganzen Mit⸗ tag ſprach ſie von ihm, ſein Aeußeres, ſein Benehmen, ſeine Ge⸗ ſpräche, ſeine Familie, alles wußte ſie zu loben. Einen ſolchen Schwiegerſohn wünſche ſie ſich, ſagte ſie endlich.

Mein Gott und Herr, nein! Ich bitte Dich, mein Gott, nein!

Und warum nicht? Oich bin wohl ſehr thöricht. Was iſt denn an ihm zu ſchelten? Und wenn es Mama wirklich und in allem Ernſte ſo meinte, und wenn ſie dabei bliebe, haſt Du nicht geboten, mein Herr und Gott: Ehre Vater und Mutter?

Ach ich war dieſe Tage ſo vergnügt, ich freute mich ſo ſehr auf den Ball, auf den morgenden Geburtstag, ich hoffte ſo fröhlich zu ſein, ſo viel zu lachen und zu tanzen! Nun, kann ich es nicht doch vielleicht?

Hätte ich jemand, dem ich mein Herz ausſchütten könnte, kein Wort ſchriebe ich davon, aber ſo

9 we und lieb u Mutter ſp und zitti iine gute ſie mir ge prichtigen meinen Le mit denen vergnügte kommmen w zwiſchen i ben ſo h aine luſtig inander dann kam Als vor ſeinen andern w nanzte au um ſo ger ic in ſei Sein Be heit, Sie Herrn! wich ihm aber ich Er umfa ward, mn Dinge, und die war, d daß er aber ni ihm nie mir die weinten anderj davonl vor mif Büffet auf mi behorch Thrän Nähe wollte hauſe. wari worte komm ging