Jahrgang 
1865
Seite
559
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1n) der Bevoll⸗ lür Morgenz befohlen, wenn lafe zu ſüören. um 6 Uhr eine Depeſche. Der late in Genua, ſehr müde, die Aber einmal Uhr entſchloß er e: der eglſ tzu erkundigen, ſſen, denn vön gekleidet und vor e Depeſche und wollen, das iſt lang ſtörte, der aiſer von Ruß⸗ ihnen, daß ich ch Frankreich zu den mit mir ein⸗ hatte Metternich drich Wilhelm. en, um 10 Uhr die Adjutanten enden Heeresab⸗ Stunde war der Sache in einem rung ließ länger geht? fragte ch.Der Be⸗ ward auf aner verfen, meinte grad auf Paris Wien doch noch nſte Ereigniſſe zu poleon nur einen ehme Welt war

größtem Eifer auf die Federfuchſer geſcholten. Der Friede mit Frankreich ſchien ihm von Anfang an faul und die Weiſe, wie Frank⸗ reich durch Talleyrand in Wien ſich geltend machen durfte, beſtätigte ihm nur dieſe Fäulniß.Wir halten nur Raſttag, pflegte er zu ſagen, und als die Nachricht von Napoleons Landung in Frankreich erſcholl, rief er:Wir müſſen wieder von vorn anfangen, und daran ſind die Engländer ſchuld! Denn dieſen warf er vor, daß ſie Napoleon aus Elba hatten entkommen laſſen. Er legte ſeinen ſchlichten Bürgerrock ab und zeigte ſich in Feldmarſchallsuniform unter den Linden. Das Volk verſtand das Zeichen und jauchzte ihm zu. Bald kam die königliche Ernennung zum Oberfeldherrn der am Niederrhein aufzuſtellenden preußiſchen Heeresmacht. Gneiſenau, als Chef des Generalſtabes, eilte voraus. Von Wien aus begab ſich Wellington nach den Niederlanden, um ein aus engliſchen, meiſt aber deutſchen Truppen beſtehendes Heer zu befehligen. Blücher und Wellington hatten die Arbeit zu thun, denn bis, nach dem in Wien gemachten Plane, das ruſſiſche Heer am Mittelrhein das öſter⸗ reichiſche am Oberrhein ſich in gleicher Linie mit den Heeren in den Niederlanden befinden konnten, hatte Napoleon, von ungeahnten Er⸗ folgen in Frankreich vorangetrieben, den Krieg begonnen und den Sieg verloren.

Blücher und Wellington, Ligny und Waterloo, das ſind die großen Namen, welche ſich aus dem kurzen Feldzug des Jahres 1815 heraushoben. Bei oberflächlicher Betrachtung kann es ſcheinen, als ob die Verbindung: Blücher und Ligny einfach die Verknüpfung des Heldennamens mit einer verlornen Schlacht bedeute, als ob die Zu⸗ ſammenſtellung: Wellington und Waterloo den Sieg von 1815 all⸗ ein an den Namen des engliſchen Feldherrn binde, aber man muß ſagen: hätte Wellington am 16. Juni bei Ligny die verſprochene Bundes⸗ genoſſenſchaft, auf deren Grund die Schlacht unternommen worden war, eingehalten, ſie wäre ſiegreich ausgefallen. Und hätte am 18. Juni bei Waterloo Blücher nicht die Bruderhilfe geleiſtet, Wellington hätte den Sieg nicht davongetragen. Die beiden Feldherren hatten von Anfang an erkannt, daß ſie die Sache auszufechten haben würden und waren in gemeinſame Berathung getreten. Unmittelbar vor der Schlacht bei Ligny waren ſie zuſammengekommen. Da ſtanden ſich die beiden Helden gegenüber, in allen andern Zügen ihres Weſens und ihres Geſchickes verſchieden, eins nur in dem Entſchluß: Napoleon zu vernichten; der Engländer, früh vom Glück begünſtigt und zur höchſten Stelle im Heer emporgetragen, der Deutſche, erſt in greiſen Jahren zur Heerführung berufen; Wellington in der Kraft der Jahre, eines Alters mit Napoleon, ein Sechsundvierziger, aber kühl berechnend, Blücher, bald dreiundſiebenzig, aber friſchwie greiſender Wein, ein Jüngling an ſtürmiſchem Muth; der engliſche Lord nicht blos ein Meiſter auf dem Schlachtfeld, auch ein Politiker, der nach ge⸗ ſchlagener Schlacht unter die Reihen der Diplomaten eilte; der Pommerſche Edelmann ein Todfeind der Diplomaten, der nur mit dem Schwerte orthographiſch ſchrieb. Blücher erſchien in einfachem Soldatenrock, Wellington faſt unſoldatiſch, wie einer, der aus Lieb⸗ haberei den Krieg mitmachte. Der perſönliche Verkehr war dadurch erſchwert, daß Wellington nicht deutſch, Blücher nicht engliſch ſprach. Aber die andern Generale dolmetſchten und die Verſtändigung gedieh ſoweit, daß Wellington Blücher beſtimmt Hilfe zuſagte. Es mag ſein, daß er die Zuſage nicht halten konnte, weil er auf ſchnellere Sammlung ſeines Heers gerechnet hatte und ſelbſt angegriffen ward, gemacht hat er ſie. Blücher nahm die Schlacht, die ihm Napoleon bot, an. Den ganzen Nachmittag bis in die ſpäte Stunde des Sommerabends hat er mit ſeinen Preußen um den Sieg gerungen. Es war ein mörderiſcher Kampf, namentlich um die Dörfer bei Ligny, die oftmals aufge⸗ geben, immer wieder genommen wurden, ein Kampf Mann gegen Mann, Bajonnet gegen Bajonnet. Um 8 ½ Uhr Abends ſchien

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endlich Ruhe zu werden. Da gibt's plötzlich wieder Bewegung. Napoleon hatte eine Reſerve behalten, die er nun in den Kampf warf, um die Entſcheidung zu erzwingen. Blücher ſaß auf, perſönlich führte er ſeine Reitergeſchwader ins Treffen, aber es gelang ihm nicht mehr, den Feind zurückzuwerfen. Wiederholt wandte er die Fliehenden gegen den Feind zurück, mit gezogenem Säbel voran. Er konnte auf die Länge nicht widerſtehen und ward in den Rückzug mit fortgeriſſen. Er hatte nur einen ſeiner Adjutanten bei ſich, den Major Grafen Noſtiz. Beider Pferde wurden verwundet. Das Pferd Blüchers, ein prächtiger Schimmel⸗Araber, den ihm der Prinz⸗ Regent von England geſchenkt, war tödtlich getroffen, der Schmerz trieb das Thier zu wüthenden Sprüngen.Noſtiz, rief Blücher, nun bin ich verloren! Da brach das Pferd zuſammen und kam auf ſeinen Reiter zu liegen. Trefflich hat uns der Maler die ſchreckliche Scene vergegenwärtigt. Hilflos liegt der Feldherr unter dem todten Pferde auf einem zertretenen Kornfelde. Und ſchon ſind die preußiſchen Reiter alle dahin und die franzöſiſchen Küraſſiere jagen heran. Graf Noſtiz iſt abgeſtiegen, hält mit der Linken die Zügel ſeines Pferdes, mit der Rechten die Piſtole, den Feldherrn zu ſchützen. Die feindlichen Scharen ſprengen vorbei, ohne zu ahnen, wer unter dem Pferde liege. Sie ſprengen, von den Preußen zu⸗ rückgeworfen und verfolgt zum zweiten Mal vorbei. Noſtiz ruft einen preußiſchen Unterofficier mit Namen Schneider hinzu. Sie ziehen den Feldherrn unter dem Pferde hervor und heben ihn auf das Ulanenpferd des Unterofficiers. Es war die höchſte Zeit, denn zum dritten Mal nahen die Franzoſen.

Der greiſe Held war aus ſeiner Betäubung erwacht und klagte nur über ſehr ſtarke Schmerzen in der rechten Seite. Noſtiz brachte ihn aus dem Getümmel des Rückzugs.Wir haben viel Glück gehabt! ſagte er mit einem warmen Händedrücken, zu ſeinem Adjutanten. Sie erreichten das Dorf Tilly, weiter konnte der Feldmarſchall nicht. Dort bereiteten ihm die Seinen, ſo gut es ging, die Nachtruhe.

Die Preußen hatten ſich nach einem gewaltigen Kampfe zurück⸗ ziehen müſſen. Aber wie auf der einen Seite der Verluſt der Schlacht dadurch gemildert erſcheint, daß die Franzoſen nicht energiſch ver⸗ folgten, ſo iſt's auf der andern Seite von entſcheidender Bedeutung geweſen, wohin der Rückzug ging. Die commandirenden Officiere begehrten Befehle, aber der Feldmarſchall war nicht zu finden. Gneiſenau mußte für ihn eintreten und er ſprach in der erwartungs⸗ vollen, ernſten Verſammlung das große Wort: der Rückzug ſoll über Tilly nach Wavre ausgeführt werden. Dies Wort war nach der verlornen wie eine gewonnene Schlacht, denn es zeugte von genialem Feldherrnblick und von ungebrochenem Muthe. Napoleon war der feſten Meinung, die Preußen würden in der Richtung von Namür ziehen, aber ſie zogen nach Wavre. Namür bedeutete Herſtellung der Verbindung mit dem Rhein, aber Losſagung von Wellington. Wavre bedeutete Aufgeben der Hilfsquellen des eigenen Landes, aber neue Verbindung mit Wellington, es bedeutete Muth, Treue, feſtes Erfaſſen der geſtellten Aufgabe. Als Gneiſenau in der Nacht den geliebten Oberfeldherrn wieder fand, ſaß dieſer noch wach unter lauter Schlafenden und rief:Wir haben Schläge gekriegt, wir müſſen es wieder ausbeſſern! Und der Tagesbefehl vom 17. Juni ſchloß, nach mancher Rüge:Ich werde Euch wieder vorwärts gegen den Feind führen, wir werden ihn ſchlagen, denn wir müſſen! Und ſchon um neun Uhr hatte Wellington, der dem deutſchen Waffen⸗ bruder keine Hilfe hatte bringen können und der nicht an die Mög lichkeit dachte, daß Blücher in den nächſten Tagen wieder ſchlag⸗ fertig ſein könne, die Botſchaft: er ſei, ſobald an die Truppen Patronen und Lebensmittel ausgetheilt ſein würde, wieder zum Losſchlagen bereit. Wie heldenmäßig er Wort gehalten, hat Waterloo gezeigt.

Spaniſches Schmugglerleben.

Erinnerungen eines Deutſchen aus dem ſpaniſchen Grenzdienſte.

I

Heftiges Klopfen ertönt an der Hausthüre der Venta del Rey

Moro, einer elenden Herberge auf der Landſtraße die von Guipuzcoa nach Aſturien führt. Endlich zeigt ſich ein Licht, die Stimme eines halbſchlafenden Mädchens fragt, wer Einlaß begehre.

Gentes de paz,(friedliche Leute) ertönt die Antwort...

Das Mädchen öffnet und läßt vor Schrecken faſt das Licht fallen! Sechs bis acht Männer ſtehen vor ihr und drängen ſich in die offne Thür...

Seid Ihr verrückt, ſagt einer von den Eindringenden,uns ſo