Zur Srinnerung an das Jahr 1815. Von Wilhelm Baur. (Mit Abbildung.)
J.
Es war keine Völkerſchlacht, welche zum zweiten Mal Napoleon vom Throne ſtieß. Nicht ſo ungeheure Herresmaſſen wie auf den herbſtlichen Gefilden Leipzigs drängten ſich in den ſommerlich wogenden Getreidefeldern des belgiſchen Landes zuſammen. Diesmal bedurfte es keines:„Das Volk ſteht auf, der Sturm bricht los!“ um gegen den Feind zu rüſten, das Heer war noch nicht ganz zurückgekehrt und die Kaiſer und Könige waren entrüſtet genug, um alsbald den Befehl zum neuen Marſch gegen den Störer des Friedens zu geben. Nicht mehr ins deutſche Land durfte er herein, an den Grenzen ſchon ſchlug ihn die deutſche Hand darnieder. Kaum hatte der Krieg begonnen, ſo war er ſiegreich beendet. Aber vergeſſen darf nicht werden, daß auch dieſer Krieg, wie leidenſchaftlich die Könige ihn rüſteten, doch zugleich des Volkes ganze Zuſtimmung, den ganzen Nachdruck der noch nicht wieder gedämpften vaterländiſchen Begeiſterung hatte, vergeſſen darf nicht werden, daß deutſches Blut es vor allem war, welches den Sieg entſchied. Und wenn in den Junitagen 1865 nicht große Volksfeſte gefeiert werden, ſo ſollten die deutſchen Hausväter um ſo treuer in ihren Familien das Gedächtniß des Sieges von 1815 erneuern. Einer ſolchen häuslichen Feier ſoll Bild und Wort, das wir bieten, dienen.
Max von Schenkendorf hatte 1814 im„Frühlingsgruß an das Vaterland“ über dem Jubeln die ernſte Mahnung nicht vergeſſen:
Aber einmal müßt Ihr ringen,
Noch in ernſter Geiſterſchlacht,
Und den letzten Feind bezwingen,
Der im Innern drohend wacht.
Haß und Argwohn müßt ihr dämpfen, Geiz und Neid und böſe Luſt,
Dann nach langen, ſchweren Kämpfen Kannſt Du ruhen, deutſche Bruſt.
Niemals vielleicht iſt ein treugemeintes Wort ſchlechter befolgt worden als Schenkendorfs Mahnung von den Herrſchern und Staatsmännern, die ſich im Herbſt 1814 auf dem Wiener Congreß verſammelten.„Haß, Argwohn, Geiz, Neid und böſe Luſt,“ das waren die Mächte, die dort gegen einander arbeiteten. Auf die blutigen Schlachten folgten glänzende Feſte, man entfaltete eine un⸗ erhörte Pracht und Ueppigkeit des Lebens, man ritt und fuhr und aß und trank und tanzte und ſpielte, man zettelte Liebes⸗ und andre Händel an, und im Wechſel zwiſchen der heiterſten Glut ſinnlicher Leidenſchaften und der größten ſittlichen Erſchlaffung wob man an dem neuen Kleide Europas und Deutſchlands. Jeder wollte gewinnen, niemand verlieren; die, welche die letzten auf dem Schlachtfelde geweſen, drängten ſich bei der Vertheilung der Beute in die vorderſte Reihe, und die, welche den Krieg mit dem ſchönſten Auf⸗ ſchwung reiner Begeiſterung geführt hatten, fühlten ſich am ſchwächſten in den Künſten der Diplomatie.„Es iſt jetzt die Zeit der Klein⸗ heiten, der mittelmäßigen Menſchen,“ ſchrieb der Freiherr von Stein damals an ſeine Frau.„Alles das kommt wieder hervor und nimmt ſeine alte Stelle wieder ein, und diejenigen, welche alles aufs Spiel geſetzt haben, werden vergeſſen und vernachläſſigt. Die ehr⸗ lichen Leute ſind genug belohnt durch das Gefühl, ihre Pflicht erfüllt zu haben, und durch den innern Frieden, den ſie genießen, der jenen elenden Haufen nicht zu Theil wird.“ Der Haß und Argwohn, der Neid und Geiz, vor welchen der Dichter gewarnt hatte, führte am 3. Januar 1815 ſo weit, daß Oeſterreich und England im Bunde mit dem eben durch Preußen und Rußland befreiten Frankreich gegen Preußen und Rußland ein heimliches Bündniß ſchloſſen. Schon begann man zu rüſten und Mittelſtaaten wie Baiern und Darmſtadt, die um die elfte Stunde dem Bunde gegen Napoleon beigetreten waren, überſchauten bereits die kriegeriſchen Kräfte, die ſie gegen Rußland und namentlich gegen Preußen zur Verfügung ſtellen könnten. Da kam Napoleon wieder, und die von der Liebe ſich nicht wollten zuſammenhalten laſſen, die trieb der Zorn gegen den gemein⸗ ſamen Feind noch einmal zuſammen.
Es war in der Nacht vom 6. auf den 7. März 1815; im
Cabinette des Fürſten Metternich hatte eine Conferenz der Bevoll⸗ mächtigten der großen Mächte ſtattgefunden und bis 3 Uhr Morgens gewährt. Der Fürſt hatte ſeinem Kammerdiener befohlen, wenn Kouriere ſpät Nachts ankämen, ihn nicht im Schlafe zu ſtören. Dennoch brachte der Diener an dieſem Morgen um 6 Uhr eine mittelſt Eſtafette angekommene,„dringend“ bezeichnete Depeſche. Der Fürſt las auf dem Couvert„vom K. K. Generalkonſulate in Genua,“ hielt die Sache nicht für beſonders wichtig, legte, ſehr müde, die Depeſche auf den Nachttiſch und ſuchte den Schlaf. Aber einmal geſtört konnte er nicht wieder einſchlafen, gegen 7 ½ Uhr entſchloß er ſich die Depeſche zu erbrechen, ſie enthielt die Anzeige: der engliſche Kommiſſar ſei im Hafen von Genua erſchienen, um ſich zu erkundigen, ob ſich Napoleon in Genua nicht habe erblicken laſſen, denn von
Elba ſei er verſchwunden. Der Fürſt war raſch angekleidet und vor
acht Uhr ſchon bei dem Kaiſer Franz, dieſer las die Depeſche und ſprach:„Napoleon ſcheint den Abenteurer ſpielen zu wollen, das iſt ſeine Sache; die unſere iſt, die Ruhe, welche er Jahre lang ſtörte, der Welt zu ſichern. Gehen Sie ohne Verzug zu dem Kaiſer von Ruß⸗ land und dem König von Preußen und ſagen Sie ihnen, daß ich bereit bin, meiner Armee alsbald den Rückmarſch nach Frankreich zu befehlen. Ich zweifle nicht, daß die beiden Monarchen mit mir ein— verſtanden ſein werden.“ Eine halbe Stunde ſpäter hatte Metternich zuſtimmende Erklärungen von Alexander und Friedrich Wilhelm. Um 9 Uhr traf er mit Fürſt Schwarzenberg zuſammen, um 10 Uhr mit den Miniſtern der Großmächte und ſchon flogen die Adjutanten nach allen Seiten, um den aus Frankreich zurückkehrenden Heeresab⸗ theilungen Halt zu gebieten. In weniger als einer Stunde war der Krieg beſchloſſen. So erzählt Fürſt Metternich die Sache in einem Briefe an Varnhagen von Enſe, aber die Kriegserklärung ließ länger auf ſich warten.„Wiſſen Sie, wohin Napoleon geht?“ fragte Talleyrand an jenem Morgen den Fürſten Metternich.„Der Be⸗ richt ſagt nichts davon,“ antwortete der Fürſt.„Er wird auf einer Küſte Italiens landen und ſich in die Schweiz werfen,“ meinte Talleyrand, aber Metternich behauptete:„Er wird grad’ auf Paris losgehn!“ Und er hatte Recht. Aber man brauchte in Wien doch noch einige Tage, um aus dem Freudenrauſche ſich für ernſte Ereigniſſe zu ſammeln. Man beruhigte ſich, indem man in Napoleon nur einen Abenteurer zu ſehen ſich Mühe gab. Die vornehme Welt war am 11. März beim Fürſten Metternich auf dem Ball. Die Ge⸗ ſpräche über die muthmaßlichen Bewegungen und Ziele Napoleons konnten Tanz und Spiel nicht ſtören. Da fiel wie ein Blitz die Nachricht in die Geſellſchaft: Napoleon iſt ohne Widerſtand in die Feſtung Grenoble eingezogen und die Beſatzung, eine ganze Diviſion, iſt mit Enthuſiasmus zu ihm übergegangen. Nun ward die Sache Ernſt. Am folgenden Tag ward eine Erklärung der acht Haupt⸗ mächte berathen, die unter dem Datum des 13. März in die Welt ausging. Es heißt darin: Napoleon Buonoparte habe ſich durch ſeine Entweichung aus Elba von den bürgerlichen und geſellſchaftlichen Verhältniſſen ausgeſchloſſen und als Feind und Störer der Ruhe der Welt den öffentlichen Strafgerichten Preis gegeben. Die Acht war über ihn ausgeſprochen und ſie ſollte mit vereinter Macht der Herrſcher Europas vollzogen werden.
Das deutſche Volk fühlte ſich wohl in der Ausſicht, gründlicher mit Frankreich abrechnen zu können. Die Frommen ſahen in der Wiedererſcheinung Napoleons eine Heimſuchung Gottes, die eine gnädige werden konnte, wenn Deutſchland ſich in reinem Sinne zum Kampf aufraffte. Max von Schenkendorf ſang:
Ach, alles mag vergeſſen, Herr Gott, der allen Sündern Vergeben alles ſein, In Gnaden gern vergibt
Nach rechtem Maß gemeſſen— Und an gefallnen Kindern
Wer hieße fromm und rein? In Strafen Wohlthat übt— Und eben weil kein Reiner Wir alle ſinken nieder
In unſern Reihen ſteht, Und beten dankend an,
So ſei fortan auch keiner Sind eines Reiches Glieder Geläſtert und geſchmäht. Und kämpfen Mann für Mann.
Der alte Feldmarſchall Blücher hatte während des Wiener Congreſſes, dem er nicht beiwohnte, in Berlin ohne Unterlaß mit
größtem Frankrei ricc durd ihm nur ſagen, un erſchol, 1. ſind die Napoleon ſchlichen unter der zu. Bal Nedderrh als Chef ſich Well aber der und Wer Wien g reichſche Nederle folgen i Sieg be B großen) heraushe ob die 2 Heldenn, ſammen ein and hätte genoſſe eingehe bei W den S Anfar waren Schla die bo ihres vernit Stell zur H Alter Blüch Jüng Meiſ ſchlag Pom dem Sold haben erſcht Aber ſowei daß 6 ſeine er ſie ganze mit ſ Kam geber Man


