Jahrgang 
1865
Seite
555
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u Kutſcer und 1 würden. Er ind erzählte mi⸗ zahlie mir, in aller Armen ĩd in dieſen Ge Wetter möchten Geſundheit ſeit ole ſie ein ſeh n der Che aber eunes Tode habe Soviel er w·ſſe denn niemand um irgend eine cyehe, der müſe oder ihr ſelber ort ſeine Pacht⸗ das er oder ſeine is noch ein Gut, diet ſei, und die zuuldenfreien Be⸗ e ſie den Vater et geweſen, ver⸗ ecch unſchickliches mich nur nach lungen bewieſen, n Landwirthe zu hatte und wieder noch einige Mal eiterung meiner hernach manches

nach einiger Zeit ſald, in welchem nach dem Hauſe 7, ſo machte ich ꝛdern und ging 8 verſtotbenen

des Erblindeten, ich viel koſtbarer ſer Eindruck um nd, wie die be⸗ anen Augenblif en Zinmern de geweſen zu ſein etrat, lagen noch nnerhandſchuhe,

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weibliche Bewohnerin deuteten und alles ſehr geordnet war. In das kleine Bibliothekzimmer warf ich nur einen flüchtigen Blick.

Durch den Gartenſaal aber, deſſen Glasthür offenſtand, trat ich abermals in eine ganz unbeſchreibliche Wildniß, noch bunter und verworrener, als im Hofe, auch höher und älter, denn hier hatte es wohl vor vierzig Jahren ſchon nicht an ausgewachſenen, zum Theil mächtigen Bäumen gefehlt. Der Garten war ſehr groß und mochte einmal mit vielem Geſchmack angelegt geweſen ſein, aber hiervon ſah man nichts mehr. Auf dem fruchtbaren Boden war alles wild und wüſt durcheinander aufgeſchoſſen. Doch zogen ſich noch immer einige ſchwach betretene Pfade hindurch, und an anderen Stellen erkannte man, daß dort einſt Wege geweſen ſeien. Alles lebte und webte von Vögeln, die hier ungeſtört niſten mochten und die ganze Luft mit ihrem Gezirp und Gekrächze erfüllten. Ich ſuchte mich auf alten zu⸗ gewachſenen Wegen hindurchzuarbeiten, und es war mir, als ob ich in fremden unbekannten Ländern auf Entdeckungsreiſen wäre. Auch fehlte es nicht an Entdeckungen. An Stellen, die einſt Ruheplätze geweſen waren, fanden ſich mitten zwiſchen Dornen und anderm Ge⸗ büſch verwitterte und zermorſchte hölzerne Tiſche, Bänke und Stühle. Hier und dort traf ich auf ſteinerne Bildſäulen, mit Flechten und Moos überzogen. Weiterhin auf einem erhöhten Platze hatte ein Tempel mit ſechs Säulen geſtanden. Fünf der Säulen ſtanden noch, die ſechſte war umgeſtürzt und das gewölbte Dach lag in Stücke zerbrochen daneben, alles mit Dornen, Neſſeln und anderm Unkraut überwachſen. Ich bemerkte von dortaus in einiger Entfernung ein Zinkdach, und arbeitete mich dahin durch. Es war dort ein altes Gartenhaus, deſſen Thür ſich öffnen ließ. Es enthielt zwei Ge⸗ mächer, in deren einem ein Bett ſtand, und die zum Bewohnen offenbar mit allen Bequemlichkeiten ausgeſtattet waren. Auch hier ſtanden und lagen die Dinge noch wie in den Zimmern des Barons, aber die eingedrungene Feuchtigkeit hatte die ärgſten Verwüſtungen angerichtet und alles war theils zerfault, theils von naſſem Moder überzogen. Da ich beim Hinausgehn bemerkte, daß einer der be⸗ tretenen Pfade hierher führe, ſo zog ich es vor, dieſem zu folgen, an⸗ ſtatt mich wieder durch Gezweig, Ranken und Unkraut zu winden, und ſo gelangte ich an einen etwas offneren Platz, in deſſen Mitte ein Grabhügel war. Ein Kreuz von weißem Marmor ſtand dahinter und auf ihm fanden ſich die Worte: Karl, Baron von W. Hier alſo war der Mann begraben, mit deſſen Leben und Ende ich ahn⸗ dungsvoll den Zuſtand der Dinge um mich her glaubte in Verbin⸗ dung bringen zu müſſen. Der Anblick gab mir genug zu vermuthen und zu ſinnen, doch verweilte ich nicht lange und ging bald weiter. Indeß führte mich der eingeſchlagene Pfad nicht wieder an den Gartenſaal zurück, ſondern ich gelangte auf ihm um das Haus herum in den vorderen Hof. Dieß machte mich neugierig, in die Stallungen und Remiſen zu blicken.

kiſten voll Moder, Kutſchergeräthe, alles der Art war noch vorhanden. In die Remiſe gelangte ich durch ein eingeſtürztes Thor. Hier fand ich einen großen Reiſewagen, zwei Kaleſchen, einen Phaeton und einen Jagdwagen, alle verroſtet und verwittert, mit Moder, Staub und Spinneweben überzogen. Kopfſchüttelnd kehrte ich in das Haus zurück.

Hiermit aber glaube ich Haus und Umgebung, worin wir über acht Tage zubrachten, genugſam beſchrieben zu haben. Unſer Leben in dieſer Zeit war ſehr einfach. Den Knaben verbot ich, die andern Zimmer des Hauſes zu betreten, und wenn ſie hinaus ſollten, ſo ſchickten wir ſie nach dem Pachthofe, wo ſie in den Kindern des Pächters ein Paar ganz wohlgezogene Spielkameraden fanden. Die Baronin ſahen wir nur Morgens, dann beim Mittagstiſch und einige Stunden des Abends, und immer in Geſellſchaft ihrer ſtillen Freundin Auguſte, der ſie große Sorgfalt zuzuwenden ſchien. Sie war zu einſilbig und zurückhaltend, als daß ſich in eigentlich freundſchaftliches, geſchweige verwandtſchaftliches Verhältniß hätte bilden können, auch ſchien ſie mehr uns aushören und beobachten zu wollen, als uns den geringſten Antheil an ihrem eignen Schickſale und Thun zu gönnen. Doch ließ ſie ſich einige Mal von meiner Frau auf ihren wolthätigen Aus⸗ gängen begleiten. Ich fand in der Zwiſchenzeit ganz gute Lectüre in der Bibliothek, beſuchte auch zu verſchiedenen Malen den Pächter, bei dem ich manches Neue lernte. Die übrigen Zimmer des Hauſes und den Garten betrat ich nicht wieder. Meine Frau hatte nur die erſteren einmal beſehen und denſelben geſpenſterartigen Eindruck

Zu den erſteren führte eine offene Thür. Natürlich waren keine Pferde darin, aber Geſchirre, Sättel, Hafer⸗

davon erhalten wie ich. Auch ſagte ſie manches Treffende darüber. Im ganzen freuten wir uns, als wir nach einem ziemlich kühlen Abſchiede von unſern Pferden wieder nach der Heimat gezogen wurden, und nach einer glücklichen Heimkehr hatte ich bald wieder alle Hände

voll zu thun. Ich ſchrieb der Baronin dann einige Worte und dankte

ihr für die uns erwieſene Gaſtfreundſchaft. Sie antwortete jedoch nicht, und ſo gerieth das ganze Abenteuer unter den Aufgaben und Mühen der Tage allmählich bei uns in Vergeſſenheit.

Drei Jahre ſpäter erhielt ich folgenden mit ſehr unſicherer Hand geſchriebenen Brief von der Baronin:

Ich bitte Sie, verehrter Herr Vetter, ſo bald es ſein kann, mit Ihrer Frau Gemahlin zu mir zu eilen. Vor einigen Wochen hat Gott der HErr meine Freundin Auguſte abgerufen und damit ſcheint die Aufgabe meines Lebens erfüllt zu ſein, das nun, ich fühle es, ab⸗ rollt, wie eine Uhr, der man genommen, was ihren Lauf hemmte. Erfüllen Sie die Bitte einer längſt Todesreifen, der Gott gnädig ſein wolle. Adelgunde von W.

Obgleich das Schreiben gerade in der Erntezeit kam, wo es an Thorheit grenzte, aus der Wirthſchaft zu gehn, ſo wußte ich den dringenden Zureden meiner Frau doch nicht zu widerſtehen. Wir vertrauten die Knaben unſerm Geiſtlichen und reiſten ohne Zögern ab.

Als wir wieder an dem Mauerpförtchen läuteten, öffnete es die alte Magd unter ſtrömenden Thränen. Dann führte ſie uns ſofort an das Bett der Kranken. Dieſe lag ſtill und bleich, ſtreckte uns die Hände entgegen, konnte aber nicht mehr reden. Einen Arzt hatte ſie nicht zugezogen und als ich darnach fragte, deutete ſie durch Zeichen an, daß ſie dieß auch jetzt nicht wolle. Etwas Waſſer mit Citronenſaft war das Einzige, was ſie zu ſich nahm. Meine Frau verließ ihr Bett nicht mehr, ich blieb wenigſtens in der Nähe und wir mußten ihr abwechſelnd aus der Bibel vorleſen, wozu wir die Pſalmen, das Evangelium Johannes und deſſen Offenbarung wählten. Zwiſchen⸗ durch ſchlummerte ſie. So währte es die Nacht hindurch und den größten Theil des folgenden Tages. Dann verſchied ſie im Schlummer.

Nachdem der Tod angezeigt und die Beſtattung vom Pachthofe aus in ſchicklicher Form geſchehen war, erhielt ich eine Vorladung vom Gerichte zur Eröffnung des ſchon vor etwa drei Jahren hinterlegten Teſtamentes. Die Verſtorbene hatte mich und meine Frau zu ihren alleinigen Erben eingeſetzt. In dem Teſtamente, deſſen Original vor mir liegt, heißt es nach der Erbeinſetzung:

Ich habe meinen Vetter und ſeine Gemahlin in kurzer Zeit hinreichend kennen gelernt, um ihnen zuzutrauen, daß ſie in einem be⸗ ſonnenen und mäßigen Wandel mit Gottesfurcht ihre Kinder erziehen und die Güter verwalten, auch die Armen und Nothleidenden, deren ich mich bisher angenommen, nicht verſäumen werden. Ich bitte ſie, für meine beiden alten Mägde bis an deren Tod Sorge zu tragen. Ich wünſche, daß der Herrenhof, den ich bewohnt habe, gleich nach meinem Ableben neu und anſtändig wieder hergeſtellt und daſelbſt alles beſeitigt werde, was an frühere unglückliche Zeiten nur mich und meine Freundin Auguſte erinnern ſollte. Nähere Aufſchlüſſe hierüber finden ſich in einem Paket Schriften unter der Bezeichnung:Mein Unglück in meinem Schreibpulte. Da ich meine Freundin Auguſte zu überleben hoffe, ſo iſt dann, nach dem Abſcheiden aller Betheiligten, kein Grund mehr zur Geheimhaltung dieſer Schriften.

Dergeſtalt bin ich in Beſitz deſſen gekommen, was hier mitge⸗ theilt werden ſoll. Ehe ich hierzu übergehe, mag noch bemerkt werden, daß ich und meine Frau durch dieſe Erbſchaft höchlichſt überraſcht wurden, aber vornehmlich um unſrer Kinder willen von dem innigſten Danke gegen Gott und gegen die Verſtorbene erfüllt waren, da wir nun aus jahrelangen ſchwierigen Verhältniſſen uns in eine ſehr be⸗ hagliche Lage verſetzt ſahen. Der unerwartet reichliche baare Vorrath des Nachlaſſes geſtattete uns, die Umgeſtaltung des Herrenhofes ſo gleich in vorgeſchriebener Weiſe auszuführen. Das geöffnete große Thor zeigt dem Eintretenden jetzt einen hellen reinlichen Vorhof mit freundlichen Anlagen und an den Seiten die neu und ſolide aufge bauten Stallungen und Remiſen; das Haus iſt außen und innen er⸗ neuert, und wie ich hoffe, ohne übermäßigen Aufwand, doch ſehr anſtändig eingerichtet; der Garten i*ſt wieder ſo zugänglich, heiter und anmuthig, wie er nur je geweſen ſein mag. Der Grabhügel mit dem Kreuze iſt in einer kleinen dichten Tannenpflanzung verſteckt worden..

(Fortſetzung folgt.)

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