dieſen Platz ein eben ſo großes Stück wilden Urwald, nur mit Zu⸗ rücklaſſung der alten und ganz hohen Bäume, verſetzt, und man wird einen annähernden Begriff von der kleinen Wildniß haben, in die wir eintraten. Vielleicht hatten den Raum einſt Anlagen mit Bosquet verziert. Jetzt war überall Gebäum und Gebüſch wüſt durcheinander emporgeſchoſſen, ſo hoch, daß man der Gebäude kaum anſichtig wurde; dazwiſchen rankten wilde Schlingpflanzen, manns⸗ hohe Diſteln und Brennneſſeln und andre Kräuter füllten die Zwi⸗ ſchenräume. Nur ein ſchmaler Fußpfad führte hindurch zu der Treppe des großen Wohnhauſes, und während wir uns hindurch⸗ wanden, bemerkte ich, daß die üppige wilde Vegetation zum Theil auch an und auf den Nebengebäuden ſich angeſiedelt habe, ja ſelbſt in deren Inneres gedrungen zu ſein ſchien. Die Vorderſeite des Hauſes ſah grau und von Regen zerwaſchen aus. Nach dieſem An⸗ blick überraſchte es mich, das Innere des Hauſes durchaus reinlich und geordnet zu finden, und die Zimmer im obern Stocke, in welche uns die Baronin führte, waren ſehr reichlich, ja koſtbar ausgeſtattet. Die Einrichtung, obwohl im Geſchmacke einer vorübergegangenen Zeit, mußte glänzend geweſen ſein, aber alles war wie erblichen und erblindet und ſchien ſeit vierzig Jahren ſeinen Platz nicht gewechſelt zu haben. Selbſt die Fenſterſcheiben waren wie von einem Flor überzogen.
Wir waren um Mittag angekommen und die Baronin führte uns ſogleich zu Tiſch. Er ſtand gedeckt und mit einfachen Gerichten bereits beſetzt in einem der oberen Zimmer, und wir fanden dort eine andre ſchwarzgekleidete Dame, etwa von dem Alter der Baro⸗ nin, welche ſie uns als ihre Freundin Auguſte vorſtellte. Dieſe war höher gewachſen, als die Baronin, und ihr Geſicht, obwohl eben ſo bleich, hatte doch weichere Züge und Reſte ehemaliger großer Schön⸗ heit. War aber die Baronin ſchon wortkarg, ſo erinnre ich mich nicht, von ihrer Freundin jemals mehr als zwei oder drei Worte hintereinander gehört zu haben.
Als wir uns geſetzt hatten und die Baronin die Suppenterrine herbeizog, um uns aufzufüllen, fragte mein älteſter Knabe mich mit halblauter Stimme:„Papa, beten wir denn nicht?“— Ich wollte ihn eben bedeuten, daß man ſich darin bei Fremden nach der Sitte des Hauſes zu richten habe, als die Baronin den Suppenlöffel nieder⸗ legte und den Knaben zu ſich rief. Er kam.
„Betet Ihr zu Haus vor Tiſch?“ fragte ſie ihn.
„Ei, natürlich!“ antwortete er.
„Warum?“ fragte ſie weiter.
„Warum?“ verſetzte er, indem er ſich beſann.„O,“ fuhr er dann fort,„Papa hat ja geſagt, daß uns alles der liebe Gott gibt, und Eſſen und Trinken auch, und daß wir ihm dafür danken müſſen; und der liebe Gott ſieht ja ſelbſt zu, ob wir das auch ordentlich und gern thun.“
Die Baronin ſtrich ihm ſanft mit der Hand über die Stirn, ſchickte ihn wieder an ſeinen Platz, und ſprach dann ſelbſt das Tiſchgebet.
Dieſer kleine Vorfall ſchien ihr Herz gegen uns aufzuſchließen, und ward ſie auch ihrerſeits nicht geſprächiger, ſo mußten wir ihr doch von unſern frühern Schickſalen, unſerer Heirath, unſerm häus⸗ lichen Leben, Thun und Wirthſchaften erzählen. Ich überließ dieß größtentheils meiner Frau, da ich weder gern, noch gut lang ſpreche und die kurzen Zwiſchenfragen der Baronin immer der Art waren, daß ſie ausführliche Erzählungen und Erörterungen verlangten.
Als wir von Tiſch aufgeſtanden waren, ſagte ſie, bis zum Abend habe ſie in der Nachbarſchaft zu thun. Wir möchten indeß ausruhn oder uns im Hauſe und ſeiner Umgebung umſehen, wobei wir Eltern wohl ſorgen würden, daß die Kinder in den Zimmern nichts von ſeiner Stelle entfernten. Ich würde die Bibliothek finden und ſie ſtehe zu meiner Verfügung. Wolle man aus den Mauern hinaus, ſo werde die Magd aufſchließen, auch wieder ein⸗ laſſen, wenn man die Glocke ziehe. Hierauf entfernte ſie ſich und ihre Freundin zog ſich gleichfalls zurück.
Wir gingen in unſre Zimmer, wo das Gepäck inzwiſchen ange⸗ langt war, und da meine Frau mit den Kindern ausruhen wollte, dann aber auszupacken hatte, ſo ſuchte ich die Magd auf und ließ mir das Pförtchen aufſchließen, um zunächſt nach Kutſcher, Pferden und Wagen zu ſehn, die auf dem Pachthofe zurückgeblieben waren.
Ich fand alles wohl untergebracht, und der Pächter ein heiterer
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verſtändiger Mann, ſagte, er habe Anweiſung, den Kutſcher und die Pferde ſo lange zu verſorgen, als wir bleiben würden. Er ſprach von der Baronin mit großer Ehrerbietung und erzählte mir, daß ſie die unermüdliche Verſorgerin und Pflegerin aller Armen, Kranken und Wöchnerinnen der Nachbarſchaft ſei, und in dieſen Ge⸗ ſchäften verrichte ſie alles perſönlich, Jahreszeit und Wetter möchten ſein wie ſie wollten, obgleich ihre Kräfte und ihre Geſundheit ſeit einiger Zeit ſehr nachließen. In ihrer Jugend ſolle ſie ein ſehr ſchönes und fröhliches Mädchen geweſen ſein, in der Ehe aber ſchwere Schickſale erlitten haben, und nach ihres Mannes Tode habe niemand ſie wieder lachen, ja nur lächeln ſehn. Soviel er wiſſe, ſeien wir die erſten, welche ſie bei ſich aufgenommen, denn niemand dürfe den Herrenhof betreten, und wer etwa komme, um irgend eine Hilfe in Anſpruch zu nehmen, was gar häufig geſchehe, der müſſe an dem Pförtchen läuten und dort der alten Magd oder ihr ſelber ſein Begehr vortragen. Er ſelbſt händige ihr dort ſeine Pacht⸗ ſummen ein, und ebenſo werde alles abgeliefert, was er oder ſeine Frau für ſie beſorgen müßten. Sie beſitze übrigens noch ein Gut, einige Stunden von dort, welches ebenfalls verpachtet ſei, und die beiden ſehr beträchtlichen und nun ſchon lange ſchuldenfreien Be⸗ ſitzungen habe ſie von ihren Eltern ererbt, von denen ſie den Vater ſchon früh, die Mutter aber erſt als ſie verheirathet geweſen, ver⸗ loren.— Dieß alles erzählte er, ohne daß ich es durch unſchickliches Ausfragen hervorholte. Meinerſeits erkundigte ich mich nur nach ſeinem Wirthſchaftsbetrieb, und da mir ſeine Mittheilungen bewieſen, daß ich es mit einem ſehr einſichtigen und erfahrenen Landwirthe zu thun habe, ſo faßte ich, als ich mich verabſchiedet hatte und wieder nach dem Herrenhofe zurückging, den Entſchluß, ihn noch einige Mal aufzuſuchen und eine ſo gute Gelegenheit zur Erweiterung meiner Kenntniſſe nicht ungenutzt zu laſſen. Auch habe ich hernach manches Gute bei ihm gehört und geſehen.
Am Pförtchen angelangt, läutete ich, ward nach einiger Zeit eingelaſſen und kehrte durch den wirren grünen Urwald, in welchem die Luft ſogar feuchter und kühler war als draußen, nach dem Hauſe zurück. Da meine Frau und die Kinder noch ſchliefen, ſo machte ich von der Erlaubniß Gebrauch, das Haus zu durchwandern und ging in das untre Geſchoß, wo vordem die Wohnung des verſtorbenen Barons und ſeiner Gemahlin geweſen war.
Auch hier machten alle Gemächer den Eindruck des Erblindeten, Verblichenen, Ueberflorten, und da die Einrichtung noch viel koſtbarer und ich möchte ſagen füllereicher war, ſo wurde dieſer Eindruck um ſo wunderſamer, als alles noch ganz ſo lag und ſtand, wie die Be⸗ wohner es vor vierzig Jahren gleichſam nur auf einen Augenblick verlaſſen hatten. Dieß zeigte ſich am meiſten in den Zimmern des Barons, der kein ſonderlicher Freund der Ordnung geweſen zu ſein ſchien. In dem Ankleidezimmer, das ich zufällig zuerſt betrat, lagen noch Kleidungsſtücke herum, wie ſo eben gebraucht, Männerhandſchuhe, die noch den Eindruck der Finger hatten, Stiefel, Pantoffeln und un⸗ zählige Toilettengeräthſchaften; Hüte, Mützen, Reitgerten; auf einem Stuhle ein noch ungebrauchtes Pferdegeſtell. In dem Wohnzimmer daneben fand ich den Schreibtiſch mit Papier, Dintenzeug, Federn, Federmeſſern, geſpitzten Bleiſtiften, dabei ein Paar goldene Uhren mit ſchweren Ketten, koſtbare Ringe, ein Pulverhorn mit Ladezeug, eine Jagdbüchſe quer darübergelegt, zerriſſene Briefcouverte umher. Auf einem andern Tiſche ſah ich eine Marmorvaſe voll Taback, werthvolle Meerſchaumpfeifen, theils ausgeraucht, theils noch geſtopft, Fidibuſſe, zum Theil gebraucht, zwei ſilberne Leuchter mit halbherabgebrannten Wachslichtern. Auf dem Sopha lagen einige gebrauchte Taſchen⸗ tücher und Zeitungsblätter, dabei ein Hundehalsband. Von ein Paar Schränken enthielt der eine etliche Bücher und ein Paar phyſi⸗ kaliſche Inſtrumente, der andre Büchſen und Jagdflinten, wie man durch die Glasthüren ſah. An der einen Wand waren Waffenſtücke trophäenartig aufgehängt, an den andern hingen lascive Bilder, über den Thüren waren große Hirſchgeweihe befeſtigt. In der Ecke ſtand ein ſogenannter ſtummer Diener mit Champagner⸗ und Liqueur⸗ flaſchen, von denen einige noch voll und unentſiegelt waren, Gläſer und ſilberne Trinkbecher ſtanden daneben, an dem Pfropfenzieher ſaß noch ein ausgezogener Stöpſel. Mir wurde zwiſchen dieſen zu⸗ dringlichen Zeichen eines längſt abgebrochenen Lebens trüb und ſchwermüthig, ja geſpenſterhaft zu Sinne, und ich durchſchritt die übrigen Zimmer raſcher, obgleich es hier freundlicher ausſah, wo Schmuckſachen, angefangene Stickereien und dergleichen auf eine
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