wieder etwas Beglückendes begegnen. Denn darin wenigſtens ſcheint dieſer Spuk ſich von anderem zu unterſcheiden, daß er nicht trübſelige, ſondern willkommene Ereigniſſe anzeigt. Uebrigens finde ich in dem Vorfall nichts Wunderhaftes. Hätte das Schlagwerk der Uhr nicht ſchon längſt auf dem Punkte geſtanden, neun zu ſchlagen, ſo würde es das bei jener Gelegenheit auch nicht gethan haben. Es fehlte eben nur noch ein geringer Ruck, den die Uhr damals erhielt, die neun Stunden und neun Monate ſind reine Zufälligkeiten.“
„Verzeihen Sie, lieber Freund,“ ſagte der Hauptmann,— „ſollte es nicht auch einen ſuperſtitiöſen Glauben an die uns bekannten Urſachen, desgleichen an den Zufall geben? Nehmen Sie einmal im Ernſte an, es habe dabei kein Zufall gewaltet, ſondern eine ver⸗ nünftige Urſache, welche durch natürliche Mittelurſachen gewirkt haben, wie dann?“
„Und welchen Zweck ſollte ſie dabei gehabt haben?“
„Keinen andern, als ſich ſelbſt zu erweiſen, auf ſich aufmerkſam zu machen.“
„Das kann ich nicht annehmen. Ich müßte dann überhaupt an Uebernatürliches, an einen Zuſammenhang deſſelben mit dem Natürlichen glauben, und wohin könnte mich das führen?“
„Nicht zum Schlimmſten,“ erwiederte der Hauptmann.„Und eben darum halte ich es für ein Glück, daß dann und wann auch in unſrer hellen Zeit ſich noch Dinge ereignen, die über das uns Be⸗ kannte, vielleicht über das uns Begreifliche hinausweiſen. Die heutigen Menſchen ſcheinen nichts mehr zu ſcheuen, als den Affect der Philoſophen: das Erſtaunen. Indeß können wir uns freuen, daß wir nicht auf Erſcheinungen, wie die von uns beſprochenen, ſondern auf etwas Beſſeres angewieſen ſind, wo auch das Unbe⸗ greifliche kein Unbekanntes, kein Unerkennbares iſt.“
Am Familientiſche.
Amalie Sievekings und Wicherns Thätigkeit im Hamburger Gängeviertel.
Von einem Freunde, der viele Jahre in Hamburg gelebt hat, em⸗ pfangen wir, auf unſere Frage nach derſelben, folgende Mittheilung:
Allerdings hat Amalie Sieveking in den Gängen und Höfen Ham⸗ burgs perſönlich gewirkt, und zwar mit großer Ausdauer,— ſie eben ſo⸗ wohl, wie die Frauen, die als Mitglieder an ihrem umfangreichen Armen⸗ vereine mit betheiligt waren. Wie wäre es auch anders möglich geweſen, da in dieſen Gängen und Höfen die Armuth vorzugsweiſe ihre Lagerſtätte hat, und da der erſte Grundſatz Amalie Sievekings und ihres Vereins war: die Armen ſelber zu beſuchen. Man wollte denſelben eben Freundesrath und Freundeshilfe bieten, aber zugleich eine ſittliche Dis⸗ ciplin in ihren Hausſtänden und Familien pflanzen und pflegen,— und beides wäre unmöglich geweſen ohne eignes Gehen, Sehen, Suchen und Unterſuchen. Wie oft ſah man Amalie Sieveking in ihrem einfachen Gewande,— auch in ihrem ſpäten Alter noch trotz aller körperlichen Schwäche— mit ihrem großen Beutelkorbe am Arme, der Arbeitsmaterial oder Erquickungen für die Armen enthielt,— und dann gingen ihre Wege, wie oft! nirgend anders hin, als in die Gänge und Höfe. An einem finſtern Novemberabend, wo es draußen ſtürmte und regnete, daß man keinen Hund vor die Thüre hätte jagen mögen, begegnete ich ihr, etwa zwei Jahre vor ihrem Tode, mit ihrem Korbe belaſtet, auf dem Wege zu einer Kranken, die in einer jener Spelunken lag, und zu der ſie im Finſtern noch zwei ſteile Treppen hinaufzuſteigen hatte. Das Gehen und Steigen wurde ihr damals ſchon ſehr ſchwer. Der Wunſch, die Beſſeren unter den Armen, ſoweit es möglich wäre, der tödtlichen Wohnungsnoth zu ent⸗ reißen und gleichzeitig ſittigend auf dieſelben einzuwirken, trieb ſie zur Be⸗ gründung des in der Hamburger Vorſtadt St. Georg belegenen Amalien⸗ ſtiftes, in dem arme wohlgeartete Familien gegen billige Miethe ge⸗ ſunde und gute Wohnungen und in deſſen Geſammthausſtande ſie zugleich die Hebel einer ſittlichen und chriſtlichen Gemeinſchaft finden ſollten. Das Elend der Kinderwelt, die in der dumpfen Luft jener Höfe und Gänge durch Krankheiten aller Art heimgeſucht wird, trieb ſie zur Begründung des Kinder⸗ hospitals, das in unmittelbarer Nähe des Amalienſtiftes ſeit Jahren eine Stätte des Segens geworden iſt. Ehe es zur Begründung dieſes Hospitals kam, ſchaffte ihr Armenverein Kinderwagen an, in denen die elenden, ſkrophulöſen Kinder von Armen ins Freie gefahren wurden, und arme Leute, denen anderweitige Arbeit nicht wohl geboten, denen dieſer Dienſt aber anvertraut werden konnte, verdienten ſich bei dem Verein ihren Tage⸗ lohn, indem ſie die Kinderwagen nach den Wällen und freien Plätzen der Stadt fuhren..
Ferner bemerke ich, daß Dr. Wichern, der Gründer des Rauhen Hauſes, kaum von der Univerſität nach ſeiner Vaterſtadt Hamburg zurückgekehrt, mit einem kleinen Kreiſe chriſtlicher Männer in eben jenen Gängen und Höfen der Krankenpflege ſich annahm, und daß das ſittliche Elend der Kinder, die er dort in Schmutz und Sünden verkommen ſah, den Gedanken der Begründung einer Stätte in ihm reifte, die ſolchen Kindern Luft, Licht, Arbeit, Geſundheit und die Liebe der chriſtlichen Familie wiedergeben möchte. So entſtand das Rauhe Haus mit ſeinen Anſtalten, die weit über Hamburg hinaus, für die evangeliſche Kirche eine ſo tiefgreifende und aufbauende Bedeutung gewonnen haben. Die Brüderanſtalt des Rauhen Hauſes hat ſeit langen Jahren, wie nach ſo vielen Stellen der Noth und Bedrängniß, ſo auch in die Armenwelt Hamburgs ihre helfen⸗ den und dienenden Kräfte entſendet. Seit der Begründung des Vereins für innere Miſſion in Hamburg(1849) wirken Brüder des Rauhen Hauſes, gegenwärtig ſechs, als Stadtmiſſionare in den verſchiedenen Kirchſpielen Ham⸗ burgs, und ein guter Theil ihrer ausgedehnten und in das Volksleben eindringenden Thätigkeit reicht in jene Gänge und Höfe, in denen die Ar⸗ muth und die Sünde, wie hinter ſteinernen Barrikaden verſchanzt ſitzt. Nur die chriſtliche Liebe erobert dieſe Barrikaden.——
Briefkaſten.
A. B. C. Freilich wird jene Schilderung noch kommen. Es ging nur bis jetzt nicht, weil uns der Künſtler im Stich gelaſſen hatte. Ueber R. werden Sie in den nächſten Quartalen etwas Angemeſſenes in Bild und Wort finden. Der Mann iſt ſchon ſo oft behandelt, daß wir gern etwas nicht Gewöhnliches bringen möchten und— gut Ding will Weile haben.
Herrn Dir. B. in S.— Freundlichen Dank. Sie ſprechen zugleich gegen ein Paar novelliſtiſche Beiträge Ihre Bedenken aus, die wir, wenigſtens in einigen Punkten, anerkennen. Der novelliſtiſche Theil unſers Blattes macht uns die meiſte Schwierigkeit, weil— gute Novellen über⸗ haupt dermalen äußerſt rar in deutſchen Landen ſind. Vergleichen Sie gütigſt andere ähnliche Blätter und Sie werden in allen mindeſtens denſelben Mangel ſinden. Nicht daß es an feiner pſychologiſcher Moti⸗ virung, an kunſtgerechter Geſtaltung, an correkter Form fehlte, aber der Pulsſchlag des Lebens, die Friſche der Anſchauung, die charaktervolle Kraft tieferer Erfahrung, echter Gehalt und Gediegenheit— das iſt eben ſelten. Uebri⸗ gens meinen wir doch auch hierin Arbeiten dargeboten zu haben, die zzu den muſtergültigen gehören und die wohl die Leiſtungen der übrigen Tages⸗ literatur weit übertreffen dürften. Dergleichen immer zu bringen, iſt un⸗ möglich, und dies zu verlangen, wäre unbillig.— Sehr begierig ſind wir zu erfahren, wie Ihnen unſere nächſte in Nr. 38 beginnende Novelle ge⸗ fallen wird. Unſrer Meinung nach erfüllt ſie die höchſten Anforderungen, die man an eine Novelle ſtellen kann: ſie hat tiefen, ethiſchen Gehalt und iſt ergreifend ſpannend.
Herrn v. C. in Belgrad.— Ihren Wunſch, eine kurze Inhaltsüberſicht am Kopfe jeder Nummer zu ſehen, werden wir im Auge behalten und erfüllen, wenn ſich noch mehrere Stimmen in demſelben Sinne äußern. Eine politiſche Beilage liegt dagegen ganz außerhalb der Aufgabe unſeres Blattes.
J. K. in Barmen.—„Daheimchen“ wird Ihr Austräger des Da⸗ heim genannt?„Wie das Volk ſpricht!“ Der Witz iſt entſchieden der beſte, den man auf das Daheim gemacht hat, er hat uns die Blüthe eines herz⸗ lichen Gelächters auf den dornigen Redaktionspfad geſtreut. Und dieſer erqnickliche Tropfen Humors kommt erſt auf weiten Umwegen zu uns?
Für das deutſche Rettungsweſen zur See
gingen bis heute den 29. Mai ferner ein:
Hedwig von Gröditzberg zu Gr. Thlr. 2. Dhdt. in Elberfeld Thlr. 3. Stadtpf. Sachſe in Hechingen Thlr. 1. C. Karſten in Roſtock Thlr. 2. Profeſſor Homeyer in Berlin Thlr. 5. E. Rocholl zu Groß⸗Ottersleben Thlr. 5. X. aus B. Thlr. 1. 3 Abonnenten in Neuwied Thlr. 3. Aus Aachen Thlr. 5. Von einem Stuttgarter Gymnaſiaſten Thlr. 1. Von dem Geſangverein in Rappenau als Ertrag eines durch Geſang erheiterten Abends Thlr. 3. 5 Gr. Einige Leſer in Herrnhut mit den beſten Wünſchen für die gute Sache Thlr. 5. Pf. Wiegmann in Volmarſtein a/Ruhr Thlr. 2. Jac. Eckenbach in Bittfeld b Siegen Thlr. 1. Ed. Hamblock zu Burgholdinghauſer⸗Hütte b/ Siegen Thlr. 1. Bonnet zu Straßburg i/ Uckermark Thlr. 2. v. Loeſch zu Neumark i Schl. Thlr. 5. C. W. Neviandt in Mettmann Thlr. 15. Aus Mettmann Thlr. 8. Aus Loitſche im Magdeburgiſchen durch Pf. W. Thiemann Thlr. 9. darunter ein Jahresbeitrag von Thlr. 1. Abonnent in Welzin Thlr. 1. Ober⸗Grenz⸗Controlleur Mug in Swienemünde Thlr. 1. von Stülpnagel in Potsdam Thlr. 5. 2 Leſerinnen in M.⸗Gladbach(abzügl. des Portos) 27 Gr. Betrag unſrer vorigen Quittung: Thlr. 1355. 14 Gr. Summa: Thlr. 1442. 16 Gr..
Geſchenkgeber in Preußen werden zur Vermittelung von Beiträgen auf das bequeme Mittel der Poſtanweiſung mit der Adreſſe: an den Verein für
das Rettungsweſen zur See zu Händen von Velhagen K Klaſing in Bielefeld ergebenſt auf merkſam gemacht.
Briefe und Sendungen ſind zu richten an die Redaction des Daheim in Leinzig, Poſtſtr. Nr. 2
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Unter Verantwortlichkeit von A. Klafing in Bielefeld, herausgegeben von Dr. Robert Koenig in Leipzig. Berlag der Daheim⸗Expedition von Velhagen* Klafing in Bielefeld und Berlin.— Druck von Fiſcher 2 Wittig in Leipzig.
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