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Im Jahre 1800
hier ſein Haupt⸗ drunn den Kaiſer welche dieſer be⸗ ne letzten Lebens⸗ „und ebendahin Wien im Auguſt n die Freude der
ſcheinung, groß, ritterlich“ findet eiſter iſt in allen nd Raab Proben echt fürſtlicher t der Bewegung mlich ernſte, oft er gewinnendſten ankenden, welche indet ihn jeder d, gleich unter⸗ es Sprachtalent, er in dem Grade nern ſeines vit⸗ kann. Auch die hat, legt ſich ſäit all es namentlich t haben. Die vüchterne junge ichtern der Hof⸗ ad die gern dem zwölflährigen en, wie ſie das jeſtätiſche Dame ohne an Liebreiz er ſehr ähnlich; „Jahre hinaus⸗ eer freundliher Mutter gertt regiments, aber Reichenau ſiel
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abzuthun ſind. Doch das mag auf ſich beruhen! Ich ſprach von etwas anderem! von jenen ſchwer erklärlichen Vorfällen nämlich, wo lebloſe Gegenſtände an den Schickſalen der Menſchen, zu denen ſie in Beziehung ſtehen, theilzunehmen ſcheinen, oft ſogar in der Ferne, und nicht bloß an den augenblicklichen Schickſalen, ſondern auch wohl an den bevorſtehenden, ſo daß an ihnen gleichſam etwas Weiſſage⸗ riſches zum Vorſchein kommt.“
„Nun ja,“ ſagte der Kammerherr,„Sie meinen die ſogenannten Anzeichen, Vorzeichen oder Vorgeſchichten und was dahin gehört. Es ſcheint, als hätten die Menſchen das Bedürfniß, ſich, wenn ihnen gar nichts Außerordentliches begegnet, durch dergleichen Erfindungen die unerträgliche Alltäglichkeit des Daſeins aufzuſtutzen.“
„Kennen Sie die Geſchichte von Goethes Hausuhr?“ fragte der Hauptmann.
„Nein,“ erwiederte jener.„Indeß dünkt mich, bei Goethe ſei alles ſo klar, verſtändig und natürlich zugegangen, daß auch ſeine Hausuhr davon wohl keine Ausnahme gemacht habe. Aber erzäh⸗ len Sie.“
Der Hauptmann ſagte:„In Goethes Elternhauſe zu Frankfurt hatte eine Wanduhr geſtanden, nach deren Verbleiben ſich der alte Herr verſchiedentlich mit Antheil erkundigt hatte. Verehrer und Freunde merkten ſich dieß, forſchten der Uhr nach, fanden ſie auf und ſorgten dafür, daß ſie auf einen Feſttag des bejahrten Dichters heimlich in ſeinem Hauſe zu Weimar aufgeſtellt ward, ſo daß ſie ihn beim Erwachen mit ihrem Glockenſchlage begrüßte. Wer je erlebt hat, wie ſolch ein altvertrauter Klang aus früheſter Kindheit und Jugend oft in ſpäteren Jahren das Herz trifft, der begreift, wie die⸗ ſer Schall den greiſen Goethe bewegte, wie er ſich des Wiederbeſitzes der Uhr dankbar erfreute, mit welcher Vorliebe er ſeitdem ſie hegte. Dieſe Uhr iſt in demſelben Augenblicke, da Goethe ſtarb, ſtehen geblie⸗ ben. Ohne abgelaufen zu ſein, wie ich ſelbſt geſehen habe, zeigt ſie noch jetzt die Stunde und Minute ſeines Todes.“
„Nun,“ ſagte der Kammerherr,„in dem Augenblick hat jemand das Pendel angehalten, und hernach iſt das vertuſcht worden, um doch auch etwas Wunderbares von dem Tode des berühmten Mannes erzählen zu können.“
„Das Räthſelhafte durch das Unglaubliche zu erklären, iſt keine gute Logik, ſagte der Hauptmann.“ Wer im ganzen Hauſe würde bei einem ſolchen Tode an die Uhr gedacht haben? Uebrigens kommt Aehnliches auch ſonſt vor, wie ich denn ſchon öfter von Taſchenuhren gehört habe, die beim Tode ihres Beſitzers ſtehen geblieben ſind.“
„Was iſt da zu verwundern?“ verſetzte der Kammerherr.„Täglich ſterben hundert Menſchen, welche Taſchenuhren tragen, und da dieſe gar oft ſtillſtehen, entweder weil ſie abgelaufen ſind oder weil ſie nichts taugen, ſo wäre es vielmehr zum Verwundern, wenn ihr Stilleſtehn nicht auch zuweilen mit dem Tode des Beſitzers zuſam⸗ menträfe.“
„Sie, lieber Freund,“ ſagte der Hauptmann,„ſcheinen das Be⸗ dürfniß zu haben, jedes Außergewöhnliche in die ordinäre Alltäglich⸗ keit aufzulöſen.“
„Durchaus nicht!“ entgegnete der andre.„Es ſoll ſich nur nicht für übernatürlich geben. Wie ſollte eine Uhr, ein fühlloſer Natur⸗ gegenſtand,— was ſage ich? ein todtes Kunſtprodukt, mit Leben und Tod ſeines Beſitzers zuſammenhängen?“
„Und warum nicht?“ fragte der Hauptmann.„Sollten wir die Dinge, die uns zunächſt umgeben, die wir mit Neigung betrachten, mit Vorliebe berühren, ſollten wir ſie nicht unwillkürlich in unſern Lebenskreis und deſſen Bedingungen hereinziehen, ſo daß ſie gleich⸗ ſam Beſtandtheile deſſelben werden und ſeine Schickſale auch ſie anwir⸗ ken? Beim Lichte, bei der Elektricität, beim Magneten ſehen wir Fernwirkungen dieſer Art, und der Lebenskraft des Menſchen ſollten wir ſie abſprechen? Sie werden ſagen, der Vergleich paſſe nicht, ſonſt müſſe auch bei den Menſchen unter gleichen Bedingungen ſtets das⸗ ſelbe eintreten. Aber bei den Menſchen ſind nie gleiche Bedingungen, ſie ſind Individuen. Können ſich aber Beziehungen jener Art zwiſchen den Menſchen und den Dingen bilden: muß dies dann nicht am meiſten der Fall ſein bei Gegenſtänden, die durch künſtliche Verarbeitnng aus dem allgemeinen Naturleben herausgezogen und in den beſondern Dienſt des Menſchen genommen ſind?“
„Sie glauben alſo wirklich an dergleichen Uebernatürliches?“ fragte der andre.
Der Hauptmann erwiederte:„Ich habe nur von natürlichen Ur⸗
ſachen und natürlichen Wirkungen geſprochen. Aber leider iſt man ſchon dahin gelangt, uur noch das Handgreifliche, Mechaniſche, das
Wägbare, Meßbare und Berechenbare für natürlich zu halten. Das
iſt eben unſre Unnatur. Wie vieles iſt in der Natur, wie vieles geht ganz natürlich zu, was ſolche Forſcher mit all ihren Inſtrumenten und Berechnungen nicht erreichen können! Ueberdem iſt es der Natur ja natürlich, auch eine übernatürliche Seite zu haben.“
„Unſinn, Liebſter! Nichts Natürliches iſt unbegreiflich.“
„Alles Erſte und Urſprüngliche in der Natur iſt unbegreiflich.“
„Soll das Ihre Superſtition rechtfertigen?“
Der Hauptmann war im Brgriff, eine gereizte Antwort zu geben, weshalb es mir wohlgethan ſchien, das Geſpräch zu unter⸗ brechen. Eigentlich hatte ich ſchon eine Zeitlang auf Anlaß dazu gewartet, denn es trieb mich, eine Geſchichte zu erzählen, die zu dem Verhandelten paßte und dem Hauptmann zu Hilfe kam. Sie hatte ſich erſt vor kurzem ereignet und ich konnte für ihre Wahrheit einſtehen, wie ich denn auch dem Leſer dafür einſtehe.
„Meine werthen Freunde,“ begann ich,„Sie ſind da auf ein Gebiet gerathen, auf dem doch vor allem erſt Thatſachen zu ſammeln und feſtzuſtellen wären, ehe man an Erklärungen denken darf. Laſſen Sie mich auch eine ſolche mittheilen.“
„Sehr gut!“ ſagte der Kammerherr.„Nur vorher eine Frage! Haben Sie die Thatſache, wie Sie es nennen, ſelbſt erlebt?“
Das mußte ich verneinen.
„Dann iſt mir die Geſchichte ſchon verdächtig,“ rief er.
„Dazu,“ ſagte ich,„iſt kein Grund. Sie können die Be⸗ gebenheit aus dem Munde derjenigen hören, die ſie erlebt haben: meiner Frau und meines Schwiegerſohns. Halten Sie dieſe für zuverläſſige Zeugen?“
„Sie genügen mir vollkommen. Aber laſſen Sie hören!“— Dabei lehnte er ſich mit richteriſcher Miene in ſeinen Seſſel zurück.
„Die Wanduhr, von der ich zu berichten habe,“ ſagte ich,„iſt zwar ein altes ehrwürdiges Stück, aber keineswegs alter Familien⸗ beſitz. Mein Schwiegerſohn, welcher kunſtreich in Holz geſchnitztes und ausgelegtes Hausgeräth aus älterer Zeit mit Liebhaberei und Geſchmack zur Ausſtattung ſeiner Wohnung geſammelt hat, kaufte die Uhr vor mehren Jahren wegen ihres ſtattlichen Gehäuſes aus dem Nachlaß einer ihm ganz fremden Perſon. Er zog ſie auf, aber das verſtäubte und verroſtete alte Werk verſagte ſeinen Dienſt. Er ließ ſie vom Uhrmacher reinigen und einrichten, allein nach wieder⸗ holten Verſuchen zeigte ſich, daß ſie nicht im Gange zu erhalten war. Indeß wollte er ſich aus Wohlgefallen an der zierlichen Holzbe⸗ kleidung nicht von ihr trennen und behielt ſie in ſeinem Wohnzimmer, wo ſie ſich noch befindet. So hat ſie ſeit Jahren ſtillgeſtanden, ſteht auch jetzt ſtill. Nun werden Sie ſich erinnern, mit wie banger Sorge wir der Entbindung meiner Tochter entgegenſahen und wie viel Urſache wir dazu hatten. Meine Frau reiſte nach D., um ihr zur Seite zu ſein. Zeichen der bedenklichen Cataſtrophe traten ein und verſchwanden wieder, die Beſorgniß der Nächſten ſteigernd. An einem Abend, als meine Tochter, meine Frau und mein Schwieger⸗ ſohn im Wohnzimmer des letzteren beiſammen ſitzen, erſcheinen ſie plötzlich wieder mit ſolcher Heftigkeit, daß die junge Frau ohnmächtig wird, die erfahrene Mutter aber ſogleich ſieht, daß ſie diesmal nicht wieder ſchwinden werden. In demſelben Augenblicke fängt das alte Uhrwerk an zu raſſeln und zu ſchnurren, ſchlägt an ſeine Glocke neun Mal und ſteht dann wieder ſtill, wie vorher. Mutter und Schwieger⸗ ſohn ſehen ſich erſchrocken und erbleichend an, einen Augenblick ohne Faſſung. Aber andre Sorgen nehmen ſie in Anſpruch. Sie müſſen die junge Frau zu Bett ſchaffen und das erforderliche Hilfsperſonal herbeirufen laſſen. Und genau nach neun Stunden ſchweren Ge— burtskampfes wird ein geſunder Knabe glücklich geboren, glücklicher, als wir alle erwarten durften. Ja, noch einmal ſcheint die Zahl Neun eine bedeutſame Rolle in der jungen Familie ſpielen zu ſollen. Es iſt Ihnen ebenfalls bekannt, daß meine Tochter bald nach der Entbindung ſchwer erkrankte und in Folge davon mit ihrem Manne ſich dann ſofort in die Schweiz, darauf nach Neapel begeben mußte. Meine Frau nahm inzwiſchen den Knaben zu ſich. Nun werden es aber wiederum genau neun Monate nach jenen Glockenſchlägen ſein, wenn die jungen Eltern mit ihrem Kinde wieder vereinigt werden; denn genau um dieſe Zeit läuft der Urlaub meines Schwiegerſohnes ab.“
„Und Sie glauben ohne Zweifel,“ ſagte der Kammerherr, rn⸗ dem er unruhig aufſtand,„nach neun Jahren müſſe der Familie


