Jahrgang 
1865
Seite
539
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fangene auf die Inſel gehen, ſie werden uns nicht tödten, und wir finden eine Gelegenheit zur Flucht.

Kaum waren dieſe Worte geſprochen, ſo hatten ſie auch ſchon ihre Wirkung erreicht, denn die Ausſicht auf Rettung und Nache veranlaßte Rolf, aufzuſpringen, eine weiße Flagge aus ihrem Be⸗ hälter zu reißen und fortzueilen. Julia nahm aus einem Schranke einen kleinen Dolch und ein feſtverſchloßnes Fläſchchen, verbarg beides auf ihrer Bruſt und folgte dem Capitän.

Oben griffen haſtige Hände nach der Flagge, und in wenigen Augenblicken ſchwebte ſie an dem noch ſtehenden Maſte empor.

Als Folkert das Zeichen wahrgenommen, daß das feindliche Schiff den Kampf einſtelle, ſagte er zu den Frauen:Nehmt alle Stricke von der Kanone und von den Pferden und macht kleine Stricke daraus, womit man einem Menſchen die Hände zuſammen binden kann. Ihr aber, Willem Okken und Jan Smidt, geht zu meinem Boote, das dort in der Hope*) liegt, und holt es hierher; ich habe heute morgen die Ruder drin liegen laſſen.

Der Befehl wurde ausgeführt, denn ſelbſt die Alten trugen jetzt kein Bedenken mehr, ſich dem jungen Kommandanten unterzu⸗ ordnen. Nach wenigen Minuten lag das Boot zur Stelle, worauf er ſelbſt hineinſprang, um zum feindlichen Schiffe zu fahren.

Nimm Dein Leben in Acht, es ſind verrätheriſche Leute! rief eine ängſtliche Stimme.

Obgleich ſich Aleida, die ſo geſprochen, gleich darauf verſchämt unter den übrigen verbarg, ſo hatte Folkert die Stimme doch wohl erkannt, er antwortete aber nur mit einem zuverſichtlichen Lächeln und gab ſeinen Gefährten das Zeichen zum Abſtoßen.

Dem Schiffe nahe genug gekommen, um ein Geſpräch zu führen, rief Folkert hinüber:Ihr wollt Euch ergeben?

Rolf bog ſich über den Bord und antwortete:Ja, auf Be⸗ dingungen..

Keine Bedingungen! Ich frage nur noch einmal und zum letzten Mal: wollt Ihr Euch ohne Bedingungen ergeben? So wie ich umkehre, fährt eine Kugel in den Rumpf Eures Schiffes.

Wir ergeben uns ohne Bedingungen! riefen verſchiedne Stimmen, denn der Bord war jetzt mit Mannſchaft dicht beſetzt.

Ich unterhandle nur mit dem Capitän. Wer iſt der Capitän?

Ich bin es.

Ergebt Ihr Euch ohne Bedingung?

Ja! ſtieß Rolf grimmig heraus.

So laßt ſechs Mann von den Eurigen ohne Waffen in Euer kleines Boot ſteigen und an den Strand kommen. Wenn das Boot leer zum Schiff zurückkehrt, kommen wieder ſechs Mann, und ſofort, bis niemand mehr auf dem Schiffe iſt. Wenn hiergegen auch nur im kleinſten gefehlt wird, oder wenn nicht alles ſo geſchwind klar wird, wie eben nöthig iſt, ſo ſchießen wir das Schiff zuſammen. Macht voran!

Die Seeräuber waren eilig genug bei der Hand, das kleine Boot des Capitäns herunterzulaſſen, und es dauerte nicht lange, ſo folgten darin ihrer ſechs dem voranfahrenden Folkert. Dieſer ließ, als ſie am Ufer ankamen, einen Seeräuber ausſteigen und ihm die Hände feſt auf den Rücken binden, womit fortgefahren wurde, bis nur noch einer ungebunden im Boote war. Die Hände der Frauen erwieſen ſich bei dem Geſchäft ſo derb und flink, daß dadurch das Geſchlecht gewiß nicht verrathen wurde, und wenn auch der eine oder der andre der Gebundnen unter dem Schlapphut ein weibliches Geſicht hätte vermuthen mögen, ſo wies er doch die Vermuthung als zu unwahrſcheinlich zurück oder er nahm an, daß ſich unter den Männern vielleicht einige verkleidete Frauen befänden.

Folkert ſagte nun zu Gepke Teerling:Nehmt noch ſechs von den Frauensperſonen mit und führt die Gefangenen nach dem Dorfe; dort laßt Euch vom Domine den Schlüſſel zum Kirchthurm geben und ſperrt die Leute ein. So wie ein neuer Zug ankommt, ſperrt auch die ein, aber laßt ſie gebunden. Wenn unterwegs oder ſonſt einer ſich losmacht oder fortlaufen will, ſo ſchlagt ihn ohne Erbarmen auf den Kopf. Eure Hände können grade ſo gute Streiche führen wie Mannshände. Verſprecht Ihr mir das?

Ja, das verſpreche ich.

Sie nahm die vorgeſchriebene Zahl von Frauen und Mädchen mit und trat den Weg mit den Gefangenen an.

*) So heißt das kleine Binnengewäſſer der Inſel.

Folkert ließ darauf den ſechſten im Boote zum Schiff zurückkehren, um fünf andre zu holen, und verfuhr in derſelben Weiſe wie vorher, bis alle Seeräuber, die nicht im Kampfe das Leben verloren dreißig an der Zahl das Schiff verlaſſen hatten. Unter den letzten befanden ſich Rolf und Julia. Den gefürchteten Hauptmann recht feſt und ſicher zu binden, übernahm Folkert ſelbſt, während Aleida, die unbeſchäftigt in der Nähe ſtand, auf den jungen Burſchen losging, der ſich, dem Anſcheine nach in dumpfer Verzweiflung, auf den Boden niedergekauert hatte.

Indem ſich Aleida niederbeugte und ſagte:Ich muß Dir die Hände binden, junger Menſch! war ſie betroffen, als ſie das zarte Geſicht ſah und in die großen ſchönen Augen mit den langen Seiden⸗ wimpern blickte: ſie ſprach für ſich:Noch ſo jung und ſchon auf ſo ſchlechten Wegen!

Julia hatte mit nicht geringerem, ja mit größerem Erſtaunen wahrgenommen, daß die ſchönen Züge des Geſichtes keinem Manne angehörten, daß ſie ein verkleidetes Mädchen vor ſich habe. In ge⸗ brochnem Holländiſch⸗Deutſch ſagte ſie flehend:Thu mir nichts, ich bin ein Weib.

Stumm fragend ſchaute Aleida ſie an.

Schnell ſetzte Julig hinzu:Ich bin die Tochter des Capitäns.

Voll tiefen Mitleids ging Aleida zu Folkert und ſagte:Die junge Perſon da hat ſich in einen Mann verlleidet, ſie iſt die Tochter des ſchwarzen Rolf; die brauchen wir nicht zu binden, wenigſtens mag ich es nicht thun.

Bedenklich ſprach Folkert:Läſſeſt Du Dich auch nicht betrügen, Aleida?

Gewiß nicht, komm nur und ſieh ſelbſt.

Folkert überzeugte ſich leicht von dem Geſchlecht der Gefangnen und ſagte:Sie kann ungebunden mitgehn und ſoll nicht mit in den Thurm geſperrt werden; es wird wohl eine der Frauen ſie mit ſich in ihr Haus nehmen.

Mit dieſer frohen Kunde kehrte Aleida zurück, und Julia dankte mit einem ſtummen Blick.

Jan Smiddt trat auf Folkert zu mit den Worten:Sollen wir nun auf das Schiff und wegſchaffen, was beſonders der Mühe werth iſt, ehe die See Schiff und alles wegſpült?

Da ſei Gott vor, ſagte Folkert,daß wir etwas von dem un⸗ rechten Gute bergen, das unſrer Inſel nur Unglück bringen würde. Wir zünden das Schiff an.

Die Gefangenen guter Obhut überlaſſend, fuhr er in Begleitung von zwei Frauen nach dem Schiffe, und als er nach kurzer Zeit zu⸗ rückkehrte, züngelten bereits leichte Flammen hier und da empor. Der Zug ſetzte ſich nun in Bewegung. Rolf hatte noch kein Wort geſprochen, nur einmal wandte er ſich um, ſeinem brennenden Schiffe einen Abſchiedsblick zuwerfend, aber als man ſich bereits dem Dorfe näherte, und als ein donnerähnlicher Knall verkündete, daß die ent⸗ zündete Pulverkammer das Schiff in die Luft hatte fliegen laſſen, da brach er in furchtbare Verwünſchungen aus.

Am Thurm empfing Gepke Teerling, den gewichtigen Schlüſſel wie einen Befehlshaberſtab führend, die Kommenden, und auch die letzten Seeräuber wurden eingeſperrt. Iulia blieb zurück, während man Gepke den Zuſammenhang erklärte; ſie trat zu Gepke, ſchmiegte ſich an ſie und ſagte ſchmeichelnd:Nimm Du mich mit Dir, Du biſt die Herrin.

Meinetwegen, ſagte Gepke,kannſt Du mit mir gehn und bei mir ſchlafen.

Nachdem einige der alten Männer ſich erboten hatten, die Nacht über bei dem Thurme zu bleiben, obſchon ein Entrinnen aus demſelben nicht möglich war, indem ſein unteres Geſchoß gar keine Fenſteröffnung beſaß, zerſtreute ſich der ganze Haufen, müde und hungrig bei ſchon anbrechendem Abend nach Hauſe eilend, den Thurmwächtern aber die Zuſendung von Lebensmitteln verſprechend. Julia, die ſchweigend alles beobachtet hatte, folgte ihrer ſelbſtgewählten Beſchützerin.

VII. Die Flucht der Seeräuber.

Während Gepke Teerling ihreMaid(Dienſtmagd) das Vieh beſorgen ließ, traf ſie ſelbſt Auſtalten zu einem einfachen aber kräftigen

Abendeſſen; die Fremde hockte zuſammengeſchmiegt in einer Ecke und

ſchien, obwohl ſie ſo viel wie nichts davon verſtand, dem Zuſpruche und den Ermahnungen der guten Frau aufmerkſam zu lauſchen.