Jahrgang 
1865
Seite
532
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dem General ſeinen Sieg rapportirt, aber von dem gereizten Chef eine ſehr grobe Antwort erhalten, denn gerade in derſelben Nacht waren mehrere an der Eiſenbahn ſtehende Vorpoſten durch die Cavallerie⸗ brigade des conföderirten General Roſſer aufgehoben worden. Der Capitän O. K. wurde commandirt, er ſolle augenblicklich vorgehen und die Gegner aufſuchen, dann wolle der General mit der Infanterie nachfolgen und ſie angreifen.

Wir ſattelten alſo ſofort wieder auf, aber von beiden Com⸗ pagnien waren nur einige 40 Mann flott zu machen. Mit unſern abgetriebenen Pferden kamen wir nur langſam vorwärts. Auf dem jenſeit Fairfax Station liegenden Plateau ſtießen wir auf Spuren eines Kampfes. Todte Pferde, herumliegende Freßbeutel und Decken zeigten an, daß hier ein Vorpoſten aus ſeiner Ruhe aufgeſtört worden war. Vorſichtig gingen wir weiter und trafen, nachdem wir noch un⸗ gefähr eine engliſche Meile marſchirt waren, auf conföderirte Reiter⸗ poſten, die ſich nach mehreren mit ihnen auf 2 bis 300 Schritt gewechſelten Revolverſchüſſen langſam zurückzogen. Was uns gegenüber ſtand, wußten wir nicht, das Terrain war wenig überſichtlich, jedenfalls aber konnten wir die ganze Roſſerſche Brigade erwarten, denn die feindlichen Reiter waren keine Guerillas, ſondern reguläre Caval⸗ leriſten. Capitän O. K., an ſich nicht wagehalſig, war klug genug, ſich mit ſeinen Paar Mann und den erſchöpften Pferden auf nichts einzulaſſen; wir zogen rechts ab und ritten, da wir doch nichts weiter auszurichten vermochten, ſo ſchnell als möglich nach Fairfax zurück. Spät am Nachmittage rückten wir ein und begegneten zu unſerem Unglück dem General Corcoran mit ſeinem Stabe. ſeine Meldung, der General wüthete.Warum haben Sie nicht angegriffen? ſchnob er ihn an. Der Capitän entſchuldigte ſich, er ſei zu ſchwach geweſen.

Das iſt mir ganz egal, ſchrie der große

Republikaner,ſogleich gehen Sie vor, ohne zu zögern greifen Sie den Feind an, wo Sie ihn finden, und wenn der Teufel Sie und die ganze Mannſchaft holt! Mit dieſem recht tröſtlichen Spruch wurde der betroffene Hauptmann entlaſſen. Die Pferde konnten kaum die Beine heben und ſtolperten unaufhörlich, aber was war zu thun? Wir machten abermals Front und keuchten vorwärts. Eine kleine Strecke ging es, dann aber nicht mehr, es war unmöglich, weiter zu marſchiren, das ſah auch unſer Capitän ein trotz ſeiner Angſt vor dem General. Sobald der letztere aus unſerem Geſichtskreiſe entſchwunden war, kehrten wir um, fütterten unſere abgematteten Roſſe und ruhten aus. Mit einbrechender Dämmerung ſaßen wir wieder auf und ritten ab, allein den Feind ſahen wir nicht wieder. Eine Negerin, deren wir habhaft wurden, verrieth uns, daß General Roſſer in der verwichenen Nacht ſein Hauptquartier in einem nahen Farmhauſe ge⸗ habt habe. Es war ein Glück für die Bewohner, daß unſere Zahl ſo klein war, und daß wir uns nicht aufzuhalten wagten, ſonſt wäre ihnen die Aufnahme des Feindes übel bekommen. Am andern Morgen kamen wir im Lager an, ohne irgend ein Reſultat erreicht zu haben und konnten nun der Ruhe pflegen, die wir und unſere Pferde dies Mal ſehr nöthig bedurften. In den nächſten Wochen wurden wir zu verſchiedenen Scouts verwendet; Scouts ſind Streifzüge zur Plünderung von Farmhäuſern, welche den conföderirten Guerillas Herberge gewährt haben. Bei dieſem gemeinen Geſchäft entfalteten die Irländer und die Amerikaner ihre Talente. Alles, auch das un⸗

nützeſte Zeug, ſelbſt Weiberkleider wurden mitgeſchleppt, und was O. K. machte

nicht fortzubringen war, vernichtet. Ich war herzlich froh, als im Januar 1864 zwei andere Compagnien uns ablöſten und wir in das Lager bei Vienne zum Regiment zurückkehrten.

(Fortſetzung folgt.)

Hören und Nichthören.

Von Dr. Erhard.

Wär' nicht das Auge ſonnenhaft,

Die Sonne könnt' es nie erblicken. Göthe.

Läg' nicht im Ohr der Töne Kraft

Der Ton würd' nie das Herz entzücken.

Alles um uns her iſt in Bewegung, nur Bewegung iſt Leben, nur Bewegung empfindet der Menſch. Durch ſeine Nerven em pfindet der Menſch, ſie ſind die Vermittler vonaußen und innen, ſie vermitteln dasAll demIch.

Unſere Sinnesnerven haben eine ſpecifiſche Energie, d. h., werden ſie erregt, ſo empfinden ſie dieſe Erregung in einer eigen⸗ thümlichen Art und Weiſe. Ihre Erregung iſt aber doppelter Natur, entweder ſubjectiver, bedingt durch einen innern Reiz irgend⸗ wo in unſerem ſubjectiven Organismus, oder objectiver, bedingt durch einen allgemeinen Reiz von der Außenwelt her.

Jeden inneren Reiz empfindet der Sehnerv als eine Lichter⸗ ſcheinung, als Flimmern und Funkeln, und der Hörnerv als eine Schallerſcheinung, als Sauſen und Brauſen, als Tönen und Klingen.

Der allgemeine Reiz iſt für die Nerven ein ſpeciſicirter, der Sehnerv wird objectiv nur erregt durch die Schwingungen des Lichtes und der Hörnerv nur durch die Schwingungen des Schalles.

Mit dem Auge erforſchen wir die Reize des unendlichen und doch immer ſich engenden Raumes mit dem Ohre die Zauber der ewigen und doch ſtets flüchtigen Zeit!

Damit dieſe objectiven Erregungen unſerer Sinnesnerven leicht von Statten gehen können, ſind ſie mit phyſikaliſchen Vorrichtungen in Verbindung geſetzt; der Sehnerv mit dem dureſſichtigen licht⸗ brechenden Augapfel, der Hörnerv mit der tönenden, ſchallleitenden Trommelhöhle. Der Augapfel bricht nach optiſchen Geſetzen den Lichtſtrahl gerade auf die Netzhaut, auf den empfindenden Theil des Sehnerv; die Trommelhöhle leitet nach acuſtiſchen Geſetzen die Schallwellen zum Labyrinthe, zum Sitze des Hörnerv.

Auge und Ohr ſind die genaueſten und ſinnreichſten phyſi⸗ kaliſchen Inſtrumente, das Auge ein optiſches, das Ohr ein acu⸗ ſtiſches!

Betrachten wir nun einmal den Bau unſeres acuſtiſchen In⸗

ſtrumentes etwas genauer, welchen beifolgende Zeichnung lediglich im Intereſſe der folgenden Zeilen verſinnlichen ſoll.

Knorpel, der verſchiedene wellenförmige Erhöhungen und muſchel⸗ förmige Vertiefungen darbietet. Die Ohrmuſchel ſetzt ſich gerade nach innen, ungefähr 1 Zoll tief, in den äußeren Gehör⸗ gang(B) fort; dieſer hat etwa die Weite eines kleinen dünnen Fingers und iſt von einer dünnen Fortſetzung der äußeren Haut ausgekleidet, welche im Anfange von zahlreichen Drüſen(u u) durchbohrt wird, die hier ein honigartiges Secret liefern. In der Tiefe iſt der Gehörgang geſchloſſen durch das Trommelfell (C), eine feine, oft durchſichtige Haut, ſo zart wie Briefpapier, ſo klein wie der Nagel eines Zeigefingers und aus feſten, elaſtiſchen, ſich kreuzenden Faſern gewebt. Hinter dem Trommelfelle beginnt eine zweite lufthaltige Höhle, die Trommelhöhle D D. Dieſe iſt höher und breiter, doch kürzer als der Gehörgang und geht nach vorn und unten in einen engen, 2 Zoll langen, gewundenen Kanal aus, welcher die Euſtachiſche Trompete, die Tuba(E) ge⸗ nannt wird.

Die Tuba endigt im Schlund, hinter der Naſe und verſorgt nach Bedürfniß die Trommelhöhle mit friſcher Luft, ſo beim Athmen und Sprechen, beim Schlucken und Schlingen, damit die Luft vor und hinter dem Trommelfelle, im Gehörgange und in der Trommel⸗ höhle eine gleich erwärmte, gleich geſpannte ſei. Gegenüber dem Trommelfelle wird die Trommelhöhle von einer knöchernen Wand geſchloſſen, ſie gleicht alſo mehr einer Keſſelpauke als einer Trommel, und dieſe knöcherne Wand trennt die Trommelhöhle von einer dritten, wiederum mehr nach innen liegenden Knochenhöhle, dem ſogenannten Labyrinthe. So nennen wir nämlich einen mit Waſſer gefüllten Behälter wegen ſeines verwickelten Baues. An dieſem Waſſerbehälter unterſcheiden wir in der Mitte den Vor⸗ hof(P), nach unten und vorn von dieſem die natürlich geformte Schnecke(G) und nach oben und hinten die drei Bogengänge (HH). Alle dieſe drei Labyrinththeile(Vorhof, Schnecke, Bogen⸗

gänge) communiciren im Innern, ſo daß das darin enthaltene [Labyrinthwaſſer in gleiche Schwingungen geräth. Das

Unſer Inſtrument beginnt mit der Ohrmuſchel(A), einem

Schuel Trephd wand rl der S Bogeng Labyrt iſt mit an ein gemiſch wit de häutig

härd die e Waſſe Hör! Vor

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und pfad gung Bey