Jahrgang 
1865
Seite
529
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Irlebniſſe eines deutſchen Officiers im nordamerikaniſchen Kriege.

III. Ein Pferdetransport nach Virginien.

Schon ſechs Wochen hatten wir im Lager geſtanden, da kamen endlich Ende November auch die drei zur Complettirung des Bataillons noch fehlenden Compagnien an, die inzwiſchen in Newyorkangeworben, aber noch unberitten waren. Unſere Compagnie beſaß Pferde, und dieſem Umſtande verdankten wir es wahrſcheinlich, daß Capitän O. K. eines Abends befehligt ward, am nächſten Morgen um 10 Uhr einen Pferdetransport zur Armee nach Virginien zu escortiren. Vor⸗ ſichtiger Weiſe commandirte er die Compagnie ſchon um 8 Uhr zum

für die Bahnlinie nach Alexandrien; der Schienenſtrang iſt von dem Fahrdamm nur durch eine Barriere getrennt. Ich bin der feſten Ueberzeugung, daß wir die Brücke ohne Unfall paſſirt haben würden, wenn nicht malitiöſer Weiſe ein Eiſenbahnzug uns entgegengebrauſt wäre, gerade als wir uns auf der Brücke befanden. Die jungen, feurigen Pferde, die Unbeholfenheit der Pferdeknechte, die ausnehmend geringe Geſchicklichkeit unſrer eigenen Leute, ihre Thiere zu bändigen, dazu die puſtende und dampfſpeiende Lokomotive, die pfeilſchnell her⸗ anbrauſte man kann ſich denken, wie dies wieder endete! Es war heute einmal ein Unglückstag für unſere cavalleriſtiſchen Leiſtungen. Eigentlich konnte nachher niemand ſagen, wie die Sache gekommen

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1* Aufſitzen; er mochte wohl ahnen, daß ſich dieſes Geſchäft nicht im war. Auf einmal fürchterliches Gedränge und haltloſe Flucht, ein hoeeet Handumdrehen ausführen ließe. Die Nacht war bereits hereinge⸗ Pferd ſetzt über das andere, viele verwickeln ſich in die Stricke und ePochveladelt brochen, als wir aufgeſtöbert wurden, um Sättel und Waffen, ſtürzen. Neger und Freiwillige wälzen ſich am Boden zwiſchen den herbeimir Karabiner und Revolver zu empfangen, und es tagte noch nicht, Pferden. Ich hatte mich vorn im Zuge befunden, ward mit raſender rſchlungenen da begann ſchon die Wirthſchaft des Sattelns. Es war das ein Geſchwindigkeit vom wirren Knäuel vorwärts getragen und konnte iſt hier nicht wahrhaft verzweifeltes Unternehmen, denn von allen Leuten hatte mich erſt am jenſeitigen Ufer, wo mehr Raum war, der Maſſe ent⸗ üten bezahlt. etwa die Hälfte überhaupt jemals ein Pferd geſattelt, und von winden und die Beſcheerung überſehen. Auf der Brücke ſelbſt er⸗ e anſtändige den Pferden war auch etwa die Hälfte gar nicht geneigt, ſich ſatteln blickte ich nur einzelne geſtürzte Pferde und abgeworfene Niggers, Boden, um zu laſſen. Nach mehr als einſtündigem Geſchrei und Spektakel waren alles andere war auf beiden Seiten des Stromes in völligſter Auf⸗

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denn etwa ¾ der Pferde geſattelt, aber beim Tageslichte wies ſich aus, daß die Hälfte der Sättel verkehrt lag. Dies war indeß zu entſchuldigen, denn die Sättel, eine Art ungariſcher Bock mit Schuhen ſtatt der Steigbügel, waren in vorn und hinten ſo wenig unterſchieden, daß Laien beides wohl verwechſeln konnten. Einige Reiter, die ſchon in der deutſchen und engliſchen Cavallerie gedient hatten, mußten die Sache in Ordnung bringen, um 8 Uhr war alles glücklich fertig zum Aufſitzen und Capitän O. K. ritt ſtolz vor die Mitte der Compagnie. Prepare to mount mount!(Fertig zum Aufſitzen aufgeſeſſen!) erſcholl es und ein Bild ſtellte ſich dar, welches weder von der Feder noch vom Pinſel vollkommen treu geſchildert werden kann. Ent⸗ ſetzliches Geſchrei und Gewirre bockender und ausſchlagender Pferde, abgeworfene Reiter, andere am Halſe ihrer Thiere hängend, einige Roſſe durchgehend in wilder Haſt, das war die erſte Folge des Commandowortes. Alles löſte ſich in ein gräuliches Durcheinander auf. Das war in der That ein ſchönes Debüt, ganz entſprechend der bisherigen Thätigkeit und der Dienſtkenntniß unſeres verehrten Führers. Und auf dieſes wüſte péle-méle blickte der Ehrenmann mit ſtiller Seelenfreude, es war ſein Werk, in mehr als 2 Monaten hatte er die Compagnie ſo vortrefflich einexercirt! Aber Zeit war nicht zu verlieren, es mußte gehandelt werden, und der Capitän gab daher den etwas ſonderbar klingenden, aber nicht unpaſſenden Befehl, die Sporen abzulegen, die Zügel nicht in die Hand zu nehmen und ſich beim Aufſitzen gegenſeitig zu helfen. Nach verſchiedenen Zwiſchen⸗ fällen glückte es, die Compagnie in einem Gliede mit zwei Fuß Zwiſchenraum von Bügel zu Bügel aufzuſtellen. Es konnte zum Ab⸗ marſch abgezählt werden, der nach dem eingeführten engliſchen Reg⸗ lement zu vieren ſtattfindet und: By fours march forward! ertönte es. Aber viele Leute hatten doch wieder unwillkürlich die Zügel er griffen, oder um feſter zu ſitzen, die Schenkel angelegt und ſo wurde ein zweiter Akt des Dramas aufgeführt, nicht erbaulicher als der erſte. Die Compagnie in Gang zu bringen, war abſolut unmöglich, dieſe Idee mußte aufgegeben werden. Ein Stamm von 36 Reitern, faſt lauter ſchon gediente Leute, war alles, was als marſchfähig zu erachten war. Dieſer Trupp ſetzte ſich endlich in Bewegung, wenn auch nicht zu vieren, ſo doch in ziemlich geſchloſſenen Haufen. Bald darauf ſtießen wir auf die Kolonne von Pferdetreibern und Negern, die auf einem Pferde ſaßen und 3 bis 4 andere mit Stricken an einander ge⸗ bundene Roſſe an der Hand führten; es mochten im Ganzen 6 800 Pferde ſein. Die Hälfte unſrer Mannſchaft eröffnete den Zug, dann folgte die Pferdekolonne, der Reſt der Compagnie machte den Beſchluß.

Auf unſerem Marſche mußten wir Waſhington paſſiren, was mit leidlichem Anſtande geſchah. Um 3 Uhr Nachmittags trafen wir bei der über den Potomac führenden Long-bridge ein. Dieſe etwa 2 ½ engliſche Meile lange Brücke dient zugleich als Eiſenbahnbrücke

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löſung. Nach einiger Zeit fand ſich der größte Theil unſerer Mann⸗ ſchaft wieder zuſammen, aber unſer Capitän fehlte und wir glaubten, es ſei ihm ein Unfall zugeſtoßen. Es ergab ſich indeß, daß der Wackere ganz ſtill, ohne ein Wort zu ſagen, in Waſhington in einer Kneipe zurückgeblieben war. Er hatte vorgezogen, die Compagnie allein marſchiren zu laſſen und ſich ihr bei der Rückkehr wieder anzu⸗ ſchließen. Dieſes Muſter von einem Hauptmann hatte ſeine Lauf⸗ bahn in einer der kleinen deutſchen Armeen begonnen und es dort bis zum Fähnrich oder Cornet gebracht, dann nach Amerika verſchlagen, war er mit der Zeit Adjutant bei irgend einem General der Union geworden und von da zu den Freiwilligen übergetreten. Ihm war der Cavalleriedienſt ganz fremd, er ſpielte überhaupt eine traurige Figur als Soldat, ohne Energie und in Folge deſſen ohne jedes Anſehen. Aber er war wenigſtens kein roher und wüſter Patron und hatte eine noble Außenſeite.

Sein Lieutenant, der einzige noch bei der Compagnie vorhandene Officier, ebenfalls ein Deutſcher und ſeinem Chef mehr als eben⸗ bürtig, war ein Individuum, deſſen geiſtige Befähigung ſich am beſten durch die Bezeichnung Null ausdrücken läßt. Seine militäriſche Be⸗ gabung war entſchieden ſchon minus, er verſtand vom Dienſt ſo viel wie ich von einem Hottentottenkraale; viel konnte man füglich auch nicht verlangen, da er zuletzt längere Zeit in Newyork als Milch⸗ pächter fungirt hatte.

Dieſer Held, der jetzt das Commando hätte übernehmen müſſen, war in rathloſer Verzweiflung. Er ſtierte leeren Blickes in das all⸗ gemeine Chaos, ſchrie immerfort nach demcaptain und war nur froh, daß er ſelbſt der heilloſen Jagd mit geſunden Gliedern ent⸗ ronnen war. So mußten wir uns denn ohne ihn helfen. Die beſſern Leute der Compagnie trieben die zerſtreuten Pferde zuſammen und Abends um 8 Uhr war uns dies mit etwa drei Viertel der Herde ge⸗ lungen. Da wir nun nichts Beſſeres anzufangen wußten, ſo kehrten wir dahin zurück, wo wir hergekommen waren und kamen glücklich und ohne Unfall mitten in der Nacht im Lager an. Mochte die Thiere nach Virginien bringen, wer da wolltg, wir waren es ſicher nicht im Stande, das hatten wir zur Genüge bewieſen. Am andern Tage fand ſich unſer Capitän ganz unbefangen wieder ein und war liebenswürdig wie immer. Mir iſt auch nichts davon bekannt geworden, daß ihm über den Verluſt von 100 bis 150 Pferden irgend etwas geſagt worden wäre. Man ſah vielmehr dergleichen als etwas Gewöhnliches an. In der That habe ich nirgends eine ſo empörende Geringſchätzung des Staatseigenthums, eine ſo völlige Gleichgültigkeit gegen den Ver⸗ brauch deſſelben kennen gelernt, wie in Nordamerika. Faſt Jedermann be⸗ trachtete den Staat als die Kuh, die er melken müſſe und den Krieg als ein Erwerbsmittel. Die Summen, welche geſtohlen oder durch Unwiſſen⸗ heit und Fahrläſſigkeit verſchlungen wurden, beliefen ſich auf eine fabelhafte Höhe.