eine der größten Segnungen der Feldarbeit halte:
Früh und in kräftigen Sproßen treibt die Pflanze hervor und beginnt ſich um die mächtige Stange zu ſchlingen, die neben ihr feſt in den Boden eingetrieben iſt. Ein muthiges Pflänzchen muß der Hopfen ſein, daß ihm nicht bange wird vor dem hohen Ziel, das ihm gleich zu Anfang vorgeſteckt iſt;— doch will er ſich nicht gutwillig von ſelbſt um ſeine Stange ranken, obgleich er ein Schling⸗ gewächs iſt; ſobald die Pflanze eine gewiſſe Höhe erreicht hat, muß ſie um die Stange geſchlungen und ſorgfältig angebunden werden. Ich begreife das erſt, ſeit ich vernommen, daß der Hopfen eigentlich keine Rebe, ſondern eine Neſſelgattung iſt, als ſolche iſt die Pflanze, ſcheint's, an regelloſe Freiheit gewöhnt, es geht ihr, wie es ſchon manchen Menſchenkindern gegangen iſt: ſchlingen möchte ſie ſich ſchon, nur nicht gerade um die vorgeſetzte Stange. Sie lernt's aber, und ſie befindet ſich nicht ſchlecht dabei.
Viel Mühe und Sorgfalt fordert überhaupt der Hopfenbau, und ſie wird ihm auch willig gewährt. Beim Hopfenbau tritt, ſo viel ich beobachten konnte, in erhöhtem Maße zu Tage, was ich für die perſönliche Liebe zum Gegenſtand der Arbeit und Mühe, die, wenn ſie auch aus dem Wunſch nach Erwerb und Gewinn entſpringt, doch etwas Beſſeres und Herzerwärmenderes iſt, als dieſer.
Gewiß wird ein Banquier ſeine Papiere, durch die er vielleicht tauſende gewinnt, nie mit der Liebe betrachten, wie der Bauer ſein wogendes Kornfeld, der Winzer ſeinen Weinberg, wenn ſich die Trauben färben, oder wie der Oberländer ſeinen Hopfenacker, wenn die hell⸗ grünen Blüten ſich in reichen Büſcheln an der Spitze des hochge⸗ ſchlungenen Gewächſes anſetzen, und in anmuthigen Gewinden niederhängen. So ſehr identificirt ſich der Hopfenbauer mit ſeiner Pflanzung, daß, zu Zeiten, wo das junge Gewächs beſonders von läſtigen Feinden bedroht iſt,„wo zwei ſich begegnen, ſie ſich anſchaun verſtändnißinnig“ und ſich theilnehmend fragen:„Haſt auch Unziefer?“
Wer aber den Hopfenbau, ſeine Geſchichte und ſeinen gründ⸗ lichen Verlauf ſtudiren will, der wird ſich ſchwerlich bei dieſem Blatt, und noch weniger bei mir Raths erholen wollen, darum halte ich mich nur an das Aeußere der Pflanze und vor allem an die Zeit ſeiner Ernte.
Obgleich die Hopfenrebe an ſich eine leichte, graciöſe Pflanze iſt, mit lieblichem Grün und ſchöngeformten Blättern, ſo tragen doch, wie oben angedeutet, die Hopfenäcker keineswegs zur landſchaftlichen Schönheit einer Gegend bei. Dieſe geraden, langen Reihen hoher gerader Stangen verdecken die Ausſicht, und nehmen ſich langweilig aus inmitten der lebensvollen, mannigfaltigen Formen der freien Natur; alles zu Regelrechte thut der maleriſchen Schönheit Eintrag, wie ja z. B. der zerlumpteſte Bettler eine paſſendere Staffage gibt für ein Landſchaftsbild, als ein ſchön gewichſter Soldat in voller Uniform.
Die Hopfenkultur in ihrer jetzigen Ausdehnung iſt ein Kind der Neuzeit, der Induſtrie, darum trägt ſie auch der Poeſie feindliche Elemente in ſich. Nicht nur viele ſtattliche Obſtbäume müſſen ihr zum Opfer fallen, die doch auch ſeither ihres Beſitzers Herz erfreut mit lieblicher Blüte und ſüßer Frucht, weil man den Hopfenbau einträglicher findet als Obſtbaumzucht, auch die ſtolzen Tannen des Waldes werden in unzähligen Maſſen gefällt, nicht um als hohe Maſten hinauszuſegeln ins geheimnißvolle Meer,— nein, nur um ihres dunkeln Grünes beraubt der leichtfertigen Hopfenpflanze zur Stütze zu dienen, die doch mit jedem Sommer wieder vergeht.
Und doch iſt der Hopfen nicht ohne Schoͤnheit und inmitten des flachen Brachfeldes, zwiſchen Rüben und Kohl ſehen auch die ſtattlichen Hopfenſtangen mit ihren grünen Gewinden ſchön aus. Dann werden neben dieſen Feldern niedliche kleine Häuſer erbaut, um zur Erntezeit den Hopfen vor Regen flüchten zu können, die nehmen ſich gar freundlich aus im Grünen, als ob daraus ein ehr⸗ würdiger Einſiedler in weißem Bart treten follte, wie in den Tagen des Heinrich von Eichenfels. Und dann, iſt es nicht ein ſchönes Loos dieſer Pflanze, daß ſie als Blüte ſchon das Ziel ihrer Beſtimmung erreicht hat, während andre Pflanzen Frucht und Samen tragen, oder gar ihre Wurzel drangeben müſſen. Nicht als materieller Ge⸗ nuß, nicht als berauſchendes Element, nur mit ihrem Aroma darf die Hopfenblüte dem Menſchen Dienſte leiſten.
Dieſes Aroma genießen wir reichlich zur Zeit der Hopfenernte,
wo auf Wagen, auf Karren, in Körben, von allen Seiten die Hopfen⸗ ranken, von der Stange abgelöſt, hereingebracht werden. Es gilt Eile, wenms ans Hopfenpflücken geht, die aufgeblühten Zäpfchen müſſen raſch abgezupft und zum Trocknen gebracht werden. In Orten, wo viel Hopfen wächſt, wird Schulvakanz gegeben, von allen Seiten ziehen Kinder und größere Mädchen vom Dorfe der Stadt zu, alle mit leeren Körben verſehen, ſie werden meiſt ſchon in den Vor⸗ ſtädten feſtgehalten, alle Hände ſind werth zur Zeit der Hopfenernte.
Hopfenpflücken iſt eine leichte Arbeit, darum können Kinder und alte Mütterchen, Krumme und Lahme ſich dabei betheiligen. Monate⸗ lang freuen ſich arme Kinder ſchon auf die Hopfenernte, die Blüten werden in Körbe gezupft, für ein Simri werden 3 Kreuzer be⸗ zahlt, ein fleißiges Kind kann 24—30 Kreuzer in einem Tage verdienen..
Alle Straßen ſind erfüllt mit dem würzigen Duft, vor allen Häuſern ſitzen Gruppen im Halbkreis, emſig beſchäftigt, die fröhlichen Kindergeſichter oft ganz umhangen mit grünen Gewinden; die alten Weiber halten das muthwillige junge Volk im Zaum, daß gute Ord⸗ nung bleibt, die Frau des Hauſes labt ſie reichlich zur Vesperzeit mit Moſt und Brot; wo ein neuer Wagen hereinfährt, hochbeladen mit der leichten Laſt, da drängt ſich ein Häuflein Kinder herbei:„mir auch! mir auch!“ und ſie zerren ganze Ballen der verſchlungenen Ranken herab und beginnen zu zupfen. Veruntreuung iſt hier nicht zu fürchten, werden ja vom Beſitzer nur die abgezupften Blüten bezahlt.
„Hopfenzopfeln“ wie ſie's nennen, iſt auch eine anſtändige Arbeit, verſchämte Wittwen tragen die Ballen auf ihren Boden, um da in der Stille ein Scherflein zu verdienen, Schulknaben und kleine Mädchen vom Honoratiorenſtand kommen etwas verlegen mit ihren Körbchen angezogen, es iſt ſo gar nett, auch einmal ſelbſt Geld zu erwerben! Manchmal vertheilen ſie großmüthig wieder ihren Gewinn unter die Armen. Wer's verſteht, der erzählt Märchen oder ſch auer⸗ liche Geiſtergeſchichten, um die Arbeit zu kürzen,— es iſt ein fröh⸗ lices Treiben zur Zeit der Hopfenernte!
Nun aber geht die Noth an; die Hopfen ſollen getrocknet werden, und in Orten wo der Anbau noch neu iſt, fehlt es meiſt an Platz dazu. Da gilt's Rath zu ſchaffen, leere Räume ſteigen unendlich in Werth, alle entbehrlichen Kammern werden geleert, die Hausfrau öffnet ſelbſt ihren Trockenboden für einen guten Bekannten, der ſie dann im Winter dafür mit einer fetten Metzelſuppe beſchenkt. In der Univerſitätsſtadt fällt die Zeit der Hopfenernte glücklicherweiſe in die Ferien, da räumt der Philiſter ſeine Studentenzimmer, ſelbſt die Schlafkammern des Seminars werden ausgeleert und die würzigen Hopfen auf dem Boden ausgebreitet. Vielleicht bleibt etwas vom duftigen Geiſt der Hopfenblüte zurück in den Räumen, und es iſt dieſe geheime Verwandtſchaft, die nachher den Muſenſöhnen ſo lockend zum Bierglas winkt.
Die Verkaufszeit für den getrockneten Hopfen iſt eine Zeit großer Spannung und Aufregung für die Beſitzer; bis jetzt war oft in einem Herbſt ein ungeheures Umſchlagen der Preiſe, manchmal von 50 bis zu 250 Fl. für einen Centner, das rief dann viel Hab⸗ gier, Neid und Aerger hervor. Der Gewinn, wenn die Ernte geräth, kann ein ſehr bedeutender ſein. Darum iſt der Anbau vielfach zum Gegenſtand der Spekulation geworden, mehr als der alte längſt ge⸗ regelte Landbau. Beim Kornverkauf geht es viel einfacher, beim Weinverkauf patriarchaliſcher her als beim Hopfenhandel, der faſt ganz in den Händen von Unterhändlern iſt. Weil ſchon manche gewonnen, ſo will jetzt jeder gewinnen an Hopfen; Handwerksge⸗ ſellen und Nätherinnen legen ihren Erwerb in Hopfengärten an, Schulknaben wollen ſchon auch nur ein Paar eigne Stöcke in einer Ecke des väterlichen Gartens, darum iſt die Spannung und Bewegung zur Zeit des Verkaufs eine allgemeine.
Wir aber verlaſſen den Hopfen zur Zeit ſeiner Blüte, die ja bei ihm auch die Erntezeit iſt, wir ziehen fröhlich heim mit den Kindern, die ſich unterwegs mit beſcheidenem Stolz ihren kleinen Er⸗ werb zeigen und ſich freuen auf das neue Kleidchen, das ſie ſich„er⸗ zupft haben“, und wollen der duftigen Hopfenrebe gern ihre Stelle gönnen an den grünen Hügeln und auf den fruchtbaren Ebenen des geſegneten Schwabenlandes.
Ottilie Wildermuth.
Ee endlich noch ſe aber no dieſem eines! Pferde ſichtige Aufſit Handt
broche Karal da b wahr etwa den? zu la denn aus, entſe ſtatt daß
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