Jahrgang 
1865
Seite
522
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Die Frauenſchlacht auf Borkum.

Geſchichtliche Novelle von Ludwig Roſen. (Fortſetzung.)

III. Das Gericht.

Aleida, es iſt jemand an der Thür, hörſt Du nicht den ſchrecklichen Lärm? fragte die aus dem Schlafe aufgeſchreckte Mutter.

Da Aleida noch gar nicht geſchlafen hatte, ſo hatte ſie natürlich den Lärm ſogleich vernommen und erwiderte:Ich will aufſtehen und zuſehn, was es iſt.

Sie warf raſch einen Rock über und ſchob den Riegel zurück, indem ſie fragte:Wer hat in ſo ſpäter Nachtzeit hier etwas zu ſuchen?

Mit erheuchelter Höflichkeit, durch welche der boshafteſte Hohn unverkennbar durchklang, ſagte Tjeert:Ah, ſeid Ihr es, Jungfer? wie geht es Euch, Jungfer?

Was ſind das für Narrenspoſſen? rief Aleida in großem Zorn.Iſt es jetzt Brauch, auf der Inſel die Leute aus dem Schlafe zu wecken um nichts und wieder nichts? Das werde ich Dir gedenken, Tjeert Sniers!

Nichts für ungut, Jungfer, aber weil wir ein nothwendiges Wort mit Folkert Wybrand zu ſprechen haben, ſo mußten wir ſchon in ſpäter Nachtzeit kommen und Euch ſtören.

Die Ahnung, ja die Gewißheit, daß Folkerts Beſuch am Abend beobachtet und falſch gedeutet worden ſei, machte das Mädchen plötzlich unſicher, und obgleich ſie zornigen Trotz in ihren Ton zu legen ſuchte, ſo zitterte derſelbe doch ein wenig, als ſie ſagte:Was geht uns Folkert Wybrand an? ſucht ihn in ſeinem Hauſe und nicht hier, wo eine ehrſame Wittfrau mit ihrer Tochter allein wohnt.

Tjeert bemerkte zu gut die Unſicherheit in Aleidas Stimme, um ſeinen Vortheil nicht zu verfolgen; er ſprach bitter:Warum ſagt Ihr nicht: eine ehrſame Wittfrau mit ihrer ehrſamen Tochter?

Der Zorn Aleidas loderte hoch auf.Unverſchämter Menſch, der Du biſt! Wenn Du nicht gleich gehſt, ſo nehm ich den Beſen und ſchlag ihn Dir um die Ohren!

Sachte, ſachte, Jungfer! Wir gehn nicht eher fort, bis wir mit Folkert Wybrand geſprochen haben, und wir wiſſen, daß er im Hauſe iſt.

Das iſt eine ſchändliche Lüge! rief Aleida, ſtieß Tjeert, der halb in die Hausthüre getreten war, durch einen gewaltigen Stoß auf die Bruſt zurück, ſchlug die Thüre zu und ſchob den Riegel vor.

Die Mutter hatte die ganze Verhandlung mit angehört und war dadurch in die höchſte Beunruhigung verſetzt; ſie ſprach zu der wieder eintretenden Tochter:Um des Himmels willen, Aleida, wie verhält ſich die Sache? Folkert Wybrand iſt doch nicht im Hauſe?

Aleida verneinte dies, erzählte aber nun der Mutter vollſtändig und wahrheitsgemäß, was am Abend zwiſchen ihr und Folkert vorge⸗ gangen war, worauf die Mutter in ſorgenvoller Bekümmerniß den Kopf ſchüttelte, aber zugleich frommergeben ſprach:Ich glaube Dir alles, mein Kind, Du biſt immer rechtſchaffen und ehrbar geweſen, Du biſt nicht Schuld an dieſem Unglück, und der liebe Herrgott möge alles zum Beſten lenken.

Der Schwarm draußen, der ſich bis dahin auf ſtille Beobach⸗ tung beſchränkt hatte, verwandelte ſich nun in ein geräuſchvolles Be⸗ lagerungsheer. Man zog ſchreiend und Spottlieder ſingend um das Haus, man ließ Getränke aus dem Wirthshauſe holen und verſetzte ſich dadurch in eine noch ausgelaßnere Stimmung. Die Nachbarn wurden wach und ſchauten aus den Fenſtern oder traten aus den Thüren, um ſich nach dem wüſten Lärm zu erkundigen, aber auf die Antwort:Folkert Wybrand iſt bei Aleida Viſſer! zogen ſie ſich kopfſchüttelnd zurück, wohl wiſſend, daß in ſolchem Falle der Ge⸗ rechtigkeitspflege durch die jungen Leute keine Schranke geſetzt werden könne. Für die belagerten Frauen war natürlich an Schlafen nicht zu denken, Aleida nöthigte jedoch ihre Mutter, im Bett zu bleiben, während ſie ſelbſt ſich vollſtändig ankleidete, die Lampe anzündete und ſich in einer Ecke der Stube niederließ, den weitern Verlauf der Dinge erwartend.

Noch viel ſchlimmer war es dem armen Folkert auf ſeinem

Heulager zu Muthe. Als er die laute Verhandlung an der Thüre gehört hatte und nun den Lärm des Haufens um das Haus herum vernahm, aus welchem öfter der Ruf:Folkert Wybrand heraus! deutlich erſcholl, da konnte er ſich freilich den Zuſammenhang gut genug reimen, denn er war ja nicht unbekannt mit dem heimiſchen Gebrauche und hatte ſelbſt ſchon einen ähnlichen Fall erlebt, aber es war ihm unmöglich, zu einem feſten Entſchluſſe zu gelangen. Ob⸗ gleich es ihm durchaus nicht an Muth fehlte, ſo bekämpfte er doch den Gedanken, aus dem Hauſe unter die wilde Schar zu treten, durch die freilich ſonderbare Anſicht, daß es eine Art von Feigheit ſei, den mit⸗ telbaren und unmittelbaren Aufforderungen da draußen nachzugeben, er machte es daher am Ende, wie es mancher Menſch in einer ver⸗ zweifelten Lage macht, er wollte lieber die Dinge an ſich herankommen laſſen als ihnen entgegentreten, und bereitete ſich mehr zu einem energiſchen Widerſtande als zu einem ſelbſtthätigen Auftreten vor. Je⸗ doch ſtieg er von ſeinem Lager herab, tappte ſo lange umher, bis er ſich einer Heugabel bemächtigen konnte, und erſtieg mit dieſer furcht⸗ baren Waffe den Heuhaufen wieder.

So verging die Nacht.

Sobald die erſten Strahlen der aufgehenden Sonne auf den anſehnlichen Kirchthurm fielen, ertönte ein wildes Jubelgeſchrei um das Haus, und der Angriff wurde ſofort begonnen. Grade die Scheune war am leichteſten zugänglich, denn ihre große aber leicht⸗ gearbeitete Thüre wurde nur von innen durch einen ſchwachen hölzernen Schieber geſchloſſen, ſie gab daher faſt ſchon dem erſten Drucke nach, und ein Theil der wilden Genoſſen ſtürmte ſogleich herein mit dem Rufe:Folkert Wybrand, wo biſt Du? Folkert Wybrand, heraus!

Bevor ſie jedoch begonnen hatten, die Verſtecke zu durchforſchen, glitt Folkert vom Heuhaufen herab, die Heugabel in der Hand. Ein jubelnder Aufſchrei:Hier iſt er! Hier iſt er! zog alsbald die übrigen, welche andre Räume durchſuchen wollten, in die Scheune, und Folkert ſah ſich von dem ganzen Schwarm umgeben, ohne daß ſich jedoch einer ihm zu nähern wagte, da er mit ſeiner Waffe und mit den drohenden Blitzen ſeiner Augen eine furchteinflößende Stel⸗ lung einnahm.

Ja, hier iſt Folkert Wybrand, was wollt Ihr von ihm?

Die Nächſtſtehenden wichen zurück, ſo daß ſie einen Halbkreis um ihn bildeten. Ihre Augen richteten ſich auf Tjeert, in dem ſie ihren Sprecher vorausſetzten, aber ihm ſchien vor grimmiger Wuth die Sprache zu verſagen. Da trat Roelf Bakker einen Schritt vor und ſagte:Was wir wollen? wir wollen Dich fragen, ob Du mit Aleida Viſſer verlobt biſt oder nicht?

Folkert ſchwieg. Es erhob ſich ein ſchadenfrohes Geflüſter unter dem Haufen.

Biſt Du mit Aleida Viſſer verlobt? fragte Derk Ohlſen nachdrücklich.

Ja! erwiederte Folkert, aber obgleich er das inhaltsſchwere Wörtchen möglichſt entſchieden zu ſprechen verſuchte, ſo fühlte er doch, wie ein kalter Schweiß aus ſeinem Körper drang.

Die Wirkung auf die Anweſenden war verſchieden. Die es mit Folkert gut meinten, freuten ſich aufrichtig, diejenigen aber, die auf einen tollen Spektakel gerechnet hatten, fühlten ſich enttäuſcht, Tjeert knirſchte zornig mit den Zähnen.

Halloh! rief Upke Haan,da haben wir eine Verlobung, laßt uns gleich durchs Dorf ziehen. Wir wollen rufen, daß man's bis zum Oſtland hören kann: Folkert Wybrand und Aleida Viſſer ſollen leben hoch!

Noch nicht! rief eine gebieteriſche Stimme und hemmte das Vorhaben des Schwarmes, in Upkes Ruf einzuſtimmen.

Aleida hatte unbemerkt hinter den letzten geſtanden, ſich jetzt aber durchgedrängt, und ſtand nun dicht vor Folkert. Ihre Muskeln zitterten vor Aufregung, ihre Bruſt flog, ihre Augen ſchleuderten Blitze auf Folkert, die Arme hatte ſie trotzig in die Seite geſtemmt. Folkert preßte die Lippen zuſammen, konnte aber den Blick des zor⸗ nigen Mädchens nicht aushalten, ſondern mußte die Augen nieder⸗

ſchlagen.

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