Jahrgang 
1865
Seite
520
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einige Gräfinnen gehören. Die Zwecke dieſer Geſellſchaft, wie ſie das Comittee öffentlich darlegt, ſind die folgenden: 1.

1) ein Muſtergeſchäft herzuſtellen, welches durch ſein Beiſpiel zeigen ſoll, wie die zu leiſtende Arbeit ſich ohne Nachtheil für Leib und Seele der Arbeiterinnen herſtellen läßt.

2) die Auftraggeberinnen, d. h. die ſich fein kleidenden Damen zu ver⸗

anlaſſen, ihre Rechnungen prompt zu bezahlen und ihre Beſtellungen zur

rechten Zeit zu machen.

3) einen Fond zu beſchaffen, der nach dem beſten Dafürhalten der Direktoren für die mit Kleidermachen beſchäftigten Perſonen verwendet werden ſoll.

Die Geſellſchaft hat angefangen, ein Aktienkapital von 10000 Pfd., jede Aktie zu 10 Pfd., zuſammenzubringen. Inzwiſchen iſt aber bereits in der Cliffordſtraße(Bond Street) No. 18. ein Haus gemiethet und das Geſchäft am 25. März d. J. eröffnet worden. Etwa fünfundzwanzig Ar⸗ beiterinnen ſollen darin wohnen. Die vornehmſten Regeln des Hauſes ſind folgende:.

Keine Arbeiterin ſoll mehr als 10 Stunden d. i. von 8 Uhr Morgens bis 8 Uhr Abends(incl. 2 Stunden für die Mahlzeiten) arbeiten.

In keinem Zimmer ſollen mehr Perſonen zuſammen ſchlafen, als es die Geſetze der Geſundheit erlauben, d. h. es ſoll nicht weniger als 400 Cubikfuß Luft für jede einzelne, und gehörige Ventilation haben. Die Arbeitsräume ſollen nach denſelben Grundſätzen hergeſtellt werden.

Die Koſt ſoll kräftig, die Speiſe ausreichend und gut gekocht ſein.

Das Haus ſoll zu jeder Stunde einem jeden Mitgliede des Beſuchs⸗ comittees zur Inſpektion offenſtehen, welches irgend eine Ueberſchreitung der Regeln dem Generalcomittee zu berichten hat.

Die fremden Arbeiterinnen ſollen im Hauſe beköſtigt und in einer an⸗ ſtändigen Wohnung logirt werden.

Keine Arbeit ſoll aus dem Hauſe geſchickt werden ohne die hinzuge⸗ fügte Rechnung; alle Rechnungen ſollen mindeſtens innerhalb 3 Monaten zahlbar ſein, wonach fünf Procent Zinſen dazu geſchlagen werden.

Keine Arbeit ſoll übernommen werden, die über die feſtgeſetzte Zeit hinauszugehen nöthigte; wenn der Drang zu groß iſt, ſoll noch mehr fremde Hilfe herbeigezogen werden.

Keine Arbeit ſoll, unter irgendwelchem Vorwande, am Sonntag ge⸗ than werden. Es wird erwartet, daß die im Hauſe wohnenden Arbeite⸗ rinnen der täglichen Morgen⸗ und Abendandacht beiwohnen und Sonntags die Kirche beſuchen.

Für ärztlichen Beiſtand iſt durch Anſtellung eines medical officer geſorgt die Anſtalt ſteht außerdem unter der Aufſicht des Sanitätsbe⸗ amten des Diſtriktes.

Die Rechnungen werden vierteljährlich erledigt und jährlich wird ein Bericht veröffentlicht.

So ſorgen Londons reiche Damen für ihre armen Schweſtern. Sie erfüllen damit nur eine langverſäumte Pflicht chriſtlicher Liebe; doch iſt es keinesweges das erſte Werk ſolcher Art, welches ſie in die Hand ge⸗ nommen haben. Von anderen wird gelegentlich die Rede ſein. Für heute nur die Frage: Sind die beregten Nothſtände unter den Arbeiterinnen viel geringer in Deutſchlands großen Städten, in Berlin, Wien, ꝛc. und was thut dort die elegante Damenwelt zu ihrer Linderung? 9. 7

Schwalbenrache.

Es iſt eine bekannte und ſehr häufige Erſcheinung, daß unſere Haus⸗ ſperlinge gern die Neſter der Haus⸗ oder Mehlſchwalbe in Beſchlag nehmen, ſei es nun, um ihr eigenes liederliches Neſt darin anzulegen, oder um es als Schlafſtelle zu benutzen. Ebenſo bekannt, daß die kleinen emſigen Baumeiſter faſt immer den Verſuch machen, die läſtige Ein⸗ quartirung aus dem kaum fertigen Lehmhauſe zu vertreiben, und daß ſie zu verſtärkten und ſtundenlang wiederholten Angriffen gegen den meiſt nur paſſiven Widerſtand leiſtenden Eindringling ihre Nachbarn zu Hilfe rufen. Meiſt wird der oft wiederholte Sturm ſchließlich mit Erfolg gekrönt, oft aber auch bleibt der kecke Spatz im Beſitz, und die armen Schwalben müſſen, wohl oder übel, oft bei ſehr vorgerückter Jahreszeit, einen Neubau beginnen. Indeß auch die im allgemeinen ſo ſtillen und ſanften Schwalben beſitzen nicht immer jene ſchwächliche Reſignation, welche ſich der Gewalt des Unrechtes ver⸗ ſtummend beugt: zu den beiden mir bisher bekannten Beobachtungen echt ſchwalbenmäßiger Vergeltung kommt nun eine dritte, jene beiden beſtetigende. Ich erzähle ſie, wie ſie mir von einem durchaus glaubwürdigen Augenzeugen neu lich berichtet wurde.

Ein Schwalbenpaar hatte unter einem Fenſterſimſe meiner Arbeitsſtube gegenüber ſein Neſt nahezu vollendet, als das bekannte Allarmgeſchrei der Schwalben mich aufblicken machte. Ein Sperlingsmännchen ſaß geruhig in dem Schwalbenneſte, ſcheinbar völlig ſorglos über die unabläſſigen Angriffe der Eigenthümer. Das dauerte ſo gegen eine Stunde. Es war Nachmit⸗ tags. Da mit einem Male mehrte ſich die Zahl der Angreifer. Der Lärm verſtummte, und mit Erſtaunen gewahrte ich, daß ſämmtliche Schwalben, es mochten 7 bis 8 ſein, mit wunderbarer Schnelligkeit ihre naſſen Erd⸗ klümpchen herbeibrachten und die Oeffnung vermauerten. Nach kaum einer halben Stunde vermochte derverdutzte Spatz den Kopf nicht mehr aus der Oeffnung zu ſtecken und nach wenigen Minuten ſah er nur noch mit dem Schnabel heraus. Die Schwalben umkkreiſten noch einige Mal das Werk ihrer Strafe und verſchwanden dann aus der Nähe. Dem Spatzen aber

mochte es in dem finſtern Gefängniſſe doch nachgerade bange werden. Die

Erdwand war noch feucht und weich, und ſo gelang es ihm bald, aus dem Kerker auszubrechen. Hätte er ſich gelüſten laſſen, darin zu übernachten, ſo würde am andern Tage die Feſtigkeit der Neſtwand ſeine Kräfte überſtiegen und der Störenfried ſeine harte aber gerechte Strafe gefunden haben. Das Schwalbenpaar aber baute am andern Tage, unbeläſtigt von neuen Gewaltverſuchen, ſein Häuslein fertig. E. B.

Tod und Leben. Von Otto Sutermeiſter.

1.

Du wirſt die Ruhe für das Leben erſt erwerben, Wenn Du erworben ſie Dir haſt auch für das Sterben; Und nicht nur mußt Du ſo des eigenen allein,

Nein, auch beſiegen mußt Du fremden Todes Pein: Verlaſſen fällt ſo ſchwer nicht als Verlaſſenſein.

2. Fern ſei Dir Todesfurcht; zu ſterben ſind wir hier; Geh heiter drum dem Tod entgegen für und für: Viel beſſer, wenn Du kommſt zum Tod als er zu Dir.

3.

Mich ſchrecken nicht des Leibs Gebrechlichkeit und Fehle;

Je mehr er ſich verhüllt, enthüllt ſich nur die Seele. 4.

Dreifachen Sinnes pflegt mit Gott der Menſch zu leben; O daß der rechte Sinn, mein Sohn, Dir ſei gegeben! Der fühlt ſich ſelber ſchwach, er fürchtet Gott, und ſucht, Wie er vor ſeiner Macht ergreife Schutz und Flucht.

Der bittet Gott, und wähnt, mit Opfer und Verſprechen Zum eignen Beſten ihn unfehlbar zu beſtechen. Der hat ſein Leben froh in Gottes Hand geſtellt, Und glaubt, daß immer ſo das beſte Loos ihm fällt. 5.

. Was Du jemals verlierſt an Gütern oder Schätzen, Vielleicht in Kurzem wirſt Du es Dir voll erſetzen; Doch nimmermehr ein Dir geliebtvertrautes Weſen, Das ſich zu ſeiner Zier und Luſt Dein Herz erleſen;

Ja ſelber nicht ein Tand: ein Glas, ein Buch, ein Blatt, Das eine theure Hand Dir eingeſegnet hat. Und eine Liebe gar, ein Menſch nun, und ein Glück Sie zaubert Dir fürwahr kein Wunder je zurück. Wohl magſt Du wiederum an neues Glück Dich hängen. Doch nie das alte drum erſetzen noch verdrängen. 6.

Es wird ein tiefes Leid wohl für den Augenblick

Im Freudenrauſch beſiegt, doch bald kehrt es zurück.

Nur tapfre Arbeit ſchlägt es dauernd in die Flucht,

Nur wahre Läuterung iſt ſeine Friedensfrucht.

7.

Nichts hat verloren, wer zum Himmel weinend ſchaut,

Doch alles, wer getroſt der Erde ſich vertraut. 8.

Der öden Wüſte gleich wird wohl die Zeit empfunden, Doch beide hält ein Bord von ew'gem Grün gebunden, Und wer es ſieht, der hat ſchon beide überwunden.

9.

Allzugenügſam ſollſt Du nicht Unſterblichkeit

Allein erſt wähnen an den Marken dieſer Zeit. Wenn nicht Dein Geiſt beſiegt die Scholle, dran er klebt, Dann glaube, daß nicht hier noch dort er wirklich lebt. 10.. Beweiſen läßt ſich nur der Tod; das Leben mußt Du glauben, das Du fühlſt in deiner tiefſten Bruſt; Der nur wird leben, der des Lebens ſich bewußt.

Für das deutſche Rettungsweſen zur See

gingen bis heute, den 18. Mai, ferner ein:

Frau von Wickede in Halle Thlr. 1. Pf. Kunze in Manſtab Thlr. 1. F. v. L. u. C. B. in A. Thlr. 2. Conſiſtorialrath Lippold in Steutz Thlr. 1. Aus München an der Iſar Strand Wird dieſes Scherflein eingeſandt Wir flehen zum Vater in der Höh'! Schütz' unſere Lieben auf der See. Thlr. 10. Sup. Henke in Schievelbein Thlr. 2. Dr. E. Bren⸗ ning in Schwerin Thlr. 1. Dr. Vollert in Arnſtadt Thlr. 4. 10 Gr. Frl. Wilhelmi ebend. 20 Gr. Von zwei Leſerinnen in Schlieſtedt Thlr. 1. 10 Gr. J. Jacobi in Berlin Thlr. 2. und einen Jahresbeitrag von Thlr. 2. Ertrag einer Sammlung unter den Schülern des Lyceums zu Mannheim Fl. 66. 30 Kr. Von dem deutſchen Prediger in Helſingfors Thlr. 2. M. W. M. Schulze in Wansleben Thlr. 1. Frl. von Minckwitz in Deſſau Thlr. 3. 15 Gr. Betrag unſrer vorigen Quittung Thlr. 1284 19 Gr. Summa: Thlr. 1355. 14 Gr.

Briefe und Send

ungen ſind zu richten an die Redaction des Daheim in Leipzig, Poſtſtr. Nr. 2.

Unter Verantwortlichkeit von A. Klaſing in gieleſeld, herausgegeben von Dr. Robert Koenig in Leipzig. Verlag der Daheim⸗Expedition von Delhagen* Klaſing in Bielefeld und Berlin. Druck von Fiſcher witkig in Leipzig.

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