Jahrgang 
1865
Seite
507
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Mit frohem Halloh wurden dieſe Nachrichten aufgenommen, an welchem nur Tjeert Sniers, deſſen Innres vor Wuth kochte, keinen Antheil nahm. Doch betrieb er haſtig den Aufbruch des ganzen Haufens, deſſen Lärm vor einer faſt athemloſen Erwartung ſchwieg, als man ſich Aleidas Wohnung näherte. Bald traf man einen der wachehaltenden Späher und fragte flüſternd:Iſt er noch drinnen?

Ja, er iſt noch da! wurde eben ſo leiſe geantwortet.

Nun vertheilte ſich die Menge um das Haus und bildete einen geſchloſſenen Ring, und da alle Häuſer des Dorfes einzeln zwiſchen Gärten liegen, ſo war die vollſtändige Blokade leicht zu bewerkſtelligen.

Gegen zehn Uhr näherte ſich jemand auf der Dorfſtraße, durch leichtes Huſten ſchon von weitem hörbar. Man zog ſich vor dem Hauſe zurück, duckte ſich hinter dem Zaun von Walfiſchrippen, der den Garten einfaßte, vorſichtig nieder und überzeugte ſich bald, daß es Aleidas Mutter war. Man ließ ſie ruhig ins Haus gehen und hörte, wie ſie die Thüre hinter ſich ſchloß. Darauf blieb alles ruhig. Es war nun eine harte Geduldsprobe, bis Mitternacht unthätig auszu⸗ harren, aber des Landes Sitte und Brauch erlaubte nicht früher ein gewaltſames Auftreten.

Endlich flüſterte Tjeert Sniers zu Derk Ohlſen:Nun iſt's Zeit, Mitternacht iſt heran!

Zugleich näherte er ſich, von Derk und einem andern gefolgt, haſtig der Hausthüre und klopfte laut an derſelben an. Die übrigen, die wohl wußten, was dieſes Klopfen bedeute, ließen ſich dadurch keineswegs verleiten herbeizueilen, ſondern behielten ihren Poſten mit geſteigerter Aufmerkſamkeit, denn nun bereitete ſich die erſehnte Entwicklung vor.

II. Folkert und Aleida.

Wir wenden uns zurück zu Folkert und machen uns mit dem bekannt, was mit ihm unterdeſſen vorging. Als er ſich unvermerkt aus der Verſammlung fortbegeben hatte, ſuchte er ſein einſames Haus auf. Es war in doppelter Hinſicht einſam, denn einmal lag es abſeits vom Dorf unten zwiſchen der Norddüne und der Wieſe, wo ſich nur zwei ziemlich vermögenloſe Familien angebaut hatten, und dann fehlten Vater und Mutter; der erſtere war ſchon vor Jahren zur See verunglückt, die letztere lag ſeit dem vorigen Jahre auf dem Kirchhofe. Eben dieſer Todesfall hatte ihn veranlaßt, nicht wieder auf dem Hamburger Kriegsſchiff Dienſt zu nehmen. wo man ihn gern geſehn und gut bezahlt hatte, vielmehr wandte er ſeine Erſparniſſe an, um das etwas zurückgekommene Hausweſen wieder in Ordnung zu bringen und für ſeine beiden jüngern Geſchwiſter zu ſorgen, bei denen er Vater⸗ und Mutterſtelle zu vertreten hatte. Dieſer Zweck war inſofern erreicht, als alles Schadhafte an der Wohnung ausgebeſſert, der kleine Garten beſtellt, als alles Nöthige angeſchafft, und als die Nachbarfrau gegen angemeſſenen Jahreslohn gewonnen war, für die Kinder ſowie für den kleinen Viehſtand zu ſorgen. Jetzt war er wieder ſein eigner Herr, und es war ſogar nothwendig, an einen neuen Verdienſt für den Sommer zu denken, um im Herbſte über einiges baares Geld verfügen zu können.

Gedankenvoll legte Folkert den Weg zu ſeinem Hauſe zurück, be⸗ grüßte aber freundlich die ſeiner harrenden Kinder und ſorgte dafür, daß ſie ihr Abendbrot bekamen und ihr Nachtlager aufſuchten. Nach⸗ dem ihn dieſe kleinen Sorgen für eine kurze Zeit in Anſpruch genon⸗ men, ſaß er in ernſtem Sinnen eine Weile an dem verglimmenden Torffeuer des Kamins, dann erhob er ſich raſch, wie wenn er einen beſtimmten Entſchluß gefaßt hätte, ging in das Dorf zurück und ſchritt gradezu auf die Wohnung von Aleida Viſſer los. Als er die Thüre geöffnet hatte, zeigte ihm der erſte Blick, daß die Wohnſtube links dunkel war, dagegen rechts im Winterſtall Aleida beim Schein einer aufgehängten Lampe ſich mit den Kühen zu thun machte. Sie ſchaute verwundert auf, als ſie jemand ins Haus treten hörte, und ein unwilliger Ausdruck überſlog ihr Geſicht, als ſie den in der Thüre des Stall s ſtehenden Folkert erkannte. Sie war eine ſehr anziehende Erſcheinung. Ein klein wenig über die weibliche Mittelgröße hinausgehend, entwickelte ſie volle aber doch weiche Formen; um dieſe Arme und dieſe tadelloſen Hände, durchſchimmert von der Röthe jugendlicher Geſundheit, hätte ſie wohl manche vornehme Dame beneidet, und dieſes feine Ge⸗ ſicht, von weit zarterem Teint als hier ſonſt gewöhnlich, mußte ſelbſt

der anſpruchsvollſte Herr für ſchön erklären, wenn er auch vielleicht ſtatt des ſanften Ernſtes, der ſich darin ausſprach, etwas mehr heiteren Muthwillen gewünſcht hätte. Die Bekleidung beſtand aus der frieſiſchen Juppe, die nach unten tief über den ſchwarzen Rock mit ihrem langen loſen Schoß herabfiel, oben aber über dem Buſen züchtig durch eine goldne Agraffe dicht unter dem Halſe geſchloſſen war; die reichen Flechten des dunklen Haares waren leicht durch ein flaches Häubchen mit Spitzenrand bedeckt.

Guten Abend, Aleida! ſagte Folkert mit etwas unſichrer Stimme.

Guten Abend auch! Willſt Du mit meiner Mutter ſprechen, ſo haſt Du den Weg umſonſt gemacht, denn ſie iſt zu ihrer Schweſter gegangen.

Ich wollte mit Dir ſprechen, Aleida.

Dann thuſt Du doch beſſer, Folkert Wybrand, wenn Du morgen am Tage wiederkommſt, wo meine Mutter auch im Hauſe iſt; von einem ſo ſpäten Beſuch bei einem Mädchen, das allein iſt, denkt die Welt nicht eben das Beſte.

Wir haben wohl beide den Leuten keine Urſache gegeben, ſo leicht etwas Unrechtes von uns zu denken, und Du kannſt immerhin meine Bitte erfüllen, ein kurzes Wort mit mir zu ſprechen.

Nach kurzem Beſinnen hob Aleida das nachdenklich geſenkte Haupt und ſagte mit einem offnen ſichern Blick, den Folkert vielleicht lieber etwas befangner geſehen hätte:Nun gut, ſage mir, was Du zu ſagen haſt, aber nicht hier, ſondern in der Stube, und kurz, denn ich habe zu thun.

Sie hob die Lampe ab und ſchritt voraus über die Flur in die Wohnſtube, wohin Folkert nachkam. Nachdem ſie die Lampe auf den Tiſch geſetzt hatte, fragte ſie mit ernſter Beſtimmtheit:Nun, was willſt Du denn?

In das wenn nicht ſtrenge doch wenigſtens theilnahm⸗ loſe Geſicht blickend und dadurch etwas unſicher werdend, begann er: Aleida, Du weißt von lange her, daß ich Dir gut bin.

Sie zog die Brauen ein wenig zuſammen und kräuſelte leicht die Stirne, indem ſie erwiderte:Nun ja, wir haben oft als Kinder zuſammengeſpielt und nachher immer gute Bekanntſchaft gehalten; weil Du etwas älter warſt, haſt Du mir auch manchmal beigeſtanden und mir von Hamburg das hübſche Bild von dem Orlogſchiff mitge⸗ bracht; ich hab' mich ſchön dafür bedankt, und was nun weiter?

Verſtelle Dich nicht, Aleida. Du weißt recht gut, daß ich Dir viel mehr und ganz anders gut bin, als wie es bei den gewöhnlichen Jugendbekanntſchaften der Fall iſt, Du weißt, daß ich Dich unbeſchreib⸗ lich lieb habe, und daß es mein höchſter einziger Wunſch iſt, Dich zu meiner Frau zu nehmen.

Bei dieſer offnen Erklärung gerieth die ruhige Aleida doch in eine ſichtliche Aufregung; ihr Buſen hob und ſenkte ſich vom raſcheren Herzſchlag, eine ſtärkere Röthe überflog das Geſicht, die feinen Lippen zitterten, die Augen ſenkten ſich auf den Boden. Aber bald be⸗ meiſterte ſie dieſe Bewegung, die Röthe verflog, mit ſicherem Stolz ſchaute ſie den Jüngling an, und ihre Stimme klang hart, faſt hoch⸗ müthig, als ſie ſagte:Um Mann und Frau zu werden, dazu gehören zwei, Folkert Wybrand.

Freilich geht's nicht ohne Deine Einwilligung, Aleida. Aber biſt Du mir denn nicht auch ein wenig gut? Sieh, ich ſteh' ſo allein in der Welt, ich habe Vater und Mutter zu früh verloren, und wenn ich auch Gott danke, daß ich für meine lieben Geſchwiſter zu ſorgen habe, ſo verſtehen ſie doch meine Liebe nicht. Drum fehlt es mir an jemand, der mir ſagen kann, daß er mir von Herzen gut iſt, und das muß niemand anders ſein als Aleida Viſſer, ſonſt frage ich doch nichts darnach. Du kannſt mich zu einem glücklichen Menſchen machen, Aleida, wenn Du mir ſagſt, daß Du mir gut biſt, daß Du meine Frau werden willſt.

Die einfache und treuherzige Beredtſamkeit des Jünglings blieb nicht ohne Wirkung auf Aleida, ſie ſenkte den Kopf, und ihre Finger ſpielten mit dem Saum ihres Oberkleides.

Folkert trat einen Schritt näher, ergriff die Hand des Mädchens und fuhr dringender fort:Sprich ein gutes Wort für mich, Aleida. Du brauchſt mir nicht einmal gleich zu ſagen, daß Du meine Frau werden willſt, Du brauchſt mir nur zu ſagen, daß Du mir ein wenig gut biſt..

Aber ſie ſprach das Wort nicht, ſie wandte den Kopf zur Seite, als wiche ſie durch dieſe Geberde der gewünſchten Antwort aus. Als