Jahrgang 
1865
Seite
504
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Und doch! in der Geſindeſtube war's geweſen, das Räthſel mußte gelöſt werden! Ich ſtellte ein Licht in das Geſindezimmer, mich ſelbſt außerhalb der Thür, die ein wenig geöffnet war, auf die Lauer. Wohl eine halbe Stunde harrte ich vergeblich; da! längs der hohen Lambris kam's heran, ein langer Schatten, bis auf den Tiſch. Dort ſtand ein Gefäß voll Milch mit einem hölzernen Deckel, der halb zur Seite geſchoben war. Eine große Ratte legte ihre Vorder⸗ pfote auf den Rand, leckte von der Milch, berührte dabei mit dem Kopf den Deckel und ſetzte dieſen in eine ſchaukelnde Bewegung.

Der Einbrecher war entdeckt. Ob er beſtraft worden, habe ich nicht in Erfahrung gebracht.

Von der Hochſchule des Schwindels. (Aus London eingeſendet.)

Es exiſtiren hier jetzt viele internationale Gaunercompagnien, welche ſich als überſeeiſche: amerikaniſche, auſtraliſche, oſt⸗und weſt⸗indiſche Schifffahrts⸗ Agenten ausgeben. Sie haben ſich durch Adreßbücher u. dgl. alle möglichen Adreſſen von Kaufleuten und Privaten auf dem ganzen Continente und beſonders von Deutſchland zu verſchaffen gewußt und an dieſe ſchreiben ſie nun, es ſeien umfangreiche dicke Briefe oder Packete von den Kolonien für ſie angekommen. Durch den amerikaniſchen Krieg und durch die hie und da in Folge deſſelben unterbrochenen Poſtverbindungen oder durch ſonſtige Zufälligkeiten ſeien aber die darauf haftenden Speſen und Porti etwas angewachſen und belaufen ſich auf ſo und ſo viel meiſtens ein Betrag von c. 10 bis 20 Thaler, den ſie gewöhnlich in Francs und Centimes aufgeben. Gegen Einſendung dieſes Betrags werde das betreffende Poſtſtück umgehend an ſeine Adreſſe abgefandt werden. Sehr oft laſſen ſich dann die Leute durch die lockende Ausſicht auf dendicken amerikaniſchen Brief verführen, die verlangte Summe ein⸗ zuſenden und die ſauberen Herren Schifffahrts⸗Agenten laſſen dann natürlich nie mehr etwas von ſich hören oder ſehen.

Eine dieſer ehrenwerthen Firmen iſt:

Walter Christy& Co. General Agents Australia, America, Brazil, China, India and Japan Express Navigation Company.

130 Kings Road Chelsea, London.

Dieſe Adreſſe iſt nichts anderes als ein italieniſches Kaffeehaus zwei⸗ deutigen Rufes, wohin ein Mitglied der Firma alle Tage kommt, um die Briefe mit den erſchwindelten Geldern in Empfang zu nehmen. Von einem Comptoir iſt natürlich bei dieſen Leuten nicht die Rede.

Es kann deshalb nicht oft genug empfohlen werden, mit keinem un⸗ bekannten hieſigen Hauſe in Verbindung zu treten und beſonders keine Gelder an daſſelbe zu ſenden ehe man ſich vorher genau durch bekannte Geſchäfts⸗ freunde hier an Ort und Stelle über dieſelben erkundigt hat.

A. Ch. Ein eigenthümlicher Zufall fügte es, daß Gneiſenaus Ernennung zum Stabsoffizier und die Abſchaffung des Zopfes im preußiſchen Heere auf einen Tag fällt. Durch Cabinets⸗ ordre vom 17. Dezbr. 1806 wurde Gneiſenau, mit der Beſtimmung, bis zu weiterer Benützung ſeiner Fähigkeiten einſtweilen bei den neu zu formiren⸗ deu Bataillons Dienſte zu thun, zum Major ernannt, und gleichfalls durch Cabinetsordre vom 17. Dezbr. 1806 dem Prinzen Heinrich eröffnet, daß die bei den neuen Bataillons eingeſtellten Soldaten hinfort keine Zöpfe mehr tragen ſollten. Nur ungern und allmälich entſagten ältere Offiziere der ihnen durch Gewohnheit liebgewordenen, wenn auch unbequemen Haartracht, nur der wackere Commandant von Graudenz trug den Zopf bis an ſein Ende, wies den Franzoſen, die ihn 1807 zur Uebergabe der Feſtung zwingen wollten, aber ganz gehörig die Zähne. F. L.

Eine Jagdgeſchichte.

Neuerlich bezweifelte Angaben des großen Afrika⸗Reiſenden Le Vail⸗ lant veranlaßten mich, die Quellen zu ſtudiren.

Es war mir bis zum 3. Bande ſeiner Reiſebeſchreibung manche treff⸗ liche Beobachtung, aber keineJagdgeſchichte aufgeſtoßen. Dort aber las ich die folgende, welche ich auszüglich mit den eigenen Worten des Er⸗ zählers wiedergebe.

Ich ſaß eines Tages unter einem Baume, das Gewehr aufrecht zwiſchen den Füßen, den Zeigefinger der rechten Hand am Drücker, auf einem Laubblättchen in bekannter Weiſe Locktöne hervorbringend. Da flog plötzlich ein kleines, einem Rothkehlchen ähnliches Vögelchen herbei, ſetzte ſich auf meinen Hut und ſodann in ſolcher Weiſe auf die Mündung der ſenkrecht gehaltenen Flinte, daß es mit den Zehen der beiden Füßen in beide Mündungen des Doppelrohrs eingriff. Unwillkürlich drückte ich ab, ſah den Vogel gegen 30 Fuß hoch in die Luft geſchleudert und dann einige Schritt vor mir niederfallen. Ich hob den, wie ich meinte, gänz⸗ lich zerriſſenen Vogel auf, war aber nicht wenig erſtaunt, nur die Schwanz⸗ Flügel⸗ und einige andere Federn etwas verſengt zu finden, und noch er⸗ ſtaunter, als das Vögelchen ſich bald in meiner Hand erholte und plötzlich wohlgemuth davonflog.

Mas ſagt die Experimental⸗Phyſik und Jägerei zu dieſer Geſchichte? Le Vaillant ſelbſt erklärt dasFaktum dadurch, daßdie vor dem Blei aus dem Rohre getriebene Luftſäule den Vogel emporgeworfen, das Feuer ihn verſengt, das Blei ſtarkes Schroot ihn aber nicht mehr in der Schußlinie gefunden habe. E. B.

Briefkaſten.

Herr C. H. in B. Sie fragen nach dem beſten Futter für Ihre Wellenpapageien? das beſte iſt eine Miſchung von weißer Hirſe und Canarienſamen, auch ein Stückchen eingeweichtes Weißbrot. Obſt und Grünes wird ihnen gut bekommen, doch gehen nicht alle an dies Futter.

Herr von A. in Breslau. Wir bitten die Nummer dort bei einer Buchhandlung zu beſtellen, Sie kommen ſo am billigſten dazu. Wir haben wiederholt erklärt, daß wir ſolche Wünſche aus triftigen Gründen nicht er⸗ füllen können.

Dem Freund in W. Iſt alles ſchon vorbereitet, wir werden das Jubiläum der Schlacht von Belle⸗Alliance durch zwei brillante Zeichnungen Bleibtreus feiern. Sie fragen, weßhalb dieſes und jenes noch nicht ge⸗ bracht ſei. Bedenken Sie doch, daß man in 2 Quartalen nur ein ſehr kleines Quantum Stoff erſchöpfen kann. Um alle Gebiete zu berühren, müßten wir mehr Nummern hinter uns haben als 34. Ferner: Namen wollen Sie? Namen thun's nicht allein, jedoch ſollen Sie auch Namen finden. Wenn Sie nur wüßten, wie wirr uns zuweilen im Kopf wird vor alle den widerſprechenden Wünſchen. Der eine will längere, der andre kürzere Sachen, der mehr Belehrendes, jener Unterhaltendes, dieſer mehr, ein anderer weniger Bilder: unſre Sache iſt, die richtige Mitte zu halten, aber jedem kann man's nicht recht machen.

Für das deutſche Rettungsweſen zur See

gingen bis heute den 8. Mai ferner ein:

Zwei Leſer des Daheim in Zerbſt Thlr. 1. 2 Kinder in Altenburg Gr. 5. H. A. N. Ch. E. N. Lübeck Thlr. 6. Prof. Roſenberger in Halle Thlr. 5. Geſ. von Pfarrer Engelhardt in Frieſenhauſen(Baiern) Fl. 6. 4 Kr. v. E. J. in C. Thlr. 7. Ungenannt aus Berlin Thlr. 2. Joſ. von Homeyer zu Kirch⸗Boggendorf Thlr. 6. Ungenannt aus Bielefeld Thlr. 5. Aus der Sparkaſſe von H.& J. in B. Gr. 15. von Flotow in Poſen Thlr. 2. E. C. in Düſſeldorf Thlr. 3. T. Cruſius in Nonweiler b. Trier Thlr. 2. W. Bender in Düren Thlr. 2. Pf. Lindenborn in Niederalmen Reg.⸗B. Trier Thlr. 1. Hauptmann Bilefeldt in Schrimm Thlr. 3. Ungenannt aus Bielefeld Jahresbeitrag von Thlr. 10. Pf. Pappe und Frau in Gultz Thlr. 2. Pri⸗ maner J. F. zu Hohenſtein in Oſtpr. Gr. 10. Pf. Trinius in Zerke Thlr. 1. S. in K. Thlr. 1. Ungenannt in B. Thlr. 2. Holever in Barlomin Thlr. 5. Fr. v. D. in Breslau Thlr. 5. J. G. H. und Frau S. in Calbe Thlr. 1. Durch G. Hermann in Langenberg, ferner Thlr. 11. E. F. in Langenberg Thlr. 2. Vom Committee der Preußiſch⸗deutſchen Flottencaſſe in Genthin Thlr. 83. 9 ½ Gr. Aus Altenburg Thlr. 6. Abonnent in Zwickau, gutem Beiſpiel folgend, 1 Dombauloos 78,400 und 1 Schles⸗ wig⸗Holſteinloos 137,692. Auf einer Kneipe des Wingolf in Gießen ge⸗ ſammelt von Stud. med. Harbordt 5 Fl. E. A. C. B.& M. in Stralſund Thlr. 5. Frau W. Geh.⸗Räthin Mentzel in Berlin Thlr. 2. Von Leſern in Holzminden Thlr. 2. Betrag unſrer vorigen Quittung Thlr. 1104. 7 ½ Gr. Summa: Thlr. 1284. 19 Gr. Thlr. 22 Jahresbeiträge und 3 Lotterielooſe.

Geſchenkgeber in Preußen werden zur Vermittelung von Beiträgen auf das bequeme Mittel der Poſtanweiſung mit der Adreſſe: an den Verein für das Rettungsweſen zur See zu Händen von Velhagen& Klaſing in Biele⸗ feld ergebenſt aufmerkſam gemacht.

Die Rettungsſache macht überall die erfreulichſten Fortſchritte. Es regt ſich an allen Orten und tauſend Hände arbeiten mit an dem vaterländiſchen Werk. In Bremen iſt ſo viel Geld vorhanden, um eine neue Station auf Helgoland ins Auge faſſen zu können. Aus Magdeburg ſtehen 2300 Thaler alter Flottengelder in ſicherer Ausſicht. In, Danzig hat ſich in den letzten Tagen ein Verein ge⸗ bildet, in deſſen erſter Sitzung 600 Thlr. an einmaligen und c. 70 Thlr. an jährlichen Beiträgen gezeichnet wurden. Einer der Hauptrheder machte den Vorſchlag, ſich ſelbſt zu beſteuern und jährlich von der Schiffslaſt 1 Sgr. für Ret⸗ tungszwecke zu geben, der mit Acclamation aufgenommen wurde. Dies wird für Danzigs Rhederei allein jährlich 900 Thlr. ergeben. Mit der Einrichtung der Daheim⸗ Station auf Leba wird jetzt vorgegangen. Das Boot wird beſtelltund der Raketenapparat nicht lange auf ſich warten laſſen. Hoffentlich werdenwirdemdeutſchen Centralverein der ſich in Kiel conſtituiren ſoll, außerdem noch eine recht große Summe übergeben können, wozuuns unſer Leſerkreis, der ſich zum Theilſchon ſehr wacker betheiligthat, in Stand ſetzen möge!

Am 29. Mai werdendie Vertreterallerdeutſchen Vereine (der Emdener, Bremer, Hamburger, Kieler, Stettiner ec.) in Kiel zuſammenkommen, um ſich zu einem allgemeinen deutſchen Centralverein zu verbinden; möge das brüder⸗ liche Friedens⸗ und Einigungswerk raſch von Statten gehen. Hoffentlichwerden auch die übrigen großen Blätter nicht länger mehr zögern, ihren Einfluß anzuwenden und mit Hand an das nationale Werk zulegen.

Die Redaction.

Briefe und Sendungen ſind zu richten an die

Redaction desDaheim in Leipzig, Poſtſtr. Nr. 2.

Unter Verantwortlichkeit von A. Klaſing in Bieleſeld, herausgegeben von Dr. Robert Koenig in Leipzig. Verlag der Daheim-Expedition von Velhagen* Klaſing in Bielefeld und Berlin. Druck von Fiſcher Wittig in Leipzig.

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Aordſenſe

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