Jahrgang 
1865
Seite
496
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Ebenſo fügt der ihm folgende Friedrich II noch mehrere Thürme und Galerieen hinzu.

Alles dieſes ſind aber nur Vergrößerungen des älteren Rup⸗ rechtsbaues; der prächtigſte Theil des ganzen Schloſſes hingegen, der noch jetzt als Ruine die höchſte Bewunderung wachruft, iſt erſt unter Friedrichs Nachfolger Ottheinrich erſtanden, trägt von ihm, dem eifrigen Förderer der Reformation, den Namen Ottheinrichs⸗ bau. Auf der rechten Seite des innern Schloßhofes(wenn man von der Rückſeite hereinkommt) gelegen, zieht er ſofort durch ſein prachtvolles Portal den Blick auf ſich, und unter all dem Schönen ſeiner Umgebung zeichnet das zierliche Ebenmaß dieſes Baues ſich ſo aus, daß ſchon bald die Meinung entſtand, ein ſolches Werk ſei von keiner Hand als der Michel Angelo Buonarottis geſchaffen. Kaum weiß das Auge, ob es der Unerſchöpflichkeit der Erfindung von allegoriſchen, bibliſchen und heidniſchen Figuren, ob es der Fülle von Arabesken, Blumen, Waffen, welche ſich um die Glieder des Baues ſchlingen, oder dem Ebenmaß von Fenſterbogen und Thoren größern Zoll der Bewunderung geben ſoll. Ueber dem Giebel des Eingangs prangt die Statue des Kurfürſten; um ſie gruppiren ſich in drei Stockwerken übereinander die Figuren heid⸗ niſcher Gottheiten und perſonificirter Regententugenden. Aber von all den andern Bildwerken wendet ſich der Blick doch zuletzt immer wieder nach dem, das zuerſt ins Auge fällt, dem prächtig geſchmückten Portal.

Ottheinrichs Simmernſcher Vetter und Erbe, der fromme Friedrich III, der ſich im Heidelberger Katechismus ein womöglich noch dauernderes Denkmal geſtiftet als ſein Vorfahr in dem präch⸗ tigſten aller Prachtbauten, hat das Schloß ſelbſt unverändert ge⸗ laſſen; ebenſo Johann Caſimir, der ſich wiederum ein Denk⸗ mal anderer Art in dem erſten der großen Fäſſer ſetzte, von denen uns die Chronik erzählt.

Kaum aber war das neue Jahrhundert angebrochen, das für die pfälziſchen Fürſten ſelbſt wie für ihr Stammſchloß ſo verhäng⸗ nißvoll werden ſollte, ſo erhob ſich der letzte der ſelbſtändigen Bauten

in dem von Friedrich IV gegründeten Friedrichsbau, dem mittleren Theil der Vorderſeite des Schloſſes(16014 1607). Be⸗

ſtimmt, den Ottheinrichsbau noch an Pracht zu übertreffen, hat der

den bunten Details überladen iſt. Auch dieſer Bau hat drei Stock⸗ werke, ſämmtlich wieder mit Statuen geſchmückt, diesmal der Ahnen des Fürſten; und wie beim Ottheinrichsbau nennt uns auch hier die Inſchriſt über dem Thore den Gründer. Aber nur die oberen Stockwerke dienten ihm zur eigenen Wohnung; der untere Stock bildete die reich ausgeſchmückte Kirche, noch jetzt zu dem beſter⸗ haltenen Theilen des Ganzen gehörig, und vor ihr liegt der rings von kleinen Thürmchen begrenzte Altan, der die entzückende Aus⸗ ſicht auf Stadt und Fluß, auf das gegenüberliegende waldbekränzte Gebirge und die prangende zum Rhein ſich hinabſenkende Ebene bietet.

Dem Friedrichsbau ſchließt ſich dann endlich noch der Eliſa⸗

von Friedrichs IV Sohne Friedrich V zu Ehren ſeiner engliſchen Ge⸗ mahlin, der Tochter Jakobs I, nach dem Muſter von Windſor 1613 1618 gegründet. Es iſt ein würdiger Schlußſtein aller früheren Bauten; die Berichterſtatter werden nicht müde, uns die Herrlichkeit des Gebäudes ſowohl wie die Waſſerkünſte, Statuen, Grotten und ſeltenen Bäume des dazu gehörigen Gartens zu ſchildern. Und der Beſitzer ſchien vom Schickſal beſtimmt, nicht nur die Schön⸗ heit des Ahnenſchloſſes zur höchſten Entfaltung, ſondern auch die Macht der Ahnen ſelbſt auf die höchſte Stufe zu bringen. Mit der Königstocher vermählt, von den proteſtantiſchen Fürſten Deutſch⸗ lands an die Spitze ihrer Union geſtellt, wird er ſchließlich zum König von Böhmen erwählt, und ſcheint, als er ſein Heidelberger Schloß mit dem Prager Hradſchin vertauſcht, der glücklichſten Zukunft entgegenzugehen.

Aber nur als Flüchtling hat er ſein Schloß wieder betreten, um dann in der Ferne als gramerfüllter Verbannter zu ſterben, und das Schloß hat ſein Geſchick nur zu ſehr getheilt. Doch wir halten ein, bis der Künſtler ſtatt des alten Schloſſes die heutige Ruine uns vorgeführt hat. Führt dieſe uns die trübſten Tage

zu ſehr an deren glorreichſte Epochen, um nicht mit der Erinnerung

an ſie von ihm zu ſcheiden.

Bilder aus dem Heeleben.

Von Corvettencapitän Werner.

II. Der erſte Tag in See.

Weſt⸗Nord⸗Weſt, ſagt Kurzſpleiß, der wieder auf dem Deck erſcheint, zum wachhabenden Officier.

Weſt⸗Nord⸗Weſt, antwortet dieſer mit höflicher Verbeugung an die Mütze faſſend und geht nach hinten.

Weſt⸗Nord⸗Weſt, ruft er den Leuten am Steuerruder zu.

Weſt⸗Nord⸗Weſt, wiederholen dieſe zum Zeichen, daß der Befehl richtig verſtanden iſt. Das Steuerrad dreht ſich unter ihren Händen und die Fregatte folgt dem neuen Curſe.

Der erſte Lieutenant geht nach vorn, um nach der Befeſtigung der Anker zu ſehen und der wachhabende Officier ſpaziert ſelbſtbe⸗ wußt und ſehr ſtolz an Steuerbordſeite des Hinterdecks auf und ab, denn er thut heute ſeine erſte Wache. Seit vierzehn Tagen hat Herr Bölting die Jacke mit dem Rock, den Dolch mit dem Säbel, die ſchmale Mützentreſſe mit der breiten, mit einem Worte den Ka⸗ detten mit dem Unterlieutenant vertauſcht und iſt Wachhabender geworden. Das iſt keine Kleinigkeit und er darf wohl ſtolz darauf ſein. Bis dahin mußte er ſich von allen befehlen und ſchicken laſſen, jetzt befiehlt und ſchickt er ſelbſt, und die vier Kadetten auf ſeiner Wache werden viel zu thun bekommen. Aber Unterlieutenant Bölting iſt human; die kurze harte Form der Dienſtbefehle hat ihn ſtets unan⸗ genehm berührt und er hat ſich vorgenommen, ſich ſtets der größten Höflichkeit zu befleißigen. Auf ſeine äußere Erſcheinung verwendet er viel Sorgfalt; ſeine Kleider haben einen untadelhaften Schnitt. Der hintere Scheitel ſeines blonden gelockten Haares Bölting iſt überhaupt ein hübſcher junger Mann ſchneidet genau mit der Nath des Rockkragens ab, und nur der ſonſt wohlgerathene Bart macht ihm Kummer, weil er ſtark in das Röthliche ſpielt.

(Er trägt Lackſtiefel und weiße Glacés. Der Kadett Vogel be⸗ hauptet ſogar, daß er letztere auch Nachts anbehalte; aber Kadetten haben bekanntlich einen loſen Mund und hängen gern ihren Vorge⸗ ſetzten etwas an, namentlich Vogel, der durchtriebene Strick, der See⸗ kadett im Superlativ.

Jedenfalls aber erweiſt Bölting mit den Glacés dem erſten Lieutenant keinen Gefallen, der an Bord kein Freund von dergleichen VFeinheiten im Anzuge iſt und bei ſeiner Rückkunft auf das Hinter⸗ deck das Selbſtbewußtſein des Wachhabenden durch die kurze ſcharfe Frage:Wollen Sie nicht braſſen? ſchwer erſchüttert. Der arme Bölting hat trotz ſeines Dienſteifers vergeſſen, daß der Wind durch die Cursänderung mehr nach hinten gegangen und eine Umſtellung der Segel nöthig geworden, obwohl das ſo manchem jungen Officier paſſirt.

Erröthend ſucht er ſich auf die höflichſte und erſchöpfendſte Weiſe zu entſchuldigen, gießt aber dadurch nur Oel in das Feuer. Bleiben Sie mir mit den Redensarten vom Leibe, herrſcht Kurzſpleiß ihn an,nehmen Sie Ihren Dienſt in Acht und braſſen Sie.

O wie grob! denkt Bölting empört. In Erinnerung des Talleyrandſchen Ausſpruches überſetzt er aber dieſen Gedankenlaut inZu Befehl, Herr Capitänlieutenant und führt das Manöver aus, nachdem er heimlich einen Blick auf die Commandoworte ge⸗ worfen, die er auf alle Fälle in ſeiner Taſche bei ſich trägt.

Sieben Glas,(halb zwölf) meldet der Poſten vor der Ca⸗

V pitänskajüte.

Laſſen Sie die Kadetten zum Obſerviren rufen, ſagt Kurz⸗

V ſpleiß, deſſen Schritte in Folge des Anblicks der Glacés und Lack⸗ ſtiefel ſehr beſchleunigt ſind.

bethenbau an, zwiſchen ihm und dem dicken Thurme gelegen,

deutſcher Geſchichte ſchmerzlich vor die Seele, ſo erinnert doch jenes

Friedrichsbau Zierde auf Zierde gehäuft, ſo daß er faſt zu ſehr von

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