Jahrgang 
1865
Seite
490
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haben geſehen, daß der Anführer der Reiter, der mitten auf dem Hofe hielt, einen blanken Panzer unter dem Scharlachmantel trug, ſie ſahen ſeine goldenen Sporen im Fackellicht blitzen, ſie hörten wie er in deutſcher Sprache befahl, daß noch zehn Mann abſttzen ſollten, um die, welche ſchon im Schloß kämpften, zu unterſtützen, ſie hörten, wie er denſelben herriſch zurief:lebendig oder todt, aber eilt! Der Mann hatte auf ſie den Eindruck eines hohen Kriegsbedienten gemacht. Endlich hatten die beiden Leute geſehen, daß drei verhüllte Geſtalten von den Reitern aus dem Portal getragen und auf ſchon bereit gehaltene Roſſe geſetzt wurden, mit denen ſich eine Abtheilung der Reiter ſofort in Bewegung ſetzte und im Galopp davonritt, ein Fackelträger voran. Der vornehme Offtzier hielt noch eine kleine Weile im Hofe, ſammelte ſeine Leute kriegsmäßig und jagte dann mit ihnen der erſten Abtheilung nach.

Weitere Nachrichten über die Ereigniſſe in jener blutigen Novembernacht ſind nicht auf uns gekommen. Niemand hat erfahren, wohin ſich jener bedeutende Reiterzug gewendet, er war geſpenſtig über die Haide gefahren, niemand hat ihn weiter geſehen im Lande. Eine ſchreckliche Erinnerung aber an die Mordnacht von Haidelliſt lebte fort unter den Leuten und hat ſich, mit mancherlei abenteuerlichen Zuſätzen vermehrt, erhalten bis auf dieſen Tag.

III. Ein Volkslied.

Ach wenn ihr uns nie bezwänget Holde Wünſche, höchſte Liebe, Wären in uns keine Triebe Nicht zum Böſen, nicht zur Tugend; Einſam, ohne Licht die Jugend, Ohne Muth und Leben bliebe. Ludwig Tieck. Unter den Papieren, welche uns zur Benutzung für dieſe Er⸗ zählung zu Gebote ſtanden, befindet ſich ein grobes Blatt Papier, vielfach eingeriſſen, ſtockfleckig und mit Einkniffen verſehen, welche verrathen, daß es mehrfach zuſammengelegt lange in einer Brief⸗ taſche getragen worden. Dieſes Blatt iſt mit Verſen beſchrieben, welche wir hier mittheilen, ſo weit dieſelben noch lesbar waren, ge⸗ ändert haben wir daran nur Einzelnes in der Schreibart. Die Verſe lauten:

Es heult der Hund am Thurme, Er will zu ſeinem Herrn, Die Wolken jagen drüber Und einſam blitzt ein Stern.

Es heult der Hund am Thurme, So heult er jede Nacht, Bis tief im tiefſten Kerker Sein Herr iſt aufgewacht.

Es heult der Hund am Thurme, Er will zu ſeinem Herrn, Die Wolken jagen drüber Und einſam blitzt ein Stern.

Es heult der Hund am Thurme, So heult er jede Nacht, Da iſt im Kerker droben Die Fürſtin aufgewacht.

Er trägt ſo ſchwer an Ketten, Doch ſchwerer noch an Schmerz Und ſeines Hündleins Heulen, Das greift ihm hart ans Herz.

Die junge Landgräfinne Sie hört des Hundes Laut, Da hat ihr weißes Bettchen Mit Thränen ſie bethaut.

Sie kennt des Hündleins Stimme Vom grünen, grünen Hag, Wo ſie der ſüßen Minne Mit ihrem Buhlen pflag.

Nun, wie ihr Buhle drunten, Liegt droben ſie in Haft, So hart ward ach! die Liebe Noch niemais nicht geſtraft!

Das Hündlein heult am Thurme, Das hören ſie nun beid', Das iſt in harten Banden Ein bitter Herzeleid. Es heult der Hund am Thurme, Er will zu ſeinem Herrn Die Wolken jagen drüber Und einſam blitzt ein Stern.

Das Hündlein iſt geſprungen Vorauf mit munterm Sprung, Schlich er zu der Herzliebſten In brauner Dämmerung.

Und Wache hat's gehalten. Wenn heimlich ſie geküßt,

Mit ihren rothen Lippen Die heiße Luſt gebüßt.

Nun liegt er hart in Banden Sein Hündlein heult am Thurm, Sein Stern iſt ausgegangen Und drüber brauſt der Sturm.

Die beiden letzten Verſe ſind bis zur völligen Unkenntlichkeit verblaßt und verwiſcht, etwas Weſentliches werden ſie ſchwerlich ent⸗ halten haben. Auch bei den mitgetheilten haben wir einzelne Worte nicht leſen, ſondern nur errathen können, wären auch ſchwerlich im Stande geweſen von dem Liede ſo viel mitzutheilen, wenn nicht die verblaßten Schriftzüge der urſprünglichen Niederſchrift bei mehreren Verſen mit ſchwärzerer Tinte und von einer andern Hand, offenbar um ſie zu erhalten, ſorgfältig nachgemalt worden wären.

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Auf der linken Seite des Blattes ſtehen unter den Verſen auf die jener Zeit eigne Weiſe verſchnörkelt die Buchſtaben: H. J. M. V. H. V. D. J. V. Q. D. M. P. Bbg. 16. Jul. 1694.

Dieſe Unterſchrift leſen wir: Hans Joachim Magnus von Haidelliſt und Dambach, Juris utriusque Doctor, Manu propria, Bamberg den 16. Juli 1694.

Dieſer Herr von Haidelliſt, welcher die Namen jener drei Brüder von Haidelliſt führte, von denen wir erzählt haben, war indeſſen nicht der Dichter der vorſtehenden Verſe, ja, er hat ſie nicht einmal geſchrieben, ſondern ſie nur, wenigſtens theilweiſe, durch ſein Nachmalen der Buchſtaben vor dem gänzlichen Verlöſchen be⸗ wahrt.

Sichtlich aber hat er auf dieſe Verſe, wenn auch nicht ſofort, ſo doch ſpäter einen großen Werth gelegt; es ſcheint, daß er die⸗ ſelben lange bei ſich geführt. Er that Recht daran, denn er be⸗ trachtete wahrſcheinlich, wie wir es jetzt thun, jene Verſe trotz ihrer Allgemeinheit, trotzdem, daß ſie keinen Namen, keinen Ort und keine Zeit melden, als den Schlüſſel zu dem dunkeln Geheimniß, welches über der blutigen Epiſode aus ſeiner Familiengeſchichte lag, die wir unſern Leſern mitgetheilt haben. Freilich hat der Schlüſſel das Geheimniß doch nicht erſchloſſen, denn jener Herr von Haidelliſt wußte nicht mehr, ſondern wahrſcheinlich noch weniger als wir von jenen Begebenheiten, aber es iſt doch intereſſant, daß er zu dieſem Gedichte noch früher kam, und ſich ſeiner, nur von einer dunkeln Ahnung geleitet, bemächtigte, als zu einem andern Schriftſtück, das freilich materiell für ihn und ſeine Familie einen ungleich höheren Werth haben mußte.

Im Sommer des Jahres 1694 war der Braunſchweig⸗Lüne⸗ burgiſche Geheimerath und Großvoigt Herr Hilmar von Münch⸗ hauſen mit einer wichtigen Sendung nach Wien und an mehrere Höfe im Reich betraut worden; einer der jungen Cavaliere, welche dieſen Diplomaten begleiteten, war Herr Hans Joachim Magnus von Haidelliſt und Dambach, welcher im Jahre vorher zu Helmſtadt Doctor juris geworden war und für einen ausgezeichneten Kopf galt. Es ſcheint, daß der Großvoigt ſeinem jungen Begleiter viel Ver⸗ trauen ſchenkte, und ihm die minder wichtigen Aufträge an den kleinern Höfen zu ſelbſtſtändiger Ausführung übertrug, denn Herr von Haidel⸗ liſt befand ſich im Laufe jenes Sommers allein an verſchiedenen geiſtlichen Höfen Süd⸗Deutſchlands.

An einem ſchönen warmen Aulitage ritt derſelbe, von drei Dienern begleitet, gen Bamberg durch die lieblichſte Landſchaft, und war ſo recht fröhlich in ſeinem Herzen. Da holte er einen Trupp junger Leute ein, welche allerlei Lieder ſangen. Der Herr von Haidelliſt hatte ſeine große Freude an dem muntern Geſange, der mit der ſonnigen Landſchaft im beſten Einklange ſtand, ſo daß er lauſchend langſam hinter dem Trupp herritte. Er war beinahe betroffen, als die luſtigen jungen Sänger plötzlich in eine ſchwermüthige, faſt klagende Weiſe fielen und die Strophen ſangen, welche wir oben mitgetheilt haben. Der Herr von Haidelliſt fühlte ſich durch den Geſang ſo mächtig be⸗ wegt, daß er ſich faſt der Thränen nicht zu erwehren vermochte, es ſprach ihm aus dem Liede eine mahnende Stimme zu, die ihm bekannt klang und noch als er ein alter Mann war, konnte er an jene Stunde nicht ohne die tiefſte Rührung denken. Als er ſich etwas gefaßt hatte, ritt er zu den jungen Leuten und machte Bekanntſchaft mit ihnen. Es waren proteſtantiſche Studenten aus dem Reich, welche ſich auf dem Wege zuſammen gefunden hatten und nun gemeinſam über Hof und durch das Voigtland nach Leipzig ziehen wollten, um dort Theologie zu ſtudiren. Der Herr von Haidelliſt erkundigte ſich nach dem Liede, welches ihn ſo mächtig bewegt hatte, und ein ſchmucker Geſell aus dem Neuburgiſchen theilte ihm freundlich mit, daß das Lied in ſeiner Heimat ganz gemein ſei, alſo daß es auch die Hand⸗ werksburſchen auf den Herbergen ſängen. Näheres wußte er garnicht, nur ſagte er, daß es viele Verſe habe und erbot ſich endlich gegen den freundlichen Cavalier, ihm alle Verſe aufzuſchreiben, welche er in ſeinem Gedächtniſſe finde. Zu Bamberg hat Herr von Haidelliſt die Studenten in ſeiner Herberge, die zum Maltheſerkreuz beſchildet war, mit einem guten Trunk fränkiſchen Weines bewirthet und dort mag ihm denn jener Student die Verſe aufgeſchrieben haben, die jetzt in verblichener Schrift vor uns liegen. Erſt ſpäter, als ihm das Blatt noch wichtiger geworden, wird der Herr von Haidelliſt das Datum jenes Tages und ſeinen Namenszug darunter geſetzt haben.

Einige Tage danach ſaß der junge Cavalier als ein hochge⸗

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