Schiffe Cairo und ging nilaufwärts, zu Waſſer und zu Lande, zum Theil durch unwegſame Wüſten und Steppen, nach Kharthüm der Hauptſtadt Oſt⸗Sudäns. Hier ſtellte ſich eine ernſte Schwierigkeit, ja Unmöglichkeit heraus, nach Abyſſinien zu gelangen, welches da⸗ mals von Bürgerkriegen zerriſſen und außerdem durch heftig ent⸗ brannte Grenzſtreitigkeiten gegen die ägyptiſchen Beſitzungen ſo gut wie abgeſperrt war. Auch ließ die inzwiſchen weit vorgerückte feuchte Jahreszeit ernſte Gefahren für die Geſundheit der Reiſenden befürchten. In Kharthüm herrſchten bereits die heftigſten Fieber und rafften drei dort lebende Europäer gewiſſermaßen unter den Augen Barnims dahin. Trotzdem beharrte der muthige junge Mann, welcher am 22. April 1860 zu Kharthum erſt in ſein neunzehntes Jahr trat, auf wenigſtens theilweiſer Verwirk⸗ lichung ſeiner kühnſten Hoffnungen, und erregt durch die lebhaften Schilderungen einiger im Ort lebender Europäer, beſchloß er eine Reiſe längs der waldreichen Ufer des blauen Niles zum Berge Ghüle, dem Erbſitze des Fürſten der ſchwarzen Fundj und nach der fernen Provinz Fazöglo, zu unternehmen.
Nicht ohne Beſorgniß, aber doch mit ganzer Entſchloſſenheit, folgten ihm ſeine Begleiter. Während dieſer Reiſe nun entfaltete ſich die reiche, Barnims Gemüth innewohnende Fülle von Liebens⸗ würdigkeit und Edelſinn. Trotz mancher Beſchwerden, trotz manchen Ungemaches erreichte man glücklich Fazöglo, damals der ſüdlichſte Beſitz der Türken in Centralafrika. Hier entbrannte gerade jener blutige Aufruhr der Eingeborenen gegen die Türkenherrſchaft, welcher kurze Zeit nach Barnims Anweſenheit die Aegypter zur Aufgabe Fazöglos nöthigte, ein Aufruhr, der erſt neuerdings mit Feuer und Schwert niedergeworfen worden. Auf anſtrengenden Ausflügen in die Berge Fazöglos zogen ſich Barnim, ſein ärztlicher Begleiter und der Dolmetſch ſchwere Fieber zu. Von Kriegsgefahr bedroht, mußten die Kranken ihren zeitigen Aufenthalt, den türkiſchen Mili⸗ tärpoſten Famaka in Fazöglo, auf den dringenden Wunſch des dortigen Befehlshabers ſchleunigſt verlaſſen. Nach mehrtägigem höchſt beſchwerlichem Rückmarſch durch finſtere Wälder erreichten ſie
Roſéres, wo der junge Baron, von Strapatzen und Fieber erſchöpft, am 12 Juli erlag. Der Arzt, nachdem er ſelber wochenlang mit einem faſt ſchon gewiſſen Tode gerungen, gewann erſt nach ſechs leidensvollen Monaten die Heimat wieder.
Das Unglück, welches ſo jäh über den jungen Fürſtenſohn hereingebrochen, ſetzte ſeinen, namentlich der Erdbeſchreibung, karto⸗ graphiſchen Aufzeichnungen und künſtleriſchen Verſuchen mit Stift und Pinſel gewidmeten Arbeiten ein zeitiges Ziel. Während der langen, ſchweren Krankheit auch ſeines Begleiters ging viel von den Reiſenden mit Mühe und Sorgfalt geſammeltes Material zu Grunde, dennoch konnte noch Manches davon gerettet und ſpäterhin regelrecht bearbeitet werden. Mußte demnach auch an den Er⸗ gebniſſen der Reiſe Barnims nicht wenig unvollſtändig und un⸗ ſicher bleiben, ſo haben dennoch das Unternehmen ſelbſt die binnen ſo ſehr kurzer Zeit gewonnenen, wiſſenſchaftlichen Reſultate deſſelben und das harte Geſchick ſeines jugendlichen Führers bei den edelſten Männern Deutſchlands und der Fremde, beſonders Frankreichs, die lebhafteſte Anerkennung, die innigſte Theilnahme gefunden. In Afrika ſelbſt wird man des männlich ſchönen, geiſtig begabten, leut⸗ ſeligen und für ſeine Zwecke hochbegeiſterten Jünglings ſobald nicht vergeſſen. Der Reiſe Adalbert von Barnims nach Innerafrika wird gewiß für immer ein ehrenhaftes Andenken geſichert bleiben.
Die Reſte des theuren Entſchlafenen wurden, unter thätiger, liebevoller Mitwirkung der ägyptiſchen Behörden und der Einge⸗ borenen von Sennär, durch einen entſchloſſenen Mann, Abdallah⸗ Agha aus Eſneh(Oberägypten), Janitſchar des preußiſchen General⸗ conſulates zu Alexandrien, im Monat Mai des Jahres 1861 dem „Grabe am blauen Nil“ entführt und gelangten im Herbſte deſſelben Jahres nach Berlin. Hier ruhen ſie auf dem Invaliden⸗ kirchhofe mitten unter den Gebeinen jener Helden, die für des Vater⸗ landes Größe und Ehre geſtritten. Ein geſchmackvolles Denkmal kennzeichnet die Stelle, an welcher der muthige junge Streiter für Afrikas Erforſchung nun ſeine bleibende Stätte ge⸗ funden. R. H.
Am Familientiſche.
Ein alter Streitpunkt.
Dr. E. Baldamus, der ſo gediegene Kenner der Vogelwelt, beſtreitet in Nr. 29 des„Daheim“ das Vorkommen und die Möglichkeit der Ueber⸗ winterung von Schwalben im Schlamme, in Uferlöchern u. ſ. w. Er ſagt: „Dem negativen Beweiſe(daß noch kein Naturforſcher Schwalben im Schlamme gefunden habe und überhaupt noch niemand als wirklicher Augenzeuge dafür aufgetreten ſei) ſtehen die ſehr poſitiven zur Seite, daß eine ſolche Ueberwinterung aus phyſiologiſchen Gründen unmöglich iſt, und daß Abzug und Ankunft der Schwalben und anderer Zugvögel diesſeits und jenſeits des Mittelmeers exakt genug beobachtet worden.“
Der letztere Theil wird wohl von niemand mehr in Zweifel gezogen, beweiſt indeß nichts gegen einzelne Ausnahmsfälle, und die Unmöglichkeit aus phyſiologiſchen Gründen muß erſt noch bewieſen werden. Sie kann indeß nicht bewieſen werden, weil, wie ich ſelbſt erlebt habe, das Ueberwintern von Schwalben im Schlamme von Teichen vorkommt.
Um die Mitte der vierziger Jahre war ich zugegen, wie Ende Januar oder Anfang Februar in Wolfenbüttel bei dem Zuſchütten des mit Waſſer ausgefüllten Stadtgrabens eine Anzahl Schwalben von den Arbeitern aus dem Schlamme hervorgeſchaufelt wurden. Sie befanden ſich im Zu⸗ ſtande vollſtändiger Erſtarrung. Ich nahm einige der Schwalben mit auf mein Zimmer, in deſſen Wärme ſie langſam zum Leben zurückkehrten.
Die Zahl der aufgefundenen Schwalben mochte fünfzehn bis zwanzig betragen. Ob dieſelben durch Schwäche, durch Verſpätung oder durch Kränk⸗ lichkeit verhindert waren, an der Wanderſchaft nach dem Süden Theil zu nehmen— wer kann es wiſſen! Gewiß aber iſt die Vermuthung berechtigt, daß die Schwalben, da ſie durch die Wärme des Zimmers aus ihrer Er⸗ ſtarrung erwachten, auch im Frühjahr durch die Wärme ins Leben zurückgerufen und aus dem Schlamme hervorgekommen ſein würden. Ebenſo berechtigt iſt die Annahme, daß es in der Willkür der Schwalben ſteht, ſich in jenen Zuſtand der Erſtarrung oder des Winterſchlafes zu verſetzen.
Einen weiteren Schluß, wie z. B. daß jedes Jahr regelmäßig eine Anzahl Schwalben in der angegebenen Weiſe bei uns überwinterten, wagte ich nicht zu ziehen; es liegt überhaupt nur in meiner Abſicht, die Mög⸗ lichkeit durch den ſelbſterlebten Fall zu beweiſen.
Ich hatte im Jahre 1857 in einem Artikel in der„Natur“ über den
Unter Verantwortlichkeit von A. Klaſing in Bielefeld, herausgegeben von Dr. Robert Koenig in Leipzig. Verlag der Daheim⸗Expedition von Velhagen* Klaſing in Bielefeld und Berlin.
Briefe und Sendungen ſind zu richten an die Redaction des Daheim in
Winterſchlaf der Thiere dies Factum mitgetheilt und erhielt kurze Zeit dar⸗ auf einen Brief von dem Dr. W. Sachſe, Geheimen Medicinalrath in Mecklenburg⸗Schwerin, der einen zweiten ähnlichen Fall mittheilt und deſſen Anfang hier wörtlich folgen möge:
„Der Aufſatz über den Winterſchlaf der Thiere, welchen Sie in der Zeitſchrift Natur, Nr. 30. 1857, pag. 238 mittheilten, hat mir Vergnügen gemacht und veranlaßt mich, noch am Ende meines 85. Jahres, nach lange geſchloſſener ſchriftſtelleriſcher Laufbahn, Ihre Beobachtungen in Rückſicht der Schwalben zu beſtätigen und dieſen Vögeln Willkür bei der Vereinigung zum Winterſchlafe zuzuſchreiben.“
„Es war im Winter 1789, als ich mit ſtets neuer Freude den natur⸗ hiſtoriſchen Vorleſungen des Profeſſor Roques de Momont beiwohnte, der Ihnen gewiß ſeines Buches über die Korallen wegen bekannt iſt. Sein Garten lag am Schloßgraben in Celle, welcher ausgemoddet wurde. Bei dieſer Gelegenheit brachten die Arbeiter unſerm vortrefflichen Lehrer einen halben Eimer voll feſt aneinander gekrallter, ſcheinbar todter Schwalben und er überzeugte uns, daß einige davon durch die Zimmerwärme wieder zum Leben erweckt wurden. Den Reſt ließ er wieder in jene Modde hin⸗ abſenken, nachdem er uns belehrt hatte, daß ſchon Plinius den Winter⸗ ſchlaf dieſer Thiere beobachtet habe.— Von den meiſten meiner Mitzuhörer weiß ich, daß ſie todt ſind, worunter ich als den eifrigſten Forſcher den nachherigen Proſector Bock in Hannover nenne, u. ſ. w.“
Der Schreiber des Briefes war mir vorher nicht bekannt geweſen. Nach der von mir ſelbſt gemachten Beobachtung habe ich die volle Wahrheit der in dem Briefe gemachten Mittheilung nicht einen Augenblick lang angezweifelt.
Dieſe Zeilen ſollen nicht dazu dienen, einen alten Streit wieder friſch anzufangen, ſondern ihn zu beenden.
Dr. Friedrich Friedrich.
Briefkaſten. An den„constant reader“ in London. 3 Auf Ihre Anfrage, wie auf die vielen gleichlautenden anderer Leſer des Daheim ſind wir von dem Herrn Verfaſſer autoriſirt, Folgendes mitzutheilen: Das Faktum der Novelle:„Tuvia Panti“ iſt richtig, die Ein⸗ kleidung und dichteriſche Ausbeutung gehören dem Verfaſſer.
Leipzig, Poſtſtr. Nr. 2
— Druck von Jiſcher* Wittig in Leipzig.
Wenn w damals, wie verfolgen und; lag, ja eigent vergeffen, daß ſellſſtändig ihn mußte, welcher Ein ſolcher Tr welcer ſich der dr Haideliſte! ündern und es den furchtbaren genauer davon un


