entfliehen ſie, um ihr altes Kriegsgewerbe wieder zu treiben, und kommen niemals zurück.
Dieſes Bild aus dem Leben der Schlachtjungfrauen unſerer alten Götterlehre, das uns durch Simrocks Ueberſetzung ſchon etwas vertrauter geworden war, hat ein ganz ungewöhnlich dazu berufener Dichter, Hermann Lingg, uns noch näher zu bringen geſucht, indem er es in eine hiſtoriſche Epiſode aus der Völkerwanderung hineinverwebte und zu einem dramatiſchen Gedichte ausgeſtaltete.
Es iſt hier nicht meine Aufgabe, Linggs„Walkyren“ kritiſch zu analyſiren und zu beleuchten; aber das möchte ich wohl behaupten, daß eine uns urfern liegende, großartige, ſagenhafte Erſcheinung darin zu einer anſchaulich lebensvollen wird, die uns mit treueſter Wahrheit entgegentritt. Geſchichte, Glauben, Charakter unſeres Volkes ſpiegelt ſich darin ab, wie in wenig anderen Dichtungen unſerer Zeit.
Unſer Volk war von alten Zeiten her ein kriegeriſches. Den Frauen lag es ob, die Begeiſterung dafür zu ſchüren und zu nähren; das war im höchſten Sinne das Amt der halbgöttlichen Jungfrauen, der Walkyren, die auch über Kampf und Sieg den Ausſchlag gaben. Sie ſingen:
„Wir ſchweben, wir wehen, Wir reiten zur Schlacht, Wir nahn ungeſehen
Dem Heer in der Nacht. In ehernen Brüſten
Die Looſe bereit,
Wo Männer ſich rüſten Zum blutigen Streit.
Wir pflücken die wallenden Blutroſen im Feld,
Wir grüßen den Fallenden Mit: Heil Dir, o Held!“
Sie waren die Botinnen Odins, des höchſten Gottes der Ger⸗ manen; und wie die Engel die im Glauben Entſchlafenen in die ewige Heimat tragen, ſo führten ſie die in der Schlacht Gefallenen zu ihm in ſeine himmliſche Wohnung. Ihr Amt war ein dunkles, grauſes— ſelten öffnete ſich ihr Herz in Liebe einem Sterblichen und ſtets war der Ausgang ſolchen Verhältniſſes ein tief tragiſcher. So geſteht Swanwithe dem ſie drängenden Hamal— und das iſt der Moment, den Carl Piloty, der Freund Linggs, in unſerm Bilde erfaßt und dargeſtellt hat:
„Ach, nur ein Erſcheinen, Von dem ich mich zu ſpät gewandt, Erweckte mehr in mir um Einen, Als je vorher mein Herz empfand. Ein Jüngling war's, dort an dem Strand Bei jenen Felsgeſteinen, Wo Eure Liſt uns überwand.
Dort, als der Hauch von ſeinen Lippen ſchwand, Die Wangen ſich entfärbten und erblaßten, Und ihm die Augen ſchloß des Todes Hand, Als ihn da meine Arme ſanft umfaßten,
Als ich ihn aufhob, das Gewicht
Des todten Haupts auf meine Schultern ſank, Und faſt noch Lebenswärme mein Geſicht Von ſeinen blutgen Locken trank,
Da war's, als ob in mir mich etwas frage: Warum mußt' ich dies ſchöne Licht
Mit Todesnacht umziehn? An jenem Tage Verflucht' ich die mir auferlegte Pflicht.“
So kann denn auch aus der Verbindung der Walkyren mit den Menſchen kein Heil erblühen. Selbſt Alvitur, die Wö⸗ lundur wirklich liebt, muß ihrem höheren Berufe die Liebe opfern. Mit den Worten:
„Ich breit' um Dich die Schwingen, ich führe Dich dahin,
Wo ſchon zum großen Wahlfeld die Heeresſcharen ziehn,
Von Oſt und Weſten dringen die Völker in die Schlacht,
Der Einen Joch wird brechen, der Andern Reich und Macht,
Hinan durch Nacht und Grauen, hinan zum Morgenroth,
Dir blüht der Siege ſchönſter, Dir winkt der Heldentod,“ entſchwebt ſie mit ihm und trägt ihn in den Streit, in dem er die Gothen zum Siege führt und ſtirbt.
Die Götter der heidniſchen Zeit ſind längſt vor der Wahr⸗ heit des Chriſtentums in ihr Nichts dahingeſchwunden, wie die Träume der Nacht vor den Strahlen der aufgehenden Sonne ver⸗ gehen. Die Walkyren aber waren, wie ein tiefſinniger Forſcher ſagt, „ein ideales Abbild von deutſchen Frauen alter Zeit; die Begeiſterung zum Kriege war ihr edles Amt, ſie erhöheten den Muth zum Kampfe durch den Werth ihrer Perſonen, durch ihre Gegenwart, durch ihre begeiſternde Rede.“.
Auch die deutſchen Frauen chriſtlicher Zeit erhöhen die Kampfes⸗ freudigkeit in den Söhnen ihres Volkes, wenn dieſelben zur Be⸗ freiung des Vaterlandes ausziehen. Dann aber halten ſie ſich fern voni Kampfe, erflehen Sieg und Heil für die Streiter von dem Lenker der Schlachten in der Höhe und warten nachher liebevoll der Verwundeten und Sterbenden. Wie ihnen einſt der fromme Sänger zurief:
„Ihr könnt ja froh zu Gottes Altar treten!
Für Wunden gab Er zarte Sorgſamkeit,
Gab Euch in Euern herzlichen Gebeten
Den ſchönen, reinen Sieg der Frömmigkeit.“ So haben ſie es gethan in dem Befreiungskampfe gegen fränzöſiſche Uebermacht und gegen däniſche Willkür und werden es auch in Zu⸗ kunft thun.— Das iſt ihr hohes und edles Amt im Streite.
R. K.
Der Krieg der Verbrecherwelt gegen die Geſellſchaft.
(Schluß.)
Von zwei Arten des Diebſtahls wird das Publikum in ganz beſonders empfindlicher Weiſe gebrandſchatzt, zum Theil gerade des⸗ halb, weil es nicht genügend auf ſeiner Hut iſt; die eine iſt der Taſchen⸗, die andere der Ladendiebſtahl. In beiden hat die Verworfenheit des Gaunerthums es zu einer Meiſterſchaſt gebracht, die im einzelnen gekannt ſein will, damit ihre ganze Nichtswürdigkeit ermeſſen werde. Und wenn es vor allem tief beſchämend iſt, daß
ſolche Schurkerei auch in unſerm Volke,— nein, nicht in unſerm Volke, ſondern im Auswurfe deſſelben,— zur Virtuoſität aus⸗
gebildet iſt, ſo iſt auch das beſchämend, daß dieſer Virtuoſität nur zu oft der Triumph des Gelingens gegönnt wird. In der That iſt es kein ermuthigendes Zeugniß, das der Macht des Gaunerthums und der Ohnmacht der Polizeibehörde ausgeſtellt iſt, wenn auf Bahn⸗ höfen großer Städte, im Theater und an andern öffentlichen Orten das verhängnißvolle: den Eintretenden begrüßt. Aber im vollſten Maße berechtigt iſt ſolche Erinnerung nicht nur um der thatſächlichen Gefahr willen, vor welcher gewarnt wird, ſondern auch um der Verpflichtung zum Selbſtſchutz und zur Wachſamkeit willen, die jedem obliegt und die keinem von der Polizei, auf die wir gute Deutſche trotz unſerer Abneigung gegen Polizei uns doch am liebſten verlaſſen möchten, ab⸗
——
„Vor Taſchendieben wird gewarnt“.
genommen werden kann. Der Taſchendiebſtahl iſt darum ein ſo cultivirter Zweig der Diebspraxis, weil er ohne alle Mittel ausge⸗ übt werden kann. Kein Schränkeiſen, kein Schlüſſel, keine Säge, nur zwei Finger ſind nöthig, der Zeigefinger und der Mittelfinger der rechten Hand. Der Erfolg wird raſch gewonnen und iſt meiſtens lohnend, denn nicht nur um Uhren, Doſen und Börſen handelt es ſich, ſondern um Brieftaſchen, und dieſe enthalten nicht ſelten Capitalien. Dazu kommt, daß die Gelegenheiten, welche zur Ausübung dieſes Verbrechens die günſtigſten zu ſein pflegen, gleich⸗ zeitig auch die geeignetſten ſind, daſſelbe zu verhüllen und dem Diebe zur Flucht zu verhelfen,— nämlich das Zuſammenſtrömen von Menſchenmengen. Auf der Straße, auf öffentlichen Plätzen, auf Bahnhöfen u. ſ. w. iſt der Einzelne gar leicht unbeachtet; auch die zweideutigſte Perſönlichkeit hat da ihr Recht oder findet ihr unbe⸗ achtetes Plätzchen; vor allem werden Kinder nicht fehlen, wo Menſchen⸗ haufen ſich zuſammenfinden; vor ihnen iſt der Unbefangene am wenigſten auf ſeiner Hut, und leider ſind es gerade Kinder, die auf dies Verbrechen eingeſchult werden(bisweilen von ihren Eltern!—) und die ihre Verbrecherlaufbahn nicht ſelten ſchon im ſiebenten oder
achten Lebensjahre, mit dem Taſchendiebſtahle beginnen.
Welch eine Zukunft folgt ſolchen Anfängen!— Der erwachſene
Gaune 1 ffentl 1 NMihe unterſe als eir rangite daher geſelſche venn 1 nicht un Ehrloſtat die Audar 1 Watürgeſch folgen Be ereſſanten zur Wachſa Vor d ſtinde in d zumal wenn innere Bruſ geknöpft iſt; laffend, ſo deſte Hinder und Brieftaf gut wie ung zübringen, di Taſchendiebe fommen und und Vergnüͤgt der großſtädti leict davon g ſen den Ta ein jeder— märkte und Taſchendiebe. ſicherem Verſe Lufbewahrun die vielleicht, ſeſtigt um den derſchloſſener keinen gewöhr Le. V rübergehn ringſte Beri deuaan Ein d d n Taſchend Schoos und 1


