Jahrgang 
1865
Seite
470
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In Klein-Trianon. Von Georg Hiltl.

Eines Abends(es war im Frühjahre 1774) war die junge Königin Maria Antoinette von Frankreich recht verſtimmt. Am Morgen hatte der König ihr einen Lieblingswunſch abgeſchlagen. Sie wollte ihrem alten Freunde Choiſeul das Portefeuille des Miniſte⸗ riums, mit Beſeitigung Maurepas, zuwenden. Der König Ludwig hatte es verweigert. Er war ſo gutmüthig, ſo ehrlich, ſo treu aber er war ſo ungalant. Die Königin liebte ſo ſehr Blumen, reizende Nippesſachen und geſchmackvolle Möbel; der König arbeitete ſo gern am Schraubſtocke oder Amboß. Maria Antoinette freute ſich über eine feine, prächtig blitzende oder ſanft ſchimmernde Stickerei, Ludwig lachte aus vollem Herzen über ein ihm gelungenes Vorlegeſchloß.

Daß er aber dem alten Choiſeul ein Portefeuille verweigerte, das fand die Königin doch zu arg. Sie ſchmollte. An jenem Abend trat der König in das Spielzimmer des Tuilerienpalaſtes. Er ging auf die ſtille Gattin zu und faßte ihre Hand, ſah ihr gutmüthig lächelnd ins Auge und räusperte ſich. Darüber mußte die Königin lächeln, ſie merkte, daß ihr Gatte einen Anlauf zur Galanterie nehmen wollte.Nun? fragte ſie,Sire, was iſt Ihnen? Der König ward ein wenig verlegen.Sie ſind böſe auf mich, ſagte er,weil ich Ihnen nicht ein Miniſterportefeuille geſchenkt habe Pſt läugnen Sie es nicht. Ich weiß es. Sie lieben die Blu⸗ men, nun ich habe ein Bouquet für Sie binden laſſen. Maria Antoinette ſah ſich betroffen und erſtaunt um. Der König lachte. Sie ſuchen es vergebens. Es iſt ein großes, dickes, mächtiges Bou⸗ quet aus vielen tauſend Blumen zuſammengeſetzt, aber es ſteht noch im Freien unter den Bäumen. Mit einem Worte, Madame: Klein⸗ Trianon gehört Ihnen. Ein Freudenlaut entfuhr den Lippen der Königin. War es das Geſchenk oder vielleicht noch mehr der Be⸗ weis von Zartheit und Liebe des Gatten, der die junge Fürſtin ſo hoch erfreute? Sie ſtrahlte von Glück. Der König voll Freude über ſeinen gutangebrachten Scherz und die offenbare Ueberraſchung ſeiner Gemahlin ſagte kein Wort weiter, ſondern ging ſchmunzelnd zur Thüre hinaus. Von dieſem Augenblicke an gehörte das Luſt⸗ ſchlößchen Klein⸗Trianon der Königin Maria Antoinette.

Klein⸗Trianon war ein Pavillon in jenem wunderlichen, halb römiſchen, halb zopfzeitartigen Style erbaut, den die letzten 70 Jahre in Frankreich eingebürgert hatten. Es lag an dem äußerſten Ende des Parkes von Groß⸗Trianon. Das Miniaturpalais beſtand aus einem Häuschen, viereckig, jede Seite nur 23 Metres lang; ein Erdgeſchoß, darüber zwei kleine Etagen, welche zwiſchen Säulchen und Pilaſtern corinthiſcher Ordnung emporſtiegen, eine Terraſſe nach Art der italieniſchen Veranden das war der kleine heimliche Sitz, das ſtille Fleckchen Erde bei dem großen, geräuſchvollen Verſailles:

Klein⸗Trianon genannt.

Wenige Jahre vorher hatte man das kleine anmuthige Haus mit einem reizenden botaniſchen Garten umgeben. Ludwig XV ließ ihn anlegen und wer ſich an den einſamen Ort heranſchleichen konnte, der ſah zuweilen des Morgens eine ſonderbare, prächtig ge⸗ kleidete Figur, mit abgelebten Zügen, einen hinfälligen, ſchwanken Greis langſam durch die Mandel⸗ und Alazienhecken ſchleichen, gefolgt von einem Hofherrn. Dieſer elende alte Mann war König Lud⸗ wig XV. Er ſchöpfte hier ein wenig Kraft nach den aufregenden und entnervenden Vergnügungen der durchſchwelgten Nacht. Klein⸗Tria⸗ non lag verſteckt niemand gewahrte den hinfälligen Mann, das war ihm willkommen.

Wer heutzutage durch die Alleen und Gänge, durch das Erdge⸗ ſchoß von Klein⸗Trianon ſchreitet, der weile einen Augenblick in ſtillen, ernſten Gedanken! es iſt ein Platz, auf dem eines der unglück⸗ lichſten Erdenkinder mit der Krone auf dem Haupte die ſchönſten Stunden ſeines Lebens zugebracht hat. Klein⸗Trianon war der Ort, wo Maria Antoinette aufathmete frei von der Laſt der Etikette frei von Sorgen von Kränkungen, bis ſie in die Ge⸗ webe der Politik und der Ränke verflochten ward, in deren Fäden ſie erſtickte.

Schnell entſtanden auf Befehl der Königin eine Menge der ſchönſten Anlagen. Der Herzog von Caraman hat dieſe Arbeiten

geleitet. Hier eine Brücke über den murmelnden Bach führend, dort ein kleines, offenes Belvedere zum Frühſtücksplatz beſtimmt, dann wieder eine ſchattige Baumgruppe, dann kleine Alleen, die ſich durch⸗ ſchneiden und in deren dunkeln Windungen verſtohlen, nur durch ihr Geſchwätz ſich verrathend, eine luſtige Quelle ſprudelt. Hinter dem kleinen Cypreſſenwäldchen auf dem Spiegel des Sees ein Inſelchen; nicht weit davon die Meierei der Königin, mit Krippen und Pflaſter von Marmor, mit polirten Thüren und blitzenden Fenſterſcheiben. So ſah das Aſyl aus, in welchem die Königin fern von den Augen boshafter Aufpaſſer und Krittler, im Schoße ihrer eignen Familie ſich bergen, leben, glücklich ſein wollte.

Ein ſchöner, duftiger, warmer Sommermorgen! Thautropfen an allen Blumen, Blättern, Gräſern. Durch die halbgeöffneten Jalou⸗ ſien des Schlößchens ſtreift die erquickende Morgenluft. Kein Laut unterbricht die Stille, nur das Summen der Bienen, das Zwitſchern der Vögel wird gehört, durch die dunkeln Schattengänge des in tiefer Ruhe liegenden Parkes ziehen noch leichte, weiße Nebelſtreifen, der See kräuſelt ſich in kleinen, ſilbernen Wellen, die der Hauch des Morgenwindes über die Fläche dahintreibt. Die Uhr in der Meierei, eine in Bronze gefaßte Uhr des Milchſtalles aus Marmor, ſchlägt die achte Stunde.

Eine Glocke ertönt aus dem Gemache der Königin, man hört es dem feinen Klange an, daß der Klöpfel gegen Silber ſchlägt. Die Garderobenfrau, Mademoiſelle Bertin tritt leiſe in das Zim⸗ mer der Königin. Aus den ſchwellenden Kiſſen erhebt ſich eine der ſchönſten Frauen ihrer Zeit noch ſcheint ſie auch eine der glück⸗ lichſten zu ſein. Während die Bertin der Königin beim Ankleiden behilflich iſt, überreicht die erſte Dame ihr ein Buch. Darin ſind 36 Kleider verzeichnet. Zwölf für die große Toilette, zwölf für die kleine, zwölf für das Haus. Die Königin bezeichnet durch den Stich mit einer Nadel, welche Toilette ſie heute anlegen will. Dann nimmt ſie ihre Chocolade, dann ſteigt ſie in ein erfriſchendes Bad und ruht nach demſelben, auf einem Divan hingeſtreckt, ein Buch in der Hand, wobei ſie die Beſuche der Aerzte empfängt, die ſich nach ihrem Befinden alle Morgen erkundigen müſſen.

Zu Mittag neue Toilette Empfang der Prinzen, der Hof⸗ herren und Hofdamen während der Toilette der Königin. Wenn die Friſur begann, öffneten ſich die Thüren für die Hofchargen und jeder ging grüßend an der Königin vorüber. Dann die Meſſe, dann ein Diner mit dem Könige allein dann wieder neue Toilette, wieder neuer Empfang.

So war das Leben von Verſailles. In Klein⸗Trianon aber nur für acht Tage ſtreifte ſie es ab, die heitre, lebensfrohe Fürſtin. Sie empfängt nicht mehr eine Legion langweiliger Beſuche, ſie hat niemand zu ihrer Bedienung als die Bertin, ſie wählt nicht lange in ihrem Kleidervorrathe umher, ein weißes, einfaches Gewand, ein breitgeränderter Strohhut, unter welchem ihr herrliches Haar üppig hervorquillt, das iſt ihre Toilette. Am Arme ihres Gatten oder einer Freundin durchſtreift ſie ihr kleines, blühendes Reich. Mögen die Tanten des Königs, die alten, böſen Töchter Ludwigs XV ihre Naſen rümpfen, mögen die über Verletzung des Ceremoniels empörten Ritter des Anſtandes Zeter ſchreien, was kümmert das die glückliche Marie Antoinette? ſie fliegt dahin über die Wieſen, leicht wie der Schmetter⸗ ling, den ihre ſchöne Begleiterin haſchen will. Dieſes herrliche Weſen, deſſen Seele ſich in den ſchönen Augen wiederſpiegelt, iſt die Prinzeſſin von Lamballe. Arm in Arm mit der Königin, jeden Zweig mit freudigen Blicken betrachtend, ganz eins mit der verehrten Königin. Ahnen ſie beide nicht, wie die Freundſchaft ihnen gegen⸗ ſeitig Verderben bereitet? hören ſie nicht das Ziſchen der Bosheit, die Blitze des Gerüchtes, welche aus dem großen Krater Paris her⸗ vorzucken, ein Zeichen des nahen Ausbruches; heute in Form fri⸗ voler, boshafter Lieder, morgen in Geſtalt beleidigender, bildlicher Darſtellungen, oder als ſchamloſe Klatſchereien erſt leiſer, dann immer lauter und lauter anſchwellend, bis ſie ſchmerzerregend das Herz des Königs treffen? Nein, ſie ahnen nichts. Sie ſind ja in dem glücklichen, ſtillen Klein-Trianon!.

Alle, die hieher kommen zur Geſellſchaft der Königin, ſind eins

nit dem Reiße die Grafen Ce ind deren uinan 1 7 liſabeth. dida welche luſtige darf niemand brechen. Nede forte oder ſpiel Antoinette ſtill Scweigen zu! den im Tanzſac ſpielſaal. Er dect die Polſte Ameretten ſtüt ſich der Olymp ſt das Wapp velches zwei J ſteller des The Tiianons die geht die König einer Feſtoper, gewaltige Stück Figaro, darſte Durch die führt, ſchreitet, Jahren, trägt,

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